Monthly Archives: Februar 2011

Ein Punkt für die Moral

Das 0:4 in Hamburg hatte bei allen, die es mit Werder Bremen halten, Spuren hinterlassen. Unter der Woche erhöhten zudem auch die Medien den Ausstoß an Artikeln mit dem Ziel, endlich die Entlassung von Thomas Schaaf herbei zu schreiben. Ganz vorne dabei vor allem die Zeitung mit den vier Buchstaben, die sich dann auch nicht zu blöde war, einen Sketch von Harald Schmidt zur Unterstreichung der eigenen Forderungen heranzuziehen. In diesem Sketch hatte Schmidt den lybischen (Noch-) Staatschef Gaddafi mit Thomas Schaaf verglichen. Auch die sonst eher moderaten Lokalmedien “Syker Kreiszeitung” und der “Weser-Kurier” werden in ihrer Tonalität immer schriller. Ich finde es in solchen Situationen immer schade, dass alle Medien immer dem gleichen Skript folgen und ab einem bestimmten Punkt nur noch wie die Marktschreier die eine Parole rausbrüllen. Andere Standpunkte und Sichtweisen sucht man in der Regel vergeblich.

The Game

Doch es soll hier nicht um wohlfeile Medienschelte gehen, sondern um das gestrige Match zwischen Werder und Bayer 04 Leverkusen. Abstiegskandidat vs. Top-Team oder auch 16. (zum Zeitpunkt des Anpfiffs) gegen den Tabellenzweiten. Das 2:2 ist ein deutlicher Sieg für die Moral der Mannschaft, die über weite Strecken nicht zu überzeugen wusste, aber sich zumindest nicht völlig hängen ließ und einfach in ihr Schicksal ergab. Ja, natürlich hat Leverkusen nach dem 0:2 auch gepflegt aufgehört, weiter zu spielen und ja, wenn Kießling nicht erst das 1:2 per Eigentor erzielt und wenig später noch die Riesenchance zum 1:3 vergibt, dann wäre alles anders gekommen. Aber “hätte, hätte, Fahrradkette…” zählt nun einmal nicht und so war es am Ende Prödl, der per Kopf das 2:2 erzielte und das Weserstadion zum Wackeln brachte.

The Good

Nun gilt es, auch mal das Positive aus dem Spiel mitzunehmen und beim nächsten Spiel die guten Ansätze aufzugreifen und darauf aufzubauen. Sonst bleibt das Spiel wieder ein Muster ohne Wert. Vor allem vor den bald kommenden Spielen gegen die anderen Kellerkinder müssen erste Erfolgserlebnisse her und damit meine ich drei Punkte. Ich hoffe auch, dass dieses Spiel nicht wieder als “Wende” ausgerufen wird, wie es unser peruanische Andengott nach dem ebenfalls glücklichen 1:1 in Mainz tat. Eine wirklich positive Geschichte aus dem gestrigen Spiel war der Auftritt vom Newcomer Florian Trinks, der eine richtig gute Leistung bot. Es war nicht alles perfekt, aber er hat sich was getraut, auch mal den Risikopass probiert und die Flanke vor dem 1:2 geschlagen. Man sollte jetzt nicht alle Hoffnung in den 18-jährigen setzen, aber er bietet sich an und überzeugt durch sein frisches Auftreten. Auch Borowski fand ich bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung gut, auch wenn er die eine Großchance gerne mal versenken darf.

