Der Tag danach

Heute also das erste Spiel nach dem Allofs-Abgang. Es wurde viel geredet und geschrieben in den letzten Tagen, da tat es gut, dass heute endlich wieder der Ball rollte. Natürlich war die Abwesenheit von KA das große Thema vor und während des Spiels. So erfuhr man von Sky Kommentator Michael Born, dass kein Platz auf der Bank der Bremer frei blieb und Schaaf ja jetzt niemanden mehr zu reden hat (die Bank war voll mit Spielern, Co-Trainern und anderen Helferlein). Man hatte das Gefühl, der arme Born war völlig überfordert mit dieser Situation und dem verzweifelten Versuch, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf das Fehlen von Allofs hinzuweisen.

Auf dem Platz dann zunächst der übliche Bremer Tiefschlaf zu Beginn des Spiels (OptaFranz schrieb vom 6. Gegentor in der Anfangs-Viertelstunde). Nach einem Ballverlust tief in der Hälfte des Gegners laufen die Düsseldorfer einen Konter in Überzahl, Kruse täuscht im Strafraum an und Sokratis wirft sich in die Schussfinte, berührt dabei Kruse und Sippel zeigt auf den Punkt. Den vertretbaren Elfer haut Langeneke rein. Alles also wie gehabt. Danach lassen sich die Grün-Weißen zunehmend aus dem Konzept bringen und anstatt Fußball zu spielen, reibt man sich an Gegner und Schiedsrichter auf. Düsseldorf provoziert natürlich auch das eine oder andere mal, doch es ist der Fehler der Bremer, sich darauf einzulassen. Gerade Arnautovic rannte mit Schaum vor dem Mund durch die Gegend und hatte Glück, dass Sippel ihn für seinen (wenn auch kleinen) Kopfstoß gegen Langeneke nicht vom Platz stellt.

Die Ansprache von Schaaf war nicht allzu lang, wahrscheinlich hat er nur gesagt, endlich Fußball zu spielen und sich nicht mehr auf die Scharmützel mit Gegner und Schiri zu konzentrieren. Das hatte schon kurz nach Wiederanpfiff Erfolg, als Lukas Schmitz einem Ball nachsetzt und einen fast verlorenen Ball noch retten kann, um ihn dann auf die Stirn von Nils Petersen zu servieren. Bremen dominiert das Spiel, jedoch kam in Minute 77 der nächste Rückschlag, als Lukimya mit gelb-rot vom Platz musste. Die Zweikampfführung war hier auch eher ungeschickt, angesichts seiner schon vorhandenen gelben Karte. Trotz Unterzahl blieben alle drei Zähler in Bremen, da Kevin De Bruyne eine Flanke von Aaron Hunt perfekt zum 2:1 verwandelte. Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als das Ergebnis mit einem Ballbesitzverhältnis von 65% zu 35% und 24:3 Torschüssen. Aber langsam fragt man sich schon, was man tun kann, damit die Mannschaft auch mal von der ersten Minute wach auf dem Platz steht. Koffein intravenös vielleicht?

Ein Thema des Spiels war Schiri Peter Sippel. Alles in allem hatte Sippel nicht den besten Tag erwischt und viele Entscheidungen sind nicht ganz nachvollziehbar gewesen, doch hat er den SVW nicht verpfiffen. Ganz im Gegenteil, denn Arnautovic hätte rot sehen können, vielleicht müssen. Und bei der gelb-roten Karte gegen Lukimya lag er in meinen Augen auch richtig. Ich finde es übrigens erstaunlich, dass sich Arnautovic in Halbzeit zwei so sehr im Griff hatte, denn eigentlich hatte ich fest damit gerechnet, dass er in der Halbzeit von Schaaf ausgetauscht wird. Zum Glück hatte sich der lange Ösi aber im zweiten Durchgang durchweg im Griff.

Nun stehen wir vorübergehend auf Platz 7 hinter dem punktgleichen Sechsten aus Hannover. Doch Euphorie löst der Tabellenplatz nicht aus, da zwischen Platz sechs und dreizehn gerade einmal drei Punkte liegen. Am nächsten Samstag spielen wir gegen das Team auf Platz dreizehn, nämlich den VfL Wolfsburg. Die Vorberichte der nächsten Tage möchte ich an dieser Stelle schon einmal abkürzen: „Allofs trifft auf Ex-Club“. Mehr ist es am Ende des Tages nicht, zumindest nicht für mich.

5 comments

  1. kodiak

    was vor allem keine euphorie auslöst, ist die teilweise spielerische dummheit der spieler! man sieht da so viel potenzial, aber die getroffenen entscheidungen sind teilweise haarsträubend, wenn auch noch so viel positives dabei ist. da möchte man sich als fan am liebsten jedes haar einzeln ausreißen, weil man es einfach nicht versteht. das umschalten im mittelfeld, sowohl offensiv als auch defensiv, hakelt teilweise auch noch ganz gewaltig. da werden schlampige pässe gespielt und in guten situationen muss das tempo rausgenommen werden, weil es keine anspielstationen gibt. sehr sehr instbabil alles. und teilweise aufgrund nicht nachvollziehbarer fehler…

    19. November 2012 bei 00:11 Antworten

  2. Tobias (Meine Saison)

    Gute Zusammenfassung. Ich hab auch gedacht, dass Arnautovic fliegt. War auf jeden Fall ein Risiko, ihn in Hz 2 drauf zu lassen. Schiri wirkte bei einigen Entscheidungen unglücklich, aber die Spieler haben es ihm auch nicht einfach gemacht. Fast jeder Zweikampf war an der Grenze der Legalität, beide Teams waren sehr körperbetont und Düsseldorfs (mehr oder weniger) Manndeckung im Mittelfeld hat da sicher auch zu beigetragen.

    Die erste Halbzeit fand ich von Werder schwach und den Rückstand berechtigt. Irgendwie ist dem Team keine Antwort auf die enge Bewachung von Hunt eingefallen und man hat sich viel zu sehr am Schiri aufgerieben. Das 0:1 war (in der Entstehung) mal wieder ein Kontertor Marke Schaaf, der tiefste Mittelfeldspieler verliert 25 Meter vor dem gegnerischen Tor den Ball, das restliche MF schaltet nicht um und der Gegner kontert in Überzahl. Zum Glück wurde das in Hz 2 besser. Kämpferisch war es eine gute Leistung, spielerisch eher mittelmäßig. Am Ende war der Sieg verdient, aber Werder hat die Fortuna nun wirklich nicht an die Wand gespielt, wie teilweise behauptet wurde.

    19. November 2012 bei 11:37 Antworten

  3. Stephen

    Ja, der Konter vor dem 0:1 war einer dieser typischen Werder-WTF-Momente. Lukimya gibt den Spielmacher, keiner sichert ab und schon rennen die Düsseldorfer zu dritt auf Sokratis und Selassie zu. Schon zigfach gesehen, aber gewöhnen kann ich mich an den Anblick trotzdem nicht. 🙁

    19. November 2012 bei 12:07 Antworten

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