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0:0 gegen Eintracht Frankfurt

Unter der Woche vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt konnte man so manches in Foren, bei Facebook oder auf Twitter lesen: eine Klatsche schien gegen Frankfurt nur allzu wahrscheinlich nach der entsetzlichen Darbietung gegen Stuttgart. Manch HSV-Fan in meiner Twitter-Timeline schwadronierte was von einem zweistelligen Ergebnis für die Frankfurter Adler (als ob der SV Stellingen nicht genug Probleme hätte). Kurzum, die Stimmung war schlecht und die Erwartungshaltung denkbar gering. Wie wir alle wissen, endete das Spiel mit einem 0:0, doch welche Erkenntnisse gewinnen wir aus dem Spiel?

Hinten dicht

Was mir am Spiel zunächst einmal gefallen hat, war das Auftreten der Mannschaft. Es war eine deutliche Steigerung gegenüber dem leb- und leidenschaftslosen Kick in Stuttgart. Die Mannschaft war besser eingestellt als zuletzt, vor allem defensiv. Die Spieler zeigten Einsatz und gingen auch mal einem verlorenen Ball hinterher. Besonders so jemand wie Marin gefiel mir da, weil er nach einem Ballverlust nicht mit sich, seinem Teamkollegen oder dem Schiri haderte, sondern den ballführenden Spieler des Gegners verfolgte. Defensiv stand die Mannschaft besser und war schneller am ballführenden Gegner. So konnte man vor allem das Flügelspiel der Frankfurter über weite Strecken kontrollieren. Auch die offensiven Spieler ließen sich bei gegnerischem Ballbesitz weit zurückfallen und machten die Räume für Frankfurt enger. Vor allem Silvestre machte ein gutes Spiel und nach all der Kritik (auch von mir) sei ihm das Lob auch gegönnt. Er machte Ochs das Leben schwer und ließ ihn kaum zur Entfaltung kommen. Immerhin prophezeiten nicht wenige Experten, dass er von Ochs auseinandergenommen werden würde. Sicherlich profitierte er davon, dass die Mitspieler ihn nicht andauernd im Stich ließen, aber ich fand es eine sehr ordentliche Partie von ihm.

Vorne hilft kein Gott

Natürlich war nicht alles im Lack am Samstag. So ließ sich die Abwehr manchmal zu einfach mit langen Bällen aushebeln, die meist tief aus der Hälfte der Frankfurter auf Gekas geschlagen wurden. Auch das Spiel nach vorne war über weite Strecken nicht dazu geeignet, sich zwingende Möglichkeiten zu erspielen. Schaaf spielte mit einem 4-2-2-2 (Taktikfüchse mögen mich berichtigen) mit Frings und Jensen vor der Abwehr, Hunt und Wesley auf den Außenbahnen sowie Wagner ganz vorne, wobei Marin eine hängende Spitze gab und immer um den langen Wagner rumschwirrte. Obwohl Werder das Spiel über weite Strecken kontrollieren konnte, waren wirklich gute Chancen Mangelware und die wenigen, die man bekam, konnten vor allem Wagner und Marin nicht nutzen. Mit zunehmender Spieldauer zeigte sich, dass die Mannschaft viel investiert hatte und in den letzen 15 Minuten war kaum noch ein geordneter Spielaufbau drin, weil die Kräfte deutlich nachliessen. Die Mannschaft muss die mangelnde Durchschlagskraft nach vorne langsam mal in den Griff bekommen. Die Chancen sind ja immer wieder da, aber leider werden sie momentan einfach nicht genutzt.

Das Ende vom Lied

In der Schlußphase des Spiels meinte der Sky-Kommentator, dass ein 0:0 gegen Frankfurt einfach nicht der Anspruch der Bremer sein könne. Was er dabei geflissentlich übersah: Bremen hatte vier Pflichtspiele in Folge verloren und sich zuletzt in Stuttgart beim 0:6 komplett blamiert. Frankfurt hingegen kam mit der Empfehlung aus sechs Spielen ohne Niederlage und einem vierten Tabellenplatz. Zumal Frankfurt auch gerade im Konter stark ist und taktisch von „Horny Mike“ Skibbe immer wieder hervorragend eingestellt wird. Das Spiel war kein Befreiungsschlag, worüber sich bspw. der Weser-Kurier mokiert, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung. Die Mannschaft zeigte Einstellung und Geschlossenheit, spielte zu null und ganz offensichtlich scheint Schaaf das Team noch zu erreichen. Doch es bleibt noch viel Arbeit übrig, vor allem im Spiel nach vorne. Hier müssen die Chancen auch mal genutzt werden, wenn man wieder zurück in die Erfolgsspur will. Vielleicht ist es besser, dass es „nur“ ein 0:0 war, denn ein Sieg hätte vielleicht wieder dazu geführt von einem Extrem ins andere zu stolpern. Nun heißt es, das Positive zu konservieren und weiter an den Baustellen zu arbeiten, um im Spiel gegen Schalke einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.

Lost for words

Das gestrige Spiel beim VfB Stuttgart war der bisherige Tiefpunkt in dieser Saison. Nach der bedingungslosen Kapitulation fällt es mir schwer, das Gesehene aufzuarbeiten. Zu niederschmetternd war einfach die Art und Weise, wie sich die Mannschaft auf dem Platz in ihr Schicksal gefügt hat. Nun ist allerorten Endzeitstimmung und die Rufe nach Konsequenzen werden immer lauter. Die ersten möchten gerne Schaafs Kopf und den von Allofs gleich dazu. Ich persönlich bin eher bei Tobias, der eine gute Replik auf die (ebenfalls gute) Argumentation von Johann geschrieben hat. Der Beitrag von Felix passt hier auch ganz gut. Doch letztlich werde ich hier auf ein diffuses Bauchgefühl zurückgeworfen, dass mich noch nicht den letzten Schritt gehen lässt. Schaaf hat bei mir sehr viel Kredit aufgrund seiner Leistungen in der Vergangenheit. Doch mittlerweile fällt es mir zusehends schwer, ihn zu verteidigen.

