Monthly Archives: Februar 2013

Hilflosigkeit

In der aktuellen Ausgabe des Grünweiß-Podcasts haben Tobi und ich über die Aussagen aus dem Trainer-Team diskutiert und wie diese zu interpretieren sind. Wolfgang Rolff äußert sich nur sehr selten öffentlich, schon alleine die Tatsache, dass er sich zu Wort meldet, lässt einen aufhorchen. Den Inhalt seiner Aussagen hat Lars im Werderblog schon auseinandergenommen. Ich würde noch ergänzen, dass die Taktik, die Spieler so frontal anzugreifen und teilweise auch namentlich zu nennen schon außergewöhnlich ist. Vielleicht soll damit eine Reaktion provoziert werden, aber letztlich kommt man auch schnell zu den Schlüssen die Lars zieht: warum werden die geforderten Dinge nicht vermittelt bzw. woran hapert es?

Eine weitere interessante Aussage stammt von Thomas Schaaf, der nach der Klatsche in München auf die jungen Spieler und deren Unerfahrenheit verwiesen hatte. Ich denke, es gibt genug Beispiele dafür, dass die Erfahrung an sich nicht das allein ausschlaggebende Kriterium für die defensive Stabilität ist. In dem entsprechenden Artikel von Lars wird ja deutlich, dass bspw. Freiburg über weniger Erfahrung verfügt, aber wenn man sich die Defensive anschaut, deutlich besser dasteht. Außerdem sind das ja keine A-Jugendlichen, die man in die Profimannschaft befördert hat. Sokratis, Prödl und Selassie sind Nationalspieler ihrer jeweiligen Länder und auch wenn Griechenland, Österreich und Tschechien vielleicht nicht zu den Top-Mannschaften gehören, so spricht das ja schon für eine gewisse Qualität. Schmitz hat schon ausreichend Erfahrung und Lukimya hat letzte Saison in der Abwehr des späteren Aufsteigers Düsseldorf gespielt.

Was darüber hinaus irritiert ist der Umstand, dass man vor der Saison Selassie, Lukimya und Sokratis verpflichtete bzw. die Kaufoption zog. Es war die Rede vom Umbruch, von neuen, frischen Spielern, die mit Herz und Leidenschaft spielen. Ich kann mich auch daran erinnern, wie zu Saisonbeginn die tolle Stimmung und der Teamgeist gelobt wurde. Und nun soll die Unerfahrenheit schuld an den anhaltenden Problemen sein? Man hätte im Umbruch ja auch erfahrenere Spieler holen können. Und sollte es nicht Ziel sein, die jungen Spieler zu entwickeln, zumal diese ja auch kontinuierlich an Erfahrung gewinnen? Lässt sich die mangelnde Erfahrung nicht durch ein stimmiges taktisches und spielerisches Konzept ausgleichen und zum eigenen Vorteil nutzen? Ich werfe Schaaf nicht vor, dass man im kommenden Sommer den Kader durch erfahrene Spieler ergänzen will, doch sollte man es sich nicht zu einfach machen und die teils erschreckenden Leistungen in der Defensive alleine auf junge und unerfahrene Spieler zu schieben. Zumal man damit ja indirekt auch wieder Spielerschelte betreibt und zudem das eigene Handeln vor der Saison und zu Beginn der Saison ein wenig konterkariert.

Für mich drückt sich in den Aussagen von Schaaf und Rolff eine gewisse Hilflosigkeit aus. Eigentlich sollten beide Lösungen der selbst angesprochenen Probleme erarbeiten und sich nicht hinter Ausreden verstecken bzw. die Spieler angehen. Ich weiß, gerade Rolffs Aussagen sind sehr populär, denn endlich sagt einer den überbezahlten Millionären mal, wo der Hammer hängt. Und auch Schaaf liefert eine – vordergründig – plausible Antwort auf die Probleme dieser Saison. Alleine, mir reicht das nicht mehr. Seit Jahren werden wir vertröstet, ohne dass sich etwas zum besseren ändert. Und ich bin es leid, bspw. bei Spielberichten auf Spielverlagerung die immer gleichen Probleme unter die Nase gerieben zu bekommen.

