Monthly Archives: Oktober 2012

Nicht Fisch nicht Fleisch

Zunächst möchte ich in die jüngere Vergangenheit zurückschauen, nämlich auf Samstag vor einer Woche. Das Spiel gegen Gladbach war wie ein Blick in vergangene und glorreiche Tage. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Grün-Weißen einen Gegner derart beherrscht haben und förmlich vor Spielfreude explodierten. Spätestens nach dem 1:0 durch Petersen brachen alle Dämme und in der zweiten Halbzeit nagelte man Gladbach förmlich an die Wand. Beeindruckend auch die kaum gekannte Balance zwischen Offensive und Defensive. Fast hätte man denken können, dass jemand eine Aufzeichnung aus längst vergangenen Tagen eingelegt hat, wären da nicht De Bruyne, Elia und die anderen neuen Gesichter über den Platz gerannt. Das Spiel war eine richtig gute Antwort auf die miese Stimmung nach dem 1:3 in Augsburg. Doch es war kein Grund zu überbordender Freude, denn man musste auch attestieren, dass Gladbach ein dankbarer Gegner war, der Werder auch den nötigen Platz zum Zaubern gab. Der 90-minütige Lichtblick sollte also nicht überbewertet werden.

Serienkiller SVW

Eine Woche nach dem 4:0 gegen Gladbach ging es nach Fürth zum ersten Bundesliga-Duell mit dem Aufsteiger aus Franken. Ähnlich wie Augsburg konnten auch die Fürther eine Serie vorweisen, die es galt, zu beenden: bisher hatten die Kleeblätter im eigenen Stadion noch keinen Punkt geholt und auch noch kein Tor geschossen. Wie gut, dass die Bremer antraten, hier freundlich Aufbauhilfe zu leisten. Nach 8 Minuten traf Fürth zum 1:0, dank freundlicher Unterstützung der Werder-Abwehr, die den üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels hielt. In den ersten 15 Minuten waren die Hausherren klar am Drücker und ich war relativ angefressen, denn nach dem Gladbach-Spiel ließen sich einige wieder zu den üblichen Ansagen hinreißen, die Lars schon entsprechend dokumentiert hatte. Und zu Beginn zeigte sich das altbekannte Phänomen, dass diese Ansagen konsequent mit Nicht-Leistung untermauert werden.

Doch nach besagten 15 Minuten rissen sich die Grün-Weißen zusammen und übernahmen die Kontrolle über das Spiel. Die Kombinationen wurden sicherer und man konnte die ersten guten Chancen des Spiels verzeichnen. Kurz vor der Halbzeit-Pause erziele Petersen nach einem sehenswerten Spielzug das längst überfällig 1:1 und nach dem Pausentee kommt Bremen mit Dampf aus der Kabine und spätestens bei der Doppelchance von Petersen und Arnautovic hätte Werder den Sack zumachen können/müssen/sollen. Doch im Fußball gibt es für den Konjunktiv keine Punkte und irgendwo zwischen der 60. und 65. Minute verebbt der Bremer Sturmlauf beim Stand von 1:1. Fürth wechselt mit Pekovic einen defensiven Mittelfeldspieler ein und schafft es zum einen, den Bremer Vorwärtsdrang zu unterbinden und selbst immer wieder gefährliche Angriffe einzuleiten. Bremen wirkt körperlich völlig platt und schafft es kaum, selbst noch gefährlich vor das Tor des Gegners zu kommen. Man hat sogar noch Glück, als Schiri Stieler in der 66. Minute die Szene zwischen Mielitz und Prib nicht als Foul des Bremer Keepers wertet. Ein Elfer wäre hier durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Am Ende bleibt ein 1:1 und obwohl Bremen mehr und bessere Chancen hatte, geht das Ergebnis durchaus in Ordnung. Fürth hat sich im Rahmen der Möglichkeiten zur Wehr gesetzt und war in der ersten Viertelstunde und in den letzten ca. 25 Minuten des Spiels die aktivere Mannschaft. Hadern muss man mit der Chancenverwertung sowie dem üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels. Immerhin hat man sich vom frühen Gegentor nicht völlig aus der Bahn werfen lassen und anschließend gut ins Spiel gefunden. Bedenklich fand ich das Nachlassen nach ca. 65, wo man dem körperlichen Spiel der Fürther immer weniger entgegenzusetzen hatte. Letztlich war es ein Spiel, dass einen mit gemischten Gefühlen zurücklässt: es wäre deutlich mehr drin gewesen, andererseits hätte der mögliche Elfmeterpfiff uns auch alle Punkte kosten können. Mal sehen, welches Gesicht die Mannschaft nächste Woche gegen Mainz zeigt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Emotionen im Fussball