Das kickende Personal

Was gestern vor allem ins Auge stach, war die offensichtliche Lustlosigkeit in allen Bereichen. Da wird der Zweikampf verweigert, der lange Weg nicht gegangen, kurz ließ man es an allem vermissen, was man für ein erfolgreiches Spiel braucht. Während man nach den Spielen gegen Bayern, Nürnberg und Enschede auch mit der eigenen Chancenverwertung hapern konnte, konnte sich die Mannschaft vor dem gegnerischen Tor nicht ein einziges Mal gut in Szene setzen. Das Frings nach 19 getroffenen Elfern in Folge gestern an Stuttgarts Ullreich scheiterte, passte da nur ins Bild.

Dabei ist es ein ausgesprochenes Armutszeugnis für die Spieler, was sie da gestern abgeliefert haben. Trotz vieler Ausfälle, war das bestimmt keine 0:6-Trümmertruppe, die Schaaf da aufs Feld geschickt hat. Wer das Spiel gesehen hat, braucht nicht allzu viel Phantasie, um zu dem Schluß zu kommen, dass das Team nicht unbedingt für den Trainer gespielt hat. Einzig Wiese braucht sich keine Vorwürfe zu machen, war er doch noch der Beste in einem desolaten Team. Zu gerne würde ich wissen, was hinter verschlossenen Türen vorgeht: Hat Schaaf das Team verloren? Ist es den Spielern mittlerweile egal, was passiert, Hauptsache, ein neuer Trainer erlöst sie?

Die Führungsetage

Natürlich hat die sportliche Leitung eine ebenso große Verantwortung wie die Spieler auf dem Feld. Warum ist Schaaf nicht der Lage die Mannschaft zu einer defensiveren Spielweise zu bringen? Warum wird einfach weiter gespielt wie bisher? Warum werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht? Warum hat gestern bspw. ein Sandro Wagner gespielt, der bisher in allen Spielen den Beweis schuldig blieb, was in außer Einsatz für die Bundesliga qualifizieren könnte. Dass Arnautovic nach seinem verbalen Scharmützel mit Allofs nicht starten durfte, konnte ich ja noch nachvollziehen, aber hat Almeida der Frau von Schaaf an der Po gefasst oder warum musste er als treffsicherster Spieler der bisherigen Saison auf die Bank? Warum wird immer weiter rotiert und munter die Positionen gewechselt, obwohl die Mannschaft eigentlich dringend Sicherheit und ein irgendwie geartetes Korsett braucht? Alles Fragen, auf die ich im Moment keine plausible Antwort habe.

Auch Allofs kann an dieser Stelle nicht ausgespart werden. Dabei will ich erstmal festhalten, dass ich nichts von diesen albernen Milchmädchenrechnungen halte, die gerade jetzt Hochkonjunktur haben. Da werden Erlöse aus Spielertransfers und zusätzliche Europapokaleinnahmen durch die vielfachen CL-Teilnahmen addiert und den Ausgaben für neue Spieler gegenüber gestellt. Bleibt, nach Adam Riese, ein Überschuß von XX Fantastilliarden Euro. Und das hat sich Allofs wahrscheinlich selbst aufs Konto gepackt. Die Finanzierung des Stadionumbaus, die hier seit Jahren praktizierte Politik, ein Gehaltsgefüge einzuhalten und einen Kader zu unterhalten, der bei Nichterreichen der europäsichen Wettbewerbe sofort für ein fettes Minus sorgt, ist auf einmal egal. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hätte man ja mal kaufen können. Diego, Huntelaar, Ruiz, Barrios, die Liste ist lang. Bei allen hat Allofs gepennt. Ist ja egal, dass man für alle Wunschspieler der Fans einen 100-Mann-Kader bräuchte.

Wo der Klausi gepennt hat, ist vor allem in der Defensive. Die Linksverteidiger-Position liegt seit ewigen Zeiten brach und in letzter Zeit reiht sich Verlegenheitslösung an Verlegenheitslösung. Oder hat jemand geglaubt, dass Silvestre sich hier auf einmal als der Heiland entpuppt? Warum sind wir vorne so abhängig von Pizarro? Ja, er ist ein Spitzenspieler, aber ohne ihn ist immer ein Bruch zu erkennen, wenn es vor das gegnerische Tor geht. Zudem habe ich im Moment manchmal das Gefühl, dass wir zuviele Spieler haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Im Basketball nennt man sowas „Tweener“, also Spieler, die auf mindestens zwei Positionen irgendwie zu Hause sind. Marin, Hunt, Arnautovic, Wesley, Jensen, Borowski, Silvestre rotieren mal mehr, mal weniger von A nach B. Beißt sich da die Flexibiltäts-Katze vielleicht in den eigenen Schwanz?

Und nun?

Das ist bei weitem keine vollständige Aufzählung, einfach nur mal das Rauslassen von Gedanken. Ich hoffe, dass Schaaf nochmal die Kurve bekommt, vielleicht haben die Kollegen vom worum-Blog ja recht und es bedarf nur ein paar kleiner Änderungen, um erstmal wieder zu einem mehr an Sicherheit zu finden. Aber momentan fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass dies geschehen wird, dafür war das Votum der kickenden Belegschaft gestern zu eindeutig. Im Moment harre ich der Dinge, die da kommen mögen.