Der erste Stadionbesuch

Kommen wir mal weg von der traurigen Aktualität der Bundesliga: neulich hatte ich in einem Buchladen das Buch „Mein erster Stadionbesuch“ in Händen gehalten, was als Inspiration für diesen Blogeintrag diente, da ich an meinen eigenen ersten Besuch im Stadion zurückdenken musste. Ende der 80er, so mit zehn, elf Jahren erwachte mein Interesse am Fußball, also just zu einer Zeit, als Bremen ein erfolgreicher Verein in der Bundesliga war und damals auch mit tollen Auftritten im Europapokal für Aufsehen sorgen konnte. Und die geografische Nähe tat natürlich ihr Übriges, da ich in der Reiterstadt Verden groß geworden bin. In gewisser Weise also ein Glücksfall, auch wenn man mich daher aus gutem Grund als „Erfolgsfan“ titulieren kann. 😉

Mit zehn Jahren trat ich zusammen mit ein paar Freunden in die D-Jugend des FC Borstel ein. Schnell wurde klar, dass mein fußballerisches Talent allenfalls überschaubar war und da ich auch nicht den Willen und die Leidensfähigkeit eines Uli Borowka mitbrachte, war mein Ausflug in den aktiven Fußball nur von kurzer Dauer, bevor ich mich dann dem Handball zuwandte. Im November 1989 fiel nicht nur die Mauer, sondern auch in meinem Leben sollte sich ein einschneidendes Erlebnis vollziehen: am 25.11. fuhren einige Jugendmannschaften des FC Borstel im Rahmen der Weihnachtsfeier ins Weserstadion, um sich hier ein Bundesliga-Spiel des SVW anzuschauen.

Zunächst mal gab es neben dem eigentlichen Spiel noch ein weiteres Highlight für mein elfjähriges Alter Ego, nämlich meinen ersten Besuch bei McDonald’s. Damals gab es in Verden noch keine Filliale des weltumspannenden Burgerimperiums und so wurde ich zum ersten Mal der Burger mit dem goldenen M habhaft. Ich weiß noch, wie ich angewidert die Saure Gurken-Scheibe aus dem Burger fischte, nachdem ich nichtsahnend hineinbissen hatte. Ein Ritual, welches ich auch heute noch mit voller Inbrunst zelebriere. Nach der Völlerei ging es dann weiter zum Stadion. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von diesem riesigen Gebäude war, welches dort am Weserdeich stand. Dazu noch die Masse an Menschen, der Lärm, die Kutten, die Bierbecher, die Fahnen und das Flutlicht.

An das Spiel selbst habe ich kaum noch Erinnerungen. Ich weiß, dass es gegen den FC St. Pauli ging und Bremen das Spiel mit 2:1 gewinnen konnte. Und wenn ich mich recht entsinne müssen wir auf der Nord im Oberrang gesessen haben. Ich weiß noch, wie wir in einer größeren Gruppe während der Halbzeitpause durchs Stadion getigert sind. Beim Weg zurück haben wir rumgealbert und dabei habe ich ein Bier, was auf der Brüstung stand, runtergeschubst. Danach ging es mit hochrotem Kopf und unter dem Gepöbel des Bierbesitzers wieder ganz schnell zu den Plätzen. Ich bin mir sicher, dass jemand im Unterrang eine schöne Bierdusche abbekommen hat. Dafür entschuldige ich mich noch einmal nachträglich. War nicht böse gemeint.

Es sollte nach meiner Premiere noch ein bisschen dauern, bis ich das Weserstadion wieder besuchen würde. Ich kann mich an Spiele in den Jahren 92-94 erinnern, an Siege gegen Bayern und Dortmund. Aber auch an Tiefpunkte, wie das eine Spiel gegen Wattenscheid, für das ich von meinem Handballtrainer Freikarten erhalten hatte. Ich nahm meinen besten Freund mit und so standen wir bei strömendem Regen in der unüberdachten Ostkurve und sahen einem unglaublich miesen 0:0 zu. Und natürlich gibt es auch die absoluten Höhepunkte, wie bspw. das letzte Heimspiel der Saison 2003/04 mit der Überreichung der Meisterschale. Und egal, wie oft ich da bin oder wer der jeweilige Gegner ist, jedesmal wenn ich in die Nähe des Stadions komme, spüre ich die gleiche leichte Aufregung und Vorfreude. Irgendwie ist es eine Art, zu Hause anzukommen.

