Monthly Archives: Januar 2012

Jugendwahn

Es war sicherlich nicht alleine Schaafs eigener Antrieb, der dazu führte, dass gleich sechs Spieler am Samstag 22 Jahre und jünger waren. Verletzungen, Sperren und anhaltende Formschwächen waren hier sicherlich die zunächst ausschlaggebenden Gründe. Das Spiel hat zwei Dinge gezeigt: die Jungen haben Potential und selbst die beiden Frischlinge Hartherz und Affolter machten ihre Sache sehr gut. Zudem machte das Unentschieden gegen Leverkusen und die Ergebnisse der vier erstplatzierten Teams deutlich, dass es für Bremen in den verbleibenden 15 Spielen „nur“ darum gehen wird, Platz 5/6 und den damit verbundenen Einzug in die Europa League zu sichern. Das ist sicherlich auch keine Selbstläufer, aber nimmt auch den Druck durch überzogene Erwartungen von der Mannschaft.

Dadurch kann man den Umbruch im Team auch weiter vorantreiben. Die Wintertransfers von Affolter und Junuzovic sind da neben dem Einbau von Hartherz und Trybull wichtige Bestandteile. Mit Wesley wird nicht mehr geplant und ich wäre erstaunt, wenn Marin auch spätestens nach dem Sommer noch für Bremen aufläuft. Dazu laufen Verträge wie bspw. von Wiese oder Fritz aus und von Naldo werden wir sicherlich auch noch was Neues im Hinblick auf Brasilien hören. In diesem Zusammenhang ist das Spiel vom Samstag ein Fingerzeig in eine mögliche Zukunft, doch sollte man auch vielleicht nicht gleich Wunderdinge erwarten. Die Medien machen aus Hartherz, Trybull und Co. schon wieder neue Stars der Liga. Nun ist es natürlich einfach, die Marktschreiereien des Presserummels zu verurteilen, doch ist es mir dennoch zuwider, wie man aus einigen vielversprechenden Ansätzen gleich wieder den Weg zum Superstar pflastern möchte. Es waren Ansätze, nicht mehr und nicht weniger. Die Zeit wird zeigen, ob aus den Ansätzen dauerhaft gute Leistungen werden.

Nach einem verhaltenen Start in das Spiel, konnte Bremen sich zunehmend leichte Vorteile erarbeiten. Das Tor von Pizarro wurde von Trybull schön vorbereitet. Mit dem 1:0 ging es auch in die Pause. Leverkusen stellte um und brachte Derdiyok für Da Costa, während Castro nach hinten links beordert wurde. Mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit machte Leverkusen deutlich mehr Druck und begann Bremen immer mehr hinten reinzudrängen. Es war offensichtlich, dass man Leverkusen erstmal kommen lassen wollte, doch leider ergaben sich im Gegenzug kaum Gelegenheiten, mal gefährlich vor das Tor der Werkself zu kommen. Da fehlte dann die Schnelligkeit und auch die Paßsicherheit, um sich entscheidend befreien zu können. Am Ende gab es auf Bremer Seite zwei tragische Figuren: Tim Wiese, der in der 57. Minute eine Flanke nicht klären konnte, die Reinartz per Kopf verwerten konnte sowie Rosenberg, der zwei Großchancen vergab, als er einmal am Pfosten und einmal an Schwaabs Latte scheiterte (Flachwitz!).

Am Ende überwiegt für mich ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft und ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft weiter präsentiert. Ich hoffe, dass die jungen Wilden sich weiter entwickeln, sich etablieren und immer besser werden. Der Umbruch wird noch weiter Zeit in Anspruch nehmen, und auch auf der Trainerbank wird deutlich, dass Schaaf nicht mehr versucht, ein dauerndes Offensivfeuerwerk abzubrennen, sondern Spiele auch verhaltener zu führen und aus einer guten Defensive heraus zu schauen, das man Sicherheit gewinnt. Schauen wir mal, wie sich das dann im weiteren Verlauf der Saison darstellt.

Grünweiß – Der Werder-Stammtisch

Ein Bericht zum Spiel vom Wochenende ist in der Mache und kommt noch. Bis dahin möchte ich noch auf den Werder-Stammtisch bei den Kollegen gruenweiss.org aufmerksam machen und Euch ans Herz legen. Die Fantastischen Vier haben dort schon über das Spiel gegen Leverkusen gesprochen. Ja, jetzt nicht trödeln, husch, husch. 😉

The Blizzard

An dieser Stelle noch ein Frohes Neues, werte Leser. Im Moment ist die Liga im Schlummermodus, aber immerhin gibt es einen überraschenden Erfolg zu vermelden: Bremen gewinnt doch tatsächlich in Belek ein Testspiel. Welch ein Omen. Um Euch die Zeit bis zum Ende der Winterpause zu vertreiben, hier noch ein kleiner Lesetipp.

Vor einiger Zeit bin ich über Twitter auf das englische Magazin „The Blizzard“ gestoßen. Hinter The Blizzard steckt vor allem Jonathan Wilson, dem Autor des brillanten wie anekdotenreichen Buchs „Inverting the pyramid“ (auf deutsch: „Revolutionen auf dem Rasen“), welches sich mit der Geschichte und Entwicklung von Taktik im Fußball beschäftigt.

In The Blizzard versucht Wilson zusammen mit vielen anderen Autoren Geschichten aus dem Fußball zu erzählen, die so in den Medien normalerweise nicht erscheinen. Einen Weg, den auch die „11 Freunde“ mal beschritten hatte, aber in meinen Augen mittlerweile wieder verlassen hat. Einige Mitstreiter wie James Horncastle, Philippe Auclair und andere kennt man bspw. auf dem Football Weekly-Podcast oder aus dem Guardian.

Was an The Blizzard besonders ist, ist vor allem, dass er auch in einer digitalen Version erscheint , so habe ich mir ein Kindle-Abo des quartalsweise erscheinenden Magazins gegönnt, welches gerade einmal 12 Pfund im Jahr kostet (ca. 14€). Da kann man aus meiner Warte nicht meckern. Die Themen der aktuellen dritten Ausgabe (wenn man die Nullnummer einrechnet, die vierte) decken Spartak Moskau, Angelo di Livio, Interviews mit Mario Zagallo und Tostao und noch vieles mehr.  Ich kann das Magazin wirklich empfehlen!