So ähnlich verhalte ich mich während des Fußballs auch. Könnte ein Grund sein, warum keiner mit mir zusammen Werder-Spiele gucken will. La puta que te pario oder so ähnlich. Übrigens darf der arme Mann den Abstieg von River Plate aus der argentinischen ersten Liga mitverfolgen, was wohl auch ein Grund ist, warum er nicht besonders gute Laune hat. (via Schlecky Silberstein)

Ich kann nicht mehr

Ich bin mittlerweile einfach nur noch wütend und muss es einfach mal raus lassen. Vor diesem Spiel hatte Augsburg in sechs Spielen gerade einmal zwei mickrige Tore geschossen. Aber hey, Bremen kommt vorbei und schon nach zwei Minuten holen sich die Schwaben das dringend benötigte Selbstbewusstsein. Am Ende gewinnt der FCA mit 3:1 und kann seine Torausbeute um 150% steigern. Die Steigerung hätte deutlich höher ausfallen müssen und nur die Unfähigkeit der Augsburger Angreifer rettet den SVW vor einer richtigen Klatsche. Ich habe die letzten vier Spiele aufgrund meines Urlaubs nicht gesehen, aber dieses eine Spiel ist völlig ausreichend, damit ich langsam die Lust an Werder verliere. Nach den letzten beiden Saisons machte das Wort vom Umbruch die Runde. Es gibt viele neue Namen und trotz einiger guter Ansätze vor allem im Spiel nach vorne bleiben die Fehler gleich.

Es sind die ewig gleichen Fehler und Schlampigkeiten im Spiel nach vorne, die immer wieder zu Gegentoren führen. Das defensive Mittelfeld gleicht eher einer Wüste und zeichnet sich vor allem durch komplette Nichtexistenz aus. Schaaf muss das doch sehen, aber er allein weiß die Antwort, warum sich daran auch nach Jahren nichts ändert. Da kann die Defensive noch so gut eingestellt sein, sie wird immer in Bedrängnis kommen, wenn die gegnerischen Angriffe völlig ungehindert durch das Mittelfeld rollen können. Warum stümpert die Mannschaft defensiv in immer gleicher Weise rum und nach dem Spiel spricht man von mangelnder Aggressivität und davon, dass man den Anfang verpennt. Warum lässt sich sowas nicht abstellen? Ich bin echt sprachlos nach diesem Spiel, in welchem man einen am Boden Gegner liegenden wieder aufgepäppelt hat. Die Namen sind neu, doch das Spiel erinnert immer wieder frappierend an die letzten beiden Jahre und manchmal muss man sich schon fragen, ob aus den immer gleichen Fehlern nicht gelernt wird. Denn danach sieht es aus. Immer wieder klammern wir Fans uns an jeden guten Ansatz, nur um mit anzuschauen, wie man kurze Zeit später wieder in alte Muster zurückfällt.

Und hier stelle ich auch Schaaf zunehmend in Frage. Klar, braucht eine neue Mannschaft Zeit, aber wenn ich die Fehler der letzten Jahre immer wieder mit ansehen darf, dann kann man auch mal die Arbeit des Trainers in Frage stellen. Ein nett anzuschauendes Offensivspiel (welches jedoch noch lange nicht die erhoffte Durchschlagskraft gebracht hat) sollte nicht über den defensiven Serien-Dilettantismus hinwegtäuschen. Bremen stellt derzeit die mieseste Abwehr der Liga und wenn selbst die spielerisch limitierten Augsburger uns nach Schema F auseinander nehmen, dann müssen sich die Vereinsoberen auch mal selbst hinterfragen. Die letzten zwei Saisons habe ich mich weitgehend hinter Schaaf gestellt, aber langsam kann ich es nicht mehr.

Update: Wie Kata in den Kommentaren schon sagte, haben wir 2012 in 24 Pflichtspielen gerade einmal 20 Punkte geholt. Damit sind wir von den Mannschaften, die 2012 durchgehend in Liga 1 waren, die Schlechteste. Kann man auch hier nachgucken: http://www.transfermarkt.de/de/1-bundesliga/jahrestabelle/wettbewerb_L1_2012.html