Monthly Archives: Januar 2011

Noch 18

Realität

Ich muss gestehen, dass ich es bis zuletzt nicht wahrhaben wollte. Obwohl Bremen tief unten in der Tabelle stand, war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis die Mannschaft sich fangen würde und wieder in ruhigere Tabellenregionen kommen würde. Nennt mich einen Schönredner oder Träumer! In der Winterpause hatte ich mit einem guten Start in die Rückrunde gerechnet, nachdem die Mannschaft Zeit hatte, sich zu erholen und im Trainingslager auf die kommenden Aufgaben eingeschworen wurde. Nun sind die ersten drei Spiele der Rückrunde absolviert und es bleibt nichts als Ernüchterung. Der Sieg gegen Hoffenheim machte Mut, doch im Rückblick waren die Hoffenheimer einfach zu schlecht. Anschließend gab es den wiederholten Offenbarungseid gegen Köln. Wenn Lukas Podolski gegen dein Team 2 Buden macht und aussieht wie ein Klassespieler, ist das schon ein Schlag in die Magengrube.

Am Samstag also ein 1:3 gegen die Münchener. Klar, die Bayern sind auf dem aufsteigenden Ast und haben ihren Super-Holländer wieder an Bord, mit dem die Bayern in der Hinrunde 10 – 100 Punkte mehr geholt hätten, wie KHR ja so schön sagte. Doch die Art und Weise, wie die Mannschaft nach dem 1:1 in sich zusammen fiel, muss einem schon zu denken geben. Bis dahin konnte man den Bayern noch Paroli bieten und das Spiel einigermaßen offen gestalten. Mertesacker macht den Goalgetter und bringt die Grün-Weißen in Führung. Doch schon beim Ausgleich wird die Flanke auf außen nicht verhindert und Silvestre kommt gegen Robben zu spät. Das 1:2 macht Merte selbst, nachdem sich in der Bremer Abwehr keiner in der Lage sieht, den Ball zu klären. Und beim 1:3 geht Frings in den entscheidenden Zweikampf und hofft darauf, dass Schiri Kinhöfer den Einsatz von Müller schon abpfeift, was er zurecht nicht tat. Am Ende kann man sich ein bißchen auf die Schulter klopfen, doch die Punkte und die Lorbeeren nehmen die anderen mit, die sogar die Zeit finden, sich auf dem Platz noch auf Glocke zu hauen.

Karten und Hände

Ich will hier auch gar nicht die Diskussion um den nicht gegebenen Handelfmeter von Luiz Gustavo anfangen. Meiner Meinung nach ist eine Fehlentscheidung von Kinhöfer und seinem Team gewesen, aber das hat das Spiel nicht entschieden. Da brauch man gar nicht von einer Verschwörung oder einer Bevorteilung der Bayern reden. Das Rot gegen Hamburgs Kacar oder der Elfer gegen Köln waren genauso lächerlich. Bei der roten Karte gegen Wiese bin ich von unserem Tim ziemlich enttäuscht. Ja, er ist frustriert. Ja, er ist oft die ärmste Sau auf dem Platz und wird immer wieder von seinen Vorderleuten im Stich gelassen, doch von einem vermeintlichen Führungsspieler erwarte ich gerade in so einer schwierigen Situation, dass er sich nicht zu so einem Quark hinreißen lässt. Vor allem nicht bei einem Stand von 1:3 und nur zwei oder drei Minuten zu spielen. Ein Glück ist Mielitz mehr als nur solide.

What now?

Nun also sind 20 Spieltage gespielt und Bremen steht mit 22 Punkten noch 3 Punkte vor einem Relegationsplatz. Die nächsten vier Spiele sind Mainz (A), Hannover (H), Hamburg (A) und Leverkusen (H). Nicht unbedingt Selbstläufer und daher stellt man sich gerade schon die Frage, woher die nötigen Impulse für das Team kommen sollen. Vielleicht können die verletzten Spieler ein bißchen Stabilität bringen, wenn sie wieder zurückkommen, doch da bin ich eher skeptisch. Namhafte Zugänge wird es wohl nicht mehr geben. Neben Avdic hat man letzte Woche das Talent Stevanovic aus der zweiten Mannschaft von Schalke 04 verpflichtet und ist wohl dabei, auch Samuel unter Vertrag zu nehmen. Doch bei diesen Spielern handelt es sich eher um langfristige Optionen. Keiner von Ihnen wird per sofort die Abwehr ordnen, das Offensivspiel beleben oder vorne die benötigten Tore machen.

Die sportliche Führung wirkte nach der Niederlage vom Samstag schwer angeschlagen und bei Schaaf frage ich mich, ob er nicht bald die Brocken hinwirft. Wieviele Krisensitzungen sollen noch kommen und wie oft tut er sich das an, dass das Team ihn immer wieder im Regen stehen lässt? Kann das Team überhaupt angemessen auf diese schwierige Situation reagieren, denn der Kader wurde ja nicht mit dem Abstiegskampf vor Augen zusammengestellt. Ziel war eigentlich der gepflegte Offensivkick der oberen Tabellenregionen und nicht der Kampf um jeden Grashalm, der im Keller der Tabelle bitter nötig ist.