The Bad

Zwei, drei Dinge fand ich gestern am Rande des Spielgeschehens weniger prall. Zum einen die wiederholten Pfiffe gegen Aaron Hunt. Ja, er spielt eine miese Saison, aber da ist er wahrlich nicht der Einzige. Ich fand ihn gestern gar nicht so schlecht, schließlich hat er das 2:2 aufgelegt und auch die eine Großchance von Wagner, als dieser per Kopf an Adler scheiterte. Der Theorie, dass die Pfiffe gegen ihn schon dafür sorgen, dass die sportliche Führung endlich einsieht, dass er eine Null ist, kann ich mal so gar nichts abgewinnen. Dann dieses Gejammer über Wagners Einsatz gestern. Natürlich hat er bisher nicht überzeugt. Aber wen will man denn sonst aufstellen? Die anderen bringen doch keinen Deut mehr Leistung und saßen ja auch auf der Bank (Marin, Arno). Und auch wenn aus ihm kein Top-Stürmer mehr wird, hat er gestern eine ordentliche Leistung in meinen Augen gebracht. Er hat sich reingehängt, eine dicke Chance und war kein Totalausfall, den einige gesehen haben wollen. Aber gut, vielleicht bin ich da auch auf dem Holzweg. Die letzte Sache war der Umstand, dass während des Spiels immer wieder auf Twitter/Facebook zu lesen war, dass die Mannschaft spielerisch nix auf die Kette bekommt. Natürlich stimmte das über weite Strecken, aber letztlich ist dieses Team im Abstiegskampf, es geht hier ums nackte Überleben in der ersten Liga. Da finde ich es erstmal wichtiger, diesen Kampf auch anzunehmen und die eigene Verunsicherung in den Griff zu bekommen. Ich will auch lieber Kombinationen, Offensivwirbel und tolle Spielzüge sehen, aber die kommen nach den Leistungen der letzten Wochen nicht einfach so zurück. Hier wird man Schritt für Schritt machen müssen und darauf hoffen, dass der nächste Auftritt ein weiterer Schritt nach vorne ist und nicht wieder mehrere Schritte zurück. Noch 15 Punkte, um sicher drinzubleiben!

Das Prinzip Hoffnung

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.

So steht es in Blochs “Prinzip Hoffnung”, einem Werk über Utopien und der Macht ebendieser. Viel mehr ist den Fans in Grün-Weiß nach dem gestrigen Spiel nicht geblieben. Hoffnung auf Besserung, Hoffnung auf die baldige Genesung der Verletzten , Hoffnung auf ein baldiges Erwachen aus diesem schlimmen Alptraum. Was die Leistung gegen den HSV so unerträglich und doppelt schmerzhaft macht, ist der Umstand, dass der HSV nicht mal gut war. Bis zum 0:1 haben die Stellinger nicht viel brauchbares zuwege gebracht, aber das war auch gar nicht nötig. Denn wenn der Gegner nicht weiter weiß, bleiben da ja noch die Bremer Samariter, die noch jedem strauchelnden Gegner in dieser Saison wieder auf die Beine helfen.  0:6 in Stuttgart, 0:4 in Schalke und nun 0:4 in Hamburg: alle Spiele gegen zum jeweiligen Zeitpunkt angeknockte Gegner. Doch mit reichlich Gastgeschenken im Gepäck richtet man sie alle wieder auf. Am Samstag hatte Mertesacker seinen “Mutter Theresa”-Auftritt und war an den ersten drei Toren direkt beteiligt. Ironie des Spiels ist sicherlich die Tatsache, dass das 0:1 genau zu dem Zeitpunkt fällt, als Bremen das Spiel in den Griff bekam. Und das war beileibe nicht der erste schwere Aussetzer unseres Abwehrchefs.

Das Prinzip Hoffnung schien auch das Motto der sportlichen Führung im Winter gewesen zu sein. Drei bis vier Baustellen wurden in der Hinrunde offenkundig: die altbewährte Problematik auf der linken Abwehrseite, die fehlende Kreativität im offensiven Mittelfeld sowie spätestens nach dem Abgang von Hugo Almeida auch die dünne Personaldecke im Sturm. Und als vierte Baustelle kann man die Dauerverletzung von Naldo hinzuzählen und die Tatsache, dass hier nicht nachgebessert wurde. Man holte drei Spieler, die allesamt perspektivisch eine Verstärkung sein werden. Stattdessen hoffte man darauf, dass vorne Pizarros Knochen halten, Arno endlich die Ladehemmung ablegt und Sandro Wagner auf einmal zum unaufhaltbaren Sturmtank wird. Die nötige Kreativität würden Hunt und Marin schon noch beisteuern und irgendwann wird Wesley ja auch wieder aus dem Lazarett zurückkehren. Und hinten links würde Silvestre sich schon noch einleben und seine fehlende Schnelligkeit durch sein unglaubliches Stellungsspiel ausgleichen und vielleicht bringt die medizinische Abteilung ja auch Lahme wieder zum Gehen und Boenisch und Naldo kommen vorzeitig zurück.

