Monthly Archives: April 2011

Einerseits, andererseits…

Auch knapp 11 Stunden nach dem Abpfiff in der Frankfurter Commerzbank-Arena kann ich mich nicht entscheiden, wie ich die Ereignisse des gestrigen Abends bewerten soll.

Einerseits

Auf der einen Seite hat Bremen nun sechs Spiele lang keine Niederlage hinnehmen müssen und war gestern in Frankfurt zeitweise die bessere Mannschaft, ohne wirklich das Spiel zu kontrollieren. In einem hektischen Spiel (Frankfurts Maik Franz hätte schon nach knapp sechs Minuten die gelb-rote Karte sehen können) hatten die Grün-Weißen durch Wagner die erste wirklich dicke Chance des Spiels. Eigentlich macht Wagner nach einem langen Ball von Fritz (und dem Aussetzer von Franz) alles richtig, setzt den Ball aber nur an den Pfosten. Auf der anderen Seite hatte Gekas eine Riesenchance, die Wiese mit einem starken Reflex zunichte machte.

Den Treffer zum 1:0 aus Bremer Sicht erzielte Frankfurts Altintop nach einem hohen Ball in den Strafraum der Hessen. Bremen hatte auch noch einige Chancen, das zweite Tor zu machen, doch leider brachten sie das Runde dann nicht mehr ins Eckige. Damit kommen wir zum Man of the Match: Tim Wiese. Schon in der ersten Halbzeit konnte er eine Großchance von Gekas vereiteln, doch in der zweiten Halbzeit wurde Wiese zum Riese(n). Mit seinen unnachahmlichen Reflexen vereitelte er noch vier(?) Großchancen des griechischen Stürmers, der sicherlich heute nacht von Wiese geträumt haben dürfte.

Andererseits

Man hat leider wieder einen Big Point gegen einen direkten Konkurrenten verpasst. Ja, der Abstand bleibt gleich und auch die Konkurrenz muss erstmal punkten, aber wie schon gegen Stuttgart und Gladbach fährt man keinen Dreier ein. Diesmal war man zwar nicht derart spielbestimmend wie in den beiden genannten Partien, aber dennoch war hier mehr drin.

Bei allem Jubel über Wieses Glanztaten fand ich es gestern ein bißchen zu einfach, wie die Frankfurter vor das Tor der Bremer kamen. Vor allem Gekas wurde immer wieder mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte angespielt. Dabei verpassten es die Grün-Weißen zum einen Frankfurts Linksverteidiger Tzavellas unter Druck zu setzen und zum anderen kamen die Bälle oft genau zwischen Pasanen und Mertesacker runter, ohne dass sich einer der beiden um den griechischen Chancentod kümmerte. Auch beim Gegentor steht Fenin mitten im 16er ohne Begleitung durch einen Abwehrspieler.

Schiris und mehr

Nein, Florian Meyer hat das Spiel nicht völlig verpfiffen und es lag auch nicht an ihm, dass Bremen nur einen Punkt geholt hat. Doch da waren schon wieder einige Fehlentscheidungen dabei. Nachdem Franz schon nach wenigen Minuten gelb kassiert hatte, geht bei einem Zweikampf mit Avdic seine Hand deutlich in das Gesicht des Schweden. Hier kann man dann auch gelb-rot rauskramen. Ein klares Handspiel von Alex Meier im Strafraum wurde nicht geahndet, das Foul von Tzavellas an Marin ebenfalls nicht. Und zu guter letzt wird das Tor von Pasanen nicht gegeben, weil Wagner angeblich Frankfurts Keeper Fährmann im 5m-Raum behindert. Dabei steht Wagner einfach nur und in der Wiederholung sieht man, dass Fährmann den Arm ausfährt, um den Kontakt mit Wagner herzustellen.

Neben Wiese fand ich gestern übrigens Wagner richtig stark. Was so ein bißchen Selbstvertrauen ausmachen kann. Ballannahme und -verarbeitung wirken sicherer, er geht auch erfolgreich ins eins gegen eins und hatte auch einige gute Chancen. Klar, aus dem guten Sandro wird kein Messi mehr, der die Gegner reihenweise austanzt, aber das Vertrauen von Schaaf scheint sich auszuzahlen und in der Form ist er definitiv eine Verstärkung für die Mannschaft. Und auch Marin zeigte gestern eine aufsteigende Form. Nominell als 10er hinter den Spitzen versuchte er diesmal gar nicht als Spielmacher, sondern wich häufiger auf die Flügel aus, um hier mit seinen Dribblings durch die gegnerische Abwehr zu schneiden.

