Category Archives: Abseits des Platzes

High Five

Heute ist ein besonderer Tag, denn heute ist Blog-Geburtstag! Vor genau 5 Jahren, am 31.08.2010 erschien hier auf dem Papierkugel Blog der erste Beitrag. Schon vor der Spielwiese hier hatte ich drüben bei den Jungs vom Werderblog meine ersten Texte über den SVW geschrieben. Damals waren da noch mehrere Autoren am Werk, von denen heute leider nur noch Lars aktiv ist. Irgendwann hatte ich Bock auf eine eigene Spielwiese, wo ich selbst komplett schalten und walten konnte. Nicht, dass es beim Werderblog große Einschränkungen gab, aber ich hatte Bock auf was eigenes.

So kam es also zum Blog hier. Der geneigte Leser und Fan der Grün-Weißen wird bemerkt haben, dass ich just anfing, hier zu schreiben, als es mit dem SVW zunehmend bergab ging. Ganz am Anfang war die Stimmung noch gut, man hatte sich knapp gegen Sampdoria Genua in der CL-Quali durchsetzen können und war wieder im Konzert der Großen dabei. Nachdem man im Vorjahr sich auf Platz drei gespielt hatte, waren viele guter Dinge vor der Saison 2010/11. Letztlich waren die Vorzeichen schon vorher da, doch die wenigsten haben sie richtig gedeutet und so war die CL-Gruppenphase ein letztes Aufgalopp in Europa, welches man auf dem letzten Gruppenplatz beendete.

Viel schlimmer war die Tatsache, dass es auch in der Bundesliga bergab ging und man – statt nach Europa zu schielen – nun eher mit Abstiegskampf beschäftigt war. Die Platzierungen seit Beginn des Blog lauteten: 13 – 9 -14 – 12 – 10. Ich möchte hier aber sämtliche Verantwortung von mir weisen. 😉 Die Erfolglosigkeit auf dem Platz ging auch an Allofs und Schaaf nicht spurlos vorbei und so sind beide heute nicht mehr für den SVW tätig. Der Wind an der Weser bläst dem Verein heute stark ins Gesicht und während man damals noch von Europa träumte, ist heute der Klassenerhalt und die finanzielle Gesundung das oberste Ziel. Aber dennoch macht es weiterhin Spaß, den SVW auf seinem Weg zu begleiten.

Wie dem auch sei, ich wollte noch die Gelegenheit nutzen, mich bei den Lesern da draußen zu bedanken, die hoffentlich ein bisschen Spaß beim Lesen hatten und haben werden und ebenso bei den Kommentatoren, sei es hier auf dem Blog oder bei FB oder bei Twitter. In diesem Sinne: auf weitere 5 Jahre und den Titel 2020. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

Grün-Weiße Bloglove

Die Saison ist noch angemessen jung, um hier mal ein bisschen grün-weiße Bloglove zu verteilen. Dabei gehen wir ganz fair und alphabetisch vor. 😉

Grünweiß-Stammtisch: Der einzig wahre Podcast zum SVW. Gut, ich bin als Teilnehmer vielleicht ein bisschen sehr befangen, was das angeht und leider ist im Moment auch ein bisschen tote Hose, aber das wird wieder. Die Stammcrew besteht aus vier Leuten, wobei es immer schwierig ist, wirklich alle vier an das Mikro zu bekommen.

Aktueller Beitrag: Saisonrückblick auf die Saison 14/15 (*hust*)

HB-People: HB-People ist ein Bremer Stadtmagazin und hier hat sich Steffen seine kleine Werder-Welt eingerichtet. Steffen berichtet sehr ausführlich vom Geschehen sowohl auf als auch neben dem Platz.

Aktueller Beitrag: „Guter Kampf nach schwachem Beginn

JayJays Blog: Fishirt kennt man ja in der Regel vor allem als Shop für exklusive Bremen-Fanklamotten. Aber darüber hinaus findet man dort auch den Blog von JayJay, der hier seinen Gedanken rund um den SVW freien Lauf lässt.

