Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!

Ein Glück hält die derzeitige Serie gegen den HSV. So kann ich erhobenen Hauptes zur Arbeit nach Hamburg fahren und mich im Glanz des Sieges sonnen. Beim Gegner war unter der Woche viel los: kurz vor Ende der Transferfrist schlugen die Stellinger noch mehrfach auf dem Transfermarkt zu. Badelj, Jiracek und der Messias höchstpersönlich – aka van der Vaart. Der war am Samstag noch nicht spielberechtigt, aber vor Ort im Stadion und so gab man der Bildregie einen guten Grund, bei jeder Spielunterbrechung zu schauen, ob der Erlöser die Leistung seiner neuen Mannschaftskameraden goutiert und was vor allem seine Göttergattin macht. Der Hamburger Boulevard wird seinen Spaß haben.

Doch zum eigentlichen Geschehen auf dem Rasen. Bremen leicht verändert gegenüber dem Dortmund-Spiel: Fritz rückte auf die Linksverteidigerposition, während diesmal Petersen als echte Sturmspitze vorne drin agierte. Warum jetzt die zweite Notlösung auf der defensiven linken Seite spielen musste, verstehe ich nicht ganz. Angeblich hat Schmitz nach starkem Beginn in der Vorbereitung stark nachgelassen. Mag sein, aber auch Fritz war anzumerken, dass er sich auf der Position nicht vollends wohlfühlte. Bremen begann gut und knüpfte an das Dortmund-Spiel an. Einige gute Kombinationen und Stafetten waren zu sehen, bevor es nach 20, 25 Minuten zu einem Bruch kam. Man ließ die Hamburger ins Spiel kommen und leistete sich vor allem viele Abspielfehler und diverse Schlampigkeiten.

Glücklicherweise waren die Hamburger gute Gäste und verteilten insgesamt zwei Elfer als Gastgeschenke. Kurz vor der Halbzeit reicht ein kurzer Übersteiger von Elia, um an Bruma vorbeizugehen, der das Bein stehen lässt. Doch noch ist Hunt nicht in der Stimmung, um das Geschenk anzunehmen und so kann Adler den schwach geschossenen Elfer parieren. Kurz nach der Halbzeit ist es Aogo, der Petersen im Strafraum legt. So habe ich das Folgende dann vor dem Fernseher wahrgenommen: erst schnappt sich Elia den Ball und marschiert Richtung Elfmeterpunkt. Im Hintergrund sieht man, wie Sokratis Hunt im Arm hat, auf diesen einredet und mit ihm Richtung Strafraum marschiert. Elia wird darauf aufmerksam, dreht ab und drückt Hunt den Ball in die Hand, während er ihn lautstark anfeuert. Hunt behält die Nerven und mit einem deutlich platzierteren Schuss als beim ersten Mal erzielt er das 1:0. Ich fand die Szene bemerkenswert, denn zum einen überlässt der als Egoist verschriene Elia Hunt den Strafstoß, zum anderen auch Sokratis, der Hunt quasi zu seinem Glück zwingt und dann natürlich Hunt selbst, der Cojones zeigt.

So sehr diese Szenen für den Teamgeist sprechen, so sehr wurden anschließend die Defensivmängel wieder offensichtlich. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass Abwehr und Mittelfeld auf verschiedenen Ufern der Weser standen, so groß waren die Lücken. Hier zeigte sich, dass Juno kein gelernter Sechser ist. Er kann das Spiel antreiben und für Impulse sorgen, doch den Raum vor der Abwehr füllen ist seine Sache nicht.  Das 2:0 besiegelte dann den Sieg, nachdem Fritz weit in der Hamburger Hälfte Jiracek den Ball wegspitzelt, Hunt den Ball sofort zu Petersen passt, der frei vor Adler einschieben kann. Sowohl vor als auch nach dem 2:0 kamen die Hamburger noch gefährlich vors Tor. Wieder fehlte die Balance zwischen Offensive und Defensive, die ein Gegner mit mehr Selbstbewusstsein vielleicht ausgenutzt hätte. Hier liegt noch viel Arbeit vor Schaaf.

Nun also erstmal Länderspielpause und danach geht es gegen Hannover, die heute das Team aus Wolfsburg eindrucksvoll zerlegt hat. Es wird nicht einfach, aber bange machen gilt nicht.

Lebenslang Grün-weiß!

5 comments

  1. Schulten

    96, alte Liebe…ich freu mich schon!

    3. September 2012 bei 10:00 Antworten

  2. borttronic

    @Fritz: irgendwo muss er ja spielen. Die restlichen Positionen sind – finde ich – gut besetzt.

    @Elia und zweiter Elfer: ich habe es so wahrgenommen: Arno wollte spielen, Elia nimmt ihm den Ball ab und drückt ihn Hunt in die Hand. (Wortspiel, haha). Und das finde ich echt bemerkenswert. Irgendwie mag ich Elia immer mehr.

    3. September 2012 bei 10:02 Antworten

  3. Tobias (Meine Saison)

    Bei aller Freude über den Sieg: Ich hoffe sehr, dass man das bei Werder richtig einschätzen kann und gegen Hannover deutlich anders an das Spiel herangeht. Dieser Satz ist für mich der springende Punkt:

    „Zeitweise hatte man das Gefühl, dass Abwehr und Mittelfeld auf verschiedenen Ufern der Weser standen, so groß waren die Lücken.“

    Gegen den HSV konnte man sich das erlauben, gegen 96 würde es fast mit Sicherheit schief gehen. Ich hoffe Schaaf berauscht sich nicht zu sehr am Offensivspektakel und setzt darauf irgendwie 4:3 zu gewinnen. Über ein 0:0 in Hannover würde ich mich fast mehr freuen als über den Sieg gegen den HSV.

    3. September 2012 bei 10:18 Antworten

  4. Stephen

    @Tobias: Das hoffe ich auch, dass man weiterhin die Defizite erkennt und daran auch arbeitet.

    3. September 2012 bei 10:43 Antworten

  5. Schulten

    Ich hoffe das irgendwie nicht 😉

    3. September 2012 bei 11:29 Antworten

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