Augen geradeaus

Das Spiel in München würde hart werden und nur im Falle eines mittelschweren Wunders war davon auszugehen, dass Bremen einen Punkt mitnehmen würde. Zu dominant sind die Bayern, die diese Saison de facto in anderen Sphären unterwegs sind. Am Ende kommt es mit einem 1:6 doch dicker als ich befürchtet hatte. Zwölf Minuten reichten den Bayern für 6 Tore und während Bremen in den ersten 25 Minuten dem bajuwarischen Sturmlauf noch einigermaßen Einhalt gebieten konnte, war in Minute 30 der Drops schon gelutscht. Danach machte man selbst den Weg frei für den Gegner, als erst Prödl kurz vor der Halbzeit die rote Karte sieht und Selassie zu Beginn der zweiten Hälfte das 0:3 kurzerhand selbst erzielt. Ja, über weite Strecken von Halbzeit zwei sah es so aus, als könne man mitspielen, doch war dies nur von Bayerns Gnade und nicht aufgrund der eigenen Stärke. Wann immer die Bayern das Tempo anzogen, sahen die Grün-Weißen nicht mehr als die Hacken des Gegners. Es gab mal Zeiten, da konnten wir die Großkopferten auch mal ärgern, mittlerweile sind wir ein besserer Trainingsgegner für die kommenden Aufgaben der bayerischen Dampfwalze.

Aus diesem Spiel gibt es nichts positives mitzunehmen, denn zu deutlich war der Klassenunterschied und zu schallend die Ohrfeige. Und obwohl uns nur noch ein Tor vom traurigen ersten Platz in der Statistik der kassierten Gegentore trennt, sinnieren viele Fans noch immer über Europa. Auch wenn ich nur ungerne den Partypuper spiele, möchte ich doch darauf hinweisen, dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, sich mit 60-70 Gegentoren für Europa zu qualifizieren. Ja, mir ist auch klar, dass es nur sechs Punkte auf Platz sechs sind und auch die Teams vor uns nicht durch Konstanz zu überzeugen wissen. Dennoch sollten diese Gedankenspiele hinten angestellt werden, denn im Schnitt kassiert die Mannschaft ziemlich genau zwei Gegentore und betrachtet man nur die Rückrunde, so sind es deren drei.

Für die Mannschaft gilt es, nach vorne zu schauen, denn die kommenden Spiele dienen sehr viel besser als Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Teams. Augsburg (H), Gladbach (A) sowie Fürth (H) stehen als nächstes auf dem Programm. Zwei Heimspiele also gegen Kellerkinder sowie eine Fahrt zu einem ebenfalls im Mittelfeld gefangenen Club. Es sollten zumindest sieben Punkte möglich sein. Doch Augsburg hat uns schon im Hinspiel gezeigt, wie man Werder mit Leidenschaft und Herz beikommen kann. Zudem hat das Team aus Schwaben gerade Oberwasser und konnte im direkten Duell um den Relegationsplatz die Hoffenheimer niederringen. Die Fürther haben gerade Mike Büskens entlassen und im heutigen Spiel gegen Leverkusen dem Favoriten 90 Minuten lang Paroli geboten. Beide Spiele werden wohl eher zähe Angelegenheiten mit Teams, die unangenehm zu spielen sind. Bleibt der Trip zu den Gladbachern, die uns aus der Hinrunde in wohliger Erinnerung geblieben sind, als man die Fohlen mit 4:0 schlagen konnte. Momentan sind die Gladbacher uns nur drei Punkte voraus, spielen nicht annähernd den Fußball, der sie letzte Saison in die CL-Quali führte, aber andererseits sind sie auch nicht mehr so von der Rolle wie noch im Herbst, als sie an der Weser zu Gast waren.