Aktueller Beitrag: „Werder fährt in Berlin den ersten Punkt ein

Johan le Chef: Hier haben sich mehrere Autoren zusammengefunden, um über die Grün-Weißen zu schreiben. Der Clou: die Blogposts sind als Briefe an „Le Chef“ formuliert und mit kleinen aber feinen Illustrationen versehen.

Aktueller Beitrag: „Passmaschine gesucht

Meine Saison: Mittlerweile schon ein Urgestein in der grün-weißen Blogger-Szene ist Tobi noch munter dabei, das Geschehen in Bremen zu kommentieren. Dabei wirft Tobi vor allem ein Auge auf die taktischen Feinheiten im Spiel.

Aktueller Beitrag: „Macht Euer Spiel doch alleine

Radio Free Weser: Der einzig englischsprachige Podcast zum SVW auf dem Planeten. Patrick und Björn quatschen regelmäßig über die Grün-Weißen und ich finde vor allem auch den Einblick in das Fan-Dasein in den Staaten sehr spannend.

Aktueller Beitrag: „Double Stuf Oreos

Rautenliebe: Name ist hier Programm und natürlich wird hier nur Liebe für die einzig wahre Raute verteilt.

Aktueller Beitrag: „Talfahrten und Luftschlösser

Rudeloy: Rudeloy schreibt viel zu selten, aber wenn, dann bringt er es auf den Punkt und regt einen mitunter zum Nachdenken an.

Aktueller Beitrag: „Der Tag, an dem die Wolken kamen

Vert et blanc: Die frankophonen Nachbarn aus Hamburg. Schreiben viel über Werder, aber auch immer mal wieder über das große Ganze und legen sich auch ab und an mit den alteingessenen Gatekeepern an. Achtung, man sollte das Wörterbuch „Soziologensprech <=> Deutsch“ am Start haben. 😉

Aktueller Beitrag: „Still loving Micoud

#werder2013: Für Burning war der Abschied von Thomas Schaaf der Anlass, den Blog ins Leben zu rufen und danach mal zu schauen, was so kommt. Was dann kam hat ihn offensichtlich nicht abgeschreckt und so begleitet er nun schon den zweiten Trainer nach der Ära Schaaf gewohnt sprachgewandt.

Aktueller Beitrag: „Bundesliga – Feel Like Jumping!

Werderblog: Ein weiteres Urgestein und eines, für das ich auch mal geschrieben habe, bevor ich hier meine eigene Spielwiese eingerichtet habe. Damals waren wir noch ein Rudel Autoren, mittlerweile hält Lars alleine die Fahne hoch, was der Qualität keinen Abbruch tut.

Aktueller Beitrag: „Worauf ich mich freue

Werder-Exil: Die Spielwiese vom Andreas, einem weiteren Mitglied der Grünweiß-Crew. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und rief zuletzt auch die Serie „Was macht eigentlich…?“ ins Leben, wo er sich ehemaliger Spieler des SVW annimmt und mal schaut, wo die so gelandet sind.

Aktueller Beitrag: „Die Eichin-Situation

Werder-Schnack: Habe ich erst vor Kurzem per Zufall entdeckt. Neben Texten erscheint auf Werder-Schnack ein regelmäßiges Vlog rund um den SVW, was sehr sehenswert ist.

Aktueller Beitrag: „Cool Down Leute

Worum-Blog: Das größte Forum des SVW hat auch einen eigenen Blog. Der wird zwar eher unregelmäßig befüllt, aber wenn ein Artikel erscheint, geht dieser sehr ins Detail, wie die Serie über die Werder-Talente.

