Speechless

Kaum war das zarte Pflänzchen Hoffnung nach dem Spiel gegen Frankfurt ein wenig ergrünt, da stampft die Realität mit schweren Stiefeln alles platt. 0:4 gegen Schalke, die ebenfalls nicht auf der Sonnenseite der Tabelle wohnen. Doch Bremen erweist sich – wie schon beim Spiel gegen Stuttgart – als gern gesehener Aufbaugegner. Der Frust ist groß und guter Rat ist teuer. Der Chor derer, welche die Absetzung von Schaaf fordern und Allfos noch gleich dazu, wird stündlich größer. Dabei darf man bei aller berechtigten Kritik an den beiden auch nicht übersehen, dass weder die Einkaufspolitik noch die taktischen Vorgaben von der Bank etwas damit zu tun haben, dass sich eine Mannschaft innerhalb von zwei Wochen so abschlachten lässt. Da müssen sich auch die Spieler mal deutlich an die eigene Nase fassen. Im worum hieß es, der Ruf nach Konsequenzen für die Spieler (Suspendierungen und Co.) wäre populistisches Gefasel. Stimmt, ist es wohl auch, aber ist der Ruf nach des Trainers Kopf weniger populistisch? Ist es so populistisch, von Profis zu erwarten, wenigstens den grundlegenden Dinge ihres Berufes nachzugehen? Ist eine Trainerentlassung nicht ein nettes Alibi für die Spieler? „Ich würde ja gerne besser spielen, aber ich mag den Mann an der Seitenlinie mit seiner brummigen Art nicht“.

„Der Discokönig“

Sicher, es ist naiv, das Lied von den hochbezahlten Profis zu singen, die keine Leistung bringen. Aber worin liegt die Kunst des „Trainer raus“-Kanons? Nehmen wir uns einmal drei Spieler von gestern raus. Fangen wir mit Aaron Hunt an. Ich habe lange zu Hunt gehalten und immer gehofft, er würde irgendwann den Schritt weiter nach vorne machen. Letzte Saison machte in dieser Hinsicht wieder ein bißchen Hoffnung und er zeigte einige ansprechende Spiele. Doch diese Spielzeit steht er vermehrt im Fokus und es scheint, er würde unter dem Druck zusammenfallen wie ein mißglücktes Soufflé. Gestern „glänzte“ er mit dem Zweikampfverhalten, für das sich eine Slalomstange schämen würde. Bezeichnend die Szene beim 0:2, wo er seelenruhig zuschaut, wie Raùl zum Abpraller sprintet und diesen reinschiebt. Hunt stand in dem Moment ja nur ein paar Meter dichter am Tor, was soll man da schon machen?

Der Strassenfußballer“

Marko Marin ist auch ein Spieler, der weit hinter seinen Erwartungen zurückbleibt. Ja, Schaaf hat am Anfang ein paar Spiele lang versucht, aus dem guten Dribbelkönig einen 10er zu machen. Vielleicht hat er zu lange probiert, Marko in eine Rolle zu drängen, die er offensichtlich nicht mag, aber mittlerweile spielt Marin entweder klassisch auf außen oder als zweiter Stürmer, der um einen zentralen Mittelstürmer wirbelt (was er letzte Saison häufig mit Pizarro praktizieren durfte). Zusammen mit Hunt sollte Marin wohl den Weggang von Özil einigermaßen kompensieren, doch leider macht Marko eher drei Schritte zurück als einen nach vorne. Er trifft oft genau die falsche Entscheidung: er passt, wenn er schießen könnte und umgekehrt. Zudem fällt es ihm schwer, Gegner im Dribbling zu bezwingen bzw. Gegner auf sich zu ziehen, um dann den Ball abzulegen. Mittlerweile wird ihm auch in der Nationalmannschaft der Rang von einigen Spielern abgelaufen, die in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht haben.

„Der Anker“

Zu guter Letzt kommen wir zu Per Mertesacker. Laut kicker immernoch DER Innenverteidiger der Liga und der Nationalmannschaft. Von einem Spieler mit seiner Erfahrung und seinem Standing würde ich mir wünschen, dass er der ruhende Pol der Mannschaft ist. Doch leider schafft auch Merte es nicht, zum einen die Abwehr einigermaßen zu ordnen und zum anderen fällt er selber durch eklatante Fehler auf. So legt er gestern Raùl das 0:3 mustergültig auf und schon in der ersten Hälfte stand er fünf Meter neben Huntelaar, als diesem eine Flanke genau serviert wurde. Ich würde meinen, dass man einem Merte nicht extra erklären muss, wie torgefährlich der olle Holländer ist.

Vorerst scheint es, als würde Schaaf weiter im Amt bleiben, so hat es zumindest heute Allofs verkündet. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird und ein Patentrezept für die jetzige Situation habe ich auch nicht parat. Vielleicht schmeißt Schaaf auch im Winter von selbst die Brocken hin, weil er sich das nicht mehr geben will. Ich würde es verstehen. Den eine Unterstützung von seiten der Mannschaft sieht einfach anders aus. Wichtig ist, dass man auch mal im Umfeld sich mit Ansagen mal zurückhält. Vor dem Spiel auf Schalke machte Allofs Aussage die Runde, man solle mal eine Serie starten und am besten 15 Punkte aus den verbleibenden 5 Spielen holen. Dabei sollte man doch gelernt haben, dass solche Aussagen immer wieder als Bumerang zurückkommen. Wie oft hatte man in den vergangenen Jahren verkündet, man wolle Platz X erreichen oder Meister werden? Und noch jedesmal quittierte die Mannschaft diese Sprüche mit konsequenter Nichtleistung. Jetzt heißt es, Klappe halten und Leistung bringen. Nicht mehr und nicht weniger.

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