Werder: 3 – Pauli: 0

Der vierfache Almeida

Das Spiel gegen die Kiezkicker endete endlich mal wieder mit einem Sieg und drei Punkten für die Grün-Weißen. Dabei brachte Almeida Werder schon in der ersten Minute auf die Siegerstraße. Der Portugiese legte in der 20. und der 63. sogar nochmal nach. Dabei zeigte er bei den beiden ersten Toren im 1 gegen 1 mit Paulis Keeper endlich mal die nötige Coolness, die mir oft bei ihm fehlt. Gerade das 2:0 war schon richtig gut von ihm gemacht. Nach einem Sprint von Strafraum zu Strafraum behält Hugo die Nerven und schlenzt den Ball cool ins lange Eck. Genau das hat mir bei Almeida immer gefehlt auf dem Weg zum Klassestürmer. Leider hat Almeida in der 80. Minute noch dafür gesorgt, dass wir die nächsten drei Bundesligaspiele auf ihn verzichten müssen. Auf Höhe der Mittellinie kam es zu einem Zweikampf mit Paulis Zambrano und da sich Hugo zu sehr provoziert fühlte, langte er noch mal hin. Das sich Zambrano das Gesicht hält, obwohl er im Nacken getroffen wurde, gehört wohl zu den normalen Dingen im modernen Fußball. Das ändert jedoch nix an der berechtigten roten Karte. Damit erweist Hugo der Mannschaft angesichts der angespannten Personallage einen Bärendienst vor den beiden Auswärtsspielen in Wolfsburg und Dortmund.

Nicht alles Gold, was glänzt

Das deutliche Ergebnis täuscht über einiges hinweg. Schon in der ersten Halbzeit hatte das Team es vor allem Tim Wiese zu verdanken, dass man mit einem 2:o und nicht mit einem 2:2 in die Pause ging. Immer wieder kam Pauli zu Chancen und auch die komfortable Führung brachte keine wirkliche Sicherheit ins Spiel der Bremer. Darüber hinaus war Pauli auch ein dankbarer Aufbaugegner: selbst spielerisch arg limitiert und immer wieder mit großen Lücken in der Abwehr, die es auch der zahnlosen Offensive der Bremer ermöglichte, sich Torchancen zu erarbeiten. Von Fortschritt zu sprechen wäre vermessen, zumal wir schonmal gedacht hatten, die Mannschaft hätte sich gefangen, bevor sie sich die nächste Packung abholte. Das nächste Spiel wird zeigen, ob es sich bei dem Sieg gegen die Hamburger um mehr als nur ein kurzes Strohfeuer handelt.

Die Causa Hunt

Kommen wir noch kurz zu Aaron Hunt. Am Sonntag schlug ihm spätestens bei der Auswechslung der Hass der eigenen Anhänger entgegen. Trotz einer 3:0-Führung und kurz vor Ende des Spiels wurde Hunt nach allen Regeln der Kunst ausgepfiffen, als er das Spielfeld verlässt. Und dafür fehlt mir ehrlich gesagt das Verständnis. Natürlich müssen sich Spieler Kritik gefallen lassen und Hunt habe ich bspw. nach dem Schalke-Spiel auch für seine körperlose Zweikampfführung kritisiert oder auch Silvestre an anderer Stelle. Und es ist auch richtig, dass Hunt nicht wirklich das zeigt, was wir alle von ihm erhofft haben. Doch diese Kritik sollte nach dem Spiel stattfinden und nicht währenddessen. Die Mannschaft befindet sich in einer schwierigen Situation und ich würde denken, dass die Fans das Team als Ganzes über 90 Minuten hinweg unterstützt. Aber dem ist nicht so. Und obwohl Teile der Fans Ihre eigenen Spieler verbal in der Luft zerreißen, ist man dann erstaunlich dünnhäutig, wenn man es wagt, die Fans selbst für ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen. Dabei fungiert Hunt meiner Meinung nach nur als Sündenbock, denn gegen Pauli war er nicht der Schlechteste auf dem Platz. Da Borowski nicht mehr so recht als Blitzableiter taugt, pickt man sich also den nächsten raus, den man dann auch völlig unabhängig von seiner wirklichen Leistung niedermacht. Dabei wird ihm gerne vorgeworfen, er würde „andauernd“ behaupten, Özil ersetzen zu können. Dabei kann ich solche Aussagen gar nicht finden. Dass die Vereinsführung vorgesehen hat, dass Hunt im Verbund mit anderen den Verlust von Mesut würde auffangen können, kann man ihm ja kaum zum Vorwurf machen. Vielleicht ist ja jemand mal so freundlich, mir eine entsprechende Quelle zu nennen.