Für die Probleme habe ich nicht DIE eine Lösung. Stattdessen führe ich für die Saison eine neue Zeitrechnung ein: Nur noch 18 Punkte bis zur magischen 40-Punkte-Grenze.  Das sind 1,29 Punkte pro Spiel. Das muss irgendwie zu schaffen sein. 18 FTW!

Fremdgänger

An diesem Wochenende war ich mit meiner besseren Hälfte bei Freunden in Herford. Daher konnte ich das Spiel gegen Hoffenheim nur in der Zusammenfassung der Sportschau am Abend bewundern. Für einen ausführlicheren Bericht kann man sich bei Tobias informieren. Ich teile seine Einschätzung, dass man nicht allzu viel in das Spiel interpretieren sollte. Es ist ein guter Start in die Rückrunde, es gab auch einige gute Ansätze, aber jetzt sollte man ganz klassisch von Spiel zu Spiel denken. Zu fragil scheint die Mannschaft, als das ein Spiel nun wirkliche Anhaltspunkte für einen Trend liefern könnte. Ich hoffe, dass die Mannschaft gegen den 1.FC Köln nachlegt, aber vielleicht regiert nach dem Gastauftritt bei den Geißböcken auch wieder die blanke Panik.

Scouting

In Herford habe ich die Gelegenheit genutzt, mal mögliche Gegner in Liga zwei zu scouten 😉 Am Sonntag sind wir spontan zum Spiel von Arminia Bielefeld gegen den FSV Frankfurt gefahren. Die spontane Idee führte leider dazu, dass wir eine Viertelstunde zu spät im Stadion waren. Noch kurz Karten für die Stehplätze geholt und rein in den Pulk.

Die Bielefelder stehen nach der Hinrunde komplett mit dem Rücken zur Wand. Vor dem Spiel hatte die Arminia gerade einmal 7 Punkte gesammelt und schon 11 Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Dementsprechend wurde in der Winterpause auch gehandelt und sechs neue Spieler verpflichtet. Der FSV steht in der Tabelle auf einem komfortablen achten Platz. Die Rollen vor dem Spiel waren somit klar verteilt: Bielefeld musste um jeden Preis drei Punkte holen, um die Aufholjagd zu starten, während Frankfurt relativ entspannt in das Auswärtsspiel gehen konnte.

Ewald Lienen stellte auf Seiten der Arminia fünf der sechs Neuzugänge auf und die Mannschaft war von Beginn sehr engagiert, während Frankfurt kompakt stand und auf Konter lauerte. Man kann den Bielefeldern nicht vorwerfen, sich nicht reingehängt zu haben, doch von Anfang an taten sie sich gegen kompakt stehende Frankfurter sehr schwer. Vor allem nach vorne wirkte die Mannschaft der Bielefelder äußerst zerfahren und konnte kaum Chancen herausspielen. Hier tat neben dem Druck auch die fehlende Eingespieltheit der Mannschaft ihr übriges.

Zur Halbzeit stand es noch 0:0 und während die Arminia mit viel Druck aus der Kabine kam, fing sich das Team einen Konter, der in einem Elfmeter für Frankfurt endete. Gjasula ließ sich das nicht nehmen und die Gäste führten 1:0. Die knapp 50 mitgereisten Frankfurter Fans waren in Partystimmung, während sich im Bielefelder Fanblock lähmendes Entsetzen breitmachte, welches sich schnell in trotzige Anfeuerungsrufe wandelte. Doch man merkte den Spielern der Arminia die zunehmende Verunsicherung an und so blieb das Aufbauspiel von Lienens Team zerfahren. Der Ball lief immer wieder hintenrum und mangels Anspielstationen mussten die Innenverteidiger immer wieder lange Bälle nach vorne schlagen. Frankfurt stellte die Räume in dieser Phase gut zu und die Bielefelder zeigten zu wenig Bewegung, um mal Lücken zu reißen.

Zum Glück für Bielefeld führte einer der langen Bälle doch noch zum 1:1, als Tadic einen schönen Seitfallzieher an die Latte zimmerte und di Gregorio abstauben konnte. Danach drängt Bielefeld auch auf das Siegtor und konnte ab der 83. Minute in Überzahl spielen, als Frankfurts Einwechselspieler Dahlén nach einem rustikalen Einsteigen wohl zu recht Rot gesehen. Doch die zahlenmäßige Überlegenheit konnte Bielfeld nicht mehr nutzen.

