Unvermögen

Das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg fing erstmal mit einem kleinen Schock an, da sowohl Clemens Fritz als auch Petri Pasanen ausfielen und so Wesley die Linksverteidiger-Position zuteil wurde. Vor der Abwehr spielten Frings und Bargfrede, im offensiven Mittelfeld Marin und Arnautovic. Pizarro gab die hängende Spitze, während Hugo Almeida ganz vorne drin stand. Klaus Allofs meinte nach dem Spiel in München, die Mannschaft müsse das Positive aus der Partie mitnehmen. Und in den ersten 30 Minuten schien die Mannschaft dies auch zu tun. Nach gerade einmal 5 Minuten traf Almeida zum 1:0 für die Grün-Weißen und auch danach setzte man die Clubberer weiter unter Druck. Die wirkten mitunter wie ein angeknockter Boxer, doch leider verpassten es die Bremer, den entscheidenden Schlag auszuteilen. Nach spätestens 30 Minuten fand Nürnberg besser ins Spiel und konnte sich aus dem Würgegriff der Bremer befreien. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang dem Team von Dieter Hecking dann der Lucky Punch. Ein Einwurf auf der linken Bremer Abwehrseite landet im Strafraum bei Julian Schieber, der Prödl mit einem Bauerntrick aussteigen lässt und Gündogan bedient.

In der zweiten Hälfte fällt das 1:2 wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff, als Silvestre auf links erst den Zweikampf kurz vor der Mittellinie nicht gewinnt und dann nicht schnell genug wieder zurück ist. Spätestens das 1:2 bricht der Mannschaft das Genick. Ab da geht nichts mehr zusammen. Schaaf nimmt Silvestre und Bargfrede runter und löst schon eine halbe Stunde vor Spielende die Viererkette auf und lässt eine Dreierkette antreten. Leider kann die Mannschaft keinerlei Druck aufbauen, der zu wirklich gefährlichen Szenen geführt hätte. Am Ende fängt sich das Team noch das 1:3. Das Erschreckende an der Szene war für mich, dass einzig Frings irgendwelche Anstalten gemacht hat, die drei Schüsse aufs Tor, die die Nürnberger brauchten, zu verhindern. Die anderen Spieler schauen sich das Treiben seelenruhig an. Das 2:3 durch Claudio Pizarro kommt zu spät.

Leider hat sich die Mannschaft (wie auch gegen München im Pokal) das Leben selbst schwer gemacht. Vorne wurden auch die besten Chancen nicht genutzt oder Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt und hinten sorgten individuelle Fehler für die beiden ersten Gegentore. Es lässt mich als Fan immer wieder gleichermaßen sprachlos und wütend zurück, wenn ich sehe, wie das Team sich alles mit dem Arsch wieder einreißt, was man sich aufgebaut hat. Vor allem finde ich es auch zweifelhaft, dass Pizarro nach dem Gladbach-Spiel irgendwas von Titel gefaselt hat. Er sollte langsam wissen, dass man lieber einfach mal die Kampfansagen dann bringt, wenn man diese auch vorher und nachher mit Leistung unterfüttern kann. Die Mannschaft hat kaum Zeit zur Erholung, denn am Dienstag steht das „Do or Die“-Spiel gegen Twente Enschede in der Champions League an. Mein Optimismus der letzten Tagen ist mit dem gestrigen Spiel wieder verflogen und die Frage lautet nun: „Quo vadis, Werder?“. Die Mannschaft zeigt ihre zwei Gesichter in immer kürzeren Abständen und lässt selbst über 90 Minuten jegliche Konstanz vermissen.

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