Sehenden Auges hat man die bekannten Probleme in Kauf genommen und darauf gehofft, dass sich alles zum Guten wendet. Nach sechs Spielen in der Rückrunde hat man gerade einmal 5 Punkte geholt und sich dabei von Köln und Hamburg vorführen lassen. Die Probleme sind dieselben wie in der Hinrunde. Und nun fallen auch die Führungsspieler in sich zusammen wie ein falsch zubereitetes Soufflé. Hoffnung mag man kaum noch haben angesichts der Darbietung vom Samstag. Es bleibt nicht mehr als Ratlosigkeit. Nun hat man im Hinblick auf das kickende Personal keine Handlungsmöglichkeiten mehr und es wird zunehmend schwerer daran zu glauben, dass noch irgendwer diesem Team Leben einhauchen kann. Wenn selbst das Nordderby nicht mehr dazu führt, dass die Spieler 90 Minuten lang leidenschaftlich spielen und zumindest über diesen Zeitraum die Konzentration halten, dann weiß ich es auch nicht mehr. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Klatsche gegen HSV – es könnte echt passieren – 2. Liga

Was war das? Ich habe das Spiel zwischen Werder und dem HSV nicht live, sondern in der Sportschau gesehen. Aber das was ich gesehen habe, hat mich erschüttert. Werder spielte wir ein Absteiger. Insbesondere das Defensiv-Verhalten war unterirdisch. Und damit meine ich besonders Per Mertesacker. Der war an drei Gegentoren beteiligt. Im Interview sagte er: „Ich freue mich auf bessere Zeiten. Wir können Abstiegskampf“. Bessere Zeiten? Darauf können wir wohl lange warten, wenn die Mannschaft weiter so spielt. Und nach Abstiegskampf können, sieht es nun wirklich nicht aus. Schließlich ist nicht nur Mertesacker außer Form. Frings oder Marin gehen doch in jedem Spiel baden. Und der tolle Arnautovic stolziert lustlos über den Platz. Der Rest läuft brav mit. So könnte es echt passieren – 2. Liga!

Und dann ist da noch das Thema Allofs und Schaaf. Allofs sagte nach dem Spiel: „ Der Trainer steht nicht zur Disposition. Wir arbeiten auch in Zukunft mit ihm zusammen. Es gibt keinen Trainer, der aus dieser Mannschaft mehr rausholen kann.“ Naja, offensichtlich kann Thomas Schaaf aktuell nicht viel aus der Mannschaft rausholen. Ich bin nun wirklich kein Freund von schnellen Trainerentlassungen, nur weil es mal nicht so gut läuft. Aber bei Werder läuft nichts. Und da muss auch mal über einen neuen Trainer nachgedacht werden!

Zwischen zwei Derbys

Das erste von zwei direkt aufeinander folgenden Nordderbys endete am Sonntag mit einem wenig zufriedenstellenden 1:1 zwischen Werder Bremen und Hannover 96. Zwar gab es durchaus gute Ansätze im Spiel der Bremer, vor allem in den ersten 25 Minuten, doch letztlich war es nicht ausreichend, um Hannover zu schlagen. Nach dem angesprochenen guten Start in die Partie mussten die Grün-Weißen den Gegentreffer durch Ya Konan hinnehmen, als Silvestre gegen den Ivorer nicht in den Zweikampf kommt und sich leicht abschütteln lässt und Merte sich zu sehr darauf verlässt, dass Silvestre die Situation schon irgendwie lösen wird. Es war der klassische “Lucky Punch”, denn Hannover schoss hier zum ersten Mal aufs Tor und schon zappelte die Kugel im Netz. Das bis dahin durchaus ansehnliche Spiel nach vorne geriet ins Stocken und man merkte der Mannschaft nur allzu deutlich die neuerliche Verunsicherung an.

In der zweiten Halbzeit war es eine durchaus ausgeglichene Partie, doch erst nach dem Abpfiff kam nochmal richtig Stimmung auf, als Hannovers Schmiedebach Sekunden nach dem Abpfiff noch Marko Marin trat und sich die klassische Rudelbildung vollzog. Schmiedebach kassierte seine fünfte Gelbe und wurde von Coach Slomka dafür ordentlich angepöbelt. Den Bremern hilft der Punkt nicht so richtig weiter und an dieser Stelle traut man sich auch schon gar nicht mehr, das Positive zu betonen und darauf zu hoffen, dass man diese Dinge in den kommenden Spielen aufgreifen kann und weiter ausbaut. Zu oft folgte in dieser Saison eine herbe Enttäuschung, welche die zarte Hoffnung auf Besserung gleich wieder zunichte machte.

