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Eine willkommene Niederlage

Nach dem Pokalaus in Münster war das zarte Pflänzchen Hoffnung bei nicht wenigen Bremern wieder verkümmert bevor es so richtig sprießen konnte. Auch meine Euphorie hatte nach dem 2:4 gegen den Drittligisten einen ordentlichen Dämpfer erfahren. Und dann zum Bundesliga-Auftakt auch noch zum amtierenden Double-Gewinner aus Dortmund. Natürlich von der Konstellation her ein Spiel, bei dem man nix zu verlieren hatte. Allenfalls die Höhe der Niederlage war noch fraglich. Hauptsache, nicht untergehen: das war die Marschroute.

Eingeleitet wurde das Spiel mit einem Zeremoniell zu Ehren der 50. Bundesliga-Saison. Wehende Fahnen, emotionale Einspieler und am Ende durfte Sebastian Kehl als Kapitän der Heimmannschaft auch noch mal was zum Thema Fans und deren Verhalten aufsagen. Die Erklärung im Wortlaut des SV Sandhausen sowie einen passenden Kommentar drüben beim Textilvergehen. Anschließend dann der Auftakt in diese Saison. Vor dem Spiel schon die Frage, wie Schaaf denn jetzt spielen lässt. Die Antwort: in einem 4-1-4-1, wobei vorne kein Mittelstürmer agierte, sondern Kevin de Bruyne sich als so genannte „falsche Neun“ versuchte. Bei Ballbesitz rückten dann Elia links und Arnautovic auf rechts in die Außenstürmer-Position. Und das funktionierte alles ausgezeichnet. In Sachen Spielfluss, Ballsicherheit, Laufwegen und Spielverständnis war das mit Abstand die beste Leistung seit langem.

In der Vorwärtsbewegung überzeugten Hunt und Junuzovic als Ballverteiler, die immer wieder die Außen ins Spiel brachten. De Bruyne ließ sich immer wieder weit zurückfallen und zog damit die Dortmunder IV aus ihren angestammten Positionen. Schon die ersten Minuten waren sehr ansehnlich, doch leider war es der BVB, der nach einer Reihe von Fehlern in Form von Marco Reus das 1:0 in Minute elf machte. Angefangen bei Hunts Fehlpass, weiter zum fehlenden Zugriff auf Kuba, der vergeblichen Grätsche von Sokratis sowie einem Stockfehler von Ignjovski war eigentlich alles dabei, was unsere Hintermannschaft bei gegnerischen Teams so beliebt macht. Wer jetzt jedoch mit einem Auseinanderbrechen der Mannschaft rechnete, der sah sich getäuscht, denn Bremen spielte munter weiter und kam durch Elia und Arnautovic zu guten Chancen. Es dauerte jedoch noch bis zur 75. Minute, ehe Bremen für den Einsatz belohnte und Selassie nach einer butterweichen Flanke von Arno einnickte.

Für einen rundum gelungenen Abend hätte man das 2:1 durch Götze verhindern sollen. Doch leider gelang dies nicht und am Ende feierten die Dortmunder einen abgezockten Sieg. Doch das Spiel ist trotz der Niederlage wahrlich kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, sondern ein echter Grund zu berechtigtem Optimismus. Die Mannschaft hat all die Dinge gezeigt, die vor allem in der Rückrunde der letzten Saison schmerzlich vermisst wurden. Neben der Spielkultur war das auch die Bereitschaft, sich nach dem frühen Rückstand nicht verrückt machen zu lassen, sondern weiter an sich zu glauben. Darüber hinaus wurde auch bei Ballgewinn wieder schneller umgeschaltet. Schaaf hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und die Neuen bringen sich gut ein. Nun gilt es, das Positive mit in die nächsten Spiele zu nehmen und dem ewigen Sorgenkind, der Defensive, etwas mehr Stabilität zu verleihen.

