Monthly Archives: Oktober 2017

Next, Please!

Nach dem 0:3 im Heimspiel gegen den FC Augsburg war eigentlich klar, dass der SVW auf der Trainerposition handeln würde. Zu eindeutig waren die Aussagen von Frank Baumann nach dem Spiel und zu schwach der Auftritt im Spiel selbst. Nun ist es seit einigen Stunden offiziell und Alexander Nouri nicht mehr Trainer der Grün-Weißen. Was ich grundsätzlich schade finde, denn ich hatte auch nach der letzten Rückrunde die Hoffnung, dass man in Nouri eine langfristige Lösung gefunden hatte. Und obwohl auch ich zuletzt häufiger über ihn geschimpft habe, hätte ich mir gewünscht, man wäre gar nicht in die Situation gekommen, jetzt die Reißleine ziehen zu müssen. Vorerst übernehmen Florian Kohfeldt und Tim Borowski das Training, während die sportliche Führung einen neuen Trainer sucht. Dabei lässt man sich natürlich die Hintertür offen, Kohfeldt bei entsprechenden Leistungen länger im Sattel zu belassen. Ich halte das für einen Fehler, da ich die Gefahr sehe, den nächsten U23-Trainer zu verheizen. Hoffentlich trifft man eine Entscheidung, die den Verein mittelfristig wieder in ruhigere Fahrwasser bringt und nicht dazu führt, dass im nächsten Herbst die nächste Trainerentlassung ansteht.

Mach es gut, Alex und Danke für den geilen Ritt in der letzten Rückrunde. Anbei noch der Link zu Nouris passenden Abschiedsworten:

Murmeltiere Reloaded

Ich komme mir beim SV Werder mittlerweile vor wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Seit der Saison 14/15 beginnt jede Saison mit einem gewissen Maß an Optimismus, der mal mehr und mal weniger ausgprägt ist. Nur um dann hart auf den Boden der Realität aufzuschlagen. Dabei waren die Voraussetzungen vor dieser Saison gut wie lange nicht mehr. In der Rückrunde setzte die Mannschaft zu einer Erfolgsserie an, die man so lange nicht mehr an der Weser bewundern durfte. Klar, der Lauf würde sich nicht einfach in die neue Saison weiterführen lassen, das zeigten ja schon die Partien in Köln und gegen Hoffenheim zum Ende der Saison und während der Serie hat man auch immer wieder von Matchglück und gnadenloser Effizienz profitiert. Aber ich hatte leise Hoffnung auf einen verhältnismäßig erfolgreichen Start in die Saison. Und nun haben wir den achten Spieltag absolviert und der SVW steht wieder unten in der Tabelle. Acht Spiele und kein Sieg. Acht Spiele und schon wieder ist der Trainer angezählt. Das kommende Auswärtsspiel gegen Köln (die aktuell noch unter uns stehen) wird schon zum Schicksalsspiel ausgerufen und ob der Namen, die als mögliche Alternativen kursieren (Labbadia, Frontzeck, Slomka), machen einem Angst.