Aktueller Beitrag: „Das blaue Werder-Trikot

Hashtagmafia: Kein Blog in dem Sinne, sondern ein Hub von verschiedenen Werder-Blogs mit Leseliste, die als RSS-Feed zur Verfügung gestellt wird oder eben:

„Die Zusammenführung grün-weißer Blogaktivitäten, ein digitaler Schulterschluss.
In den Farben vereint, in Meinungen nicht zwingend. Aber manchmal.
Wir bloggen spielbezogen oder abseits des Platzes über den #SVW und drumherum – subjektiv und unabhängig.
Alternative Frontalberichterstattung durch die grün-weiße Brille.
Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

#hashtagmafia
Alle. Zusammen. Werder.“

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Der erste Punkt im zweiten Spiel

Das dritte Pflichtspiel der Saison war zugleich das erste Spiel, welches ich live gucken konnte. Die gute Vorbereitung hatte ich wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber nicht allzu viel Bedeutung beigemessen, da: Vorbereitung. Im Pokal würgt man sich in der Verlängerung und dank entsprechender Schiedsrichterentscheidungen in die nächste Runde und gegen Schalke 04 verliert man verdient, aber wohl etwas zu hoch.

Die gute Laune, die bei manchen nach der Vorbereitung herrschte, war damit schon nach dem ersten Spiel verflogen. Am Freitag konnte ich mir dann selbst ein Bild von dem machen, was die Bremer da unten auf dem Platz abliefern. Die ersten 15-20 Minuten inklusive des 0:1 durch Stocker ließen mich ehrlich gesagt fassungslos auf dem Sofa zurück. Das es spielerisch noch nicht läuft: geschenkt, aber das man auch defensiv augenscheinlich keine Entwicklung sieht, war schon eine harte Erkenntnis. Ganz offensichtlich hatte man Uli Garcia als Schwachpunkt ausgemacht und kam gezielt über seine Seite. Dabei machte er keine gute Figur, wurde aber vom Mittelfeld auch völlig allein gelassen. Junuzovic, der die linke Halbposition bekleidete, machte gerade zu Anfang kaum Anstalten, den jungen Linksverteidiger zu unterstützen. Es ist Uli hoch anzurechnen, dass er sich nicht hat unterkriegen lassen und sich durchgebissen hat.

Nach knapp 20 Minuten konnte Bremen selbst erste Akzente und konnte sich aus der Umklammerung der Hertha befreien. Die meiste Gefahr entstand nach Flanken von Uli und ich habe schon lange nicht mehr so gute Flanken aus dem Spiel heraus bei den Grün-Weißen gesehen. Umso schöner, dass es solch eine Flanke war, die Ujah zu 1:1 verwerten konnte. Auch wenn Bremen besser spielte als zu Beginn, blieben die spielerischen Probleme nur allzu offensichtlich. Da konnte auch die Hereinnahme von Maxi Eggestein nichts ändern, der weitgehend blass blieb, aber nach dem Spiel von Skripnik und Eichin gelobt wurde. Es ist in meinen Augen auch ein bisschen viel verlangt, die Lösung der spielerischen Limitierungen beim SVW auf seine schmalen Schultern zu verteilen und ihn nach einem Spiel abzuschreiben.

Die zweite Halbzeit war vom Verlauf her ein Spiegel der ersten, da Hertha mit deutlich mehr Dampf aus der Kabine kam und die Bremer weit hinten reindrängen konnte. Dabei kamen die Berliner nur zu einer wirklichen Großchance, als ein Schuss von Stocker durch Luki neben das Tor gelenkt wurde, aber so wirklich wohl war mir dabei nicht. Mit zunehmender Spielzeit kam Bremen etwas besser ins Spiel und hatte mit einem Latten- und einem Pfostentreffer zweimal den Siegtreffer innerhalb von 90 Sekunden vor Augen. Wäre das verdient gewesen? Wohl nicht, aber seit wann gibt es drei Punkte nur, wenn man sie sich verdient hat. 😉

Das Unentschieden lässt Bremen mit nur einem Punkt aus zwei Spielen zurück. Es ist sicher noch zu früh, in Panik auszubrechen, aber so wirklich viel Mut haben die Spiele nicht gemacht. Schaut man sich die Offensive an, so bleibt vieles allenfalls Stückwerk, was angesichts des kaum veränderten Personals nicht verwundern kann. Aber ich hatte auf ein paar mehr Automatismen gehofft. Und defensiv bleibt ebenfalls viel Luft nach oben. Nächstes Wochenende folgt das überraschende Kellerduell gegen Gladbach, die bisher keinen Punkt geholt haben. Wenn ich mir das Spiel gegen Mainz anschaue, sehe ich schon das Potential, die Schwächen der Gladbacher auszunutzen. Dies setzt aber voraus, dass man hinten sicher steht und die Gladbacher nicht ins Rollen kommen.