Ich hoffe, dass die Mannschaft und das Trainer-Team es gemeinsam schaffen, die Klatsche von München schnell hinter sich zu lassen und sich gut auf die kommenden Spiele vorzubereiten. Es wäre überaus gut, nach den jeweiligen Spielen nicht wieder die gleichen Platitüden der letzten Monate zu lesen („Wir haben die Anfangsphase verpennt“/“Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen bzw. gegangen“/“Wir haben Dinge nicht umgesetzt“). Ich bin jedoch äußerst skeptisch, dass mein Wunschdenken auch in der Realität so umgesetzt wird. Und ich ertappe mich auch häufiger dabei, nicht mehr alleine auf die aktuelle Saison zu schauen, sondern schon auf die kommende Spielzeit zu blicken. Was ist mit De Bruyne, Sokratis, Petersen oder Arnautovic? Werden sie in Bremen bleiben, wenn wir Europa deutlich verfehlen, wenn wir die dritte Saison im Mittelfeld verbringen? Wird man sie davon überzeugen können, dass ja alles gerade im Umbruch ist und alles nächste Saison per se viel besser wird? Welche Spieler wird man noch brauchen, wen kann man überhaupt an die Weser holen? Gedankenspiele, die im schnellen Tagesgeschäft der Bundesliga noch verhältnismäßig weit weg sind, aber die irgendwie auch mit den aktuellen Leistungen verbunden sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Freiburger Lehrstunde

Da ist die Serie auch schon wieder vorbei, noch bevor man es wirklich eine Serie nennen konnte. Freiburg gewinnt mit 3:2 in Bremen und legt dabei schonungslos die Defizite der Bremer offen. Klar, drei Alu-Treffer stehen am Ende für die Grün-Weißen, geht einer der Bälle ein Stückchen weiter links, rechts oder nach unten, dann holen wir ein Unentschieden in diesem Spiel. Aber sollte das über die Tatsache hinwegtäuschen, dass man über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht am Spiel teilnahm? Dass man beim ersten und dritten Gegentor den üblichen Abwehr-Slapstick abliefert. Das Spiel legt auch nahe, dass es in den vergangenen beiden Spielen nicht alleine Bremens Stärke war, die zu insgesamt sechs Punkten führte, sondern auch die Schwäche der jeweiligen Gegner.

Im Sportclub am gestrigen Abend meinte Sebastian Prödl, man habe dem Gegner zu viel Platz gelassen und sei nicht in die Zweikämpfe gegangen bzw. gekommen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, aber wie oft haben wir so etwas in letzter Zeit nach Niederlagen gehört und viel wichtiger: wenn die Spieler das erkennen, warum ändern sie dann nichts daran. Warum führt ein Einwurf in der Bremer Hälfte schnurstracks zum 0:1 und warum kann ein Freiburger beim 2:3 völlig blank im Fünfmeter-Raum stehen? Und warum sehen wir solche Fehler immer und immer wieder? Man kann diese Niederlage auf den Schultern der Spieler abladen und sich jeglicher Diskussion über den Trainer entziehen. Aber wenn man auf die Spieler des Gegners schaut, will mir doch keiner erzählen, dass diese Mannschaft eine höhere Qualität mitbringt als Bremen, oder? Aber warum schafft es der SC Freiburg mit einer Truppe von überwiegend No-Names und jungen Spielern (übrigens auch immer gerne eine Entschuldigung schlechter Leistungen an der Weser) die zweitbeste(!) Defensive der Liga zu stellen?

In der Winterpause der letzten Saison lag der SCF auf Platz 18, mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. 39 Gegentore hatte man sich zu diesem Zeitpunkt gefangen, der schlechteste Wert der Liga. Zudem ging Cissé nach Newcastle und nicht wenige erklärten die Freiburger zum ersten feststehenden Absteiger. Bis man einen Wechsel auf der Trainerbank vollzog und Christian Streich die Zügel in die Hand gab. In der Rückrunde schaffte Streich den Turnaround, das Team kassierte nur noch 22 Tore und belegte in der Rückrundentabelle den 7. Platz. Und am Samstag konnt man auch sehen, wo das Erfolgsgeheimnis der Breisgauer liegt: In der Defensive arbeitet das ganze Team mit und der Gegner wird tief in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt und am Spielaufbau gehindert. Bei Balleroberung wird schnell umgeschaltet und aufgrund des guten Pressing kommt man in guten Positionen an den Ball.

In etwas mehr als einem Jahr hat Streich aus einem sicheren Absteiger einen Anwärter auf den internationalen Wettbewerb geformt. Neben dem Feld finde ich Streich mitunter anstrengend, was nicht alleine mit seiner „kauzigen“ Art zu tun hat, sondern auch damit, dass er immer wieder Verschwörungstheorien ins Feld führt, wenn er sein Team von den Schiedsrichtern benachteiligt sieht. Aber für das, was er auf dem Platz mit seiner Mannschaft abliefert, gebührt ihm Anerkennung.

