Monthly Archives: Juli 2012

Sommerlochfüller

Gestern nachmittag war ich bei Anna und Tobi von Grünweiß zu Gast und wir haben über Zu- bzw. Abgänge sowie die Erwartungen an die kommende Saison gesprochen, wo wir vor allem Dinge sehen wollen. 😉 Den Podcast gibt es hier zu hören.

Danke und Ciao

Ende letzter Woche wurde Naldos Wechsel zum VfL Wolfsburg verkündet. Es wurde noch einmal spannend, da der initiale Med-Check nicht nach Plan verlief und zusätzliche Untersuchungen nötig waren. Obwohl mit ihm ein wichtiger Spieler und Sympathieträger geht, hält sich die Enttäuschung stark in Grenzen. Vor zwei Jahren fiel Naldo sehr lange durch ein Knochenödem aus. Nachdem man ihn zu Beginn der letzten Saison langsam wieder an das Team herangeführt hatte, bedankte sich Naldo damit, dass er auf einmal dringend nach Brasilien wollte, um a) dichter an seiner Familie zu sein und b) sich für die WM 2014 zu empfehlen. Nachdem sich der Wechsel zerschlug, konnte er sich auf einmal gut vorstellen, doch noch ein paar Jahre in Bremen zu bleiben.

Am Ende kam Wolfsburg mit mehr Geld und einem Vierjahresvertrag um die Ecke. Bremen wollte wohl erstmal noch abwarten, wie sich die sportliche Situation an der Weser entwickelt und sicherlich auch schauen, wie sich Naldos Gesundheit entwickelt. Naldo hat sich für die größere Sicherheit entschieden. Man darf sich heutzutage über sowas auch gar nicht mehr aufregen, will man sich nicht als tumber Idiot preisgeben. So ist halt das Business und als normaler Arbeitnehmer macht man das ja auch so. Die Tatsache, dass Bremen ja auch Spieler von anderen Vereinen wegkauft, verdoppelt die Heuchelei. Wobei der Vergleich mit den normalen Arbeitnehmern ja an Schieflage nicht zu überbieten ist. Ich kenne viele Leute, denen die Perspektive und das Klima an ihrem Arbeitsplatz deutlich wichtiger ist als den monatlichen Gehaltseingang um ein paar Prozent zu steigern. Ja, ich weiß, die Profis haben ja nur eine kurze Karriere, aber Naldo dürfte in Bremen zwischen zwei und drei Millionen per Anno verdient haben. Der verdient also im einem Jahr mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer in seinem gesamten Leben.

Nein, es geht nicht um die „Scheiß-Millionäre“, aber können wir bitte aufhören so zu tun, als hätte Naldo hier wie ein asketischer Bettelmönch leben müssen? Die angebliche Logik des Arbeitnehmermarktes (jeder nimmt so viel er kriegen kann) habe ich in der Vergangenheit oft genug verwendet, um Wechsel von Spielern innerlich und äußerlich zu rechtfertigen. Doch irgendwie nagt diesmal der Zweifel an mir, ob das immer alles so richtig ist. Ob man nicht doch auch mal Kritik an einem Spieler äußern kann, der erst sagt, dass es ihm das Herz bricht, aus Bremen fortzugehen, aber dann fortfährt, dass das Angebot einfach unschlagbar war und genug, um den Herzschmerz zu lindern. Aber was soll man ihn kritisieren, wenn alle nur dem Geld nachjagen?

Ich danke Naldo für seine Zeit in Bremen. Mehr aber auch nicht. Wenn ein Spieler den Verein verlässt, ist er für mich nicht mehr relevant. Ich bin Fan von Werder Bremen, nicht von Spieler XY. So lange jemand das Trikot von Werder trägt, stehe ich hinter ihm, doch wenn er geht (aus welchen Gründen auch immer), dann nicht mehr. Nicht falsch verstehen, ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber was soll ich Naldo jetzt alles Gute wünschen? Es hat auch ganz praktische Vorteile, denn ich kann mir Spiele von Real Madrid anschauen, ohne bei jedem Ballkontakt von Özil den alten Zeiten nachzutrauern. Ich kann mich herrlich an Diegos Spielchen mit Quälix erfreuen, ohne ihn ständig wieder in Bremen sehen zu wollen. Halt ganz geschäftsmäßig.