Lost for words

Das gestrige Spiel beim VfB Stuttgart war der bisherige Tiefpunkt in dieser Saison. Nach der bedingungslosen Kapitulation fällt es mir schwer, das Gesehene aufzuarbeiten. Zu niederschmetternd war einfach die Art und Weise, wie sich die Mannschaft auf dem Platz in ihr Schicksal gefügt hat. Nun ist allerorten Endzeitstimmung und die Rufe nach Konsequenzen werden immer lauter. Die ersten möchten gerne Schaafs Kopf und den von Allofs gleich dazu. Ich persönlich bin eher bei Tobias, der eine gute Replik auf die (ebenfalls gute) Argumentation von Johann geschrieben hat. Der Beitrag von Felix passt hier auch ganz gut. Doch letztlich werde ich hier auf ein diffuses Bauchgefühl zurückgeworfen, dass mich noch nicht den letzten Schritt gehen lässt. Schaaf hat bei mir sehr viel Kredit aufgrund seiner Leistungen in der Vergangenheit. Doch mittlerweile fällt es mir zusehends schwer, ihn zu verteidigen.

Das kickende Personal

Was gestern vor allem ins Auge stach, war die offensichtliche Lustlosigkeit in allen Bereichen. Da wird der Zweikampf verweigert, der lange Weg nicht gegangen, kurz ließ man es an allem vermissen, was man für ein erfolgreiches Spiel braucht. Während man nach den Spielen gegen Bayern, Nürnberg und Enschede auch mit der eigenen Chancenverwertung hapern konnte, konnte sich die Mannschaft vor dem gegnerischen Tor nicht ein einziges Mal gut in Szene setzen. Das Frings nach 19 getroffenen Elfern in Folge gestern an Stuttgarts Ullreich scheiterte, passte da nur ins Bild.

Dabei ist es ein ausgesprochenes Armutszeugnis für die Spieler, was sie da gestern abgeliefert haben. Trotz vieler Ausfälle, war das bestimmt keine 0:6-Trümmertruppe, die Schaaf da aufs Feld geschickt hat. Wer das Spiel gesehen hat, braucht nicht allzu viel Phantasie, um zu dem Schluß zu kommen, dass das Team nicht unbedingt für den Trainer gespielt hat. Einzig Wiese braucht sich keine Vorwürfe zu machen, war er doch noch der Beste in einem desolaten Team. Zu gerne würde ich wissen, was hinter verschlossenen Türen vorgeht: Hat Schaaf das Team verloren? Ist es den Spielern mittlerweile egal, was passiert, Hauptsache, ein neuer Trainer erlöst sie?

Die Führungsetage

Natürlich hat die sportliche Leitung eine ebenso große Verantwortung wie die Spieler auf dem Feld. Warum ist Schaaf nicht der Lage die Mannschaft zu einer defensiveren Spielweise zu bringen? Warum wird einfach weiter gespielt wie bisher? Warum werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht? Warum hat gestern bspw. ein Sandro Wagner gespielt, der bisher in allen Spielen den Beweis schuldig blieb, was in außer Einsatz für die Bundesliga qualifizieren könnte. Dass Arnautovic nach seinem verbalen Scharmützel mit Allofs nicht starten durfte, konnte ich ja noch nachvollziehen, aber hat Almeida der Frau von Schaaf an der Po gefasst oder warum musste er als treffsicherster Spieler der bisherigen Saison auf die Bank? Warum wird immer weiter rotiert und munter die Positionen gewechselt, obwohl die Mannschaft eigentlich dringend Sicherheit und ein irgendwie geartetes Korsett braucht? Alles Fragen, auf die ich im Moment keine plausible Antwort habe.

Auch Allofs kann an dieser Stelle nicht ausgespart werden. Dabei will ich erstmal festhalten, dass ich nichts von diesen albernen Milchmädchenrechnungen halte, die gerade jetzt Hochkonjunktur haben. Da werden Erlöse aus Spielertransfers und zusätzliche Europapokaleinnahmen durch die vielfachen CL-Teilnahmen addiert und den Ausgaben für neue Spieler gegenüber gestellt. Bleibt, nach Adam Riese, ein Überschuß von XX Fantastilliarden Euro. Und das hat sich Allofs wahrscheinlich selbst aufs Konto gepackt. Die Finanzierung des Stadionumbaus, die hier seit Jahren praktizierte Politik, ein Gehaltsgefüge einzuhalten und einen Kader zu unterhalten, der bei Nichterreichen der europäsichen Wettbewerbe sofort für ein fettes Minus sorgt, ist auf einmal egal. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hätte man ja mal kaufen können. Diego, Huntelaar, Ruiz, Barrios, die Liste ist lang. Bei allen hat Allofs gepennt. Ist ja egal, dass man für alle Wunschspieler der Fans einen 100-Mann-Kader bräuchte.

Wo der Klausi gepennt hat, ist vor allem in der Defensive. Die Linksverteidiger-Position liegt seit ewigen Zeiten brach und in letzter Zeit reiht sich Verlegenheitslösung an Verlegenheitslösung. Oder hat jemand geglaubt, dass Silvestre sich hier auf einmal als der Heiland entpuppt? Warum sind wir vorne so abhängig von Pizarro? Ja, er ist ein Spitzenspieler, aber ohne ihn ist immer ein Bruch zu erkennen, wenn es vor das gegnerische Tor geht. Zudem habe ich im Moment manchmal das Gefühl, dass wir zuviele Spieler haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Im Basketball nennt man sowas „Tweener“, also Spieler, die auf mindestens zwei Positionen irgendwie zu Hause sind. Marin, Hunt, Arnautovic, Wesley, Jensen, Borowski, Silvestre rotieren mal mehr, mal weniger von A nach B. Beißt sich da die Flexibiltäts-Katze vielleicht in den eigenen Schwanz?

Und nun?

Das ist bei weitem keine vollständige Aufzählung, einfach nur mal das Rauslassen von Gedanken. Ich hoffe, dass Schaaf nochmal die Kurve bekommt, vielleicht haben die Kollegen vom worum-Blog ja recht und es bedarf nur ein paar kleiner Änderungen, um erstmal wieder zu einem mehr an Sicherheit zu finden. Aber momentan fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass dies geschehen wird, dafür war das Votum der kickenden Belegschaft gestern zu eindeutig. Im Moment harre ich der Dinge, die da kommen mögen.

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  1. Pingback: Meine Saison mit dem SVW | Tage voller Frust

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