Am Samstag geht es also gegen den HSV im großen Nordderby. Nach der gestrigen 0:1-Pleite im Dorfderby gegen den FC St. Pauli ist wieder Trauerstimmung an der Arena in Stellingen. Ich hoffe, dass die HSVer sich den Schock bis Samstag erhalten und angeknockt gegen uns antreten, denn das kann uns nur entgegenkommen. D0ch in dieser Saison ist auch der HSV eine muntere Wundertüte. Gemessen am Potential des Kaders und den Ansprüchen in Verein und im Umfeld ist die Spielzeit alles andere als gut, auch wenn die Jungs von der Elbe bei weitem nicht so prekär dastehen wie Werder.

Was den Ausblick für das Wochenende auch nicht viel besser macht, ist die Tatsache, dass Pizarro am Samstag nicht wird auflaufen können, da es sich eine Zerrung im Spiel gegen Hannover zugezogen hat. Damit ist die Bremer Lebensversicherung mal wieder nicht zur Stelle, um den Karren im Zweifel aus dem Dreck ziehen zu können. Dafür ist Wesley wieder im Mannschaftstraining und wird mit nach Hamburg fahren. Also, machen wir es doch einfach wieder so wie Anno 2009.

Fire!

Beim Auswärtsspiel in Mainz sorgte nicht nur die Mannschaft auf dem Platz für einen weitgehend desolaten Auftritt in Grün-Weiß, sondern auch einige Fans machten eher auf die falsche Art auf sich aufmerksam. Es geht hier um den Einsatz von Pyrotechnik in Stadien. Dabei soll es nicht darum gehen, ob man mit entsprechenden Bengalos und Co. für mehr Atmosphäre im Stadion sorgen kann oder nicht. Darüber kann man sich durchaus streiten, denn für mich braucht man solche Effekte nicht für zusätzliche Stimmung. Aber da kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

Derzeit ist es jedoch ein Fakt, dass der Einsatz solcher Feuerwerkstechnik in deutschen Stadien verboten ist. Daran kann man derzeit nicht rütteln. Es gibt eine Initiative zur Legalisierung der Pyrotechnik, die sich für einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien einsetzt. Ich glaube, dass die Teile der Fans, die nun in Mainz oder anderswo trotz Verbotes auf Pyrotechnik solchen Vorstößen einen Bärendienst erweisen. Für die Ordnungskräfte und die Verbandsoberen bestätigt sich doch damit nur das Bild des unkontrollierbaren Fan-Mobs, der sich offensichtlich nicht an die Regeln halten kann/will. Dabei versuchen viele Faninitiativen dem negativen Bild der Fans entgegenzuwirken und sich gegen die Schikane von Polizei und Stadionordnern zu wehren und zudem mehr Freiräume für aktive Fans zu erwirken. Aber mit solchen Aktionen einzelner ist das vergebliche Liebesmüh.

Darüber hinaus nehmen die Fans auch willentlich eine Strafe für den eigenen Verein in Kauf. Das geht bei Geldstrafen los und kann im Zweifel dazu führen, dass die Werder-Fans evtl. bei Auswärtsspielen nicht ins Stadion dürfen. Vielleicht bin ich da auch zu doof zu verstehen, wie man durch solche Aktionen seinen eigenen Verein unterstützt und nicht nur sich selbst als unglaublich toller Haufen feiert. Der Verein sah sich nach den Ereignissen am letzten Samstag genötigt, einen offenen Brief zu veröffentlichen. Es bleibt der Zweifel, ob dieser etwas bewirkt.

