Schweigegelübde

Eigentlich war das gestrige Spiel schon nach dem Hinweis von Andreas gelaufen. Einige Spieler hatten von Europa geträumt, von neun Punkten bis zum Weihnachtsfest. Das Ganze wurde gestern Abend mit einer grandiosen Nichtleistung untermauert, vor allem defensiv. Ich wünsche mir, dass irgendjemand mal Geldstrafen verhängt, wenn die Spieler solche Ziele definieren. Man könnte sich mal Dortmund als Beispiel nehmen, die erst von der Meisterschaft sprachen, als sie diese schon gewonnen hatten. Vielleicht sollten Bremer Spieler auch erst von europäischen Wettbewerben reden, wenn wir uns qualifiziert haben. Oder vielleicht kleinere Ziele setzen: „Heute binde ich mir die Schuhe selbst zu.“

Leverkusen hat uns gestern eine Lehrstunde in Sachen Effektivität gegeben. Sechs Schüsse aufs Tor und vier davon drin. Das Spiel nach vorne war zwar keine Offenbarung, aber es sprangen einige gute Gelegenheiten dabei raus, die man bei einer besseren Feinjustierung der Zielvorrichtungen auch zu mehr Toren geführt hätten. Doch der Knackpunkt gestern lag ganz eindeutig in der Defensive. Ja, beim 0:1 verhilft Schiri Kinhöfer den Leverkusenern zu einem unberechtigten Freistoß, aber wenn 25-Millionen-Mann Schürrle fällt, kann das ja kaum daran liegen, dass er einfach zu blöde ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen, oder? Aber auch eine Fehlentscheidung ist kein Freibrief danach dann wie ein Torero zu verteidigen und den Gegner durchzuwinken. Yes, I am looking at you, Kevin!

Das 0:2 fällt (wie auch das 1:4) in der Schnittstelle zwischen Prödl und Sokratis, während das 1:3 durch einen Bock von Prödl eingeleitet wird. Dabei ist es zu einfach, jetzt Prödl zum Sündenbock zu machen, denn bei den Gegentoren zwei und drei war das defensive Mittelfeld missing in action. Statt einem Platz in Europa sind wir nun auf Platz zwölf, was sich angesichts der doch engen Tabelle dramatischer anhört, als es ist. Am Wochenende geht es nach Sinsheim, zu den Hoffenheimern und ich hoffe, dass man trotz Vorweihnachtszeit ohne Geschenke anreist.

3 comments

  1. Tobias (MeineSaison)

    Ich fand das Spiel am Mittwoch mal wieder bezeichnend für die Bremer Überheblichkeit der letzten Jahre. Sowohl was das Team als auch was das Umfeld angeht. Im Stadion waren um mich herum viele, die den Leverkusener Sieg als unberechtigt empfanden und Schuld war natürlich mal wieder vor allem der Schiedsrichter. Dass Leverkusen taktisch eine Klasse besser war und Werder von der Spielanlage her ab der 1. Minute dominiert hat, nimmt man lieber nicht zur Kenntnis. Das Werder im Spielaufbau gegen solche hoch pressenden Gegner einfach kein Mittel findet, sondern es immer weiter nach Schema F versucht, wird ebenfalls ignoriert. Schuld sind dann die vielen Fehlpässe, ohne sich überhaupt zu fragen, warum diese zustande kommen. Zwischen dem Spielaufbau der beiden Mannschaften lagen Welten und auch wenn ich den Leverkusener Ansatz mit den extrem hohen Außenverteidigern und abkippenden Mittelfeldspielern nicht grundsätzlich als besser ansehe, sollte man sich doch zumindest im Lauf eines Spiels anpassen können. Leverkusen hat das clever gemacht, die Außenstürmer in die Mitte gezogen und die Außenverteidiger bis an die Abseitslinie vorgeschoben. Füllkrug und Elia sind so lange mit ihren Gegenspielern mitgegangen, bis sie auf einer Höhe mit Selassie und Ignjovski standen. Dadurch hat Leverkusen Werders Pressing schön zerlegt und hatte in der Mitte Überzahl.

    Werder hat dann phasenweise durchaus ganz gut gespielt und wie du schreibst hätte da auch mehr als nur ein Tor bei rauskommen können. Die Tore von Leverkusen waren aber allesamt gut herausgespielt, wenn auch mit Bremer Unterstützung. Das erste Tor ist ganz schwer zu verteidigen, die halbhohe Flanke ist stark, die Weiterleitung auch und eigentlich ist das dann kaum noch zu verteidigen. Genau das gleiche beim 0:2, da kann Prödl (den ich ansonsten auch eher schwach fand) überhaupt nichts machen und ich verstehe nicht, wie man da einen Fehler von ihm sehen kann. Da wird auf Bender keinerlei Druck ausgeübt und der kann in aller Ruhe auf den richtigen Zeitpunkt für den Pass auf Castro warten. Mit so viel Raum und Zeit kann jeder Oberligaspieler diesen Pass spielen. Castro läuft in den Rücken von Sokratis und das ist eben die Gefahr, wenn die Innenverteidiger so weit rausrücken und die Lücke zum Mittelfeld schließen sollen. Wolfsburg hat das nicht gezielt ausgenutzt, Leverkusen schon. Werder ist in der Situation eigentlich in Überzahl, hat aber ab dem Pass auf Bender keine Chance mehr, das Tor zu verhindern.

    Wie auch immer, jetzt gilt es wie schon nach dem Augsburg Spiel nicht den Kopf in den Sand zu stecken und im Gegensatz zu letzter Saison aus solchen Spielen zu lernen. Und bitteschön die Klappe zu halten, was irgendwelche Saisonziele angeht.

    30. November 2012 bei 11:03 Antworten

  2. Stephen

    Ich schreibe ja auch, dass Prödl für mich nicht der Sündenbock ist, weil die Probleme viel weiter vorne mal wieder anfangen. Und dann sind wir auch da wieder beim täglich grüßenden Murmeltier: dem defensiven Mittelfeld. Ich hoffe nur, dass wir nicht wieder Aufbaugegner für die Hoffenheimer spielen, denn die sind noch ärmer dran.

    30. November 2012 bei 11:47 Antworten

  3. Tobias (Meine Saison)

    Ja, das war auch nicht auf deinen Text bezogen sondern mehr auf die allgemeine Stimmung nach dem Spiel.

    Hoffenheim wird eine ziemliche Wundertüte, die spielen teilweise wirklich gut, aber nie ein ganzes Spiel lang und haben dann auch immer richtig schwache Phasen. Ich hoffe das können wir ausnutzen.

    30. November 2012 bei 16:30 Antworten

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