Drei plus drei macht sechs

Gestern war ein Teil der Grünweiß-Crew (Anna, Andreas, Tobias und ich) gemeinsam im Stadion, um sich das Spiel gegen Augsburg anzuschauen. Vor dem Spiel kam aber erst einmal der Kauf des ersten Werder-Trikots meiner Fan-Karriere. Aber das nur am Rande. Das erste große Highlight des Tages war die großartige Choreo für Thomas Schaaf. Wir saßen in der Westkurve und hatten einen guten Blick auf das tolle Bild in der Ostkurve. Schön war auch, dass zum Abschluss des Ganzen der „Danke, Thomas“-Banner noch durch ein „Auf geht’s, Robin“ ausgetauscht wurde. So wurde es nicht nur der Abschied von Schaaf, sondern auch ein Willkommen an Dutt.

Das Spiel selbst hatte dann deutlich weniger Highlights zu bieten. Im anschließenden Grünweiß-Stammtisch, den wir live aufgezeichnet und gestreamt hatten, haben wir die meisten Punkte angesprochen. Augsburg war über weite Phasen das optisch überlegene Team und Bremen kam nur selten gefährlich vor das Tor der Gäste. So war es ein Distanzschuss, inklusive Fehler von Augsburgs Amsif, der das entscheidende Tor durch Ekici brachte. Defensiv fand ich das über das gesamte Spiel hinweg betrachtet gar nicht so schlecht, wenn man die 15 Minuten nach der Halbzeitpause außen vor lässt, weil man da wirklich ins Schwimmen geriet. So hat man kaum gute Chancen zugelassen, weshalb die Statistik der 20:5 Torschüsse für Augsburg auch ein wenig trügerisch ist, denn davon kamen nur die wenigsten auf das Tor von Mielitz. Besonders gut hat mir Luca Caldirola gefallen, der auf der Linksverteidiger-Position aufgeboten wurde und sich dort hervorragend verkauft hat. Seit seinem suboptimalen Auftritt im Pokal hat er sich gut gefangen und zeigt, warum man ihn nach Bremen geholt hat.

Im Spiel nach vorne war das deutlich weniger positiv. Auch wenn man jetzt nicht alles verdammen sollte, fiel vor allem in der zweiten Halbzeit auf, dass Bremen große Probleme hatte, den Ball nach vorne zu bringen. Zu oft wurde nach einer erfolgreichen Balleroberung in der eigenen Defensive ein Fehlpass gespielt oder der Ball im Dribbling verloren. Hier hätte man für deutlich mehr Entlastung sorgen können und müssen, denn zu häufig kam der Ball postwendend wieder zurück in das Bremer Abwehrdrittel. Und man sollte in der Lage sein, gegen einen Gegner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck aufbaute, mehr als einen gefährlichen Konter zu fahren (den Petersen in der 89. Minute vergab).

Nach zwei Spielen, in denen das Ergebnis auch ein anderes hätte sein können, findet sich Bremen mit sechs Punkten wieder. Wahlweise bezeichnet man die zwei Siege als glücklich oder dreckig, aber mir soll es recht sein. So viele haben Bremen (auch Fans des Vereins) als Abstiegskandidaten gesehen, da kann es doch eigentlich nur recht sein, dass man gegen zwei Clubs, die aller Voraussicht nach ebenfalls unten drin stehen werden, Dreier eingefahren hat. Zumal jetzt der Borussia-Doppelpack in Dortmund und Gladbach kommt und man nicht unbedingt ein ausgemachter Pessimist sein muss, um hier mit null Punkten zu rechnen. Da hilft das Polster vor allem auch Trainer und Mannschaft, denn wenn wir nach vier Spielen nur mit ein, zwei Punkten dagestanden hätten, wären wir mitten im Abstiegskampf inklusive der dazugehörigen Diskussionen. Nun heißt der gute Start natürlich nicht, dass wir in der Saison nichts mit den tiefsten Regionen der Tabelle zu tun haben werden, aber für den Anfang haben wir einen kleinen Puffer. Und es ändert auch nichts daran, dass es noch viel zu tun gibt in der Mannschaft.