Im oben angesprochenen Sportclub verwies Studiogast Schaaf abermals auf die junge und erfahrene Mannschaft, die eben zu solchen Schwankungen in den Leistungen führt. Leider verpasste es Star-Journalist Delling, hier mal nachzufragen, wo genau denn die Unterschiede zu den ebenfalls jungen Freiburgern liegen und auch mal zu eruieren, dass ja bspw. in der Mannschaft die meisten Spieler über ein gerüttelt Maß an Bundesliga-Erfahrung verfügen. Aber es ist alles gut, wir haben alles im Griff. Und überhaupt ist ja in Freiburg alles anders als in Bremen. Kein Grund also, neidisch auf die Entwicklungen im Breisgau zu schauen und vor allem auch kein Zeichen dafür, was ein Trainer im Hinblick auf individuelle Fehler auszurichten vermag. Oder war das Spiel nicht nur eine Lehrstunde auf dem Platz, sondern auch daneben?

Am nächsten Spieltag geht es dann nach München und immerhin hatte Schaaf gestern recht, als er meinte, dass es das einfachste Spiel der Rückrunde sein würde. Keiner erwartet etwas anderes als eine deutliche Niederlage und scherzhaft habe ich schon überlegt, ob man nicht einfach das Spiel am grünen Tisch verloren gibt. Das schont sowohl Umwelt als auch Nerven und man kann sich auf das darauf folgende Spiel gegen Augsburg konzentrieren. Aber schauen wir mal, als Fan hofft man ja selbst bei solch aussichtslosen Partien auf einen erfolgreichen Ausgang.

Lebenslang Grün-Weiß!

Eine Frage des Selbstvertrauens

Fußball ist einerseits ein relativ simples Spiel. Um dem Spiel folgen zu können, genügt es, die wichtigsten Regeln zu kennen und deren Zahl ist überschaubar. Dennoch ist es gleichzeitig ein unglaublich komplexes Spiel, in dem viele Faktoren eine Rolle spielen können. Von der Klasse der einzelnen Spieler, über die Stimmung im Team bis hin zur Taktik oder auch so banalen Dingen wie dem Einfluss des Zufalls. Im gestrigen Spiel ist mir (neben auch anderen Dingen) der Einfluss des Selbstvertrauens aufgefallen, also „die Bewertung, die man von sich selbst hat„.

Beweisstück A: Der Gegner

Der VfB Stuttgart kam mit einer Negativserie von vier Niederlagen am Stück in dieses Spiel. Die Mannschaft begann das Spiel äußerst aggressiv und schien bereit, sich gegen diese Serie zu stemmen. Man drückte Bremen tief in die eigene Hälfte und konnte den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Schon nach zwei Minuten hatte Sakai eine richtig gute Chance auf dem Fuß, die er zum Glück vergab.  Doch nach knapp 20 Minuten konnte sich Bremen aus der Umklammerung befreien und das eigene Spiel aufziehen. Die erste richtig gute Gelegenheit hatte Kevin de Bruyne, der erst am Pfosten und mit dem Nachschuss an Ullreich scheiterte. In der 34. konnte Ekici eine Hereingabe/Schuss von De Bruyne zum 1:0 verwandeln, dem gleichzeitigen Halbzeitstand. Im zweiten Durchgang kam Stuttgart zum Ausgleich durch Traoré und wer dachte, dass die Stuttgarter dadurch sicherer werden, der sah sich schnell eines besseren belehrt. Kvist pennt und lässt sich von Petersen (der wieder zeigte, wie exzellent seine Arbeit gegen den Ball ist) den Ball an der Mittellinie abnehmen. Einen Pass später ist Hunt frei durch und macht das 1:2. Eine knappe Viertelstunde später ist es Niedermeier mit einem Katastrophenpass, den Hunt abfängt und der zum Freistoß führt, den Ekici direkt verwandelt. Aus dem Ausgleich konnte Stuttgart kein Kapital schlagen und lud die Bremer mit den Fehlern geradezu ein.