Übrigens ist es immer wieder peinlich, wie sich gerade Fernsehkommentatoren in dieser Sache verhalten. Während bei Spielen in der Türkei oder Griechenland beim Anblick eines “brennenden” Stadions von der tollen südländischen Atmosphäre und dem dazugehörigen Temperament geschwärmt wird, sind sich die gleichen Kommentatoren auch kein Deut zu blöde, bei gleichem Verhalten deutscher Fans von den “Idioten” zu sprechen. Heuchelei in seiner reinsten Form.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass Pyrotechnik keineswegs harmlos ist, wie man vor ziemlich genau einem Jahr in Bochum sehen konnte. Dabei wurden acht Gästefans aus Nürnberg verletzt und der Vorfall führte zu einem Teilausschluss der Fans bei zwei folgenden Auswärtsspielen. In den falschen Händen kann das also durchaus gefährlich sein und ist kein Spielzeug. So ganz wohl ist mir bei dem Ruf nach Eigenverantwortung der Fans im Umgang mit Pyrotechnik – wie bei “Pyrotechnik legalisieren” gefordert – nicht. Wer garantiert denn, dass nicht doch Knallkörper mit ins Stadion nimmt, oder Bengalos in Menschenmengen geworfen werden. Aber dank solcher Vorfälle bleibt das wohl auch auf längere Sicht eine allenfalls hypothetische Diskussion.

War das die Wende?

Im Überschwang des in der Nachspielzeit erzielten 1:1 gegen Mainz 05 ließ sich Claudio Pizarro zu folgender Aussage hinreißen: “Ich glaube, das war die Wende.”. Betrachtet man das Spiel etwas distanzierter, so wird einem klar, dass die Mannschaft sich nicht aufgegeben hat und auch bis zuletzt gekämpft hat, was ja auch belohnt wurde. Doch eine Wende im Sinne eines Turnaround ist es wahrlich nicht gewesen. Am Ende hat man den Punkt auch vor allem der Abschlussschwäche der Mainzer zu verdanken, die einige gute Torgelegenheiten nicht nutzen konnten.

Die Grün-Weißen traten durchaus kämpferisch auf und versuchten, vor allem über Kampf und Defensive ins Spiel zu kommen. Doch schon beim Gegentor machten sich die alt bekannten Aussetzer bemerkbar, als Pasanen einfach mal stehen bleibt, um den durchbrechenden Schürrle noch irgendwie ins Abseits zu stellen, anstatt mit nach hinten zu rennen. Auch in einigen anderen Szenen konnten die Mainzer die verunsicherte Defensive in Bedrängnis bringen, doch mit vereinten Kräften konnte man weitere Gegentore verhindern. Rein von der Einstellung und dem Einsatz her will ich der Mannschaft keine Vorwürfe machen.

Im Spiel nach vorne ist das eine andere Sache. Gerade einmal drei gefährliche Szenen konnte die Mannschaft in 90 Minuten vorweisen: Marko Marins Dribbling gegen Christian Fuchs, als ein klarer Elfer nicht gegeben wurde; ein Schuss von Marko Marin nach mehr als 75 Minuten und das Tor von Claudio Pizarro. Dies ist angesichts des durchaus vorhandenen Talents in der Offensive deutlich zu wenig. Der Ball läuft nur stockend durch die eigenen Reihen und es gelingt der Mannschaft nicht, ausreichend Gefahr auszustrahlen. Ein Problem sind dabei vor allem die Standardsituationen. Gerade wenn es bei einer Mannschaft im Angriff nicht läuft, müssen auch mal einfache Tore aus Freistössen und Ecken her. Doch die Standards gestern waren nicht mal dazu geeignet, den Hauch von Gefahr heraufzubeschwören. Zu selten wird der eigene Mann gefunden oder der Ball mal scharf reingebracht, um Verwirrung im gegnerischen Strafraum zu stiften.

Das späte Tor und der damit verbundene Punkt ist vor allem aus moralischer Perspektive wichtig. Zum einen hat sich die Mannschaft nicht hängen lassen und am Ende selbst belohnt. Zum anderen wäre man bei einer Niederlage auf den Relegationsplatz gerutscht. Man hat jetzt auch nur einen Punkt Vorsprung auf Platz 16, aber auf den ersten Blick sieht Platz 13 freundlicher aus als Platz 16. Am nächsten Sonntag geht es gegen Hannover 96. Langsam wird ein Dreier zur Pflicht, da es nun unten immer voller wird. Zwischen Platz 12 (VfL Wolfsburg) und Platz 17 (VfB Stuttgart) liegen gerade einmal vier Punkte.