Abschließend möchte ich mich noch zwei Dingen widmen: es ist schade, dass jede Saison wieder die gleiche Zombie-Diskussion ihren untoten Kopf erhebt. Spätestens nach den ersten Partien geht sie los, die Suche nach dem heiligen Gral der Raute oder auch dem Super-10er. Die Allzweckwaffe gegen mangelnde Kreativität und Flair. Er soll uns erscheinen, vom Himmel herabsteigen und uns ins Gelobte Land des Fußballs führen. Dabei ist es heilige Pflicht, die Namen Micoud, Diego und Özil mindestens einmal zu nennen und jeden Spieler, der einen gelungenen Pass spielt, sofort mit diesen Göttern des 10er-Olymps zu vergleichen. Tobi hat schon eine sehr schöne Widerrede auf die sinnfreie Diskussion verfasst. Dabei kann ich verstehen, dass die Fans sich immer wieder in die Diskussion verrennen, aber warum greifen die Medien das immer wieder auf und warum kannte der Sky-Kommentator am Freitag kaum ein anderes Thema, wenn er auf Bremen zu sprechen kam.

Sowas lässt mich an den grundsätzlichen Fähigkeiten der Sportjournalisten zweifeln, wenn man nicht sieht (oder sehen will), dass Bremens spielerische Probleme sich durch einen überragenden 10er nicht einfach in Luft auflösen würden. Denn auch der braucht Teamkollegen, mit denen er sich die Bälle zuspielen kann und die ihn dort anspielen, wo er dann seine Magie wirken kann. Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Frage stelle, wo ein solcher Spieler bei den bekannten finanziellen Limitationen des Vereins herkommen soll. Die Probleme fangen doch spätestens auf der 6 an und gehen auf den Halbpositionen weiter, denn bei aller Lieber für Junu und Fritz: wirkliche spielerische Highlights setzen sie eher selten. Man kann aber auch lieber auf die Ankunft des Messias warten und Diskussion im nächsten Jahr wieder aufwärmen.

Der letzte Punkt, der mich ein bisschen unruhig werden lässt, sind die von Thomas Eichin getätigten Aussagen zu notwendigen Abgängen:

„Wir müssen definitiv noch verkaufen, um unsere Zahlen besser zu machen“, stellt Eichin klar. „Ich muss noch Budget gutmachen, ich brauche noch ein bisschen was.“

Dabei steht es ja außer Frage, dass es einige Spieler gibt, die den Verein verlassen müssen, da sie keine Rolle mehr spielen, wie bspw. Obraniak oder Pavlovic. Mir macht es Angst, dass Spieler aus wirtschaftlichen Überlegungen verkauft werden müssen. Zudem die meisten Kandidaten für einen Abgang auch kaum Geld in die Kasse spülen dürften, allenfalls Hajrovic dürfte ein bisschen was bringen. Es bleibt die Frage, wie angeschlagen Werder finanziell wirklich ist, trotz aller Beteuerungen von Filbry und Co., alles im Griff zu haben. Zumal man eigentlich auch noch Lücken im Kader hat, die man schließen müsste. Es fällt mir schwer, den Beteuerungen glauben zu schenken, dass der Verein wirklich gut aufgestellt sei. Wie lange wird der Schrumpfkurs noch gut gehen, der gefühlt immer mehr zu einem Ritt auf der Raiserklinge wird? Ich hoffe, dass Lösungen gefunden werden, damit wir am Ende nicht auf der falschen Seite landen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Äpfel und Birnen

