Monthly Archives: Februar 2012

Ein Nürnberger Würstchen

Die Kreiszeitung nennt es „Bremer Bruchlandung“ und der Weser-Kurier macht aus dem gestrigen Spiel gegen Nürnberg einen „Herben Rückschlag„. Wie so oft ist es auch eine Frage der Perspektive und ich weigere mich, das Spiel so negativ zu bewerten, wie es die beiden genannten Zeitungen tun. Im Vergleich zum letzten Heimspiel gegen Hoffenheim sehe ich sogar große Fortschritte, denn die Mannschaft konnte zumindest zeitweise gute Kombinationen zeigen und das Spiel war weniger zerfahren wie gegen die TSG. Leider galt das nur für die ersten 20-25 Minuten der ersten Halbzeit und die ersten 30 Minuten im zweiten Durchgang. Gerade in Halbzeit eins gab es einen deutlichen Bruch, wo die anfängliche Sicherheit einer zunehmenden Verunsicherung wich.

Leider konnte Bremen die wenigen wirklich guten Chancen nicht nutzen und über weite Strecken schaffte es Nürnberg, die Bremer aus der gefährlichen Zone vor dem eigenen Tor fernzuhalten. Zwei richtig große Chancen hatten die Gäste aus Franken und eine davon konnte Esswein nutzen, nach einem schön vorgetragenen Angriff. Nürnberg zeigte die gleiche Effektivität, die Bremen am letzten Wochenende noch gegen die Hamburger zeigte. Es war deutlich, dass Bremen noch nicht an dem Punkt ist, selbst 90 Minuten lang das Spiel zu gestalten und zudem ohne einen Pizarro in Topform vorne die Durchschlagskraft fehlt. Ich hoffe, dass die Mannschaft das Ergebnis richtig einordnet und weiter am verbesserten Zusammenspiel arbeitet.

Nächste Woche geht es nach Berlin, zu einem Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht und der nun von Rehhagel bzw. König Otto trainiert wird. Es ist davon auszugehen, dass die Berliner zu Hause sicherlich versuchen werden, nach vorne zu spielen. Das sollte uns in der derzeitigen Situation entgegenkommen. Danach geht es dann gegen 96, den direkten Konkurrenten um die EL-Plätze. Ich bin schon sehr gespannt auf das Spiel, nicht nur, weil ich dann endlich mal wieder live vor Ort sein werde. Mit einer kompakten Abwehr und schnellen Angriffen ist Hannover genau die Art von Team, gegen die wir immer wieder schlecht aussehen.

Interview bei den Clubfans United

Alexander Endl von den Clubfans United hat mir per Mail ein paar Fragen zugeschickt. Wenn Ihr wissen wollt, was ich zum Bloggen, zur Lage des SVW und anderen Dingen zu sagen habe, dann schaut euch einfach das Interview mit dem reißerischen Titel „Nürnberg ganz oben? Warum denn nicht?“ an.

Danke an Alexander für die Fragen und auf ein schönes Spiel am Samstag. Aber die Punkte bleiben an der Weser 😉

Nordderbysieger

Ein Sieg im Nordderby ist immer Balsam auf die geschundene Fanseele. Doch diesmal ist die Freude nach bisher vier sieglosen Spielen in der Rückrunde besonders groß. Endlich mal ein Spiel gewonnen und dann noch gegen die angeblich wieder erstarkten Hamburger, die nach jedem Erfolg wieder vom Erreichen des Europapokals schwadronieren. Nach dem 1:3 gegen Werder scheint aber selbst Trainer-Guru Fink eher demütig zu erkennen, dass man erst mal nicht mehr von Europa reden sollte.

Über weite Strecken des Spiels war Hamburg die engagiertere Mannschaft, hatte mehr Ballbeseitz, gewann mehr Zweikämpfe und schoss häufiger aufs Tor. Doch in der Kategorie Chancenverwertung waren die Bremer eine Klasse besser und ließen damit die statistische Überlegenheit der Hamburger ins Leere laufen. Schaaf hatte seine Mannschaft mit einer Kontertaktik ins Spiel geschickt und auch wenn sich in den letzten Spielen schon abzeichnete, dass es nun eher das Ziel ist, hinten sicher zu stehen und sich dann um die Offensive zu kümmern, funktionierte das taktische Konzept gegen Hamburg hervorragend. Der Druck des HSV konnte meist absorbiert werden und wenn der HSV doch einmal durchkam, war Tim Wiese zur Stelle.

