Eine Frage des Selbstvertrauens

Fußball ist einerseits ein relativ simples Spiel. Um dem Spiel folgen zu können, genügt es, die wichtigsten Regeln zu kennen und deren Zahl ist überschaubar. Dennoch ist es gleichzeitig ein unglaublich komplexes Spiel, in dem viele Faktoren eine Rolle spielen können. Von der Klasse der einzelnen Spieler, über die Stimmung im Team bis hin zur Taktik oder auch so banalen Dingen wie dem Einfluss des Zufalls. Im gestrigen Spiel ist mir (neben auch anderen Dingen) der Einfluss des Selbstvertrauens aufgefallen, also „die Bewertung, die man von sich selbst hat„.

Beweisstück A: Der Gegner

Der VfB Stuttgart kam mit einer Negativserie von vier Niederlagen am Stück in dieses Spiel. Die Mannschaft begann das Spiel äußerst aggressiv und schien bereit, sich gegen diese Serie zu stemmen. Man drückte Bremen tief in die eigene Hälfte und konnte den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Schon nach zwei Minuten hatte Sakai eine richtig gute Chance auf dem Fuß, die er zum Glück vergab.  Doch nach knapp 20 Minuten konnte sich Bremen aus der Umklammerung befreien und das eigene Spiel aufziehen. Die erste richtig gute Gelegenheit hatte Kevin de Bruyne, der erst am Pfosten und mit dem Nachschuss an Ullreich scheiterte. In der 34. konnte Ekici eine Hereingabe/Schuss von De Bruyne zum 1:0 verwandeln, dem gleichzeitigen Halbzeitstand. Im zweiten Durchgang kam Stuttgart zum Ausgleich durch Traoré und wer dachte, dass die Stuttgarter dadurch sicherer werden, der sah sich schnell eines besseren belehrt. Kvist pennt und lässt sich von Petersen (der wieder zeigte, wie exzellent seine Arbeit gegen den Ball ist) den Ball an der Mittellinie abnehmen. Einen Pass später ist Hunt frei durch und macht das 1:2. Eine knappe Viertelstunde später ist es Niedermeier mit einem Katastrophenpass, den Hunt abfängt und der zum Freistoß führt, den Ekici direkt verwandelt. Aus dem Ausgleich konnte Stuttgart kein Kapital schlagen und lud die Bremer mit den Fehlern geradezu ein.

Beweisstück B: Ekici

Mehmet Ekici war in der Winterpause eigentlich schon abgeschrieben. In der ersten Saison durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, spielte Memo in der Hinrunde offensichtlich auch keine wirkliche Rolle in den Überlegungen von Thomas Schaaf. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn man in der Winterpause versucht hätte, Ekici zu verkaufen oder auszuleihen, obwohl Schaaf Anfang Dezember davon sprach, Ekici zu brauchen. Im Spiel gegen den HSV stand Memo dann auf einmal in der Startelf und absolvierte seit gefühlten Ewigkeiten wieder ein ganzes Spiel, auch wenn er nicht wirklich zu überzeugen wusste. Etwas überraschend stellte ihn Schaaf gegen Hannover auf und er spielte deutlich überzeugender. Eigentlich hatte ich vor dem Spiel in Stuttgart damit gerechnet, dass Ekici für Arnautovic Platz machen würde, aber eine Verletzung von Arno sorgte dafür, dass Schaaf sich gar nicht zwischen den beiden entscheiden musste. So kam Ekici zum Zuge und avancierte durch die beiden Tore zum Man of the Match. Vom Abgeschriebenen zum Matchwinner in nur 270 Minuten. Und auf einmal ist Ekici wieder mittendrin, ein Teil des Teams und eine wertvolle Option. Was so ein bisschen Spielpraxis und zwei Tore ausmachen können. Ich bin gespannt, wie die Aufstellung für das nächste Spiel aussieht, wenn Arno wieder dabei ist (und sofern sich niemand verletzt).

Nach 15 Monaten konnte Bremen endlich wieder zwei Spiele in Folge gewinnen. Wir haben eine Mini-Serie am Laufen. Und auch wenn es sicherlich kein überragendes Spiel war, so hat man doch deutlich gewonnen und aus den Fehlern des Gegners Kapital geschlagen. Ich hoffe, dass sich das angesprochene Selbstvertrauen auch ins nächste Heimspiel gegen den SC Freiburg überträgt. Und noch mehr hoffe ich, dass auch nach dem zweiten Sieg in Folge keiner abhebt, keiner von Europa erzählt, sondern man einfach versucht, die nächste Partie für sich zu betrachten und erfolgreich zu gestalten. Oder wie Sokratis neulich meinte: erstmal 40 Punkte voll machen und dann gucken, was noch passiert.

Lebenslang Grün-Weiß!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit \"*\" markiert