Monthly Archives: Oktober 2011

In der Puppenkiste

Ich will nach dem gestrigen 1:1 erst mal mit dem – aus meiner Sicht – Positiven anfangen. Das mache ich an zwei Personen fest. Zum einen ist da Aleksandar Ignjovski, der gestern den zuletzt etwas formschwachen Bargfrede von Anfang an vertrat und seine Sache sehr gut machte. Es war jetzt keine Offenbarung, aber ein mehr als solides Spiel, in dem Ignjovski andeuten konnte, dass er durchaus eine Option für die 6er-Position ist. Auch im Spielaufbau gefiel mir der Junge sehr. Die zweite Person kann niemand anderes als Naldo sein. Was der da gestern – in seinem zweiten Spiel von Beginn an – abräumte, war schon phänomenal. Von gefühlt 100 gewonnen Kopfballduellen über die Grätsche im letzten Moment bis hin zum akrobatischen Klärungsversuch war alles dabei. Und bis auf ein paar wenige Wackler alles sehr souverän. Auch nach vorne bringt Naldo mehr frischen Wind aus der Innenverteidigung heraus. Wie ist eigentlich der Stand der Klontechnik…?

Doch leider gab es auch viele Dinge, die gestern nicht so recht klappten und dafür sorgen, dass das 1:1 gegen weitgehend harmlose und schwache Augsburger sich eher wie zwei verlorene Punkte anfühlt. Der entscheidende Punkt ist die mangelnde Chancenverwertung: Pizarro hätte noch eins machen müssen, Rosenberg hatte auch noch zwei Dinger auf dem Kopf bzw. Fuß und der gute Sandro drischt das Ding lieber in den Augsburger Himmel statt Hunt zu bedienen. Einen davon hätte man versenken müssen, dann hätte man in einem weniger brillianten Spiel immerhin einen Sieg eingefahren. Vor allem nach dem 1:1 durch Pizarro waren die Augsburger deutlich angezählt und sehnten nur noch den Abpfiff herbei.

Im Mittelfeld zeigte vor allem Marin eine erschreckend schwache Leistung. Ich kann mich an nicht eine einzige gute Aktion von ihm erinnern, man hätte auch glauben können, er steht gar nicht auf dem Feld, so unsichtbar war der kleine Marko zuweilen. Gestern legte er sich ein paar Mal den Ball am Gegner vorbei und brach das anschließende Laufduell dann beim ersten kleinen Körperkontakt wild gestikulierend ab. Dumm nur, dass Schiri Kircher nix pfiff und das in meinen Augen völlig zu Recht. Gerade mit solchen Aktionen versaut man sich den Ruf und die Bereitschaft des Schiris, bei wirklichen Fouls zu pfeifen,  sinkt in zunehmendem Maße. Natürlich fällt einem das umso mehr auf, wenn die Leistung dann auch noch so schlecht ist. Vielleicht braucht der Marko mal eine kleine Denkpause auf der Bank, denn Ekici war gestern nach seiner Einwechslung deutlich effektiver und schaufelte zudem die Ecken nicht einfach nur in die Arme von Augsburgs Keeper Jentzsch.

Hätte man eine der dicken Gelegenheiten noch genutzt, müssten wir auch nicht über Wolfs Fauxpas vor dem Augsburger Treffer sprechen, als er über den Ball säbelt und dem Drama den Weg bereitet. Ja, das Anspiel von Naldo war nicht optimal, aber irgendwas etwas Besseres hätte Wolf schon draus machen können. Ich bin sowieso nicht der größte Fan unseres Blondschopfs in der IV, da er zu oft zu solchen kapitalen Böcken neigt. Seine kompromisslose Art ist an sich mal was anderes und nicht völlig verkehrt, aber auch gestern verursachte er mindestens zwei unnötige Freistöße in Strafraumnähe. Ich plädiere generell dafür, Naldo und Sokratis in die IV zu stecken. Ich glaube, dass die beiden sich hervorragend ergänzen und Sokratis vor allem taktisch intelligenter ist als Prödl und Wolf. Und ich habe auch das Gefühl, dass Sokratis auf RV nach vorne seinen anfänglichen Schwung verloren hat. Und ein Ignjovski oder Wesley kann man auch mal auf rechts stellen. Es wäre einen Versuch wert in meinen Augen.

P.S.: Szene des Spiels war vor dem Anpfiff bei der Seitenwahl als Augsburgs Kapitän Möhrle dem Clemens eine Jim Knopf-Puppe in die Hand drückte. Wenn schon Puppenkiste, dann richtig.