Thorsten Waterkamp hat für den Weser Kurier einen interessanten Artikel über Talente in der Bundesliga geschrieben. Bayern hat gerade den 19-jährigen Joshua Kimmich für schlanke sieben Millionen Euro vom VfB Stuttgart geholt und im Artikel geht es u.a. um die Frage, wie weniger finanzstarke Vereine bei diesem „War for talent“ noch mithalten können. So kann Bremen bei solchen Preisen natürlich nicht mithalten, aber anhand von Levin Öztunali wird gezeigt, dass auch Werder hier durchaus profitiert, indem man Spieler leiht und ihnen die Spielpraxis gibt, die sie beim Stammverein (noch) nicht bekommen. Was mich an dem Artikel stört, ist das hier die Art und Weise, wie Spieler hin- und hergeschoben werden, mit Menschenhandel gleichgesetzt wird. Ausgangspunkt ist hier natürlich die unglaublich alberne Aussage von Christoph Kramer aus dem August. Anschließend hat er die Aussage bedauert, aber ich finde sie trotzdem unglaublich dämlich.

Ja, Fußballer sind auch eine Ware geworden, aber die wirklich bedenklichen Entwicklungen finden doch nicht in der Spitze des Profi-Fußballs statt, wie bei Kevin De Bruyne oder eben Christoph Kramer. Viel bedenklicher ist doch das, was im Kinder- und Jugendbereich stattfindet, wo Minderjährige von Spitzenclubs geholt werden. Oder in Brasilien, wo Talente wirklich als Investition gehandelt werden und mehrere Anteilseigner die Rechte an einem Spieler halten (dazu gibt es mit „Mata Mata“ eine sehr gute Doku). Das sind wirklich bedenkliche Entwicklungen und ich glaube nicht, dass der FC Barcelona der einzige Club von Weltrang ist, der hier schön die Grenzen des eigentlich Erlaubten ein bisschen dehnt und Kinder aus Ihrer Heimat holt , um am anderen Ende der Welt der großen Karriere nachzujagen. Am Ende entwickelt sich nicht jedes junge Talent zu einem Lionel Messi.

Menschenhandel ist immer auch eng verknüpft mit Sklaverei. Und anders als unfreie Menschen werden die Profis in der Bundesliga sehr gut entlohnt. Kramer hat nach einer Vervielfachung seines ursprünglichen Gehalts durch Bayer Leverkusen kein Problem mehr mit möglichen Ähnlichkeiten zum Menschenhandel und zeigt sich völlig überzeugt vom tollen Konzept der Werkself. Wenn Profifußballer vom Menschenhandel reden oder Medien solche Vergleiche ziehen, marginalisieren sie zugleich den Menschenhandel, der überall auf der Welt stattfindet, wo die Handelsware nicht mit dem teuren Auto zur Arbeit kommt, sich nicht durch öffentliches Rumheulen ein höheres Gehalt oder Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber erpressen kann und wo keiner einfach aus dem System aussteigen kann. Es geht mir nicht darum, das Lied von den Scheiß-Millionären anzustimmen. Die Gehälter sind teils schon pervers hoch, aber es ist auch einfach das Prinzip von Angebot und Nachfrage, was hier greift. Aber wenigstens sollte man nicht so tun und auch nicht andeuten, als wären Profis in der Bundesliga die armen Opfer von Menschenhandel und Sklaverei. Gerade wenn Spieler sowas sagen, könnte man das Gefühl bekommen, sie sind sich Ihrer priviligierten Situation überhaupt nicht mehr bewusst.

