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Denn sie wissen, was sie tun

Neben dem Fußball habe ich noch zwei weitere sportliche Leidenschaften: Handball und Basketball. Vor einigen Tagen ist in Litauen die Basketball-EM zu ende gegangen. Die deutsche Mannschaft musste hierbei leider in der Zwischenrunde die Segel streichen. Die beiden NBA-Stars Nowitzki und Kaman waren nicht genug, um gegen Teams wie die beiden Finalisten Spanien und Frankreich oder Gastgeber Litauen zu bestehen. Doch darum soll es hier gar nicht en detail gehen.

Eigentlich soll es hier um die beiden Kommentatoren der EM gehen. Das waren Frank Buschmann und Stephan Baeck und im Laufe des Turniers habe ich mir immer mehr gewünscht, dass man solch qualifizierte Kommentatoren auch im Fußball mal vors Mikro setzt. Frank Buschmann übernimmt in dem Duo den Part des emotional mitgehenden „Fans“, der gerade bei Spielen der Deutschen keinerlei Hehl daraus macht, wie sehr er mitfiebert und schon mal den einen oder anderen „WAHNSINNS-DREIER“ frenetisch bejubelt. Mit dieser Art macht er sich nicht nur Freunde und ich muss gestehen, dass er auch mir durchaus das eine oder andere Mal auf den Zeiger geht. Aber immerhin geht er mit und kann aber auch durchaus mit Fachwissen glänzen.

Stephan Baeck war mehr der Mann fürs Fachliche, der immer wieder das Spiel analysiert und seine Einschätzung zu Taktik und Spielzügen abgab. Als ehemaliger Nationalspieler und Bundesliga-Trainer machte er auch auf Feinheiten aufmerksam, die einem so vielleicht gar nicht aufgefallen sind oder hat Entscheidungen der Trainer aus seinen Augen erläutert. Und diese Kombination aus heißem Herzen und kühlem Verstand (um mal ein bisschen pathetische zu werden) war genau richtig. Vor allem ist Baeck auch mal in die Tiefe gegangen, nicht so wie manch Möchtegern-Experte beim Fußball, die immer nur die gleichen Standardphrasen wiederholen und sich im Zweifel stundenlang über das Thema „Braucht der moderne Fußball noch einen Leader auf dem Platz?“ auskotzen können. Jaja, ich weiß, Basketball ist ein Nischensport und wer das guckt, wird sicherlich auch ein bisschen Ahnung davon haben. Nicht so wie wahrscheinlich die Masse der Fußballgucker, die sich herzlich wenig für den Unterschied zwischen Ball- und Raumverteidigung interessieren. Man muss ja schon fast dankbar sein, wenn Klopp bei RTL den WM-Hampelmann gibt und wenigstens ein bißchen mehr zu erzählen hat als die Farbe der Schuhe.

Let the sun shine

13 Punkte nach nur 6 Spieltagen, ein Spitzenplatz in der Liga und so mancher reibt sich verwundert die Augen. Derzeit kann man sich als Bremen-Fan nun wirklich nicht beklagen, vor allem bei einem Blick auf die Position der Stellinger. Dabei bin ich gespannt, wie sich das Ganze weiter entwickeln wird, denn bisher meinte es der Spielplan wirklich gut mit uns. Was natürlich insofern postitiv ist, als die Mannschaft sich einspielen kann und auch die nötigen Erfolgserlebnisse sammelt, um sich das nötige Selbstvertrauen für die dicken Brocken zu holen. Doch woran liegt es, dass es diese Saison viel geschmeidiger läuft als noch in der letzten Spielzeit?

Transfers

In den letzten Jahren nahm in Bremen schon ordentlich Geld in die Hand, um es in Spieler wie Carlos Alberto, Marin, Arnautovic oder Wesley zu investieren. Diese Transferperiode saß das Geld nicht so locker. Das Team spielt nicht international und bis zum eigentlichen Beginn der Saison hatte man auch keine nennenswerten Summen durch Spielerverkäufe einnehmen können. Also, back to the roots für Allofs. Ekici vom FC Bayern war noch der teuerste Spieler. Dazu Spieler wie Schmitz, Wolf, Sokratis oder Ignjovski für einen relativ schmalen Taler. Nicht alle Transfers waren bei den Fans unumstritten und ich gestehe, dass ich bei Wolf immer noch mehr als skeptisch bin, aber alles in allem haben wir damit den Kader sowohl qualitativ als auch in der Breite verstärkt. Mit Schmitz und Ignjovski auf der LV-Position haben wir fast schon zwei solide Alternativen für die Dauerbaustelle der Defensive.