Beweisstück B: Ekici

Mehmet Ekici war in der Winterpause eigentlich schon abgeschrieben. In der ersten Saison durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, spielte Memo in der Hinrunde offensichtlich auch keine wirkliche Rolle in den Überlegungen von Thomas Schaaf. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn man in der Winterpause versucht hätte, Ekici zu verkaufen oder auszuleihen, obwohl Schaaf Anfang Dezember davon sprach, Ekici zu brauchen. Im Spiel gegen den HSV stand Memo dann auf einmal in der Startelf und absolvierte seit gefühlten Ewigkeiten wieder ein ganzes Spiel, auch wenn er nicht wirklich zu überzeugen wusste. Etwas überraschend stellte ihn Schaaf gegen Hannover auf und er spielte deutlich überzeugender. Eigentlich hatte ich vor dem Spiel in Stuttgart damit gerechnet, dass Ekici für Arnautovic Platz machen würde, aber eine Verletzung von Arno sorgte dafür, dass Schaaf sich gar nicht zwischen den beiden entscheiden musste. So kam Ekici zum Zuge und avancierte durch die beiden Tore zum Man of the Match. Vom Abgeschriebenen zum Matchwinner in nur 270 Minuten. Und auf einmal ist Ekici wieder mittendrin, ein Teil des Teams und eine wertvolle Option. Was so ein bisschen Spielpraxis und zwei Tore ausmachen können. Ich bin gespannt, wie die Aufstellung für das nächste Spiel aussieht, wenn Arno wieder dabei ist (und sofern sich niemand verletzt).

Nach 15 Monaten konnte Bremen endlich wieder zwei Spiele in Folge gewinnen. Wir haben eine Mini-Serie am Laufen. Und auch wenn es sicherlich kein überragendes Spiel war, so hat man doch deutlich gewonnen und aus den Fehlern des Gegners Kapital geschlagen. Ich hoffe, dass sich das angesprochene Selbstvertrauen auch ins nächste Heimspiel gegen den SC Freiburg überträgt. Und noch mehr hoffe ich, dass auch nach dem zweiten Sieg in Folge keiner abhebt, keiner von Europa erzählt, sondern man einfach versucht, die nächste Partie für sich zu betrachten und erfolgreich zu gestalten. Oder wie Sokratis neulich meinte: erstmal 40 Punkte voll machen und dann gucken, was noch passiert.

Lebenslang Grün-Weiß!

Ein Dreier für die Moral

Es war ein dickes Brett, welches am Freitagabend gebohrt werden musste, doch am Ende stand der erste Sieg der Rückrunde mit einem 2:0 gegen Hannover 96. Der erste Sieg seit dem 15. Spieltag und das erste Spiel ohne Gegentor seit dem 8. Spieltag. Schaaf vertraute dabei auf das 4-1-4-1, welches über weite Strecken der Hinrunde zum Einsatz kam. Fritz und Arnautovic fehlten verletzt, Selassie bekam aus Leistungsgründen eine Pause. Für Theo durfte Ignjovski auf der rechten Abwehrseite ran, während Elia und Hunt im Mittelfeld eingesetzt wurden. So spielte Junuzovic wie gewohnt vor der Abwehr, während Elia auf die rechte Außenbahn rutschte und die Position auch konsequent hielt.

Von Beginn an machten die Bremer Druck auf die Roten aus Hannover und konnten die Hintermannschaft von 96 so das eine oder andere Mal in Bedrängnis bringen. Vor allem eroberte man sich so tief in der gegnerischen Hälfte immer wieder den Ball und hielt Hannover weit weg vom eigenen Tor. Erst ab der 30. Minute ließ der Druck der Bremer ein wenig nach und Hannover konnte sich aus der engen Umklammerung befreien. Neben dem gezielten und effektiven Pressing fiel mir vor allem die Rolle von Sokratis auf, der offensichtlich von Schaaf grünes Licht für offensive Vorstöße bekommen hatte. So tauchte er immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte auf und konnte so für Verwirrung bei Hannover sorgen. Dabei wurde immer wieder konsequent die entstehende Lücke in der Viererkette abgesichert.

