Unentschuldigtes Fehlen

Nach dem 0:1 in Berlin ist meine Lust, diese Nicht-Leistung mit einem Blogbeitrag zu adeln, nicht besonders hoch. Man könnte stundenlang die Fehler analysieren, sich über Spielaufbau und taktische Finessen unterhalten, doch am Ende bin ich einfach nur entsetzt über die Leidenschaftslosigkeit, mit der die Mannschaft in Berlin aufgetreten ist. Ein Glücksschuss reichte den Herthanern zum Sieg, die im Spiel selbst viele Fehler und ein gerüttelt Maß an Verunsicherung zeigten. Sobald Bremen in die Nähe des gegnerischen Strafraums kam, wurden die Knie der Weiß-Blauen weich und auch der Keeper Thomas Kraft wirkte nicht sonderlich souverän in seinen Aktionen. Die Hertha wird sich über den Sieg freuen, doch das Spiel ist in meinen Augen kein besonderer Mutmacher.

Es ist traurig, dass dem Gegner eine solche Leistung gereicht hat, um sich gegen die Bremer durchzusetzen. Die Zahl an Fehlpässen und Stockfehlern war am letzten Samstag Legion und jegliche positiven Ansätze aus den letzten Spielen wurden durch den Grottenkick zur Makulatur. Selbst im Angesicht von solch Ergebnissen wie in Gladbach, München und auf Schalke in der Hinrunde gebe ich Allofs recht, der vom „schlechtesten Spiel der Saison“ sprach. Gerade im Hinblick auf die gezeigte Leistung des Gegners trifft dies zu, denn die Hertha war selbst weit davon entfernt, ein gutes Spiel zu machen.

Mittlerweile fühlt man sich ein wenig wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Jedem Lichtblick und der anschließenden Hoffnung auf Besserung folgt der nächste Nackenschlag in Form einer unterirdischen Leistung. Und auch wenn in der Hinrunde nicht alles Gold war, so war man zumindest in der Lage, die Spiele gegen die kleineren Gegner positiver zu gestalten, vor allem im heimischen Weserstadion. Zunehmend steht man im Kampf um die internationalen Plätze mit dem Rücken zur Wand, da die Aufgaben in den nächsten Wochen nicht kleiner werden. Die ersten Vier der Liga kommen noch, genauso wie die direkten Konkurrenten um Platz 6 (namentlich Hannover und Stuttgart) und bei den derzeitigen Leistungen braucht man keine besonders pessimistische Einstellung, um zu sehen, dass man weiter nach hinten durchgereicht werden wird.

Der Blick richtet sich auch wieder Richtung Thomas Schaaf. Wie kann es sein, dass eine Mannschaft sich derart präsentiert. Samstag wäre es in meinen Augen egal gewesen, welches System oder welche Spieler (Stichwort: Jugend) auf dem Platz gestanden hätten, denn mit der Arbeitsauffassung hätte man eh keinen Blumentopf gewonnen. Auch hier grüßt der kleine freundliche Nager von oben: immer wenn man denkt, dass Schaaf dem Team neue Impulse gibt und es auch Reaktionen gibt, kommt so ein Spiel um die Ecke und lässt einen ratlos zurück. Ich werde Schaafs Kopf nicht fordern, dass überlasse ich anderen, aber die Fragen nehmen zu. Wenn man nicht im Mittelfeld der Liga landen möchte, dann sind langsam Antworten fällig, denn sonst freuen wir uns am Ende der Saison nur noch über die beiden Derby-Siege gegen den HSV.

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