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Flauschig

Mit 0:6 kam der SVW am Samstag beimVfL Wolfsburg unter die Räder. Zwei Dinge sind mir von dem Spiel nachhaltig in Erinnerung geblieben: einerseits die Tatsache, dass Wolfsburg auf den Flügeln schalten und walten konnte, wie es ihnen gefiel. Es erinnerte ein bisschen an FIFA98, wo Flanken von außen auf halbwegs kopfballstarke Spieler mit einer extrem hohen Quote zum Erfolg führten. Natürlich ist es tragisch, dass Gàlvez per Eigentor das 0:1 erzielte, aber ob an dem Tag das Spiel ohne dieses frühe Gegentor groß anders verlaufen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der zweite auffällige Punkt war, dass Wolfsburg sich nicht einmal besonders anstrengen musste. Ich fand es über weite Strecken eine durchschnittliche Partie der Gastgeber, umso erschreckender, dass dies für eine deutliche Klatsche reichte.

Und während der kicker den armen Luca Zander herauspickt, um sich an seiner Leistung abzuarbeiten, stellt sich mir die Frage, wo am Samstag eigentlich die ganzen vermeintlichen Leistungsträger waren. Junuzovic schleppt seine Formkrise immer noch mit sich rum, Fritz fiel nur durch seine gelbe Karte und die damit verbundene Sperre fürs Nordderby auf und Santiago Garcia hat auf seiner Seite auch so seine liebe Mühe. Und das bringt mich zur Frage nach den Führungsfiguren, die Bush schon diskutiert hat. Wo sind die Spieler, welche die anderen mitreißen, an denen sich das Team aufrichten kann, die durch Konstanz vorne wegmarschieren. Vielleicht sind sie gar nicht da, was sich als Problem erweisen könnte. Wo war der Impuls von der Bank? Zur Halbzeit stellte Skripnik von einem 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 um und schaffte damit im Mittelfeld noch mehr Räume für Spieler wie Kruse oder Arnold. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass eine Umstellung zur Halbzeit die Partie noch rumgerissen hätte, aber vielleicht hätte man wenigstens das totale Desaster verhindert.

Ein Gedanke, der mir während des Spiels auch kam: ist man bei Werder mittlerweile zu schnell zufrieden. Damit meine ich alle: Spieler, Verantwortliche und auch Fans. Nach den Auswärtssiegen in Mainz und Augsburg hatte ich das Gefühl, dass man dachte, der Dampfer ist wieder auf Kurs. Klar, dass 1:3 gg. Dortmund im Weserstadion war unschön, aber hey, Dortmund ist eine andere Gewichtsklasse. Kannste nix machen. Immerhin hatte man bis zum Wolfsburg-Spiel auch noch keine Partie absolviert, bei der man so richtig vom Platz geballert wurde (wobei es vor allem der mangelnden Chancenverwertung von Leverkusen und Dortmund zu verdanken war).  Und Junu hatte Sokratis dreimal (einself!!!11!!) in einer Szene getunnelt und wir Werder-Fans sind so viel geiler als die aus Wolfsburg! Ich will nicht Bambule und Randale das Wort reden, ich habe auch keinen Bock auf Busblockaden und angespuckte Spieler, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Saison in einer Flausch-Wolke abläuft. Bei Siegen überkommt einen das wohlig warme Gefühl, dass das schon alles irgendwie wird und Niederlagen sind zwar unschön, aber auch eigentlich gar nicht so wild. Was dagegen zu tun ist, weiß ich auch nicht.

Und auch die Mitgliederversammlung vom letzten Montag passt da ins Bild. Wieder wird ein Minus präsentiert, das EK ist nur dank des „Tricks“ dieses Jahr einen Abschluß für den Gesamtkonzern zu präsentieren noch nicht komplett weg. Aber selbst die regionalen Medien interessiert das nicht wirklich. Weitesgehend wird die offizielle Version durchgereicht, wonach man auf dem richtigen Weg ist. Wird zwar seit Jahren so von den Verantwortlichen verkündet, ist halt so. Ich gebe zu, ich kenne mich in dem Bereich nicht aus, aber irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl bei Werders Finanzen und den Beteuerungen, dass im laufenden Geschäftsjahr ist die schwarze Null erreichbar, mag ich noch nicht recht trauen. Meine Vermutung: die Finanzierung des Stadions ist ein noch größerer Mühlstein um den Hals des Vereins, als nach außen hin kommuniziert.

Samstag war hoffentlich nur ein Ausrutscher und alleine schon aufgrund des Nordderbys wird sich die Mannschaft am Wochenende ganz anders präsentieren, da bin ich mir sicher. Aber wir haben das zweitschlechteste Tordifferenz, stellen mit Augsburg die zweitschlechteste Defensive und das obwohl man zuletzt über neu gewonnene defensive Solidität sprach. Und langsam mache ich mir Sorgen. Sorgen, dass viele der Außenstehenden, die Bremen als einen der offensichtlichen Abstiegskandidaten sehen, recht behalten. Ich will nicht, dass der Werder-Weg, der auf der MV beschworen wurde, in Liga 2 führt und sich dabei alle lieb haben und man sich den Abstieg mit einer Extraportion Flausch schön redet. Aber wahrscheinlich ist das nur meine eigene Wahrnehmungsblase.

Lebenslang Grün-Weiß!