Ein Punkt in Gladbach

Nach dem 0:1 gegen Augsburg nahm der Gegenwind für Schaaf sowohl bei den eigenen Fans als auch in den Medien stark zu. Gleichzeitig stärkten ihm die Vereinsverantwortlichen in der Öffentlichkeit den Rücken. Wobei dies natürlich ein völlig normaler Vorgang ist, denn bei der ersten zweideutigen Antwort zum Trainer ist dieser zum Abschuss freigegeben. Schaaf strich den Profis den freien Montag und laut allen Beteiligten war es eine sehr intensive Trainingswoche. Gestern vormittag vermeldete die Kreiszeitung, dass Schaaf mit Doppelsechs und ohne Elia, Hunt, Arnautovic und Ekici spielen würde. Im ersten Moment habe ich das ein wenig als Aktionismus abgetan und war zudem skeptisch, ob Schaaf wirklich so stark durchrotieren würde. Vor dem Spiel dann die Bestätigung: im Gegensatz zum Augsburg-Spiel gab es einige Änderungen. Pavlovic spielte in der Innenverteidigung für die gesperrten Sokratis und Prödl. Die Doppelsechs bildeten Fritz und Trybull, die Dreierreihe davor bestand aus Iggy, Junuzovic und De Bruyne. Vorne im Sturm stand Petersen.

Um 18:30 war all das nur noch Vorgeplänkel, denn wichtiger als Namen und Systeme war das, was uns die Mannschaft auf dem Platz anbieten würde. Dabei wurde schnell klar, dass die oberste Prämisse die Defensive war. Die Mannschaft verschob sehr kompakt über den Platz: bei gegnerischem Ballbesitz ließen sich bspw. De Bruyne und Petersen sehr weit nach hinten fallen, während die Abwehr bei eigenem Ballbesitz sehr weit aufrückte. Dadurch präsentierte sich Bremen als kompakte Einheit und die teils eklatanten Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen konnten so nicht auftreten. Zumal die Mannschaft auch sehr konzentriert und diszipliniert auftrat. Zudem sorgte die Besetzung des defensiven Mittelfelds mit gelernten Defensivspielern für eine deutlich bessere Balance als die in dieser Saison zum Standard gewordene 4-1-4-1-Formation mit sechs gelernten Offensivspielern.

Und die Pläne von Schaaf gingen im Spiel voll auf. Gladbach kam nur sehr schwer ins Spiel und tat sich schwer damit, Lücken in der Bremer Mannschaft zu finden. Natürlich tat sich Bremen selbst auch schwer damit, das eigene Offensivspiel aufzubauen, aber nach den enttäuschenden Auftritten der letzten Wochen war es vor allem wichtig, hinten sicher zu stehen und in diesem Punkt machte die Mannschaft alles richtig. Nur Pavlovic tat sich zu Beginn des Spiels noch ein bisschen schwer, als er sich von Patrick Herrmann zweimal viel zu leicht abkochen, aber im Laufe des Spiels steigerte er sich und rettete kurz vor Ende des Spiels noch das Unentschieden, als er einen Schuss von Mlapa aufs leere Tor klären konnte.

In der zweiten.Halbzeit kam Hunt für den angeschlagenen Fritz und Junuzovic nahm die Position in der Doppelsechs ein. Die zweite Halbzeit wurde etwas ansehnlicher, da beide Mannschaften zu ein paar guten Gelegenheiten kamen. Leider waren es die Gladbacher, die zum ersten Tor kamen: nach einer Ecke der Fohlen räumen sich Pavlovic und Trybull im Strafraum gegenseitig ab und Mlapa braucht nicht mal hochzuspringen, um das 1:0 zu erzielen. Man kann sich auch fragen, warum bei gegnerischen Standards keiner der Pfosten besetzt wird. Haben wir sowas nicht nötig? Sieht das evtl. doof aus? Ich weiß es nicht, vor allem aber verstehe ich es nicht. Ein Mann am ersten Pfosten hätte das 0:1 locker verhindern können. Die Mannschaft zeigt jedoch eine prompte Reaktion auf den Gegentreffer und nur fünf Minuten später war es Ignjovski, der eine scharfe Hereingabe von De Bruyne ins Tor brachte. Danach hatte Bremen noch ein, zwei Gelegenheiten, die aber nicht konsequent zu Ende gespielt wurden.