Spieler

Letzte Saison war der Abstiegskampf sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass viele weit unter ihrem Niveau spielten. Gerade im Mittelfeld, wo bspw. Bargfrede, Marin oder Hunt keine konstant guten Leistungen zeigten, machte sich dies bemerkbar, da zum einen das Offensivspiel meist gar nicht erst in Schwung kam und zum anderen die Abwehr meist auf sich alleine gestellt war. Ein weiteres Beispiel für die ansteigende Form ist Arnautovic, der endlich das bringt, was sich viele von ihm schon in der letzten Saison erwartet hatten. Selbst in der österreichischen Nationalmannschaft wurde er wieder begnadigt und war gegen die deutschen der einzig positiv auffällige Ösi. Das führt auch dazu, dass Schaaf bei den Kadernominierungen immer wieder die Qual der Wahl hat und es sich bisher auch mehrfach erlauben konnte, Wesley auf der Bank zu lassen.

Verletzungen

Diese Saison haben wir auch deutlich weniger Probleme mit Verletzungen bzw. der Kader ist in der Lage, diese aufzufangen. Letzte Saison war Pizarros Oberschenkel quasi die Problemzone des Vereins. Abhängig von seinen Toren, musste er oft schon gebracht werden, obwohl er noch nicht ganz auskuriert war, was eine neuerliche Verletzung nach sich zog. Er selbst hatte am vergangenen Wochenende im „Aktuellen Sportstudio“ selbst davon gesprochen, dass er selbst auch ein bisschen zu voreilig war im Bezug auf die Rückkehr.

Auch Naldo profitiert enorm von der besseren Personaldecke, so dass selbst nach dem Verkauf von Merte keine Eile bestand, den Publikumsliebling vorzeitig aufs Feld zu stellen. Stattdessen wird Naldo Schritt für Schritt wieder ans Team herangeführt und eventuell gibt er morgen gegen die Hertha aus Berlin dann sein Startelf-Debüt. In der Situation der letzten Saison wäre der Trainerstab eventuell versucht gewesen, Naldo wieder schneller auf den Platz zu bekommen.

System

Die letzte Saison war auch davon geprägt, dass Schaaf lange an der taktischen Grundausrichtung der Mannschaft rumdokterte. Eigentlich wollte man mit einem 4-2-3-1 in die Saison starten, doch als das partout nicht funktionieren wollte, war guter Rat teuer. Vielleicht doch die Raute? Oder was anderes? Leider konnte Schaaf der zunehmend verunsicherten Mannschaft keine stabilisierende Struktur verpassen. Diese Spielzeit greift Schaaf von Anfang an auf die Raute zurück und trotzt dem allgemeinen Trend zum Einheits 4-2-3-1. Dabei ist es aber keineswegs völlig starr, sondern die Spieler rochieren immer wieder miteinander und in den letzten Spielen waren mit Fritz und Bargfrede zwei eher defensive Spieler in der Raute, die bei gegnerischem Ballbesitz dann die Positionen vor der Abwehr einnehmen und von denen sich einer bei eigenem Ballbesitz auf eine der Halbpositionen schiebt. Marin spielt eine Art 10, wobei er sich dann häufig auf den Flügel fallen lässt und weniger den klassischen 10er gibt. Sowohl defensiv als auch offensiv ist wesentlich mehr Struktur im Spiel, was wiederum den Spielern mehr Sicherheit gibt.

Keiner der genannten Gründe steht für sich alleine, sondern sie greifen ineinander. Dennoch bilden sie die Grundlage für den bisherigen Höhenflug, den nach dem Pokalaus in Heidenheim wohl die wenigsten so erwartet haben.