Reset

Das 0:1 gegen den 1. FC Köln war das letzte Spiel als Trainer des SVW für Robin Dutt. Am Samstag wurde er beurlaubt und vorerst übernehmen Viktor Skripnik und sein Team die Leitung der Mannschaft. Das Ende für Robin Dutt zeichnete sich spätestens seit dem Freiburg-Spiel zunehmend ab. Schon nach dem mauen 1:1 gegen die Breisgauer wurde über die Bedeutung des Köln-Spiels als mögliche Alles-oder-nichts-Partie spekuliert. Das leblose 0:6 im Gastspiel beim FC Bayern hat an der Situation nicht wirklich viel geändert, ganz im Gegenteil: im Doppelpass auf Sport1 sprach Thomas Eichin letzten Sonntag schon von einem Endspiel gegen Köln und auch Robin Dutt nannte einen Sieg gegen die Domstädter alternativlos. Schon im Spiel gegen den SC Freiburg wurde ein Sieg zur Pflicht erklärt und vor dem Köln-Spiel wurde rhetorisch noch eine Schippe draufgelegt. Dies erhöhte nicht nur den Druck, sondern wies auch letztlich den Weg in eine Sackgasse, denn es war klar, dass das Verpassen eines Sieges gegen den Effzeh Konsequenzen zur Folge haben würde, wollte man die eigene Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Geschichte des Spiels gegen Köln ist relativ schnell erzählt: in der ersten Halbzeit ist Bremen die deutlich engagiertere Mannschaft, findet jedoch gegen extrem gut organisierte Gäste kein Mittel, um die Abwehr wirklich auszuhebeln und gute Torchancen zu erspielen. Mit zunehmender Spieldauer konnte Köln immer wieder gefährliche Nadelstiche setzen. In der 59. Minute erzielt Ujah den entscheidenden Treffer für Köln, nachdem Prödl einen entscheidenden Zweikampf im eigenen Strafraum verliert. Man konnte förmlich spüren, wie dieses Gegentor den Bremern den Boden unter den Füssen wegzog und die Verunsicherung sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen wurde nahezu greifbar. Robin Dutt griff zur Brechstange, stellt Petersen und Selke neben Di Santo in den Sturm und wies die Mannschaft an, die Bälle hoch und lang nach vorne zu schlagen. Da keiner der drei als besonders kopfballstark gilt oder in der Lage war, die hohen Bälle zu verarbeiten und dann auf seine Kollegen weiterzuleiten, waren die letzten Minuten des Spiels wahrlich nicht schön anzusehen und man hatte auch ehrlich gesagt nie das Gefühl, dass die Kölner sich von den hohen Bällen beeindrucken lassen würden.

Als Dutt zum SV Werder kam, war ich zwar nicht hellauf begeistert, aber im Gegensatz zu manch anderen war ich auch nicht völlig gegen die Verpflichtung. Ja, in Leverkusen lief es nicht so gut, aber beim SCF hatte er damals doch einen ganz guten Job gemacht. Und auch wenn ich (wie auch der Rest der Grünweiß-Crew) in der letzten Saison das eine oder andere kritische Wort über ihn verloren habe, war ich vor der Saison relativ optimistisch gestimmt. Ich hatte das Gefühl, dass sich da etwas tun würde und wir diese Saison zwar nicht in Glanz und Gloria bestreiten würden, aber das es einen weiteren Schritt nach vorne geben würde. Und anfangs gab es diese Saison durchaus Hoffnung, doch während zunächst die Mannschaft mit Mentaltiät und einigen guten spielerischen Ansätzen zu überzeugen wusste, wichen die spielerischen Ansätze immer mehr und irgendwann blieb auch die Mentalität auf der Strecke. Tobias hat nach der Bayern-Klatsche die (auch für mich) wichtigsten Kritikpunkte an Dutt aufgeführt, wie bspw. die nicht enden wollende Gegentorflut (94 in 45 Pflichtspielen), das nicht wirklich vorhandene Offensivspiel sowie auch die zunehmende Festlegung auf einen Stamm von vielleicht 16 Spielern. Ich hätte auch gut damit leben können, wenn Dutt die Kurve gekriegt hätte und ich bei ihm das Gefühl gehabt hätte, es würde wieder aufwärts gehen.

