Monthly Archives: Mai 2011

Außendarstellung

Die gerade abgeschlossene Saison war für alle Beteiligten äußerst schwierig und hat deutliche Spuren hinterlassen. Während Bremen jahrelang als idyllischer Hort der Ruhe und Unaufgeregtheit galt, hat dieses Image in dieser Saison einen ähnlichen Abwärtstrend erlebt wie die sportlichen Ergebnisse. Die Einbehaltung von 50% der monatlichen Gehälter im Oktober war da der unrühmliche Höhepunkt, zumal man den einbehaltenen Teil einen Monat später auszahlen musste. Auch jetzt ist die einstmals vorhandene Souveränität im Bereich Public Relations noch in weiter Ferne.

Erst die Eskalation der Causa Jensen, als man ihm einen letzten Auftritt im eigenen Stadion verwehrte und ihn dann sofort freistellte, als er es wagte, sich darüber öffentlich zu beklagen. Dann der allzu leise Abschied vom Lutscher. Ja, man hatte schon früh verkündet, dass alle Personalentscheidungen erst mit dem Erreichen des Klassenerhalts getroffen werden würden. Aber es ist trotzdem schade, dass man ihm nicht auch noch die Möglichkeit gegeben hat, sich zu verabschieden.

Den Vogel schießt die Vereinsführung aber im Falle von Petri Pasanen ab. Am 07.05., im Spiel gegen Borussia Dortmund wird der stille Finne vor heimischer Kulisse verabschiedet. Nun auf einmal sieht es so aus, als wolle man doch noch weiter auf Petri setzen. Damit macht man sich in meinen Augen lächerlich. Die Tatsache, dass Naldo, Boenisch und Prödl wohl nicht wieder zur Verfügung stehen werden, kann da nicht als Ausrede gelten, denn das stand auch schon vor zwei Wochen relativ fest. Ich verstehe auch nicht, was hier für ein Zeichen gesetzt werden soll. So sehr ich Pasanen mag und ihn aufgrund seiner ruhigen geschätzt habe, so wenig verstehe ich das Signal, was von diesem „Schachzug“ ausgehen soll. Ist Pasanen die „sichere“ Variante oder einfach nur der Notnagel. Oder steht schon Mitte Mai fest, dass man die angepeilten Transfers in der Defensive nicht wird tätigen können? Ich bin da etwas ratlos und auch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll.

In die ganze Situation passt auch die Tatsache, dass der Verein Pascal Testroet suspendiert hat, nachdem dieser seinen Unmut über seine Situation bei Werder über Facebook kundtat. Selten dämliche Aktion, da kann man eigentlich auch von einem 20-jährigen erwarten, dass er schlau genug ist, sowas nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Hoffentlich geht das jetzt nicht drei Monate so weiter, bis der Ball wieder rollt.

Alles hat ein Ende

Mit dem gestrigen (sportlich bedeutungslosen) Spiel auf dem Betzenberg zu Kaiserslautern wurde die Bundesliga-Saison abgeschlossen. Und die Erleichterung, diese Spielzeit einigermaßen überstanden zu haben, ist den meisten Bremer Fans deutlich anzumerken. Im August noch spielte man die Qualifikation zur Champions League und nur wenige Monate später steckte man im Abstiegskampf (unser Quali-Gegner Sampdoria Genua ist übrigens aus der Serie A abgestiegen).

Es gibt nicht nur den einen Grund für das schlechte Abschneiden in der Liga. In der Defensive waren es die Ausfälle von Naldo und Boenisch sowie die Tatsache, dass auch ein Mertesacker lange seine Form suchte. Im Mittelfeld war der defensive Part oftmals nicht in der Lage, die gegnerischen Angriffe zu unterbinden und nach vorne machte sich der Abgang von Özil sehr viel deutlicher bemerkbar als gedacht bzw. gehofft. Ganz vorne war Pizarro zu oft verletzt, Almeida wurde verkauft und Wagner zeigte erst spät, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann. Zudem schlugen die Neuverpflichtungen wenn überhaupt erst spät ein. Arnautovic kam nie richtig in Fahrt, Silvestre brauchte eine Halbserie, um sich einzuleben und Wesley ist stets bemüht, doch da ist auch noch massig Luft nach oben.

Auch abseits des Platzes verlor man viel von der Souveränität der vergangenen Jahre. Es sei nur an die Geschichte mit den halbierten Gehältern im Herbst erinnert, die allerorten für Hohn und Spott sorgte. Wie sehr die Saison an den Nerven der sportlichen Führung gezerrt haben muss, konnte man an dem Drama um Daniel Jensen beim letzten Heimspiel gegen Dortmund sehen. Jensen war nicht mal im Kader in seinem letzten Heimspiel für Werder, obwohl gerade einmal 15 Spieler im Kader standen. Der Spielverlauf hätte am Ende eine Einwechslung des Dänen hergegeben und damit verbunden einen würdigen Abschied. So aber wollte man nix riskieren im Spiel gegen Dortmund und nachdem Jensen sich über die Presse enttäuscht äußerte, wurde er mit sofortiger Wirkung freigestellt. Hier hätte man ruhig etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Nun also liegt die Saison hinter und eine lange Sommerpause vor uns. Die Baustellen im Team sind mehr als in den Jahren zuvor offenkundig geworden und angesichts fehlender Einnahmen aus dem europäischen Wettbewerb ist die Aufgabe, den Kader umzubauen und eine schlagkräftige Truppe aufzustellen. Der erste einigermaßen sichere Neuzugang scheint Ekici vom FC Bayern München zu werden, der letzte Saison in Nürnberg auf sich aufmerksam machen konnte. Man darf in den nächsten dreieinhalb Monaten gespannt sein, wer alles als Neuzugang und auch als Abgang bei den Grün-Weißen gehandelt werden wird. In diesem Sinne:

FORZA SVW!