Nach der ersten Halbzeit blieb nur das mulmige Gefühl, zu wenig aus der Vielzahl von Chancen gemacht zu haben. In Halbzeit zwei machte Bremen weiter Druck, aber ab der 60. Minute merkte man, dass das Spiel Kraft gekostet hatte. Ich hatte schon befürchtet, dass Hannover irgendwie zu einem Treffer kommen würde und die Mannschaft mit leeren Händen dastehen würde. Und es sollte noch bis zur 85. Minute dauern, bis Elia nach einer feinen Einzelleistung Petersen bediente, der aus kurzer Distanz das 1:0 machte. Die Erleichterung der Mannschaft und der Fans im Stadion war förmlich greifbar. Drei Minuten später bediente der eingewechselte Yildirim abermals Petersen, der aus knapp 16 Metern und mit Hilfe des Pfostens traf. Beste Voraussetzungen für die Grün-Weiße Nacht am Samstag.

Am Ende stehen 32:6 Schüsse für Bremen zu Buche und sicherlich hätte sich Hannover über eine deutlich höhere Niederlage nicht beschweren dürfen. Ich bin froh, dass die Mannschaft Moral bewiesen hat und bis zum Schluss weiter aufs Tor der Gäste gedrückt hat. Ist jetzt alles im Lot? Natürlich nicht. So verdient und wichtig der Sieg war, so ist er nur eine kurze Momentaufnahme. Ich hoffe, dass auch die Mannschaft jetzt nicht anfängt, von Serien und letztlich dem internationalen Geschäft zu schwadronieren. Denn auch letzte Saison haben wir gegen Hannover zu Hause gut ausgesehen, aber davon abgesehen nur wenig zustande bekommen. Die auch hier geäußerte Kritik der letzten Zeit war ja auch nicht das Resultat eines einzelnen Spiels (auch wenn es ggf. als Katalysator gedient hat), sondern einer langwierigen Entwicklung. Ich hoffe natürlich, dass nun eine Entwicklung in die andere Richtung sichtbar wird.

Man kann jetzt lange darüber diskutieren, wie stark der Gegner nun aufgrund zahlreicher Ausfälle tatsächlich war, aber es war ersichtlich, wozu das Team in der Lage ist. In der Defensive ließ man kaum Chancen zu, presste den Gegner teils sehr gut und kam so in aussichtsreichen Positionen an den Ball. Auch offensiv sah man viel Positives mit viel Bewegung, gutem Kombinationsspiel und daraus resultierend zahlreichen Chancen. Einzig die mangelnde Chancenverwertung muss kritisiert werden. Am nächsten Samstag geht es dann gegen Stuttgart, die gerade erst mit 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf verloren haben und derzeit nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein strotzen dürften. Hoffentlich gelingt es der Mannschaft mit einer ähnlich engagierten Leistung, nachzulegen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Werder für die Ohren

Der aktuelle Grünweiß-Podcast

Am vergangenen Dienstag wurde eine neue Folge des Grünweiß-Podcast aufgenommen. Neben Gastgeber Tobias vom meinesaison.de waren Andreas von werder-exil.de sowie für die Gegnerperspektive Florian von nedsblog.de dabei sowie meine Wenigkeit. Wir haben über das verlorene Nordderby gesprochen, aber auch viel über die derzeitige Situation und wie es jetzt für Werder weitergehen wird. So richtig Begeisterung will da aktuell nicht aufkommen. Aber hört lieber selbst.

Fokus Fußball

Ein ganz anderes Projekt, auf das ich hinweisen möchte, ist fokus-fussball.de. Es handelt sich dabei um eine Presse- und Blogschau, die aktuelle Artikel zum Thema Fußball sammelt. Gerade bei der Presseschau fällt angenehm auf, dass Sport-BLÖD, kicker und Co. außen vor bleiben. Da sich da auch immer wieder Artikel zu Themen finden, die nicht das Tagesgeschäft von BuLi, DFB-Pokal, Europapokal-Wettbewerben und Nationalmannschaft betreffen, kann ich fokus-fussball.de nur wärmstens empfehlen.

Collinas Erben

Auf fokus-fussball.de ist zudem der Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“ zu finden. Hier werden u.a. strittige Szenen des letzten Spieltags besprochen und die Regeln erklärt. Dabei tut vor allem die Perspektive von Alex (lizaswelt.net) gut, der selbst der Schiedsrichterei nachgeht und somit immer auch aus Ansicht der Schiedsrichter Entscheidungen nachvollziehbar macht (Stichwort „Zeitlupenwissen“). Ganz große Empfehlung und vielen lieben Dank für die investierte Zeit an die Macher.