Nun wurde gestern die Reißleine gezogen. Ich fand Thomas Eichin bei den Erläuterungen zum Trainerwechsel erstaunlich unsouverän, er sprach davon, wie sehr er Dutt als Trainer schätzte und dass er von seiner Arbeit überzeugt war, aber es nun Zeit für einen neuen Impuls von außen gewesen wäre, da einfach die Ergebnisse gefehlt hätten. Fand ich erstaunlich, da es sich irgendwie nicht so anhört, als sei es wirklich seine Entscheidung gewesen, Dutt zu feuern. Wer weiß, wie souverän Eichin sonst formuliert und es vor allem versteht, Dinge zu sagen, ohne sie auszusprechen. Vielleicht ist es aber auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Entlassung von Robin Dutt natürlich auch für Eichin eine Niederlage ist, denn er holte ihn an die Weser und sollte nun auch Skripnik scheitern, dürften sich die Blicke auf den Geschäftsführer Sport und seine Arbeit, vornehmlich die Spielerverpflichtungen unter seiner Ägide, richten. Ja, auch Eichin muss unter erschwerten Bedingungen arbeiten, aber gerade die Spieler, die für (relativ) viel Geld geholt wurden, bleiben hinter den Erwartungen zurück. Und da werden die Fragen in Eichins Richtung häufiger werden, wenn sich der Erfolg nicht einstellt.

Nun übernehmen Skripnik, Frings, Kohfeldt und Vander also das Regiment an der Seitenlinie. Es ist eine interne Lösung geworden und die Parallelen zu Schaafs Amtsübernahme 1999 sind kaum zu übersehen. Ich finde es gut, dass man Skripnik das Zepter übergeben hat und ich würde lügen, würde nicht auch die Nostalgie dabei eine Rolle spielen. Doch zunächst muss Skripnik beweisen, dass er in der Lage ist, eine Bundesliga-Mannschaft erfolgreich zu trainieren. Kurzfristig wünsche ich mir vom ukrainischen Beckham folgende Verbesserungen, wobei diese Punkte sicher nicht schon zum Chemnitz-Spiel morgen behoben sein werden.

  • Stabilisierung der Abwehr: Diese Saison haben wir uns in 9 Spielen schon 23 Gegentore eingefangen, das sind Werte eines Absteigers. Vorrangig muss es darum gehen, hinten wieder mehr Stabilität reinzubekommen und die teils erschreckenden Fehler zu minimieren. Auch die Tatsache, dass nahezu alle Mannschaften die rechte Bremer Abwehrseite als Schwachstelle identifiziert haben und diese gezielt angreifen, sollte zu denken geben. Dabei liegt es nicht nur an den jeweiligen Außenverteidigern Busch oder Fritz, sondern auch an der mangelnden Absicherung aus dem Mittelfeld heraus. I’m looking at you, Bartels!
  • Spieler aus dem Formtief holen: Viele Spieler durchlaufen gerade eine Formkrise. Gerade defensiv macht es sich bemerkbar, dass bspw. Prödl, Caldirola oder Garcia meilenweit von den Auftritten der Vorsaison entfernt sind. Aber auch ein Nils Petersen scheint derzeit reichlich neben der Spur zu sein.
  • Chancen für Neue: Dutt hat auf einen beschränkten Stamm von vielleicht 15, 16 Spielern zurückgegriffen. Dies muss per se nichts Schlechtes sein, gerade wenn ein Team sich eingespielt hat, macht es Sinn, nicht durch ständige Personalwechsel für Unruhe zu sorgen. Aber gerade im Mittelfeld haben in meinen Augen auch mal kreative Impulse gefehlt, wie ich sie bspw. einem Levent Aycicek oder einem Ludovic Obraniak zutraue. Und bei Obraniak scheint es ja zuletzt auch an Differenzen mit Dutt gelegen haben, dass er keine Chance mehr bekam. Es geht dabei darum, zu schauen, wer der Mannschaft weiterhelfen kann und von wem auch ein Schuss Kreativität ausgeht.
  • Offensive dynamischer gestalten: In den Zeiten zunehmenden Drucks wurde auch das Aufbau- und Offensivspiel der Bremer immer eindimensionaler. Gegen Freiburg stellte Dutt nach 30 Minuten auf lange Bälle um und gegen Köln wurde spätestens nach 70 Minuten der lange Hafer ausgepackt. Beide Male erklärte Dutt dies mit der spielerischen Überforderung der Mannschaft. Mir ist klar, dass man nicht über Nacht ein komplexes Offensivsystem installieren wird, aber es wäre gut, auch noch andere Mittel im Arsenal zu haben, als nur den langen Ball. Gerade aus einer stabilen Abwehr heraus sollten Strategien für die eigenen Angriffe etabliert werden.

