Führungspersonal

Nachdem die wichtigen Fragen vor dem Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen schon geklärt wurden und wir wissen, dass Allofs a) sich mit seinem neuen Arbeitgeber über seinen alten Arbeitgeber austauschen wird und b) er sich über einen Sieg seines neuen Arbeitgebers über seinen alten Arbeitgeber offen freuen würde, kommen wir zu anderen Themen, die vielleicht nicht diese Brisanz erreichen. Die Frage an der Weser ist nun natürlich, wie die Lücke zu schließen ist, die Allofs beim SVW hinterlassen hat. Dabei scheinen viele Varianten möglich, von einem „Teammanager“ Schaaf (nach englischem Vorbild) über die Besetzung der Stelle des Sportdirektors/Geschäftsführers mit einer Person bis hin zu einer Teilung der beiden Positionen. Laut Aufsichtsratschef Willi Lemke scheint es eher darauf hinaus zu laufen, dass zwei Leute kommen und einer Sportdirektor wird, während der andere in die Geschäftsführung geht.

Dies halte ich für die beste Lösung, da es (im Nachhinein betrachtet) sicherlich nicht optimal war, eine Person auf beide Posten zu setzen. Man kann vielleicht auch sagen, dass Allofs Wirken seit 2009 nachgelassen hat, als er nach dem Abgang von Born in die Geschäftsführung berufen wurde. Vielleicht war es einfach zu viel Arbeit für eine Person, vielleicht versucht man auch, Zusammenhänge zu sehen, wo es keine gibt. Aber auch unter dem Gesichtspunkt der Machtkonzentration ist es vorteilhafter, nicht zwei Position an eine Person zu vergeben (Magath, anyone?). An den Ausführungen von Lemke im oben verlinkten Artikel irritiert mich ein bisschen, dass er Schaaf eine größere Rolle geben möchte. Es mag sein, dass dies eine strategische Entscheidung ist, Schaaf noch enger an den Verein zu binden, aber Schaaf schien bisher ja auch schon einige Wörtchen mitzureden hatte.

Den Vorschlag von bspw. Andreas, mindestens einen der beiden vakanten Posten mit einer externen Person zu besetzten, kann ich nur unterstützen. Ich denke, neue Impulse und andere Sichtweisen können sicherlich nicht schaden. Aber es muss halt auch jemand sein, der zum Verein passt und der nach Möglichkeit auch ein bisschen Erfahrung vorzuweisen hat. Beiersdorfer wird es wohl nicht und auch Lemke selbst steht nicht zur Verfügung. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Das Fan-Dasein

Eigentlich sind die nachfolgenden Ausführungen schon einen eigenen Post wert, aber ich habe auf der anderen Seite keine Lust, das Thema Allofs in einem weiteren Beitrag zu verwursten. Was mich beim Wechsel von Allofs ein bisschen genervt hatte, war der moralische Zeigefinger aus allen Richtungen, wenn man es wagte, den Wechsel zu kritisieren. Dabei gab es zwei Hauptargumente:

1.) Fußball ist ein Geschäft

Ist richtig, würde ich auch nie bestreiten. Aber darf man sich als Fan eines Vereins sich nicht darüber ärgern, dass der Manager nach albernen Versuchen des Rumeierns geht. Darf man es nicht zum kotzen finden, wenn er auf der Abschieds-PK sagt, dass er Bremen liebt und sich so wohl wie selten gefühlt hat? Ich sehe mich als Fan des Vereins und da kann ich nicht alle Vorgänge um den Club einfach mit einem geschäftsmäßigen Achselzucken hinnehmen. Ich leide während der 90 Minuten eines Spiels und natürlich sind die Jungs meines Vereins die Engel, die nie etwas Böses tun, während der Gegner eine Bande von Schauspielern und Tretern ist. Und natürlich pfeift der Schiri tendenziell gegen Bremen. Und auch das Gehen von Spielern/Funktionären begleite ich im ersten Moment mit einem Gefühl der Enttäuschung. Jemand, der Teil „meiner“ Gruppe war, verlässt diese und wird einer von „denen“. Das ist ja auch eine Faszination des Fußballs, die „wir“-gegen-„die“-Dialektik, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Und so lange das alles friedlich abläuft, sehe ich da kein Problem. Und da braucht man mir nicht oberlehrerhaft mit Vernunft kommen, wenn Allofs den Abgang macht. Nach der ersten Enttäuschung kann ich damit gut leben und sicherlich sind die Chancen, die sich ergeben auch nicht ohne.

2.) Der „normale“ Arbeitgeber macht das auch so!

In der Diskussion um den Wechsel von Allofs (und auch immer wieder bei Spielern) kommt man irgendwann zum schnöden Mammon. Wenn man daran leise Kritik übt, heißt es immer gleich, dass wir (wer auch immer „wir“ sein soll…) das ja im Berufsleben auch so machen würden. Der Vergleich hinkt für mich immer an so vielen Stellen und das geht auch ganz plump mit der Entlohnung los. Ein „normaler“ Arbeitnehmer verdient nicht in den Regionen, die Allofs bekommt. Und es soll auch viele Arbeitnehmer geben, die nicht für jede Gehaltssteigerung den Arbeitnehmer wechseln, vor allem wenn man sich angeblich so wohl fühlt. Und vor allem kann ich nicht heute kündigen und morgen einen neuen Job antreten, während im Hintergrund noch eine Ablöse an meinen alten Arbeitgeber fließt. Als normalem Arbeitnehmer schauen mir auch nicht Millionen bei der Ausübung meiner Arbeit zu und ich muss auch nicht dauernd Interviews und Pressekonferenzen abhalten. Darüber hinaus habe ich auch keinen Agenten, der mir das Verhandeln und Denken abnimmt. Können wir also einfach mal aufhören, das Biotop Profi-Fußball mit dem normalen Arbeitsmarkt zu vergleichen?

 

4 comments

  1. Lars

    Dem Punkt 1) stimme ich so was von zu. Gerade die Vereinsfunktionäre sagen ja auch immer, wie Wichtig die Fans sind und Emotionen und Vereinsliebe und trallalala und dann kann man nicht erwarten, dass ein Abgang einfach so mit Hinweis auf die Gesetze des Geschäfts hingenommen werden kann. Was mich bei der Sache am meisten gestört hat, war dieser schnelle Wechsel. Mittwoch sagen, wie toll es bei Werder war und Donnerstag dann sich hinsetzen und öffentlich darüber reden, ob man den Trainer bald auch rüberholt.

    Und zur Diskussion um die Nachfolge: Ich hoffe nicht, dass Schaaf eine zweite Rolle übernimmt. Und ich glaube auch nicht dran. Im Interview hat er ja recht deutlich gesagt, dass er Trainer ist…

    22. November 2012 bei 22:16 Antworten

  2. Stephen

    Das Schaaf eine zweite Rolle einnimmt, glaube ich auch nicht. Aber im verlinkten Artikel spricht Lemke davon, Schaaf mehr Mitsprache zu gewähren. Da hatte ich bisher nicht das Gefühl, dass mit dem armen Thomas keiner reden will. 🙂

    22. November 2012 bei 22:30 Antworten

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