Niederlage gegen Augsburg

Eigentlich hatte ich gehofft, nach dem Spiel gegen Augsburg endlich mal wieder was positiveres bloggen zu können, doch nach dem 0:1 am gestrigen Nachmittag ist die Stimmung bei mir und vielen anderen Werder-Fans endgültig am Boden. Ich hatte eigentlich mit sieben Punkten aus den nächsten drei Spielen gerechnet, und vor allem gegen Augsburg und Fürth jeweils einen Heimsieg fest eingeplant. Nicht, weil die Mannschaften nur Laufkundschaft sind, denn das ist keine Mannschaft mehr für Bremen, sondern weil sich die Frage stellt, wen man noch schlagen will, wenn nicht die Kellerkinder der Liga. Unter der Woche zog das Trainer-Team alle Register: Spielerschelte und Ausreden, doch wirklich aufschlussreich war vor allem die PK am Donnerstag, wo Schaaf zugab, dass es ihm und der Mannschaft nicht gelungen ist, die Fehler abzustellen, die im Winter-Trainingslager besprochen wurden. Und mir persönlich macht es schon ein bisschen Angst, wenn ein Trainer mehr oder minder zugibt, dass die tägliche Trainingsarbeit und das Besprechen von immergleichen Fehlern offensichtlich keine Veränderung nach sich zieht.

Augsburg kam mit einer breiten Brust nach Bremen und die Frage war, wie die Grün-Weißen sich nach der Niederlage in München präsentieren würden. Schaaf setzte auf ein 4-1-4-1 und statt Elia startete Ekici auf der Linksaußen-Position. Relativ schnell wurde deutlich, dass Augsburg sich perfekt auf diese Spielweise eingestellt hatte. Sie doppelten auf den Außenbahnen und konnten somit den normalen Spielaufbau von Werder unterbinden. Ekici tauchte völlig ab und man merkte einfach, dass er sich da nicht wirklich wohl fühlt. Beim 0:1 verliert man erst im Mittelfeld den Ball und kann dann einen hohen Ball in den Strafraum nicht verteidigen, da Schmitz nicht eng genug am Gegner steht. Am Schluss kommt Ignjovski gegen Werner zu spät, der den Kopfball verwandelt.

Was mich mit zunehmender Spieldauer erst irritierte und gegen Ende verärgerte war das Ausbleiben jeglicher Anpassungen an die Defensivstrategie der Augsburger. Obwohl Bremen nur eine richtig hochkarätige Chance in Halbzeit eins hatte (nach einer Einzelaktion von Arnautovic), wurde in der Halbzeit Elia für Ekici gebracht, die Spielweise blieb jedoch gleich. Dabei konnte Elia das Spiel auf seiner Seite zwar beleben und sich auch einige Male durchsetzen, doch leider blieben die Aktionen weitgehend harmlos, da er seine Aktionen nicht mit einem gefährlichen Pass zu Ende brachte. Auch der Wechsel von Akpala für Hunt sorgte nicht für mehr Gefahr, stattdessen lief Akpala weitgehend orientierungslos über den Platz und nahm am Spiel de facto nicht teil. Ich verstehe einfach nicht, warum man es so selten sieht, dass im laufenden Spiel auf die Gegebenheiten reagiert wird, sondern man 90 Minuten einen Stiefel runterspielt und hofft, dass es irgendwann schon noch klappen wird. Obwohl man schon nach wenigen Minuten sieht, dass der Gegner gut eingestellt ist. Zwar hatte man noch einige gute Chancen in Halbzeit zwei, doch wirklich herausgespielt waren die wenigsten. Und ja, Winkmann hatte Recht, als er nicht auf Elfmeter für Bremen entschied, auch wenn es eine enge Geschichte war.

