Der dreifache Marko

Ein Spiel gegen einen Krisenclub löst bei mir nicht allzu viel Begeisterung aus. Nur allzu oft dient sich der SVW als gerne gesehener Aufbaugegner an. Gestern aber erlöst Bremen die Hoffenheimer nicht aus der Krise, sondern sorgt mit dem 4:1-Sieg dafür, dass Trainer Markus Babbel zu Weihnachten mehr Zeit hat. Hat man eigentlich schon Matthäus in Sinsheim gesehen?

Ich habe die erste Halbzeit verpasst und konnte der Halbzeitzusammenfassung sowie den Stimmen auf Twitter und Facebook entnehmen, dass man eine desolate Hoffenheimer Mannschaft dominierte und die 2:0-Führung eigentlich noch zu niedrig ausgefallen war. Ich hatte noch gescherzt, dass man mich gerne verantwortlich machen könne, wenn das in Halbzeit zwei noch in die Hose gehen würde. Man konnte ja erwarten, dass die Kraichgauer mit mehr Elan aus der Kabine kommen würden, regelrecht erschreckend war jedoch die Tatsache, wie Bremen sich vom Anpfiff weg davon derart beeindrucken ließ. Nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang erzielte Hoffenheim den Anschlusstreffer und nun taumelte Bremen über den Rasen wie ein angezählter Boxer.

Es wurde kein Druck auf den Gegner ausgeübt, schon im Mittelfeld bekam die TSG zu viel Raum und man konnte die Panik förmlich spüren, welche die Mannschaft im Griff zu haben schien. Die Hoffenheimer kamen noch zu einigen guten Gelegenheiten, die sie jedoch nicht nutzen konnten. Allein Mielitz stemmte sich hier gegen die Angriffe des Gegners, während die anderen lieber einen gebührenden Sicherheitsabstand einhielten. Nach vorne kam kaum Entlastung, die sich bietenden Konterchancen wurden nicht genutzt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die Hausherren den Ausgleich erzielen würden und vielleicht wäre es dann noch schlimmer gekommen.

Ein Glück hat Arnautovic dann das erlösende 3:1 per Freistoß erzielt. In diesem Moment sicherlich unverdient, aber es nahm den Hoffenheimern komplett den Wind aus den Segeln und Marko konnte seine tolle Leistung sogar noch mit dem 4:1 krönen. Die beiden Gesichter der Bremer Mannschaft in so kurzer Zeit zu erleben, war schon ernüchternd. Und auch wenn das Spiel so deutlich gewonnen wurde und man den Gegner über weite Strecken dominieren konnte, sollte es nicht darüber hinweg täuschen, dass man nur knapp davor war, das Spiel wieder aus der Hand zu geben. Einerseits könnte man es auf die junge Mannschaft schieben, aber andererseits habe ich das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren immer wieder dafür anfällig waren, angeschlagene Gegner im Laufe einer Partie wieder ins Spiel kommen zu lassen. Oder täusche ich mich da?

Der Mann des Spiels war mit weitem Abstand Marko Arnautovic. Mit fünf Toren und vier Assists spielt er bisher eine wirklich gute Saison und zeigt die Leistungen, die man sich seit seinem Wechsel an die Weser erhofft hat. Dabei zeigt er nicht nur in der Offensive starke Leistungen, sondern leistet auch wertvolle Dienste für die Defensive, indem er immer wieder mit nach hinten arbeitet. Abseits des Platzes ist es bisher relativ ruhig geblieben. Naja, man wird ja auch älter, bekommt Nachwuchs und wenn die Leistung stimmt, laufen die Medien auch nicht verzweifelt rum, um aus einem „Saftladen“-Ausspruch eine mittlere Staatsaffäre zu machen.

Wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: könnte jetzt bitte keiner mit hochfliegenden europäischen Träumen um die Ecke kommen? Danke! In den nächsten zwei Spielen einfach 180 Minuten Vollgas geben und dann schauen wir einfach mal, wie viele Punkte unter dem Weihnachtsbaum liegen. Hört sich gut an? Finde ich auch.

Lebenslang Grün-Weiß!

2 comments

  1. Rioqju

    Alles in Allem ein gutes Spiel von Werder. Mielitz und Arnautovic waren die herausragenden Spieler.
    Allerdings muss man auch erwähnen, daß man wohl Glück hatte, daß Arnie den Freistoß zur perfekten Zeit versenkt hat. Denn sonst hätte es mMn ein anderes Ergebnis gegeben. Werder hat die erste Halbzeit dominiert und dann sehr stark nachgelassen. Hoppenstädt wurde stark gemacht nach der Pause.
    Werder wird uns auch in naher Zukunft mit solchen Spielen „erfreuen“, in denen Licht und Schatten sich abwechseln. Bisher kann die Mannschaft einfach nicht konstant ihr Potential abrufen.

    4. Dezember 2012 bei 15:13 Antworten

  2. Pingback: Aufbaugegner? Welcher Aufbaugegner? - Meine Saison mit dem SVW

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