Freiburger Lehrstunde

Da ist die Serie auch schon wieder vorbei, noch bevor man es wirklich eine Serie nennen konnte. Freiburg gewinnt mit 3:2 in Bremen und legt dabei schonungslos die Defizite der Bremer offen. Klar, drei Alu-Treffer stehen am Ende für die Grün-Weißen, geht einer der Bälle ein Stückchen weiter links, rechts oder nach unten, dann holen wir ein Unentschieden in diesem Spiel. Aber sollte das über die Tatsache hinwegtäuschen, dass man über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht am Spiel teilnahm? Dass man beim ersten und dritten Gegentor den üblichen Abwehr-Slapstick abliefert. Das Spiel legt auch nahe, dass es in den vergangenen beiden Spielen nicht alleine Bremens Stärke war, die zu insgesamt sechs Punkten führte, sondern auch die Schwäche der jeweiligen Gegner.

Im Sportclub am gestrigen Abend meinte Sebastian Prödl, man habe dem Gegner zu viel Platz gelassen und sei nicht in die Zweikämpfe gegangen bzw. gekommen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, aber wie oft haben wir so etwas in letzter Zeit nach Niederlagen gehört und viel wichtiger: wenn die Spieler das erkennen, warum ändern sie dann nichts daran. Warum führt ein Einwurf in der Bremer Hälfte schnurstracks zum 0:1 und warum kann ein Freiburger beim 2:3 völlig blank im Fünfmeter-Raum stehen? Und warum sehen wir solche Fehler immer und immer wieder? Man kann diese Niederlage auf den Schultern der Spieler abladen und sich jeglicher Diskussion über den Trainer entziehen. Aber wenn man auf die Spieler des Gegners schaut, will mir doch keiner erzählen, dass diese Mannschaft eine höhere Qualität mitbringt als Bremen, oder? Aber warum schafft es der SC Freiburg mit einer Truppe von überwiegend No-Names und jungen Spielern (übrigens auch immer gerne eine Entschuldigung schlechter Leistungen an der Weser) die zweitbeste(!) Defensive der Liga zu stellen?

In der Winterpause der letzten Saison lag der SCF auf Platz 18, mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. 39 Gegentore hatte man sich zu diesem Zeitpunkt gefangen, der schlechteste Wert der Liga. Zudem ging Cissé nach Newcastle und nicht wenige erklärten die Freiburger zum ersten feststehenden Absteiger. Bis man einen Wechsel auf der Trainerbank vollzog und Christian Streich die Zügel in die Hand gab. In der Rückrunde schaffte Streich den Turnaround, das Team kassierte nur noch 22 Tore und belegte in der Rückrundentabelle den 7. Platz. Und am Samstag konnt man auch sehen, wo das Erfolgsgeheimnis der Breisgauer liegt: In der Defensive arbeitet das ganze Team mit und der Gegner wird tief in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt und am Spielaufbau gehindert. Bei Balleroberung wird schnell umgeschaltet und aufgrund des guten Pressing kommt man in guten Positionen an den Ball.

In etwas mehr als einem Jahr hat Streich aus einem sicheren Absteiger einen Anwärter auf den internationalen Wettbewerb geformt. Neben dem Feld finde ich Streich mitunter anstrengend, was nicht alleine mit seiner „kauzigen“ Art zu tun hat, sondern auch damit, dass er immer wieder Verschwörungstheorien ins Feld führt, wenn er sein Team von den Schiedsrichtern benachteiligt sieht. Aber für das, was er auf dem Platz mit seiner Mannschaft abliefert, gebührt ihm Anerkennung.

Im oben angesprochenen Sportclub verwies Studiogast Schaaf abermals auf die junge und erfahrene Mannschaft, die eben zu solchen Schwankungen in den Leistungen führt. Leider verpasste es Star-Journalist Delling, hier mal nachzufragen, wo genau denn die Unterschiede zu den ebenfalls jungen Freiburgern liegen und auch mal zu eruieren, dass ja bspw. in der Mannschaft die meisten Spieler über ein gerüttelt Maß an Bundesliga-Erfahrung verfügen. Aber es ist alles gut, wir haben alles im Griff. Und überhaupt ist ja in Freiburg alles anders als in Bremen. Kein Grund also, neidisch auf die Entwicklungen im Breisgau zu schauen und vor allem auch kein Zeichen dafür, was ein Trainer im Hinblick auf individuelle Fehler auszurichten vermag. Oder war das Spiel nicht nur eine Lehrstunde auf dem Platz, sondern auch daneben?

Am nächsten Spieltag geht es dann nach München und immerhin hatte Schaaf gestern recht, als er meinte, dass es das einfachste Spiel der Rückrunde sein würde. Keiner erwartet etwas anderes als eine deutliche Niederlage und scherzhaft habe ich schon überlegt, ob man nicht einfach das Spiel am grünen Tisch verloren gibt. Das schont sowohl Umwelt als auch Nerven und man kann sich auf das darauf folgende Spiel gegen Augsburg konzentrieren. Aber schauen wir mal, als Fan hofft man ja selbst bei solch aussichtslosen Partien auf einen erfolgreichen Ausgang.

Lebenslang Grün-Weiß!

4 comments

  1. mischl

    Allofs ist weg,
    Schaaf muss noch weg. Es ist einfach nicht mehr zum aushalten. Nach der starken Hinrunde 11/12, wo man aber auch von allen Vorderplatzierten geschlagen wurde gegen Ende, geht einfach nichts mehr 🙁

    18. Februar 2013 bei 16:29 Antworten

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  3. Tobias (Meine Saison)

    Das Spiel taugt noch nicht mal sonderlich gut als Beleg für Freiburgs Defensivstärke. Ich fand sie überraschend anfällig, was sicherlich auch mit Werders individueller Klasse in der Offensive zu tun hat. Aber warum zur Hölle hat man bei Werder den Eindruck, dass die Spieler völlig überrascht von der Spielweise des Gegners sind? Freiburg hat einen so klar definierten Spielstil wie kaum eine andere Mannschaft in der Liga. Werder versucht trotzdem genau den gleichen Spielaufbau, der schon im Hinspiel nicht funktioniert hat, und wundert sich dann, dass er auch diesmal nicht funktioniert. Wer so lernresistent ist, der braucht auch nicht irgendwelchen Pfostenschüssen hinterherjammern.

    Ich sehe wirklich kaum noch Argumente dafür, mit Schaaf in dies nächste Saison zu gehen.

    18. Februar 2013 bei 17:21 Antworten

  4. Kata

    Joa, so gut war die Defensiv-Ausrichtung der Breisgauer auch nicht, aber dennoch nicht so Slapstickanfällig wie die Werderansche.
    Apropos Freiburg – Dort hielt man ja auch ewig an Finke fest:
    Hierzu noch einen Artikel aus #rund gefunden, nachdem Dutt Freiburg übernahm:
    „Finke hält sich nach wie vor für unersetzlich und punktet damit in Freiburg, wo auch viele Lokaljournalisten seinem designierten Nachfolger Robin Dutt einfach nicht verzeihen können, dass er nicht Volker Finke ist. Für welche Liga der Verein am kommenden Sonntag ab 16.45 Uhr planen kann, steht noch nicht fest. Dass er es endlich in Ruhe tun kann, hingegen schon.
    Christoph Ruf“

    18. Februar 2013 bei 19:29 Antworten

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