Krisenstimmung

Am Samstag trafen der SV Werder Bremen und der VfL Wolfsburg in einem grün-weißen Krisengipfel aufeinander. Werder mit einem eher mauen Start in die Saison und nur drei Punkten aus den ersten fünf Spielen. Wolfsburg mit nur fünf Punkten ebenfalls mit einem schlechten Start in die Saison. Bisher konnten die Wölfe noch nicht wirklich zeigen, warum sie vor der Saison von einigen sogar schon als Bayern-Jäger auserkoren wurden. Somit standen beide Mannschaften vor dem Spiel unter einem gewissen Druck, wobei Werder den Vorteil hatte, als Außenseiter in die Partie zu gehen.

In den ersten fünf Spielen des SVW konnte sich folgende Storyline herausbilden: spielerisch ist das gut, leider scheitert man an individuellen Unzulänglichkeiten in der Defensive, am Pech oder auch am Schiedsrichter. Wobei man die Wertung „spielerisch gut“ vor allem auch in Bezug zu den Auftritten der letzten Saison betrachten muss, wo Werder spielerisch nur wenig und oft gar nichts anbot. Diese Storyline der ersten Spiele lässt sich für das Wolfsburg spielen nicht fortführen, da Werder spielerisch kaum etwas zustande brachte. Das ist vor allem deshalb so enttäuschend, weil Wolfsburg keineswegs ein übermächtiger Gegner war. Trotz der nominellen Qualität – vor allem im Mittelfeld – leistete sich der VfL viele Fehler, gerade auch im Spielaufbau, die vom Publikum teils mit Murren und Pfiffen quittiert wurden. Aus den Möglichkeiten, die sich aus gegnerischen Ballverlusten ergaben, konnte Bremen jedoch kein Kapital schlagen. Auch waren es diesmal nicht allein individuelle Fehler, die zu den Gegentoren führten, sondern kollektive Schlafmützigkeit. Das 0:1 war ein Musterbeispiel aus der Kategorie „Wie man es nicht macht“, diesmal mit der Folge 1: „Gegentore nach eigenen Eckbällen“.

Das zweite Gegentor nach Buschs zwischenzeitlichem Ausgleich war ebenfalls nicht alleine der Fehler des jungen Rechtsverteidigers, der es zwar verpasst, Olic zu stören, aber sich eigentlich auch nicht in der Situation wiederfinden sollte, gegen zwei Gegenspieler (Olic und Perisic) gleichzeitig verteidigen zu müssen. Leider konnte Bremen die verbleibenden knapp 35 Minuten nicht für ein neuerliches Comeback nutzen. Wirkliche Chancen für die Bremer blieben weitgehend Fehlanzeige. So reicht den Wolfsburgern einer durchschnittliche Leistung für einen verdienten Sieg. Bremen steht nach sechs Spieltagen mit 3 Unentschieden, 3 Niederlagen und 3 Punkten auf dem vorletzten Platz.

Langsam macht sich bei mir Nervosität breit und zwar nicht, weil die Tabelle nach dem sechsten Spieltag allzu aussagekräftig ist, sondern weil ich fürchte, dass der Aufenthalt auf den Abstiegsrängen auch einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt hat. Sowas kann sich auch schnell verselbständigen, das hat man in den letzten Jahren immer wieder bei Mannschaften beobachten können, die unten drin standen und sich im Laufe der Saison in einer Abwärtsspirale befanden. Darüber hinaus finde ich die erneut hohe Anzahl an Gegentoren (15 nach sechs Partien) erschreckend. Klar, letzte Saison hatte man 66 Buden gefangen, aber dafür auch 10 Spiele zu null bestritten. Aktuell hat man sich damit begnügt, die Defensivschwäche auf individuelle Fehler zu schieben. Das ist zum Teil auch nicht von der Hand zu weisen, aber es ist eben auch ein schlechtes Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft. Man schaue sich das 0:1 nur an und vergleiche es mit einer ähnlichen Situation aus dem Leverkusen-Spiel der letzten Hinrunde, wo in einer ähnlichen Situation mehrere Spieler im Vollsprint zurückrennen und es letztlich Garcia ist, der den Leverkusener Konter unterbinden kann.

Thomas Eichin sprach heute davon, dass man mit Schalke, Wolfsburg und Leverkusen schon gegen drei CL-Anwärter gespielt habe und es in keinem Spiel so aussah, als würde dort der Vorletzte gegen einen CL-Aspiranten spielen. Das ist sicherlich richtig, aber sowohl Schalke als auch Wolfsburg waren jeweils außer Form und Leverkusen hat nach furiosem Start zuletzt auch nicht mehr so überragend gespielt. Natürlich war man in keinem Spiel bisher von vorne bis hinten komplett unterlegen, aber man sollte auch nicht die Form der jeweiligen Gegner dabei unberücksichtigt lassen. Zumal ich auch Angst habe, dass es uns wie dem FC Nürnberg in der letzten Saison erging, dem man auch immer wieder spielerisch gute Auftritte bescheinigte (vor allem unter Verbeek), der aber dennoch als 17. in Liga 2 ging.

Vor dem Spiel gegen den SC Freiburg am kommenden Samstag stehen Mannschaft und Trainer unter Druck. Die Breisgauer haben bisher auch gerade einmal vier Punkte auf dem Konto und sind mit uns auf Augenhöhe. Ich hoffe, dass Lars und ich am Samstag einen Dreier im eigenen Stadion bejubeln dürfen. Nicht nur zur Beruhigung meiner Nerven.

Lebenslang Grün-Weiß!

2 comments

  1. Tobias (Meine Saison)

    Dutt hat als Werder-Trainer in 42 Pflichtspielen 86 Gegentore zu verantworten. Mit dem Finger nur auf die (fraglos vorhandenen) individuellen Fehler zu zeigen, finde ich da schwach. Bei Dutt gab es bislang zwei Arten von Fußball: 1) Unansehnliches Mauern, das mal zu Punkten und Zu-Null-Spielen führt, mal zu völlig hilflosen Niederlagen und 2) Wildes Gegenpressing mit guten Angriffsszen, vielen nachrückenden Spielern, aber auch sehr vielen Gegentoren. Dutt ist Pragmatiker und ich bin seinem Fußball einverstanden, solange er Erfolg bringt. Ich weigere mich aber hinzunehmen, dass mit diesem Kader ein halbwegs ausgewogenes Verhältnis zwischen Offensive und Defensive nicht möglich sein soll. Augsburg ist z.B. spielerisch und taktisch seit zwei Jahren besser als Werder, obwohl der Verein einen kleineren Etat hat.

    30. September 2014 bei 11:16 Antworten

    • Stephen

      Manchmal bin ich mir bei dem Kader – ehrlich gesagt – nicht mehr so sicher. Einerseits denke ich auch, dass bspw. Augsburg oder Mainz jetzt auch keine Über-Kader haben, die dem Bremer haushoch überlegen sind. Andererseits bereitet es mir jedoch zunehmend Sorgen, dass sich auch Dutt vergeblich daran versucht, die viel zitierte Balance zu etablieren. Vielleicht ist es doch eine Qualitätsfrage. Ach, ich weiß es doch auch nicht. 🙁

      30. September 2014 bei 11:32 Antworten

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