Mittendrin und nicht dabei

Noch ein Spieltag fehlt, um die Hinrunde zu komplettieren. Ich habe das Spiel gegen Frankfurt nicht sehen können, sondern nur die Kurzzusammenfassung. Wenn man den Spielberichten von Tobias und bei Spielverlagerung glaubt, dann war Bremen im Spiel gegen die Adler gar nicht so viel schlechter, wie es das Ergebnis mit 1:4 vielleicht vermuten lässt. Und dennoch verliert man schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit mit 1:4. Von den vor kurzem avisierten neun Punkten bis zur Winterpause stehen drei bisher zu Buche und den Winter wird man im Mittelfeld der Tabelle verbringen und dabei das internationale Geschäft immer noch in Reichweite behalten. Nur fünf Mannschaften haben mehr Tore geschossen als Bremen, aber auch nur zwei Mannschaften haben mehr kassiert.

Ich bin mir derzeit nicht sicher, wie ich die bisherige Saison bewerten soll. Ja, das neue System hat für neue Impulse im Spiel nach vorne gesorgt, vor allem im Vergleich zu dem Gewürge der letzten Rückrunde. An guten Tagen sieht das schon sehr schick aus und man kann die Idee von Schaaf sehen und nachvollziehen. Nur die Chancenverwertung wollte da zuletzt nicht ganz mithalten. Leider sehe ich in der Defensive kaum Fortschritte bzw. in den letzten Spielen auch wieder deutliche Rückschritte. Wenn diese Mannschaft wirklich weiter nach vorne rücken will, muss das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft einen Schritt nach vorne machen. Und zwar einen großen. Gegen Frankfurt verteilte man munter Geschenke an Frankfurt. Beim 0:1 wird die Flanke von außen nicht verhindert und in der Mitte geht Prödl gegen Meier nicht zum Kopfball hoch. Und beim 1:2 hat Schwegler alle Zeit, um aus 30 Metern draufzuhalten. Klar, den macht er nicht jedesmal so, aber man kann ihn trotzdem am Torschuss hindern, oder nicht? Vor dem 1:3 begleitet Prödl seinen Mann nur halbherzig, während in der Mitte Schmitz unfreiwillig komisch aussieht und die Bodenhaftung verliert.

Bin ich zu kritisch, wenn ich das Gefühl habe, dass wesentliche Probleme der letzten Jahre uns auch diese Saison verfolgen? Zu oft ist die Abwehr entblößt durch ein nicht-existentes defensives Mittelfeld. Zu oft leistet man sich individuelle Fehler. Sollte Schaaf auch mal früher reagieren? Einen Prödl, der derzeit nicht in Top-Form zu sein scheint, auch mal draußen lassen? Statt Fritz lieber Ignjovski spielen lassen? Ich weiß es nicht. Es ist alles noch relativ dicht beeinander. Ein Dreier gegen Nürnberg und man könnte (die tatkräftige Hilfe der anderen Vereine angenommen) wieder auf Platz sieben vorrücken. Andererseits will ich gar nicht von Europa träumen, so wahrscheinlich es auch sein mag, denn dafür scheint mir die Mannschaft in der derzeitigen Form nicht reif zu sein.

Was in den letzten Tagen auch eher unter dem Radar flog, ist die Tatsache, dass Francois Affolter wieder zurück zu seinem Club Young Boys Bern gehen wird. In der letzten Rückrunde schon fast eine feste Größe im Team kam Affolter in der neuen Saison überhaupt nicht mehr zum Zug. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie er sich im Training gemacht hat, aber in meinen Augen hatte er durchaus gute Anlagen und bin daher etwas überrascht, dass er für den Trainerstab offensichtlich keinerlei Rolle in den weiteren Planungen spielt. Zumal die anderen Innenverteidiger (Sokratis mal ausgenommen) auch nicht so überragend spielen, dass es da kein Vorbeikommen gibt. Und wo wir schon bei Aussortierten sind: Ekicis Abgang scheint auch nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Selbst als Hunt und Junuzovic fehlten, kam der Türke nicht zum Zug. Auch wenn Schaaf zuletzt gesagt hat, dass er weiter mit Ekici plant, so wirklich glauben mag ich daran nicht. Beide Personalentscheidungen wirken etwas eigenartig auf mich, ohne dass ich benennen könnte, was es ist. Zumal ich auch wie gesagt, die Leistungen im Training nicht beurteilen kann.

Hoffen wir mal, dass uns der Weihnachtsmann am nächsten Sonntag ein paar Geschenke in Form von drei Punkten da lässt.

Lebenslang Grün-Weiß!

2 comments

  1. spyri

    Was mir nicht recht in den Kopf will, ist warum Schaaf sein System nicht stärker variiert, oder vielmehr akzentuiert. Warum müssen wir auswärts gegen Frankfurt von der Formation in etwa so auftreten, wie zuhause gegen Düsseldorf. Warum nicht das Mittelfelddreieck so umstellen, dass Fritz eher auf einer Höhe mit Junuzovic agiert? Dann kann er vielleicht ein paar mehr der vertikalen Läufe auch J. überlassen und wird nicht so oft so dermaßen überlaufen wie am Samstag (davon ab, dass ich eh lieber Ignovsky gesehen hätte).
    Neues System schön und gut, da kann man Schaaf einiges an Kredit für aufbuchen, aber das wird durch die auch im Text angesprochen „Altlasten“ wieder aufgebraucht. Und da sind Tore nach eigenen Ecken noch nicht mir eingerechnet 😉

    11. Dezember 2012 bei 21:22 Antworten

  2. Stephen

    Naja, teils versucht Schaaf ja schon, sein System anzupassen. Ich meine, gegen Hoffenheim wäre es eher ein 4-2-3-1 gewesen als das bisher meist praktizierte 4-1-4-1. Gegen Frankfurt haben uns aber wohl eher die defensiven Aussetzer die Punkte gekostet. Die Taktik bringt Dich nicht weiter, wenn Du Dir hinten immer wieder solche Patzer erlaubst. Und bis zum Doppelschlag der Frankfurter waren wir ja gut im Spiel.

    Zu Fritz/Ignjovski: Tja, ich weiß auch nicht, warum Fritz immer noch gesetzt zu sein scheint. Bin gespannt, was passiert, wenn Hunt auch wieder da ist. Dann ist für den Kapitän ja eigentlich kein Platz…

    12. Dezember 2012 bei 00:14 Antworten

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