Ich hoffe, dass uns demnächst der Befreiungsschlag gelingt und wir endlich die benötigten Punkte holen, um uns an die Planungen für die nächste Saison zu machen. Noch 6 Punkte. Forza SVW!!!

Long time, no hear

Nach einer kleinen Schaffenspause melden wir uns wieder zurück. Es ist ja nicht so, dass in den letzten Wochen nichts passiert ist. Trainerrochaden links und rechts, darunter auch die Rückkehr von Rangnick und Magath zu ihren Ex-Geliebten. Christoph Daum ist auch wieder in der BuLi aktiv. Bei den Bayern machen Teile der Fans Stunk gegen Hoeneß, während auf St. Pauli ein paar Idioten das vorzeitige Ende der Partie gegen Schalke herbeigeführt haben. Das sind aber Themen, zu denen ich mich lieber nicht äußern möchte.

Das Publikum goutiert die Show nicht

Ich bin kein Fan der deutschen Nationalelf, aber ich finde es schon heftig, dass man mittlerweile gegen das eigene Publikum pfeift, während dieses sich souverän mit 4:0 gegen Kasachstan durchsetzt. Natürlich hat die sportliche Leitung des DFB sich keinen Gefallen getan, vor dem Spiel nicht nur einen Sieg, sondern auch ein spielerisches Feuerwerk anzukündigen. Schade, dass es allgemein nicht durchgedrungen zu sein scheint, dass man für ein 4:0 genauso drei Punkte bekommt wie für ein 10:0. Kann man der Mannschaft wirklich vorwerfen, nach einer komfortablen Führung einen Gang runterzuschalten? Hat man als Fan einen berechtigten Anspruch auf möglichst viel Spektakel? Man darf nicht vergessen: die Liga befindet sich in der entscheidenden Phase und kein Spieler will sich unnötig verletzen, weil er in der 89. Minute in einem längst entschiedenen Match mit aller Macht dem Ball nachgeht. Pizarro geht mit seinem Nationalteam aus Peru kicken und kommt verletzt wieder. Als die Nachricht die Runde machte, konnte man das kollektive Aufstöhnen der Werder-Gemeinde hören.

Werder im Aufwind

4 Spiele sind seit dem letzten Post hier im Blog absolviert worden. 8 Punkte hat Werder geholt und sich langsam aber sicher auf Platz 12 gerobbt. 5 Punkte Abstand sind es mittlerweile zu Platz 16 und der damit verbundenen Relegation. Dabei holte man bei den Spielen in Freiburg und Nürnberg sechs Punkte, die nicht zwingend eingeplant waren. Natürlich hat es die Mannschaft leider versäumt, in den Heimspielen gegen Gladbach und Stuttgart mehr als nur zwei Remis einzufahren. In den genannten vier Spielen trat die Mannschaft wesentlich positiver auf und war bspw. gegen Stuttgart am vergangenen Samstag eindeutig Chef im Ring. Leider wog der Ausfall von Pizarro zu schwer, da man auch beste Chancen nicht nutzen konnte und so die Möglichkeit verpasste, sich noch weiter von der Abstiegszone abzusetzen.

Es fällt auf, dass vor allem der Griff in die taktische Mottenkiste für mehr Stabilität gesorgt hat. Die eigentlich schon ausgemusterte Raute gab dem Team zuletzt die nötige Stabilität und Sicherheit, die über weite Strecken der Saison vollkommen gefehlt hat. Exemplarischer Spieler für den Aufschwung ist Tim Borowski. Nicht wenige hätten ihn am liebsten vom Hof gejagt, doch auf den Halbpositionen der Raute zeigt er wieder richtig starke Leistungen. Auch wenn der Abstiegsdrops noch lange nicht gelutscht ist, blicke ich doch optimistischer auf die restlichen sechs Spieltage. Zum einen haben wir es selbst in der Hand und mit Spielen in Frankfurt, Pauli, Lautern und zuhause gegen Wolfsburg haben wir auch noch vier direkte Konkurrenten vor der Brust. Zum anderen muntern einen die Leistungen der letzten Wochen wirklich auf. Klar, da ist noch lange nicht alles perfekt, aber die Mannschaft zeigt ein völlig anderes Gesicht als bspw. bei der Klatsche im Derby oder dem 0:6 in Stuttgart.

Freitag gegen Frankfurt macht die Mannschaft dann hoffentlich einen weiteren großen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Forza SVW!