 

Shadiego – wer sonst?

Schon am 01.10. veröffentlichte shadiego ein Video über Johan „Le Chef“ Micoud. Ein Augenschmaus, wie wir es nicht anders von ihm gewohnt sind.

Sündenbock

Vor knapp 25 Minuten ging das Spiel zwischen Hannover 96 und dem SV Werder zu Ende. Bremen verliert das Spiel mit 2:3 und klar ist für die meisten: Bargfrede ist schuld. Den Elfer zum 0:1 verschuldet, vor dem 0:2 den Ball mit einem Fehlpass verloren und beim 1:3 dann noch das Abseits aufgehoben. Es ist immer gut, wenn man es sich so einfach machen kann, denn dadurch wird die Komplexität reduziert und am Ende kann man immer sagen: Bargfrede war schuld. Man kann sich auch fragen, warum Wolf vor dem 0:2 an der Mittellinie rumturnt. Ignjovski war auf der linken Seite nach vorne gegangen, da hätte Wolf eigentlich tiefer stehen müssen, um die Seite mit abzudecken. Dadurch erst bekommt Schlaudraff diesen ganzen Raum bevor er Abdellaoue bedient. Und vor dem 1:3 geht Ignjovski erst super ins Tackling, verliert aber dennoch den Ball. Wenn er hier den Ball klärt, ist es völlig egal, ob Bargfrede das Abseits aufhebt oder nicht. Aber geben wir Bargfrede ruhig die Schuld, ist auch einfacher so.

Vor dem Spiel war klar, was Werder zu erwarten hat: eine Mannschaft, die hinten gut steht und vor allem beim Umschalten von Abwehr auf Angriff seine Stärken hat. Mit dem Elfmeter nach nicht einmal zwei Minuten und dem 0:1 spielte man Hannover natürlich perfekt in die Karten. Diese konnten es ruhig angehen lassen und man hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass Werder mit seinen Angriffen die 96-Hintermannschaft in Bedrängnis bringen konnte. Auffällig war, dass die Angriffe fast ausschließlich durch die Mitte oder links kamen, die rechte Seite war kein Faktor in Halbzeit eins. Wie oben beschrieben, führte ein Ballverlust auf Höhe der Mittellinie zum 0:2 und hier konnte man schön sehen, wie gut Hannover diese Konter ausspielt. Arnautovic machte aus dem Nichts heraus noch den 1:2 Anschlusstreffer. In Halbzeit zwei machte Bremen gleich von Beginn an Druck und Pizarro hatte eine dicke Chance, bei der er nur den Pfosten traf. Auch Sokratis machte in der Phase eine große Gelegenheit nicht rein. In der 60. sorgte Abdellaoue für das 1:3 und außer dem 2:3 durch Pizarro gelangen den Bremern keine Treffer mehr.

Arnatuovic sah in der 78. darüber hinaus die rote Karte, weil er bei einem Klärungsversuch von Pinto den Fuß drüber hielt. Offensichtlich ist das wohl innerhalb des Regelwerks und somit korrekt. Meinem Empfinden nach war das zu hart.

Ich hoffe, dass die Mannschaft aus dem Spiel lernt und vor allem auch sich selbst nicht mit solchen Fehlern in die Bedrängnis bringt. Am Ende war die Niederlage verdient und die Grube zu groß, die man sich selbst gegraben hatte. Vor allem hoffe ich, dass man endlich mal aufhört, von dem ersten Platz zu faseln. Mir ist klar, dass sich die Spieler selbst motivieren wollen und ein engagiertes Ziel ist ja auch wichtig. Doch bin nur ich das oder haben andere auch das Gefühl, dass Bremen sich immer nach solchen Kampfansagen sehr schwer tut? Vielleicht nehme ich das auch nur so wahr. Ich finde hanseatische Zurückhaltung immer noch am Charmantesten, von daher einfach mal weniger Sprüche klopfen und dafür mehr auf dem Platz zeigen.

