Doppelter Charaktertest

16 Punkte nach sieben Spieltagen, d.h. nur noch drei mickrige Punkte und wir haben die gleiche Anzahl an Punkten wie nach Abschluss der letzten Hinrunde. Vielleicht werden die „fehlenden“ drei Punkte ja schon am Sonntag gegen Hannover eingefahren, wer weiß. Die beiden letzten Spiele gegen Nürnberg und die Hertha aus Berlin zeigen, dass die Mannschaft zwei klassische Charaktertests bestanden hat.

Test Nummer 1 – die Unterzahl

Im Spiel gegen Nürnberg musste erst Sokratis früh ausgewechselt werden, bevor Tim Wiese nach nicht einmal 20 Minuten glatt Rot sah. 70 Minuten in Unterzahl also, dazu noch teils hanebüchene äußere Bedingungen. Obwohl man die 1:0-Führung durch Ekici nicht über die Zeit retten konnte, zeigte die Mannschaft taktische Disziplin. Nach dem Spiel meinten viele, die Mannschaft habe sich zu weit hinten reingestellt nach der Führung, doch was hätte sie tun sollen? Nach 20 Minuten waren schon zwei von drei möglichen Auswechslungen getätigt, d.h. Schaaf waren im Bezug auf das Personal die Hände schon frühzeitig gebunden. Zudem war es teilweise eine wahre Wasserschlacht und weniger ein geordnetes Fußballspiel, vor allem zum Ende der ersten Halbzeit. Zu guter Letzt war es ja auch nicht so, dass Nürnberg Bremen so wirklich unter Druck setzte. Das Tor fiel nach einer Ecke, als die Abwehr den Nürnberger Wollscheid blank stehen ließ.

Vor dem Spiel hätte man sich vielleicht eher über ein 1:1 geärgert, doch nach dem Spielverlauf und den Steinen, die man sich teils auch selbst in den Weg legte, war das ein annehmbares Ergebnis. Wenn man sich die teilweise äußerst blamablen Auftritte der letzten Saison anschaut, so zeigte das Spiel in Nürnberg, dass man eben in der Lage ist, die defensive Struktur zu halten und sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt, wenn die Dinge mal nicht so ganz nach Plan laufen.

Test Nummer 2 – die Überzahl

Gegen die Hertha Berlin dann am letzten Sonntag gleich der zweite Charaktertest für das Team. Als deutlicher Favorit in das Spiel gestartet, gab es nach wenigen Minuten die kalte Dusche in Form des 0:1 aus Bremer Sicht. Der konnte noch in Halbzeit eins egalisiert werden, doch erst im zweiten Spielabschnitte sollte der Charaktertest folgen. Erst mäht Lell Wolf tief in der Bremer Hälfte um und wenige Minuten später schlägt Ramos nach einer Freistoßentscheidung gegen Berlin den Ball weg. Da beide schon die Gelbe Karte gesehen hatten, war an dieser Stelle Schluss für die beiden. Bremen hatte damit über 25 Minuten zwei Mann mehr auf dem Platz. Keine angenehme Situation, da der Gegner sich in der Folge tief in die eigene Hälfte stellt und das Ergebnis zu verteidigen sucht. Doch Hertha tat mehr als das und konnte einige gefährliche Konter setzen, die fast zum Erfolg führten.

Es sah zeitweise so aus als würden sich die Grün-Weißen richtig in die Nesseln setzen. Am Ende musste wieder unsere peruanische Lebensversicherung ran und in der 94. Minute das erlösende 2:1 machen. Ein sicherlich sehr glückliches Ergebnis und ich kann auch die Hertha verstehen, die mit diversen Entscheidungen von Schiri Brych nicht einverstanden waren. Aus Bremer Sicht wird man bald kaum noch darüber sprechen, wie der Sieg und die drei Punkte zustande gekommen sind. Wichtig war in diesem Spiel, zu zeigen, dass man auch bis zur letzten Sekunde gewillt ist, den Dreier zu holen.

Am Sonntag geht es nach Hannover. Letzt Saison setzte es hier ein 1:4 und das Spiel war einer der ersten Wachmacher der Saison. Zu offensichtlich waren damals die Defizite im Spiel und in der Mannschaft und es sollte nicht die letzte Klatsche in der Saison bleiben. Vielleicht endet das Spiel ja auch ganz langweilig mit 22 Spielern auf dem Feld.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit \"*\" markiert