Und obwohl Marko Arnautovic der beste Mann auf dem Platz war, würde ich mir wünschen, dass er das Gestikulieren nach Fehlern seiner Mitspieler sein lässt. Keiner spielt absichtliche Fehlpässe oder lässt Dich mit Vorsatz ins Abseits laufen, lieber Marko. Da muss man nicht genervt abwinken oder rumpöbeln, dann klappt das auch mit den Teamkollegen. 😉

Gleich nächsten Samstag wäre die perfekte Gelegenheit dafür, wenn wir den HSV im Weserstadion empfangen. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Demut

Zunächst einmal ein „Herzlich Willkommen“ an Joseph Akpala. Heute wurde seine Verpflichtung für vier Jahre bekanntgegeben. Der nigerianische Stürmer wechselt vom FC Brügge an die Weser und hat in der belgischen Jupiler-Liga schon seine Knipser-Qualitäten unter Beweis gestellt. Dann war das Aus in der ersten Pokalrunde doch nicht so gravierend, wie von Allofs am Sonntag noch angedeutet.

Was ich im Zuge des Auftritts in Münster sehr bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sowohl Sokratis als auch Allofs im Nachgang sehr ambitionierte Ziele formuliert haben. Sokratis sieht in der Mannschaft ausreichend Qualität, um diese Saison die Champions League zu erreichen. Allofs möchte mit Werder wieder die Nummer zwei, drei oder vier in Deutschland werden. Nun ist natürlich nichts gegen Ziele einzuwenden, aber in den letzten beiden Saisons hat das mit den Zielvorgaben eher weniger geklappt. Wie im Sommer-Podcast mit Tobi und Anna angesprochen, geht es diese Saison darum, eine Entwicklung zu sehen. Nach zwei Jahren mehr als deutlicher Rückschritte im spielerischen Bereich, wäre es schön, mal wieder etwas mehr Spielkultur und defensive Sicherheit zu sehen.

Die Platzierung ist natürlich nicht völlig egal, denn ein spielerisch brillant herausgespielter Platz 17 würde auch für eher lange Gesichter sorgen. Doch nach zwei mauen Saisons, einem weiter vorangetriebenen Umbruch mit vielen neuen Spielern sollte man sich davor hüten, wieder von Europa zu sprechen, ja sogar die Königsklasse zum Ziel auszurufen. Ich finde das kontraproduktiv und auch in der Außendarstellung mehr als fragwürdig. Intern kann man ja gerne Europa als mittelfristiges Ziel ausgeben, doch alles andere wirkt in Anbetracht der letzten beiden Spielzeiten als Größenwahn. In Bremen sind wir mit klassisch hanseatischem Understatement immer gut gefahren. Wenn man zum Ende der Saison wider Erwarten doch Kurs auf Europa nimmt, dann ist das super und in dem Fall kann man dann auch offen vom internationalen Wettbewerb sprechen. Die Schaumschlägerei unseres Spartaners und von Allofs behagt mir ehrlich gesagt nicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen Thread im Worum verweisen (Danke für den Hinweis @KatarinaWerderfan). User „el pibe de oro“ hat sich hier die Mühe gemacht, sich durch die Bilanzen unseres Vereins der letzten Jahren zu kämpfen. Fazit: Bremen geht es wirtschaftlich relativ gut, aber es wird auch deutlich wie abhängig der Verein zum einen vom internationalen Wettbewerb ist und zum anderen auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Ersteres haben wir nun zwei Jahre nicht geschafft und so werden auch die Abgänge von gut verdienenden Spielern wie Naldo, Pizarro, Wiese oder Rosi etwas nachvollziehbarer. Bei den Transfererlösen sieht es zukünftig vorerst mau aus. Spieler, die man wie Diego oder Özil im Bereich von 20 Millionen Euro weiterverkaufen kann, sind nicht in Sicht. Hier wird dann deutlich, dass Transfers nach dem Prinzip „Billig holen, veredeln und dann teuer verkaufen“ in letzter Zeit nicht so funktioniert haben wie gedacht. Krasse Beispiele der Vergangenheit sind hier Carlos Alberto oder Wesley, aber auch ein Arnautovic bleibt sicherlich deutlich hinter dem zurück, was man sich von ihm erhofft hat. Zudem macht der Artikel auch ein bisschen deutlich, dass die Einnahmen bspw. aus dem Diego-Transfer nicht irgendwo versickert sind, sondern in den laufenden Betrieb oder den Stadionausbau geflossen sein dürften. Für Zahlenfetischisten sicherlich eine lohnende Lektüre.