Tim Wiese war völlig im Derby-Modus und nagelte eigenhändig den Kasten zu. Beim 1:2 durch einen abgefälschten Freistoß war Tim chancenlos. Wäre jede Woche Nordderby, wäre Wiese wohl Welttorhüter oder endgültig wahnsinnig. Er rennt über den Platz, brüllt Kommandos, legt sich mit allen an: Gegner, Fans des Gegners, Schiris und die eigenen Spieler. Würde mich nicht wundern, wenn er zu Hause im Vorfeld des Derbys auch nur noch alle anbrüllt. Gerade auch im direkten Vergleich mit Drobny, der beim 1:0 der Bremer mindestens unglücklich aussieht und beim 2:0 die Luft fangen will, fällt Wieses starke Leistung umso mehr auf. Beim 1:3 durch Arnautovic stehen sich Edel-Verteidiger Westermann und Resterampen-Rajkovic gegenseitig im Weg und Marko sagt nur noch danke.

Ich bin gespannt, wie es gegen Nürnberg weitergeht, denn im eigenen Stadion wird man gegen den 1. FCN sicherlich selbst das Spiel machen wollen. Ich hoffe, dass die Mannschaft durch den Sieg das nötige Selbstvertrauen bekommt und sich nicht so zerfahren wie gegen Hoffenheim präsentiert. Wo wir beim Thema Selbstvertrauen sind: ich gönne Rosenberg endlich mal sein Tor. Am Samstag war er deutlich aktiver als Pizarro und bereitete das 1:0 durch Marin vor. Leider verpasste er es Anfang der zweiten Halbzeit den Sack mit dem möglichen 3:0 zuzumachen.  Es wird mal wieder Zeit, Rosi.

Stillstand

Viertes Spiel in der Rückrunde, viertes Unentschieden und das dritte Gegentor nach einer Ecke (von insgesamt vier Gegentreffern). Es geht derzeit nicht wirklich voran, vor allem wenn man sich anschaut, dass alle bisherigen Spiele der Rückrunde gegen mehr als machbare Gegner waren. Die erste Halbzeit gestern war mit das Schlechteste, was ich bisher diese Saison gesehen habe. Gegen einen allenfalls mittelmäßig kompakten und durchschnittlich pressenden Gegner lag das Aufbauspiel vollkommen brach. Das fing schon in der Abwehr an, wo sich bspw. Affolter viele Fehlpässe leistete und zog sich bis hin zu Ekici auf der zehn durch. Gerade Ekici wirkte gestern mit seiner Rolle völlig überfordert und bis auf einen gefährlichen Freistoß waren seine Frustfouls die einzig auffälligen Szenen von Memo.

Ignjovski erwischte – wie schon gegen Freiburg – einen äußerst schwachen Tag. Er war bemüht, lief viel, verlor aber häufig den Ball und war häufiger nicht dort, wo er gebraucht wurde. Bargfrede war schon bemühter, aber insgesamt war das Mittelfeld bis auf Junuzovic weitestgehend offensiv impotent. Dadurch hingen dann auch Arnautovic und Rosenberg häufig in der Luft. In Halbzeit zwei dann kam Marin für den gelb-rot-gefährdeten Ekici und brachte für 10-15 Minuten frischen Wind ins Spiel nach vorne. Doch obwohl Bremen in Halbzeit zwei engagierter war und auch deutlich mehr Ballbesitz hatte, wurde es selten gefährlich vor dem Tor der Hoffenheimer. Zu selten wurde wirklich schnell und direkt gespielt, um die tiefstehenden SAP-Kicker auszuhebeln. Am Ende war es ein langer Ball von Affolter, den Rosenberg für Arnautovic verlängert, der das Ding zum Ausgleich einnetzt.