Vielleicht mag ja jemand seinen ersten Stadionbesuch teilen?

Lebenslang Grün-Weiß!

6 comments

  1. Andreas

    Coole Idee, ich hab bloss noch weniger Erinnerung. Es war in der Bremer Zweitliga-Saison, Union Solingen – Werder Bremen. Ich krame mal in meinen Erinnerungen, was ich noch so hervorbekomme. Ist ja nun schon nen bisschen her.

    5. März 2013 bei 21:57 Antworten

  2. Rioqju

    Da kann ich auf dieses Spiel verweisen:
    http://www.fussballdaten.de/bundesliga/2003/33/bremen-schalke/

    Ich war recht spät das erste Mal im Stadion im Alter von 19 Jahren. Obwohl ich mich nicht mehr viel an das eigentliche Spiel erinnern kann, weiß ich noch, wie ich mich über so manches darin wunderte – die Sprungkraft bei Kopfbällen und Genauigkeit/Schnelligkeit der Pässe – Sachen, die im Fernseher nicht so rüberkommen wie im Stadion.
    Ich saß damals Südtribüne, ziemlich weit unten (10. Reihe glaub ich – Karte müsste ich noch haben) mit zwei Kumpels. Ich war ziemlich fasziniert von der Stimmung, dem Drumherum. Allerdings hab ich nie die Dauerbeschallung der Besucher über die Lautsprechanlage verstanden. Seit dem sind viele Spiele gefolgt, auch auswärts, an die ich mich definitiv besser erinnern kann. Und immer noch stellt sich auch bei mir dieses Kribbeln ein, allerspätestens wenn die Flutlichtmasten auftauchen befällt einen dieses wohlige Gefühl von Aufgeregtheit, und man bekommt Gänsehaut. Ach, wie schön.

    6. März 2013 bei 23:26 Antworten

  3. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Dienstag, den 12. März 2013 | Fokus Fussball

  4. kreuzberger

    Mein erster richtiger Stadionbesuch war werderwunderbar. Lange Jahre hatte ich mich nur so nebenbei mit Fußball beschäftigt, aber mit meinem Umzug von Bremerhaven nach Bremen hatte sich das recht zügig geändert. 1993 zog es mich also ins Weserstadion, wenn ich mich richtig erinnere auf die Nordtribüne, dicht neben der Ostkurve. Es war ein Champions League-Tag, der Gegner hieß Anderlecht. Der Rest sollte jedem Werderaner bekannt sein. Viel besser kann ein erster Stadionbesuch wohl nicht verlaufen. Erst jede Menge Frust und Enttäuschung (schließlich hatte die Karte um die 40 Mark gekostet!), dann Verwunderung über die vielen Fans, die zur Pause das Stadion verließen, gefolgt von einer legendären zweiten Halbzeit voller Spannung und dann Euphorie.

    21. März 2013 bei 13:37 Antworten

  5. Stephen

    Danke für Deinen Kommentar. Ich selbst war bei dem Klassiker nicht dabei. Aber ein Freund von mir war da. Der war jetzt nicht so der Hardcore-Fan, sondern war da, weil viele Klassenkameraden damals hingegangen sind. Schön in der Halbzeit abgehauen, mit dem Zug nach Hause und als er da ankam, wurde er gefragt, warum er denn abgehauen sei. Scheißregen und Scheißspiel meinte er, bis er dann erfuhr, dass Bremen das Ding noch gewonnen hat. 🙂

    22. März 2013 bei 10:31 Antworten

  6. kreuzberger

    Sowas habe ich noch am nächsten Morgen bei einem Bremer Bäcker erlebt. Der Kunde vor mir und der Verkäufer unterhielten sich über das „Scheißspiel“ und meinten beide, sie hätten in der Halbzeit den Fernseher ausgeschaltet und wüssten gar nicht, wie es ausgegangen sei. Da habe ich die beiden natürlich gerne aufgeklärt. 🙂

    22. März 2013 bei 10:37 Antworten

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