Morgen dann der Auftakt in die 50. Bundesligasaison mit dem Spiel Borussia Dortmund – Werder Bremen. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft präsentiert und wie viel von der Vorbereitung, die vielerorts positiv beurteilt wurde, zu sehen ist. Im Supercup wirkte Dortmund erstaunlich harmlos, doch das will nichts heißen. Hoffen wir mal auf ein erstes Erfolgserlebnis.

Lebenslang Grün-Weiß!

Sonnenstich

Ich bin ein böser, nein, ein ganz schrecklicher Fan. Nicht eine Sekunde der Vorbereitungsspiele habe ich gesehen. Jaja, schämen sollte ich mich. So wird nie was Anständiges aus mir. Aber ich vernahm, dass die Vorbereitung durchaus gut war, sich die neuen Spieler gut einbrachten. Vorfreude erwachte und ich sehnte das erste Pflichtspiel der Saison herbei, welches in Münster stattfinden sollte. Klar, es würde kein Selbstläufer werden, gegen einen gut in die Saison gestarteten Gegner und bei gefühlten 50 Grad. 120 Minuten sollte das Spiel dauern und die Vorfreude auf die Saison ist doch arg geschmälert. Noch will ich nicht in das Geheule der Pessimisten einstimmen, aber die Mannschaft hat gestern einiges an Kredit verspielt.

Zweimal gehen die Bremer durch Elia und Füllkrug in Führung, zweimal lässt man die Münsteraner zurück ins Spiel und die bedanken sich in der Verlängerung mit zwei weiteren Toren. Was ich teils erschreckend fand, war die übliche defensive Sorglosigkeit, mit der einige Akteure an die Sache rangingen. Beim 1:1 lässt sich Prödl wieder viel zu weit aus der Abwehr ziehen, beim 2:2 gibt das Mittelfeld erst nur Geleitschutz, Selassie lässt seinen Mann flanken und unser Spartaner lässt sich mit einer einfachen Finte austanzen. Auch beim 2:3 schauen die Bremer eher interessiert-distanziert zu. Ja, es war heiß, aber damit mussten sich beide Teams rumschlagen. Und die Jungs aus Münster standen unseren Stürmern hier viel konsequenter auf den Socken. Ich hoffe, dass es bei Sokratis sich um den einen gebrauchten Tag handelte und er sich nicht mit der Bremer Defensiv-Allergie angesteckt hat. Denn gerade von ihm ist man anderes gewohnt.

Was mich auch nachdenklich stimmte: Münster war den Bremern auch körperlich überlegen. Schon in Halbzeit zwei schlichen bedenklich viele schwarz-grüne über den Platz. Einzige rühmliche Ausnahme: Juno, der sich auch in der Verlängerung gegen die Niederlage stemmte, aber zu viel alleine machen musste. Selbst Spieler, die erst später reinkamen, wie bspw. Füllkrug oder Arnautovic machten nicht den Eindruck, körperlich lange dagegen halten zu können. Ja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze und wir sind nun wahrlich nicht der einzige Bundesligist, der raus geflogen ist, aber die Freude auf die neue Saison weicht zunehmend einer gewissen Skepsis.

Kommen wir noch kurz auf das Geschehen abseits des Platzes zu sprechen: vor dem Spiel sickerte die Info durch, dass Bremen den Stürmer Joseph Akpala holen würde. Nun stellte sich Allofs nach dem Spiel hin und bezeichnete den Transfer als fraglich, da man mit der zweiten Pokalrunde geplant habe. Ich verstehe nicht so ganz, was Allofs damit bezweckt. Akpala soll gerade einmal ca. 1,2 Mio. Euro kosten und die zweite Runde im Pokal wird sicherlich gerade einmal eine niedrige sechsstellige Summe garantieren. Ist der Verein wirklich so knapp bei Kasse, dass man sich jetzt einen solchen Transfer nicht mehr gönnen kann? Will Allofs den Spielern ein schlechtes Gewissen machen? Hofft er auf Mitleid des abgebenden Vereins? Ich verstehe es nicht.