Nicht Fisch nicht Fleisch

Zunächst möchte ich in die jüngere Vergangenheit zurückschauen, nämlich auf Samstag vor einer Woche. Das Spiel gegen Gladbach war wie ein Blick in vergangene und glorreiche Tage. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Grün-Weißen einen Gegner derart beherrscht haben und förmlich vor Spielfreude explodierten. Spätestens nach dem 1:0 durch Petersen brachen alle Dämme und in der zweiten Halbzeit nagelte man Gladbach förmlich an die Wand. Beeindruckend auch die kaum gekannte Balance zwischen Offensive und Defensive. Fast hätte man denken können, dass jemand eine Aufzeichnung aus längst vergangenen Tagen eingelegt hat, wären da nicht De Bruyne, Elia und die anderen neuen Gesichter über den Platz gerannt. Das Spiel war eine richtig gute Antwort auf die miese Stimmung nach dem 1:3 in Augsburg. Doch es war kein Grund zu überbordender Freude, denn man musste auch attestieren, dass Gladbach ein dankbarer Gegner war, der Werder auch den nötigen Platz zum Zaubern gab. Der 90-minütige Lichtblick sollte also nicht überbewertet werden.

Serienkiller SVW

Eine Woche nach dem 4:0 gegen Gladbach ging es nach Fürth zum ersten Bundesliga-Duell mit dem Aufsteiger aus Franken. Ähnlich wie Augsburg konnten auch die Fürther eine Serie vorweisen, die es galt, zu beenden: bisher hatten die Kleeblätter im eigenen Stadion noch keinen Punkt geholt und auch noch kein Tor geschossen. Wie gut, dass die Bremer antraten, hier freundlich Aufbauhilfe zu leisten. Nach 8 Minuten traf Fürth zum 1:0, dank freundlicher Unterstützung der Werder-Abwehr, die den üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels hielt. In den ersten 15 Minuten waren die Hausherren klar am Drücker und ich war relativ angefressen, denn nach dem Gladbach-Spiel ließen sich einige wieder zu den üblichen Ansagen hinreißen, die Lars schon entsprechend dokumentiert hatte. Und zu Beginn zeigte sich das altbekannte Phänomen, dass diese Ansagen konsequent mit Nicht-Leistung untermauert werden.

Doch nach besagten 15 Minuten rissen sich die Grün-Weißen zusammen und übernahmen die Kontrolle über das Spiel. Die Kombinationen wurden sicherer und man konnte die ersten guten Chancen des Spiels verzeichnen. Kurz vor der Halbzeit-Pause erziele Petersen nach einem sehenswerten Spielzug das längst überfällig 1:1 und nach dem Pausentee kommt Bremen mit Dampf aus der Kabine und spätestens bei der Doppelchance von Petersen und Arnautovic hätte Werder den Sack zumachen können/müssen/sollen. Doch im Fußball gibt es für den Konjunktiv keine Punkte und irgendwo zwischen der 60. und 65. Minute verebbt der Bremer Sturmlauf beim Stand von 1:1. Fürth wechselt mit Pekovic einen defensiven Mittelfeldspieler ein und schafft es zum einen, den Bremer Vorwärtsdrang zu unterbinden und selbst immer wieder gefährliche Angriffe einzuleiten. Bremen wirkt körperlich völlig platt und schafft es kaum, selbst noch gefährlich vor das Tor des Gegners zu kommen. Man hat sogar noch Glück, als Schiri Stieler in der 66. Minute die Szene zwischen Mielitz und Prib nicht als Foul des Bremer Keepers wertet. Ein Elfer wäre hier durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Am Ende bleibt ein 1:1 und obwohl Bremen mehr und bessere Chancen hatte, geht das Ergebnis durchaus in Ordnung. Fürth hat sich im Rahmen der Möglichkeiten zur Wehr gesetzt und war in der ersten Viertelstunde und in den letzten ca. 25 Minuten des Spiels die aktivere Mannschaft. Hadern muss man mit der Chancenverwertung sowie dem üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels. Immerhin hat man sich vom frühen Gegentor nicht völlig aus der Bahn werfen lassen und anschließend gut ins Spiel gefunden. Bedenklich fand ich das Nachlassen nach ca. 65, wo man dem körperlichen Spiel der Fürther immer weniger entgegenzusetzen hatte. Letztlich war es ein Spiel, dass einen mit gemischten Gefühlen zurücklässt: es wäre deutlich mehr drin gewesen, andererseits hätte der mögliche Elfmeterpfiff uns auch alle Punkte kosten können. Mal sehen, welches Gesicht die Mannschaft nächste Woche gegen Mainz zeigt.

Lebenslang Grün-Weiß!

2 comments

  1. Kata

    Wer siegen will, sollte nicht um Erlaubnis bitten!

    Diese ewigen Lippenbekenntnisse, dieses ewige Starkreden der Gegner, dieses vorgeschobene Alibi der ach so jungen Mannschaft … ich mags nicht mehr hören.
    Lt. Allofs grenzte es ja immer an ein Wunder, dass man damals die CL erreichte … also ist man jetzt wieder da, wo Werder eigentlich hingehört, im grauen Mittelmaß.

    28. Oktober 2012 bei 21:59 Antworten

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