Das Spiel war ein Beispiel dafür, dass auch Schaaf durchaus in der Lage ist, sich etwas einfallen zu lassen, um das Spiel des Gegners lahmzulegen. Über 90 Minuten kam Gladbach nur zu einigen wenigen gefährlichen Angriffen. Und ich führe das in erster Linie auf den disziplinierten Auftritt der Bremer zurück. Das Spiel gestern lässt natürlich auch die Frage zu, warum man nicht schon früher zu solchen Mitteln gegriffen hat, vor allem bei Auswärtsspielen gegen stärkere Gegner. Und was bedeutet das Spiel für die kommenden Begegnungen? Wird auch in Zukunft vor allem das defensive Mittelfeld mit Spielern bestückt, die dort hingehören? Eine Doppelsechs mit Junu und Trybull? Davor eine Dreiherreihe mit De Bruyne, Hunt und Arno? So wie gestern zu Ende des Spiels? Vor allem De Bruyne machte gestern in der Mittelfeldzentrale ein bärenstarkes Spiel und fast alle Angriffe liefen über ihn.

Spiele wie das gestrige zeigen, das Schaaf durchaus bereit ist, etwas zu ändern und er offensichtlich die Probleme im Spiel erkennt und auch Ideen hat, wie diese zu beheben sind. Aber warum wird das so selten umgesetzt? Warum muss die Mannschaft erst an den Punkt der völligen Verunsicherung nach dem Augsburg-Spiel kommen, bevor Schaaf sich dazu entscheidet, der Mannschaft durch eine defensive Spielweise zu mehr Stabilität zu verhelfen? Natürlich ist das Konzept von gestern nicht für jedes Spiel geeignet und am nächsten Samstag möchte ich eigentlich nicht, dass die Mannschaft gegen den Tabellenletzten zu Hause so einigelt, aber ich würde mir mehr Reaktion auf die Gegner und deren Spielweise wünschen. Die Zeiten, wo wir unser Spiel fast jedem Gegner aufzwingen konnten, sind lange passé. Man darf gespannt sein, wie Schaaf in den nächsten Spielen reagiert oder ob dies nur eine Ausnahme war und man nach dem kleinen Zwischenerfolg wieder zur gewohnten Tagesordnung zurückkehrt.

Zum Abschluss möchte ich an der Stelle noch das Schirigespann rund um Wolfgang Stark loben. Zum einen, weil sie das Spiel gut geleitet haben und zum anderen, weil sie einen Treffer von Patrick Herrmann nicht anerkannt haben. Das Schwierige an der Situation: der Linienrichter konnte nicht sehen, ob Younes den Ball per Hacke weitergeleitet hatte, ließ daher erstmal die Fahne unten. Nach dem Tor kommunizierte er zunächst mit Stark, um ihn zu fragen, ob er die Situation mit dem Hackenpass gesehen habe. Stark bestätigte die Ballberührung von Younes, so dass der Linienrichter ihn auf die Abseitsstellung von Herrmann aufmerksam machte. Stark erkannte daraufhin das Tor nicht an. Man muss es ja auch mal anerkennen, wenn die Schiedsrichter eine gute Leistung zeigen und nicht immer nur bei schwachen Leistungen auf ihnen rumhacken.

Lebenslang Grün-Weiß!

3 comments

  1. Kata

    Erschrocken hatte mich gestern, dass einige Fans, trotz der 5 NL u. 2 Siegen in der Rückrunde dem Offensivfußball nachtrauerten u. dem gestrigen Spiel so gar nichts abgewinnen wollten: „Wenn wir solch ein Spiel zu Hause gg. Fürth machen, werden wir ausgepfiffen.“
    Ich fand es recht passabel, dass man nach einem wackligen Beginn dennoch hochkonzentriert im Spiel blieb, auch wenn nach vorn nicht viel ging, hier einfach der Regisseur fehlt.