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es nun wieder langsam aufwärts gehen könnte. Schauen wir mal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Kurzes Sturmtief

Die letzten Tage waren wahrlich turbulent an der Weser. Die ersten Windböen hatte ich letzte Woche schon im Blog niedergeschrieben, Burning und Steffen fassen die weiteren Ereignisse zusammen. Seitdem hat sich noch einmal einiges an der Weser getan: erst deutet Lemke an, dass er zum Ende seiner Amtszeit 2016 seinen Posten niederlegen würde. Anschließend stellt Lemke in Aussicht, seinen Posten als Aufsichtsratschef aufzugeben, wenn Marco Bode seine Nachfolge übernehmen würde. Bode bat um Bedenkzeit und heute dann stimmte er zu und noch in diesem Jahr wird dann Lemke ins zweite Glied treten, während Marco Bode zum Vorsitzenden des Aufsichtsrat aufsteigt. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor Willi Lemke, der mit seinem Rückzug weiteren Diskussionen um seine Person erst einmal den Wind aus den Segeln nimmt und darüber hinaus auch einer möglichen Schlammschlacht aus dem Weg geht.

Auch wenn ich weiterhin glaube, dass ein Rückzug Lemkes richtig ist, stellt sich schon die Frage, warum das auf einmal so schnell ging. Ist es die Einsicht von Lemke, dass er im Verein zunehmend isoliert ist mit seinen Positionen (Angriff von Fischer, Bodes Aussagen zur moderaten Verschuldung)? Beugt man sich den Wünschen möglicher Investoren und was hat Netzers freundlicher Hinweis damit zu tun, er könne sich Bode gut in prominenterer Rolle vorstellen? Da kann man jetzt vorerst natürlich eine ganze Menge spekulieren, obwohl die wahren Abläufe wohl weit weniger dramatisch gewesen sind.

Ich glaube, Bode ist eine gute Wahl für den Vorsitz des Aufsichtsrats. Einerseits ist er eine Werder-Legende, der mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art auch außerhalb Bremens viele Sympathien sammeln konnte. Andererseits war Bode in der Vergangenheit nicht an Entscheidungen beteiligt, die heute viel diskutiert werden (Stadionausbau, Transfers, etc.) und schleppt daher keinen negativen Ballast mit sich rum. Seine bisherige Arbeit im Aufsichtsrat kann ich persönlich kaum beurteilen, da man von ihm kaum etwas gehört hat. Das muss auch gar keine negative Eigenschaft sein, ganz im Gegenteil. Mit dem oben erwähnten Interview hat Bode ja schon angedeutet, dass er sich eine moderate Verschuldung vorstellen kann, um das Budget für Spielerverpflichtungen zu erweitern. Ich bin gespannt, ob sich jetzt tatsächlich Investoren aus der Deckung trauen.

Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Chaos-Club oder dem SV Hollywood die Rede war, zeichnet sich mittlerweile ein relativ schnelles Ende der Auseinandersetzungen und Wortmeldungen in diversen Medien ab. Noch vor dem kommenden Bundesliga-Spiel beim FC Bayern kehrt die notwendige Ruhe, damit jetzt wieder die Action auf dem Rasen in den Fokus rücken kann. Das begrüße nicht nur ich, sondern sicherlich auch viele andere Fans und ich bin gespannt, was der Wechsel an der Spitze des Vereins für die Zukunft bringen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Rückzug Lemkes alleine den Verein auch nicht wieder ins gelobte Land führen und uns nicht schlagartig aus dem Tabellenkeller katapultieren wird.

Lebenslang Grün-Weiß!