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Nordderbysieg

Nach dem 0:3 gegen Frankfurt war die Stimmung an der Weser schon merklich geknickt, was man sicherlich auch im Grünweiß-Stammtisch von letzter Woche bemerkt hat. Dabei war es vor allem die Art der Niederlage, die viele Erinnerungen an die letzten Saisons geweckt hat. Mir war schon vor Beginn der Saison klar, dass es keine streng lineare Entwicklung geben würde und Ausreißer nach unten durchaus dazu gehören würden, aber die Leblosigkeit der Mannschaft in Halbzeit eins war dann doch eine negative Überraschung. Da kam der „Elendsgipfel“ zwischen Hamburg und Bremen gerade zum rechten Zeitpunkt. Platz 14 gegen 15, Not gegen Elend und mit Sicherheit kein Leckerbissen.

Dutt stellte die Mannschaft auf einigen Positionen um: Caldirola rückte für Prödl in die IV, Garcia durfte erstmals auf links ran. Ich war sehr erleichtert, dass Caldirola endlich wieder in der Innenverteidigung spielen durfte. Er hat seine Sache als Linksverteidiger zwar sehr gut gemacht, aber als IV kann er seine Ruhe und Abgeklärtheit viel besser einbringen. Im Mittelfeld durfte sich Iggy den defensiven Part mit Makiadi teilen und weiter vorne rückte Kobylanski in die Mannschaft. Die Personalie Kobylanski ist sehr wichtig gewesen, weniger weil ich ihn unbedingt spielen sehen wollte (ich habe ihn bisher noch gar nicht in Aktion gesehen), sondern weil damit ein wichtiges Signal an die Spieler in den U-Mannschaften gesendet wird: trainiere gut, biete dich an und du bekommst Deine Chance bei den Profis. Natürlich weist ein Spiel in der Bundesliga noch lange nicht den Weg zu einer Weltstar-Karriere, aber in der Vergangenheit wurde die Durchlässigkeit in den Profikader häufiger kritisiert, daher finde ich es wichtig, dass Kobylanski die Chance bekommen hat. Der Vollständigkeit halber: im Sturm lief Petersen für den gesperrten Di Santo auf.

Die erste Halbzeit hielt, was man vor dem Spiel erwarten konnte. Beide Mannschaften hatten massive Probleme, das Spiel nach vorne aufzubauen. Dabei steht man ein bisschen vor dem Henne/Ei-Problem, welches Andreas schon bei sich im Blog thematisierte: kam der HSV nicht zum Zuge, weil Bremen gut verteidigte oder weil der HSV einfach momentan so schlecht ist. In der schwachen ersten Halbzeit hatte Bremen in meinen Augen durchaus ein leichtes Übergewicht, kam nach Ecken zu zwei richtig guten Chancen und konnte in der 32. einen tollen Spielzug über Elia, Fritz und Petersen abschließen. Gefühlt war das die beste Kombination seit Jahren: der Hackenpass von Elia auf Fritz; Fritz, der das erste Mal seit Äonen einen Gegner im Laufduell stehen lässt und den Ball mustergültig für Petersen vorlegt. Rundum gelungen. Den Rest der ersten Halbzeit zieht sich Bremen weiter zurück und lässt den HSV kommen, was die Stellinger aber nicht nutzen können.

In Halbzeit zwei kommt der HSV mit mehr Dampf aus der Kabine und kommt im Laufe des Spiels zu einigen guten Chancen, die jedoch in der Regel von Mielitz entschärft werden. Bremen selbst kommt zu einigen Konterchancen, die entweder schlecht ausgespielt oder frei vor dem Tor vergeben werden. Am Ende ist es wieder Petersen, der in der Nachspielzeit das 0.2 markiert, als René Adler bei einer Hamburger Ecke mit nach vorne geht und beim Zurücklaufen über den Ball schlägt. Damit ist das 99. Nordderby entschieden und Bremen geht als Sieger vom Platz. Der Sieg katpultiert Bremen wieder ins Mittelfeld, reißt den HSV weiter unten rein und beendet die Serie von drei Niederlagen in Folge (vier, wenn man das Testspiel gegen St. Pauli mitrechnet).

Am kommenden Wochenende geht es gegen den 1.FC Nürnberg, die man unter der aktuellen Prämisse (möglichst wenig mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben und schnell die 40 Punkte sammeln) schlagen sollte, um weiterhin für Ruhe zu sorgen. Dabei fällt es mir schwer, die Franken einzuschätzen: einerseits haben sie gerade einmal 4 Punkte auf dem Konto und sind somit nicht besonders gut in die Saison gestartet, andererseits haben sie den Dortmundern am letzten Wochenende ein 1:1 abgetrotzt. Und in den letzten Jahren hat man Nürnberg zu Hause auch eher selten geschlagen. Der letzte Heimsieg liegt dreieinhalb Jahre zurück. Zeit, mal wieder einen Dreier im eigenen Stadion zu holen.

Lebenslang Grün-Weiß!