    Gewundert habe ich mich nicht mehr, als Schaaf auf die Frage, warum er bei Ecken nicht den 2. Pfosten besetze, lapidar meinte: „Die Spieler sollten gefälligst so die Gegenspieler decken, dass diese halt nicht zum Einnetzen kämen.“ Klar, nach dem gefühlten 100. Eckentor muss man halt so agieren, nur sich der Kritik nicht stellen. Man macht eben nichts falsch …
    Wenn Werder die restl. Saison so konzentriert weiterspielt u. hinten wenig zulässt, dann bin ich halt zufrieden, hoffe dennoch auf eine Änderung im Trainerbereich.
    Großes Lob an den Linienrichter, dass er den Arsch in der Hose hatte, da nochmal nachzuhaken u. nicht einfach schwieg. Eigentl. sollte dies nichts Besonderes sein, eigentlich 😉

    10. März 2013 bei 14:33 Antworten

  2. Stephen

    Tja, das Problem ist, dass einige immer noch in den gleichen Mustern wie vor drei, vier Jahren denken. Aber mittlerweile muss man auch einfach mal gucken, was der Gegner macht und sich daran anpassen bzw. in diesem Fall der Mannschaft ein stabiles Gerüst geben, damit man nicht noch mehr verunsichert wird.

    Gegen Fürth wird man sicherlich anders spielen. Zum einen, weil man im Weserstadion auftritt und zum anderen, weil Fürth momentan am Boden liegt. Was natürlich nicht heißt, dass man den Gegner auf die leichte Schulter nehmen soll. Ich könnte mir die Aufstellung zum Ende des Spiels gut vorstellen. Mit einer Doppelsechs, davor wie gesagt Arno, Hunt und Keffin.

    Mich hat das Spiel auch nicht von meiner Meinung zu Schaaf abgebracht. Wir hatten das ja auch in der Vergangenheit, dass die Mannschaft auch mal taktisch disziplinierte Spiele dabei hatte, bevor man dann wieder mehrfach in Serie auf den Hintern bekommen hat. Ein Unentschieden macht noch keine Serie oder so. 😉

    Nach dem Spiel meinte Eichin, dass die Mannschaft aus dem „Mini-Tal“ raus sei. Klar, das ist halt das übliche Geschwätz, aber das ist doch kein Mini-Tal mehr. Man fragt sich, wie die Situation hinter verschlossenen Türen beurteilt wird.

    10. März 2013 bei 15:18 Antworten

  3. Kata

    „Minikrise“ …Naja, es sei der besonderen Situation Eichins bzgl. seiner erst recht kurzen Werderzugehörigkeit geschuldet. Was soll er denn jetzt schon sagen? 😉
    Schlimmer hingegen fand ich Statements v. Bloggern, dass wir uns doch über die 6 Jahre CL freuen können … welch ein Wunder!
    Und ja, solch ein defensives Spiel wie gestern werden wir unter diesem Trainer bestimmt nicht allzu häufig sehen.

    Abschließend noch mal ein Kommentar v. kalotte aus dem Worum bzgl. des Dogmatismus bei Werder:

    „Bremen befindet sich nun einmal in einem protestantisch und zusätzlich calvinistisch geprägten Landstrich. Dadurch sind bestimmte Verhaltensmuster bei uns ganz gut zu erklären, so z.B. die Werderbesonderheit den rechten Glauben (an Sparsamkeit, Bescheidenheit, symbolisiert durch mangelnde Aufstiegschancen, an den einzig wahren Trainer etc.) höher zu setzen als die rechten Taten . Es reicht dem Verein in Treue fest zu stehen, weil sie damit dem eigenen Dogma gerecht werden und vielleicht in den Himmel kommen. Was vielen Fans möglicherweise aber stinkt, weil dieser Dogmatismus nicht nur unzeitgemäß erscheint sondern sogar in Bremen mittlerweile nicht mehr dem Geist der Stadt entspricht. Komischerweise ist die Stadt kaum noch so grau und puristisch im alten Glauben verhaftet wie der Verein (nicht umsonst ist Bremen u.a. die deutsche Hauptstadt des Samba-Karnevals. ). Kannst Du Dir unseren Vereinsvorstand incl. Trainer beim Karneval auf einem Motivwagen mit halbnackten Ärschen wackelnd und zu Sambamusik tanzend vorstellen?“ 😀

    10. März 2013 bei 18:33 Antworten

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