Ich bin gespannt, wie wir in Dortmund auftreten werden und was sich Dutt einfallen lässt, um die Kreise des BVB so gut es geht einzuschränken, so dass wir nicht unter die Räder kommen.

Lebenslang Grün-Weiß!

3 comments

  1. BücherBall

    Hallo Stephen,

    ich war gestern auch mal wieder vor Ort. War schön, mal wieder „daheim“ zu sein, wo ich doch zuhause nur von HSVern umgeben bin. Die Choreo fand ich übrigens erste Sahne, mir kam sogar die Gänsehaut.
    Was das Spiel angeht, kann ich dir eigentlich soweit zustimmen, nur muss ich an dieser Stelle neben den von dir genannten Caldirola auch noch den für mich überraschend in der Startelf stehenden Lukimya hervorheben. Denn gestern hat er gezeigt, was man von ihm erwarten könnte. Wo Prödl den einen oder anderen Fehler machte, wirkte Luki gestern erstaunlich abgeklärt und ruhig und konnte somit einige Aktionen der Augsburger verpuffen lassen.
    Ansonsten bin ich deiner Meinung: In der Offensive und im Spielaufbau muss noch etwas geschehen, das war gestern hie und schon Slap-Stick-artig (Beispiel Kroos und Petersen, die gleichzeitg den Ball spielen wollen).
    Aber hey… sechs Punkte!!

    18. August 2013 bei 16:41 Antworten

  2. spyri

    So langsam kriegt man ja ne Idee, was das neue Werder ausmacht. Auffällig ist, dass die Abwehrkette die Ordnung mehr hält, seltener lässt sich jemand herausziehen, wenn es jedoch passiert ist gleich Alarm (Sit. mit Lukimya so um die 20. Minute). Aus dem Saarbrückenspiel sind mir noch gefühlt 10 Szenen vor Augen, wo in der Kette improvisiert durchrotiert wurde / die Laufwege diletantisch kreuzten und Fritz dann plötzlich weiter innen stand als Prödl … ergo Chaos. Da herrscht jetzt mehr Disziplin.
    Was imho noch nicht ausreichend funktioniert ist die off. Dreierreihe, wo Hunt eine extrem unglückliche Figur macht. Ich bilde mir ein, dass Dutt ihn nach dem Tor auf rechts geschoben hat (intensives Zweiergespräch vorher), prompt liefs etwas besser, bis Hunt doch wieder im Zentrum auftauchte, Petersen dadurch total deplatziert. Auch ging auch gestern der Abstand zum Mittelfeld zwischenzeitlich wieder verloren, man stand zu weit vorn, kein Verbindungsspiel mehr möglich. Ich bin mal gespannt, wie das gegen Dortmund aussehen wird, ich denke da wird die Marschroute deutlich reaktiver, kompakter sein, das wird spannend.

    18. August 2013 bei 18:58 Antworten

  3. Stephen

    @BücherBall: Ja, Lukimya hat gemacht, was er kann (vor allem Mölders Schmerzen zufügen). Ich glaube, dass ist im Zweifel auch der Unterschied zwischen den Prödl und Luki: Luki weiß, was er kann und bleibt dabei, während Prödl manchmal noch zu sehr die schöne Lösung bevorzugt und dann failed bzw. prödelt. 😉

    @spyri: Ich glaube, das mit Hunt ist auch von Dutt so gewollt. Er scheint eine Art „falsche Neun“ zu geben. Das Problem ist nur, dass das noch nicht so richtig funktionieren. Aber das würde ich nicht alleine an Hunt festmachen, da insgesamt die Offensive noch nicht so richtig harmoniert und zu fahrig agiert. Ich hoffe, dass dort in den nächsten Spielen nach und nach auch ein Aufschwung zu erkennen sein wird.

    19. August 2013 bei 11:38 Antworten

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