Nun steht Bielefeld kaum einen Deut besser da als vor dem Spiel. Auf Lienen kommt noch eine Menge Arbeit zu, um zum einen die neuen Spieler ins Spiel einzubinden und auch mehr Druck im Spiel nach vorne zu entwickeln. Hier stimmte wenig und eigentlich musste Frankfurt nicht viel zu tun, um die Bielefelder relativ bequem in Schach zu halten. Der Unmut der Fans entlud sich immer wieder an Markus Schuler, doch man muss ihn auch in Schutz nehmen. Mangels Anspielstationen im Mittelfeld musste der technisch limitierte Innenverteidiger immer wieder lange Bälle nach vorne holzen, die nur selten den richtigen Abnehmer fanden. Wenn die Arminen nicht bald die Kurve kriegen, gibt es in Bielefeld bald nur noch Drittliga-Fußball. Und wir treffen dann in Liga zwei nur auf einen der beiden.

Es ist viel passiert…

Hugo goes

Zum Fest der Liebe wurde die Beziehung zwischen Hugo Almeida und Werder Bremen geschieden. Angedeutet hatte sich der Abgang von Hugoal schon etwas länger, doch dann ging alles relativ schnell. Während in der Woche vor Weihnachten noch jeglicher Kontakt zu Besiktas von Hugo als Lüge abgetan wurde und er darauf insistierte, frühestens nach Weihnachten über seine Zukunft zu entscheiden, war der Deal dann doch vor dem Ende der Feiertage eingetütet.

Damit geht eine viereinhalb Jahre andauernde Ära zu Ende. Obwohl Hugo viele versprechende Ansätze eines wirklichen Klassestürmers hatte, konnte er sein Potential in Bremen nie ganz abrufen. Bezeichnend war irgendwie das Spiel gegen Pauli, wo er mit seinen drei Toren den Sieg klar machte und auf dem Weg zum Helden des Spiels war. Bis er dann seinen Gegenspieler Zambrano einen mitgab und die rote Karte sah. Auffällig war auch, dass Allofs und Schaaf nicht müde wurden, mehr Konstanz und Einsatz von Almeida einzufordern. Viele sahen darin völlig überzogene Kritik am portugiesischen Publikumsliebling, den die sportliche Führung wohl offensichtlich auf dem Kieker hatte. Ich denke, es müssen intern einige Dinge passiert sein, was sich auch an einem Interview mit Klaus Allofs ablesen lässt, welches kurz vor Weihnachten in der Kreiszeitung erschien. Es passiert in Bremen relativ selten, dass ein Spieler auf diese Art und Weise öffentlich abgewatscht wird.

Ich denke, dass es keinen Sinn gemacht hätte, Almeida unter diesen Umständen weiter zu halten, auch wenn sein Verlust sportlich sehr schmerzhaft ist. Obwohl ich Hugoal immer gemocht habe, hat er auch nie ganz die Erwartungen erfüllen können, die man in Bremen hatte. Und dass er „nur“ zu Besiktas wechselt und nicht in eine andere Top-Liga wie England, Spanien oder Italien, spricht da in meinen Augen auch Bände. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles gute.

Denni comes

Seit gestern ist der Transfer von Denni Avdic zum SVW offiziell. Der 22-jährige kommt vom schwedischen Erstligisten IF Elfsborg an die Weser. Dort wurde er mit 19 Toren und vier Vorlagen in der letzten Saison zum besten Torjäger. Ich kann zum Spieler nix sagen was über die üblichen Youtube-Videos hinausgeht. Doch auch ohne eine einzige Minute von ihm gesehen zu haben, wird er in den Foren schon jetzt von manchen als Pfeife abgestempelt. Frei nach dem Motto: „In Schweden macht auch meine 90-jährige Großmutter 19 Buden in der Liga. Und die kann kaum was sehen, hört schlecht, hat Rheuma und ’nen Herzschrittmacher!“.

Ich würde sagen, wie warten mal ab und freuen uns darüber, dass Allofs zeitnah reagiert hat. Avdic kann man morgen im Testspiel gegen Trabzonspor wahrscheinlich das erste Mal in Action sehen. Sport1 zeigt das Spiel ab 19:30 Uhr, wer interessiert ist.  In diesem Sinne: Välkomna Denni!

Das Lazarett

Schlechte Nachrichten gibt es von einigen Langzeitverletzten. Fangen wir mit unserem größten Sorgenkind an: bei Naldo wird es immer wahrscheinlicher, dass er diese Saison nicht wieder für die Grün-Weißen kicken wird. Das Knochen-Ödem, was ihn schon seit dem Sommer behindert, macht wohl einen operativen Eingriff unumgänglich. Ich hoffe, dass die Gerüchte um eine mögliche Sportinvalidität sich nicht bewahrheiten und er bald wieder gesund wird.

Wesley fällt auch länger aus als gedacht, da sich der Heilungsprozess seiner Sehnenverletzung im Oberschenkel in die Länge zieht. Auch Sebastian Boenisch wird noch ein bißchen auf sich warten lassen. Beide sind nicht mit nach Belek ins Trainingslager gefahren.