Jetzt hat das Team knapp zwei Wochen Zeit bevor es gegen den BVB geht. Ich hoffe, dass Naldo bis dahin vielleicht eine Option für die Startelf ist. Vielleicht zusammen mit Sokratis in der IV und dann Ignjovski auf der rechten Außenbahn. Vielleicht ein Weg zu etwas mehr defensiver Stabilität. Und natürlich Bargfrede nicht aufstellen, aber das versteht sich ja von selbst. 🙂

Doppelter Charaktertest

16 Punkte nach sieben Spieltagen, d.h. nur noch drei mickrige Punkte und wir haben die gleiche Anzahl an Punkten wie nach Abschluss der letzten Hinrunde. Vielleicht werden die „fehlenden“ drei Punkte ja schon am Sonntag gegen Hannover eingefahren, wer weiß. Die beiden letzten Spiele gegen Nürnberg und die Hertha aus Berlin zeigen, dass die Mannschaft zwei klassische Charaktertests bestanden hat.

Test Nummer 1 – die Unterzahl

Im Spiel gegen Nürnberg musste erst Sokratis früh ausgewechselt werden, bevor Tim Wiese nach nicht einmal 20 Minuten glatt Rot sah. 70 Minuten in Unterzahl also, dazu noch teils hanebüchene äußere Bedingungen. Obwohl man die 1:0-Führung durch Ekici nicht über die Zeit retten konnte, zeigte die Mannschaft taktische Disziplin. Nach dem Spiel meinten viele, die Mannschaft habe sich zu weit hinten reingestellt nach der Führung, doch was hätte sie tun sollen? Nach 20 Minuten waren schon zwei von drei möglichen Auswechslungen getätigt, d.h. Schaaf waren im Bezug auf das Personal die Hände schon frühzeitig gebunden. Zudem war es teilweise eine wahre Wasserschlacht und weniger ein geordnetes Fußballspiel, vor allem zum Ende der ersten Halbzeit. Zu guter Letzt war es ja auch nicht so, dass Nürnberg Bremen so wirklich unter Druck setzte. Das Tor fiel nach einer Ecke, als die Abwehr den Nürnberger Wollscheid blank stehen ließ.

Vor dem Spiel hätte man sich vielleicht eher über ein 1:1 geärgert, doch nach dem Spielverlauf und den Steinen, die man sich teils auch selbst in den Weg legte, war das ein annehmbares Ergebnis. Wenn man sich die teilweise äußerst blamablen Auftritte der letzten Saison anschaut, so zeigte das Spiel in Nürnberg, dass man eben in der Lage ist, die defensive Struktur zu halten und sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt, wenn die Dinge mal nicht so ganz nach Plan laufen.

Test Nummer 2 – die Überzahl

Gegen die Hertha Berlin dann am letzten Sonntag gleich der zweite Charaktertest für das Team. Als deutlicher Favorit in das Spiel gestartet, gab es nach wenigen Minuten die kalte Dusche in Form des 0:1 aus Bremer Sicht. Der konnte noch in Halbzeit eins egalisiert werden, doch erst im zweiten Spielabschnitte sollte der Charaktertest folgen. Erst mäht Lell Wolf tief in der Bremer Hälfte um und wenige Minuten später schlägt Ramos nach einer Freistoßentscheidung gegen Berlin den Ball weg. Da beide schon die Gelbe Karte gesehen hatten, war an dieser Stelle Schluss für die beiden. Bremen hatte damit über 25 Minuten zwei Mann mehr auf dem Platz. Keine angenehme Situation, da der Gegner sich in der Folge tief in die eigene Hälfte stellt und das Ergebnis zu verteidigen sucht. Doch Hertha tat mehr als das und konnte einige gefährliche Konter setzen, die fast zum Erfolg führten.

Es sah zeitweise so aus als würden sich die Grün-Weißen richtig in die Nesseln setzen. Am Ende musste wieder unsere peruanische Lebensversicherung ran und in der 94. Minute das erlösende 2:1 machen. Ein sicherlich sehr glückliches Ergebnis und ich kann auch die Hertha verstehen, die mit diversen Entscheidungen von Schiri Brych nicht einverstanden waren. Aus Bremer Sicht wird man bald kaum noch darüber sprechen, wie der Sieg und die drei Punkte zustande gekommen sind. Wichtig war in diesem Spiel, zu zeigen, dass man auch bis zur letzten Sekunde gewillt ist, den Dreier zu holen.

Am Sonntag geht es nach Hannover. Letzt Saison setzte es hier ein 1:4 und das Spiel war einer der ersten Wachmacher der Saison. Zu offensichtlich waren damals die Defizite im Spiel und in der Mannschaft und es sollte nicht die letzte Klatsche in der Saison bleiben. Vielleicht endet das Spiel ja auch ganz langweilig mit 22 Spielern auf dem Feld.