In der Halbzeit und nach dem Spiel gab es mehr als nur zarte Pfiffe im Weserstadion zu hören. Eichin stellte sich demonstrativ vor den Trainer und nahm die Mannschaft in die Pflicht, während Schaaf selbst direkt nach dem Abpfiff im Sky-Interview völlig konsterniert wirkte. Von den Spielern hatte immerhin Sokratis die Situation erkannt und nahm das Wort „Abstiegskampf“ in den Mund, den auch wenn es noch sieben Punkte bis Relegationsplatz sind, spielt Werder in der aktuellen Form eher wie ein Absteiger und nicht wie ein Europapokal-Aspirant. Ich bin auf die nächsten Tage gespannt, welche Aussagen von den Offiziellen getroffen werden. Der Angriff auf die Spieler von Rolff hat ja schonmal keine Reaktion hervorgebracht. Auch bei den Fans nehmen die Diskussionen und vor allem die Schärfe der Diskussionen zu. Auf der einen Seite diejenigen, die einen Trainerwechsel befürworten oder zumindest nicht mehr ausschließen, auf der anderen Seite diejenigen, die Schaaf die Treue halten und sich jegliche Trainerdiskussion verbitten. Fakt ist, dass ich mir einfach nur wünschen würde, dass die Saison vorbei ist. Es ist einfach keine Vorfreude auf den nächsten Spieltag mehr vorhanden, denn bisher wurde man noch jedes Mal eines besseren belehrt, wenn man dachte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne. Langsam schlägt die Ernüchterung der letzten Wochen bei mir  in Ironie und Sarkasmus um.

Lebenslang Grün-Weiß!

6 comments

  1. Kata

    Schaafbefürworter sind nach dem gestrigen Spiel de facto wesentlich weniger geworden, auch von den ganz harten.
    Fragen bleiben allerdings: Wer kann überhaupt Schaaf kündigen u. wer bei Werder darf ihn intern überhaupt kritisieren?
    Werder hat sich da in eine besondere Position gebracht, die vllt. in den vergangenen Jahren für ein ruhiges Klima sorgte, nun aber eher zum Stolperstein wird.
    Ein Eichin wird zu Beginn seiner Karriere so dicke Bretter nicht sägen wollen, indem er gleich mal Schaaf vor die Türe setzt. Der AR darf es nicht.

    Andererseits ist das Kind so in den Brunnen gefallen, weil es keine eingeschworene Truppe auf dem Platz gibt, was Sokratis gestern auch als einziger ansprach. Niemand kennt die Laufwege des anderen, Egoismen werden ausgelebt, Eitelkeiten gepflegt, am Ball so lange festgehalten, bis er verloren geht, Weitsichtigkeit u. Spielintelligenz gar nicht stattfinden.
    Dennoch ist es eine Mannschaft, die sich KATS zusammen aufstellten u. zwecks Elia nochmal großkotzig in den eigentlich leeren Geldtopf griffen, obwohl es günstigere u. vor allem bessere Alternativen gab.
    Natürlich muss man auch Schaaf die Frage stellen, warum sich die Spieler nicht mehr unter ihm entwickeln.
    Und dann stellt die Syker Kreiszeitung fest: „Es gab zwar Pfiffe, aber keine Schaaf-raus-Rufe, was wohl heißt, dass die meisten Werderfans ihm noch voll vertrauen“
    Werder als Marke profitiert momentan noch aus den Erfolgen vergangener Jahre. So gänzlich ohne DFB-Pokal-Teilnahme, ohne EL, als Abstiegskandidat, sollte man sich auf sehr harte Zeiten einstellen.

    3. März 2013 bei 14:05 Antworten

  2. Stephen

    Zu Schaaf und einem möglichen Abgang: ich hatte sowohl Donnerstag als auch gestern nach dem Spiel das Gefühl, dass er selbst langsam nicht mehr weiß, was er noch tun soll. Daher habe ich die leise Hoffnung, dass er vielleicht auch selbst ein Einsehen hat. Du hast natürlich recht, dass man ihn zumindest nach außen hin mit einer stärkeren Position ausgestattet hat. Mich würde daher auch interessieren, wie es intern aussieht. Aber ich befürchte, dass sich alle wahnsinnig lieb haben.

