Jubiläumssieger

Das 100. BuLi-Nordderby sorgte schon Vorfeld für reichlich medialen Wirbel. Trotz der für beide Seiten prekären sportlichen Lage gab es einen nicht unerheblichen Hype, von dem sich nicht wenige genervt zeigten. Mich hatte das ganze Bohei nicht so erreicht und man muss dann den Medien auch mal ihren Spaß lassen, auch wenn klar ist, dass der sportliche Wert des Spiels mit dem Hype nicht würde mithalten können. Was aber allemal hohen Unterhaltungswert hatte, war die beeindruckende Choreografie der Ostkurve vor dem Spiel, die selbst vor dem Fernseher absoluten Gänsehaut-Faktor hatte.

Unser Erfolgsrezept gegen den HSV waren hohe Bälle, Zweikämpfe und Leidenschaft: die Tugenden des Kick & Rush, wenn man so will. Ich war ja einigermaßen irritiert über die hohen Bälle in letzter Zeit, aber wenn man den Ausführungen von Tobi und der Spielverlagerung folgt, dann war es genau das richtige Rezept in diesem Spiel. Zum einen hielt man den Ball und Gegner weit weg vom eigenen Strafraum und zum anderen konnte man so sein eigenes Pressing besser zu Geltung bringen. Gepaart mit einer klugen und aggressiven Zweikampfführung konnte man in Halbzeit eins über weite Strecken die Hamburger unter Kontrolle halten. Ein dickes Sonderlob an dieser Stelle vor allem an die Adresse von Assani Lukimya, von dem ich eigentlich dachte, dass er sich nach dem Gladbach-Spiel aus der  Mannschaft katapultiert hatte. Aufgrund der Sperren von Caldirola und Kroos spielte er dann doch an der Seite von Prödl in der Innenverteidigung und machte einen hervorragenden Job. Vor allem Neu-Nationalspieler Lasogga wurde einer liebevollen Spezialbehandlung unterzogen und blieb dank Lukimyas Fürsorge nahezu unsichtbar.

Der Siegtreffer von Junuzovic war auch eine Folge eines langen Balls nach einem Prödl-Freistoß. Garcia köpft den zweiten Ball zu Hunt, der mit der Hacke zu Junu weiterleitet. Und natürlich war das genau so gewollt, verstehe auch nicht, warum man da noch diskutieren muss. Einzig Hakan „Ich fühlte mich von Werder verarscht“ Calhanolgus Lattentreffer sorgte für einen kurzfristigen Schreckmoment. Darüber hinaus war auffällig, dass die Mannschaft viel aktiver war als zuletzt, auch selber darum bemüht war, das Spiel zu gestalten und nicht einfach in Passivität verharrte.

Dutt reagiert richtig

Nach der Halbzeit macht Hamburg deutlich mehr Druck und drängt die Bremer immer weiter hinten rein. Dabei kommen die Gäste vor allem über die Flügel zum Zuge und Bremen ist in der Phase nicht in der Lage, den Druck vom eigenen Strafraum weg zu halten. Doch Dutt reagiert und bringt nach fast 60 Minuten Selassie für Di Santo und löst die bis dahin praktizierte Raute zu Gunsten von zwei Viererketten im Mittelfeld auf. Dies gibt uns wieder die dringend benötigte defensive Stabilität zurück. Zwei Großchancen erspielt sich Bremen in Halbzeit zwei: einmal Junuzovic nach einem kapitalen Bock von Lasse Sobiech (der für den verletzten Rajkovic kam) und dann wieder Junuzovic, der jedoch hätte querlegen müssen. In Anbetracht des Sieges natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Nach dem Sieg gegen Hamburg haben wir 25 Punkte auf dem Konto und angenehme sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Zudem war es schon das achte Spiel ohne Gegentor diese Saison. Doch das ist noch lange kein Grund für Selbstzufriedenheit und ich bin mir sicher, dass diese auch nicht einsetzen wird. Letztlich haben wir wichtige drei Punkte gegen den Abstieg geholt und das Jubiläumsderby gewonnen. Aber man hat auch gesehen, dass das 3:0 der Hamburger gegen den BVB eher ein Ausreißer nach oben war, als der Turning Point der Saison. Denn bis auf die Druckphase direkt nach Wiederanpfiff ließen sich die Hamburger den Schneid sehr leicht abkaufen. Aber das soll nicht unsere Sorge sein.

Things to come

Nächste Woche geht es auswärts gegen den 1. FC Nürnberg, der bisher in der Rückrunde gar nicht so schlecht unterwegs ist. Hier gilt es, genauso konsequent weiterzumachen, wie in den 90 Minuten gegen den HSV. Vier Punkte aus den ersten beiden Spielen in den „Wochen der Wahrheit“ sind eine gute Ausbeute und das wissen auch die Mannschaft und die Verantwortlichen.

Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, dass wir gegen Mannschaften unserer Kragenweite auch in der Lage sind, defensiv besser zu agieren. In der Rückrunde schon drei Spiele ohne Gegentor gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Es sind die kleinen Dinge, die einem diese Saison Freude bereiten und Mut machen (siehe auch Iggys Wiedergeburt als Rechtsverteidiger). Vielleicht ist es der Beginn einer kleinen Serie, wie Burning schrieb. Es wäre uns allen zu wünschen.

Lebenslang Grün-Weiß!

2 comments

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