4 comments

  1. borttronic

    Wohl gesprochen. Dass man Hunt auspfeift, finde ich eine bodenlose Frechheit, auch wenn auch ich zu den Hunt-kritischen Anhängern gehöre. Aber beim Spiel einen Spieler auspfeifen, geht nun mal nicht.
    Ich hätte nichts dagegen, wenn er in der Winterpause gemeinsam mit Borowski, Jensen und Wagner gehen würde

    1. Dezember 2010 bei 09:38 Antworten

  2. Stephen

    Ich bin auch kein großer Fan von Hunt oder auch von Silvestre. Bei Silvestre war es im Spiel gegen Nürnberg ja noch krasser, der ja in der 55. Minute (oder so) ausgewechselt und auch ausgepfiffen. Schön finde ich dann immer die Argumentation, dass sich das ja nicht gegen den Spieler richtet, sondern dagegen, dass der Trainer ihn aufstellt, der Manager ihn geholt hat oder seine Mama ihn gebar.

    1. Dezember 2010 bei 10:48 Antworten

  3. Tobias (Meine Saison)

    Hunt: „Ich kann Özil ersetzen!“ Quelle: Bildzeitung, irgendwann kurz nach (oder vor?) Özils Abgang. Allerdings mal wieder ein Zitat, das so nicht gefallen ist. Er hat im Interview gesagt, dass jeder Spieler ersetzbar ist, dass nicht ein Spieler alleine ihn ersetzt, sondern mehrere zusammen, mal er, mal Marin, etc. pp. Die Bild hat dann ihren Job gemacht und das Zitat zugespitzt. Alle sagen: blöde Bild, aber was nach ein paar Monaten hängengeblieben ist, ist eben dieser Satz. Der übliche Kram halt. Gerade nach dem Spiel war es wirklich eine Frechheit, ihn auszupfeifen, weil man ihm ja eben nicht (wie in einigen anderen Spielen in dieser Saison) vorwerfen kann, dass er sich nicht voll reingehängt hätte.

    Sehr auffällig übrigens, dass die Pfiffe nie aus der Ostkurve kommen und auf der Südtribüne meistens am lautesten sind. Ganz im Gegensatz zu Gesängen, Anfeuerung und Jubel.

    1. Dezember 2010 bei 18:39 Antworten

  4. Stephen

    @Tobias: Ah, okay. Ich hatte immer vermutet, dass hätte sich auf die Aussagen bezogen, die Hunt getätigt hatte, als Wiese Özil nachgetrauert hat. Da meinte Hunt sinngemäß auch, dass Özil nicht fehlt oder so. Naja, egal. Aber hast recht, das ist wieder etwas hängen geblieben, was so nie gesagt wurde. Allofs hatte ja auch nie 15 Punkte in den letzten fünf Spielen der Vorrunde gefordert, sondern nur gesagt, man müsse noch versuchen eine Serie zu starten und so viele Punkte als möglich einsammeln.

    Tja, da goutiert das Operettenpublikum wohl nicht die Darbietungen auf dem besuchten Event. 🙂

    1. Dezember 2010 bei 18:52 Antworten

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