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Defensivmythen

Die neue Saison ist nun zwei Spieltage alt und nach zwei Niederlagen gegen Hoffenheim und den FC Bayern hat Bremen schon wieder für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Das eine sind die offensichtlichen Baustellen im Kader, wie bspw. ein neuer Stürmer und ein neuer ZM (idealerweise noch ein spielstarker IV). Dazu wird man einige Spieler nicht los, wie Yatabaré oder Johannsson, um nur einige zu nennen. Die letzten Tage der Transferperiode dürften aus Bremer Sicht noch sehr spannend werden.

Aber kommen wir zu einem anderen Thema, welches aktuell viel disktutiert wird: Werder ist viel zu defensiv. Bremen hat gegen die beste und zweitbeste Defensive der letzten Saison keinen Treffer hinbekommen und darüber hinaus auch noch den Fokus auf die Verteidigung gelegt. Man muss sich das mal vorstellen, da ist man seit Jahren die Schießbude der Liga und Nouri wagt es tatsächlich, erst einmal die Defensive zu betonen und gegen zwei offensivstarke Teams hinten dicht zu machen. Ja, wir haben in beiden Spielen keine Tore gemacht und das sah insgesamt in der Vorwärtsbewegung noch nicht brillant aus, aber man muss doch auch mal schauen, gegen wen wir hier spielen.

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Schon nach dem 0:1 in Hoffenheim ging das Wehklagen in der Lokalpresse los, wie in diesem Pro-/Kontra-Artikel der Deichstube. Oder hier nach dem Bayern-Spiel im WK. Putzig übrigens auch, dass im WK-Artikel die Balance zwischen Offensive und Defensive in der letzten Rückrunde angeführt wurde. Die in der letzten Rückrunde ja vor allem gegen Hoffenheim deutlich wurde, als man nach 60 Minuten im eigenen Stadion 0:5 zurücklag, am Ende dann noch ein 3:5 draus machte. Nun ist es ja diese Saison so, dass uns der Spielplan zu Beginn der Saison nix schenkt, es also wichtig ist, sich gerade in den ersten Spiel nicht den Hintern versohlen zu lassen. Wenn Nouri nun davon ausgeht, dass der beste Weg dahin darin besteht, sich erst einmal tief hinten reinzustellen, dann muss man das nicht gut finden, sollte es aber doch wenigstens erst einmal akzeptieren. Wenn wir dann zuhause gegen vermeintlich schwächere Gegner weiterhin offensiv so harmlos bleiben, dann können wir gerne noch einmal über zu viel Defensive sprechen.

Ich habe schon das Gefühl, hier kommt wieder die mythische Erzählung von Werder als Offensiv-Mannschaft hervor, die schon seit Jahren (genauer: seit den ersten Erfolgen der Ära Schaaf) gepflegt wird. Vorne hui, hinten pfui und immer lieber ein 5:4 als ein 1:0. Das ist grundsätzlich keine völlig falsche Herangehensweise, aber man sollte doch auch in Betracht ziehen, dass sich in Bremen die Parameter ein wenig verschoben haben. Wir spielen schon seit Jahren nicht mehr oben mit, die Spieler haben eine andere Qualität als damals und während man früher 80 Tore machte und 40 kassierte, macht man heute deutlich weniger und fängt sich viel mehr. Es wird Zeit, sich von diesem nonchalanten „Werder kann halt keine Defensive“ zu verabschieden. Das gibt der Mannschaft und den Verantwortlichen immer wieder Ausreden und ist eine Erzählung, die sich völlig verselbständigt hat. Und die in meinen Augen dazu führt, dass man nach zwei Spielen gegen starke Teams jetzt über die zu defensive Ausrichtung diskutiert.