    Harte Zeiten werden sicherlich kommen, denn ein Sokratis setzt sich ja zunehmend ab, auch gestern nach dem Spiel, als er meinte, dass er dachte, die Mannschaft sei besser. Ein Petersen wird sicherlich auch keinen Bock auf Abstiegskampf haben und die kleinen Chancen, irgendwie De Bruyne zu behalten, werden auch immer kleiner. Somit verliert man weiter Qualität und man muss sich immer mehr strecken, um das Ziel Europa irgendwann wieder zu erreichen. Ich glaube ja, dass die Mannschaft eigentlich für die EL tauglich wäre, wenn jemand das Potential ausschöpfen würde. Denn so viele gute Teams gibt es diese Saison nicht. Aber egal, ich will nur noch, dass die Saison vorbei ist.

    3. März 2013 bei 14:17 Antworten

  3. Kata

    Muss immer ein bisschen darüber lächeln, wie sehr wir Werderfans immer noch den Anspruch auf einen klasse Trainer erheben. Wir, ebenso Werder, halten immer noch an alten Zeiten fest, erheben TS in den Cheftrainerstand u. meinen, es gebe nichts besseres. Ist das wirklich so?
    Woher kamen denn Tuchel, Streich, Weinzierl, Lewandowski u. Hyypiä? Selbst ein Keller scheint momentan bei Schalke einiges richtig zu machen, während Schaaf sich damit rechtfertigt, Vereine wie Dortmund, Hannover, etc. hätten ja auch ganz lange gebraucht, um dahin zu kommen, wo sie jetzt stehen. Stimmt … bis man den richtigen Trainer fand 😉
    Ich wäre ja dafür, dass man Schaaf noch vor Saisonende ziehen lässt, um rechtzeitig Kontakt mit einem potentiellen Trainer aufzunehmen, der sich seine Mannschaft selber zusammen stellen kann u. keine Trümmertruppe übernehmen muss.

    3. März 2013 bei 15:45 Antworten

  4. Stephen

    Große Namen brauche ich nicht. Ich will einen Trainer, der auf der Höhe der Zeit ist, der die Mannschaft nach Leistung und nicht nach Namen aufstellt und darüber hinaus ggf. schon bewiesen hat, das er in der Lage ist, das Potential eines Teams auszuschöpfen. Mir fällt da bspw. der Lieberknecht von Braunschweig ein. Aber ich kenne mich im Trainer-Bereich auch nicht so aus, so dass ich nicht sagen könnte, wer sonst noch interessant ist.

    Bei vielen schwingt glaube ich auch ein bisschen die Angst davor mit, wieder Zeiten à la Dörner und de Mos zu erleben. Aber das kann ja kein Grund sein, auf ewig an Schaaf festzuhalten, nur weil man nicht weiß, was danach kommt. :/

    3. März 2013 bei 18:52 Antworten

  5. Kata

    Nur sind wir genau da wieder mit Schaaf gelandet, als ein Magath gehen musste.
    Werder statte ja seine Spieler auch mit dicken Gehältern aus, um einen Wechsel aka Ailton nicht noch einmal zu erleben.
    Bei Werder scheinen viele Entscheidungen auf Ängsten zu basieren, die dem Verein so langsam das Genick brechen.

    Ich habe auch keinen Bock mehr mir nun wieder diese Durchhalteparolen anzuhören u. all die Bekenntnisse, was mal wieder nicht geklappt hat. Auch nehme ich mich als Fan nicht ernst genommen, wenn Schaaf süffisant meint, die Fans pfeifen eben mal, wenn das Spiel nicht läuft.
    Alle hoch zu Ross dort bei Werder.

    4. März 2013 bei 00:51 Antworten

  6. Stephen

    Wobei damals die Situation ja noch prekärer war. Aber gut, es gehört ja auch nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, dass es noch weiter bergab geht. -.-

    4. März 2013 bei 10:47 Antworten

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