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Nouri scheint dabei sein Mojo aus der Rückrunde verloren zu haben. Der Fokus liegt diese Saison ganz klar auf der Defensive, was per se nicht schlecht ist (siehe meinen letzten Beitrag), aber leider fehlt dieses Jahr eine konsequente Idee für das Spiel nach vorne. Nach dem Saisonauftakt mit Spielen gegen Hoffenheim und Bayern war das noch akzeptabel, aber wenn man auch gegen Freiburg, Wolfsburg und den HSV derart zahnlos nach vorne spielt, dann stimmt einen das schon nachdenklich. Klar, wichtige Spieler waren/sind verletzt, wie bspw. Moisander, Junuzovic und Kruse. Andere Spieler hingegen sind außer Form, hier sind Bartels und Delaney zu nennen oder haben noch Anpassungsschwierigkeiten wie Belfodil. Aber Nouri trifft auch teils komische Entscheidungen, wenn er (wie gegen Gladbach) Maxi Eggestein auf die Bank setzt und somit den spielstärksten Mann im defensiven Mittelfeld opfert. Oder wenn er in der zweiten Halbzeit auf eine Doppelsechs mit Junu und Bargfrede setzt. Wenn Jojo Eggestein, der als großes Talent gilt, keinen Stich sieht, obwohl Belfodil nun wirklich keine Bäume ausreißt. Dazu noch die oft späten und auch nicht nachvollziehbaren Wechsel. Und zu guter Letzt das Gefühl, dass ein wirkliches Konzept fehlt. Natürlich kann der Trainer aufstellen, wen er möchte und auch spielen lassen, wie er das gerne möchte. Nur wenn es nicht funktioniert, dann muss er dafür auch den Kopf hinhalten. Dabei hat man gar nicht zwingend das Gefühl, dass Nouri alles komplett umkrempeln muss, aber auch die kleinen Anpassungen bleiben bisher aus.

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Was mir aber in der aktuellen Debatte um den Trainer leider ein bisschen zu kurz kommt, sind auch die Versäumnisse eine Etage weiter oben in der sportlichen Führung. Die Voraussetzungen diesen Sommer waren so gut wie lange nicht mehr. Es war relativ früh absehbar, dass man die Klasse halten würde. Zudem war auch früh bekannt, welche Spieler gehen würden. Das heißt, man hatte genug Zeit, vorhandene Lücken zu füllen, die durch die Abgänge entstehen würden. Auch wenn der Verlust von Piza und Fritz vielleicht sportlich nicht so groß ist, so fehlten doch zwei Spieler, die für das Team vor allem abseits des Feldes wichtig waren. Das dann auch die Planstelle Mittelstürmer erst am letzten Tag der Transferperiode mit Belfodil befüllt wurde, war dann schon enttäuschend. Grillitsch und Gnabry wurden de facto nicht ersetzt. Ironischerweise wurde der Abgang der beiden von vielen mit einem Achselzucken hingenommen, weil beide ja völlig überschätzt waren. Mag sein, dass beide in der Rückrunde (auch durch Verletzungen) an die Seite gedrängt wurden, aber man sieht eben doch, dass sie fehlen: die Übersicht und die Fähigkeiten im Spielaufbau von Grillitsch sowie die Torgefahr von Gnabry. An Gnabry kann man viel kritisieren, aber in der Hinrunde hat er halt die Dinger gemacht und auch mal aus 25 Metern draufgehalten. Oder uns gegen Wolfsburg in der Rückrunde mit zwei Toren den Sieg beschert. Und auch wenn die Transfers von Augustinsson, Pavlenka und Gondorf Sinn machten, wurden Baustellen nicht geschlossen. Und das ist in meinen Augen auch ein großer Faktor der aktuellen Misere, dass Baumann da eben nicht agiert hat.

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Die mangelnden Transferaktivitäten im Sommer haben nun wahrscheinlich einen banalen Grund: das liebe Geld. In der Vorsaison konnte man noch die Ablösesummen von Vestergaard und Ujah (über 20 Mio €) einsetzen, um entsprechend tätig zu werden. Diesen Sommer war Gnabry der einzige Abgang, der eine wirklich nennenswerte Ablöse generieren konnte. Und in Zeiten, in denen sich die Preisspirale im Fußball immer weiter nach oben dreht, kann man schon auch die Befürchtung haben, das Bremen langfristig komplett den Anschluss verliert und den Gang in Liga zwei antreten muss, einfach weil man die Qualität im Kader nicht auf Bundesliga-Niveau halten kann. Alarmismus? Vielleicht, aber man fragt sich schon, wie lange es noch gut gehen wird. Und ja, nach drei Siegen in Folge sieht die Welt auch schon ganz anders aus. 😉