Natürlich stehen da im Moment viele junge Spieler auf dem Platz, die sicherlich nicht von vorneherein sofort alle Laufwege und Zuordnungen aus dem Effeff kennen. Und das ist ein Punkt, dem man dem Team zugute halten sollte. Auf der anderen Seite sind es gerade die erfahreneren Spieler, die nicht in der Lage sind, den jungen Spielern einen Rahmen zu geben. Rosenberg, Ekici, Bargfrede, Fritz, Wiese sind eben nicht in der Lage, den Neuen eine Stütze zu sein. Einzig Sokratis zeigte gestern eine gute und solide Leistung. Und langsam muss man auch mal vermehr kritische Fragen in Richtung Schaaf stellen. Mir ist klar, dass ein solcher Umbruch nicht einfach ist und gerade die Raute braucht Zeit, um verinnerlicht zu werden, doch hier kommen wir wieder zurück zur Frage, ob die Raute unter diesen Bedingungen überhaupt das Mittel der Wahl ist. Wäre ein anderes System vielleicht geeigneter, der Mannschaft zu mehr Stabilität zu verhelfen? Haben wir überhaupt die Spieler für eine Raute? Haben die hohen Auswärtsklatschen zum Ende der Hinrunde die sichtbaren Verbesserungen in der Hinrunde wieder zunichte gemacht und das zarte Pflänzchen Selbstvertrauen wieder zertreten?

Vor allem mit Hinblick auf das zunehmend schwerere Programm in der Rückrunde müssen langsam Antworten auf die Fragen gefunden werden. Alleine auf das Trio Pizarro, Naldo und Hunt zu vertrauen, reicht nicht. Vor allem, um sich nicht nur von einzelnen Spielern abhängig zu machen. Gegen das Hoffenheimer Team von gestern hätte es auch ohne das Trio zu einem Dreier reichen müssen.

 

Einen vor, einen zurück

Das Spiel gegen Freiburg schien rein statistisch schon vor Anpfiff zugunsten Bremens entschieden, ob der guten Serie gegen die Breisgauer. Dabei wird gerne übersehen, dass schon das 5:3 in der Hinrunde alles andere als ein Galaauftritt der Grün-Weißen war. Und es wurde alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Freiburg dachte gar nicht daran, sich einfach nur hinten reinzustellen und das Beste zu hoffen, sondern spielte ein aggressives Pressing und suchte seine Chance im Spiel nach vorne.

Bremen war über weite Strecken des Spiels nicht in der Lage sich spielerisch dem Pressing zu entziehen, was sich in vielen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung zeigte. Nur selten konnte man sein Kombinationsspiel durchziehen und zweimal resultierte das in Treffern unserer peruanischen Lebensversicherung der Marke Pizarro. Doch leider sollte das nicht reichen, um drei Punkte einzufahren. Beim 1:1 kam Makiadi kurz vor dem Bremer Tor per Kopf an den Ball. Hier offenbarten sich (wieder einmal) starke Probleme bei gegnerischen Standards, die vor allem an der mangelnden Zuordnung zu liegen scheinen. Beim 2:2 schlagen die Freiburger einen langen Ball in die Bremer Hälfte, können diesen kontrollieren und schnell auf die rechte Angriffsseite bringen, wo Hartherz den heraneilenden Schmid nicht mehr stellen bzw. entscheidend stören kann.

Damit bleibt Bremen in der Rückrunde ungeschlagen, hat andererseits aber auch noch keinen Sieg eingefahren. Auch wenn die Tore zeigen, dass die Mannschaft zu flüssigem Kombinationsspiel fähig ist, bleiben erstmal nicht mehr als positive Ansätze. Um den Platz in der EL zu sichern, sind in Zukunft auch Siege fällig, zumal Hannover von hinten langsam aber sicher Druck macht. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass die Leverkusener uns dauerhaft den Gefallen tun, ebenfalls Punkte liegen zu lassen.

Am Ende möchte ich noch ein paar Worte zu den Dingen auf den Tribünen in Freiburg loswerden. Ich habe immer eine gewisse Sympathie für den SC und seine Fans gehegt. Leider scheinen auch dort die Hirntoten zunehmend in den Vordergrund zu rücken. Es ist einfach zum Kotzen, wenn Teile der SC-Fans einfach unkommentiert mehrfach „Wiese an die Wand!“ skandieren dürfen. Mir ist klar, dass Wiese kein Sympathieträger ist und er auch keinen Friedensnobelpreis mehr bekommt. Aber ist das ein Grund, sich derart zu entblöden? Ich finde es auch erbärmlich, dass man dazu weder während des Spiels einen Kommentar gehört hat, noch etwas darüber in den Medien zu lesen ist. Aber gut, es ist auch nur Wiese und nicht ein gewisser Mäzen und Duz-Freund von Theo Z., bei dem nach einem Banner mit Zielscheibe gleich das ganz große Rad gedreht wird. Es tut mir leid, aber alleine für die Spacken vom Sonntag wünsche ich dem SC einen Gang in Liga 2.