Category Archives: Abseits des Platzes

Äpfel und Birnen

Thorsten Waterkamp hat für den Weser Kurier einen interessanten Artikel über Talente in der Bundesliga geschrieben. Bayern hat gerade den 19-jährigen Joshua Kimmich für schlanke sieben Millionen Euro vom VfB Stuttgart geholt und im Artikel geht es u.a. um die Frage, wie weniger finanzstarke Vereine bei diesem „War for talent“ noch mithalten können. So kann Bremen bei solchen Preisen natürlich nicht mithalten, aber anhand von Levin Öztunali wird gezeigt, dass auch Werder hier durchaus profitiert, indem man Spieler leiht und ihnen die Spielpraxis gibt, die sie beim Stammverein (noch) nicht bekommen. Was mich an dem Artikel stört, ist das hier die Art und Weise, wie Spieler hin- und hergeschoben werden, mit Menschenhandel gleichgesetzt wird. Ausgangspunkt ist hier natürlich die unglaublich alberne Aussage von Christoph Kramer aus dem August. Anschließend hat er die Aussage bedauert, aber ich finde sie trotzdem unglaublich dämlich.

Ja, Fußballer sind auch eine Ware geworden, aber die wirklich bedenklichen Entwicklungen finden doch nicht in der Spitze des Profi-Fußballs statt, wie bei Kevin De Bruyne oder eben Christoph Kramer. Viel bedenklicher ist doch das, was im Kinder- und Jugendbereich stattfindet, wo Minderjährige von Spitzenclubs geholt werden. Oder in Brasilien, wo Talente wirklich als Investition gehandelt werden und mehrere Anteilseigner die Rechte an einem Spieler halten (dazu gibt es mit „Mata Mata“ eine sehr gute Doku). Das sind wirklich bedenkliche Entwicklungen und ich glaube nicht, dass der FC Barcelona der einzige Club von Weltrang ist, der hier schön die Grenzen des eigentlich Erlaubten ein bisschen dehnt und Kinder aus Ihrer Heimat holt , um am anderen Ende der Welt der großen Karriere nachzujagen. Am Ende entwickelt sich nicht jedes junge Talent zu einem Lionel Messi.

Menschenhandel ist immer auch eng verknüpft mit Sklaverei. Und anders als unfreie Menschen werden die Profis in der Bundesliga sehr gut entlohnt. Kramer hat nach einer Vervielfachung seines ursprünglichen Gehalts durch Bayer Leverkusen kein Problem mehr mit möglichen Ähnlichkeiten zum Menschenhandel und zeigt sich völlig überzeugt vom tollen Konzept der Werkself. Wenn Profifußballer vom Menschenhandel reden oder Medien solche Vergleiche ziehen, marginalisieren sie zugleich den Menschenhandel, der überall auf der Welt stattfindet, wo die Handelsware nicht mit dem teuren Auto zur Arbeit kommt, sich nicht durch öffentliches Rumheulen ein höheres Gehalt oder Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber erpressen kann und wo keiner einfach aus dem System aussteigen kann. Es geht mir nicht darum, das Lied von den Scheiß-Millionären anzustimmen. Die Gehälter sind teils schon pervers hoch, aber es ist auch einfach das Prinzip von Angebot und Nachfrage, was hier greift. Aber wenigstens sollte man nicht so tun und auch nicht andeuten, als wären Profis in der Bundesliga die armen Opfer von Menschenhandel und Sklaverei. Gerade wenn Spieler sowas sagen, könnte man das Gefühl bekommen, sie sind sich Ihrer priviligierten Situation überhaupt nicht mehr bewusst.

Reset

Das 0:1 gegen den 1. FC Köln war das letzte Spiel als Trainer des SVW für Robin Dutt. Am Samstag wurde er beurlaubt und vorerst übernehmen Viktor Skripnik und sein Team die Leitung der Mannschaft. Das Ende für Robin Dutt zeichnete sich spätestens seit dem Freiburg-Spiel zunehmend ab. Schon nach dem mauen 1:1 gegen die Breisgauer wurde über die Bedeutung des Köln-Spiels als mögliche Alles-oder-nichts-Partie spekuliert. Das leblose 0:6 im Gastspiel beim FC Bayern hat an der Situation nicht wirklich viel geändert, ganz im Gegenteil: im Doppelpass auf Sport1 sprach Thomas Eichin letzten Sonntag schon von einem Endspiel gegen Köln und auch Robin Dutt nannte einen Sieg gegen die Domstädter alternativlos. Schon im Spiel gegen den SC Freiburg wurde ein Sieg zur Pflicht erklärt und vor dem Köln-Spiel wurde rhetorisch noch eine Schippe draufgelegt. Dies erhöhte nicht nur den Druck, sondern wies auch letztlich den Weg in eine Sackgasse, denn es war klar, dass das Verpassen eines Sieges gegen den Effzeh Konsequenzen zur Folge haben würde, wollte man die eigene Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Geschichte des Spiels gegen Köln ist relativ schnell erzählt: in der ersten Halbzeit ist Bremen die deutlich engagiertere Mannschaft, findet jedoch gegen extrem gut organisierte Gäste kein Mittel, um die Abwehr wirklich auszuhebeln und gute Torchancen zu erspielen. Mit zunehmender Spieldauer konnte Köln immer wieder gefährliche Nadelstiche setzen. In der 59. Minute erzielt Ujah den entscheidenden Treffer für Köln, nachdem Prödl einen entscheidenden Zweikampf im eigenen Strafraum verliert. Man konnte förmlich spüren, wie dieses Gegentor den Bremern den Boden unter den Füssen wegzog und die Verunsicherung sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen wurde nahezu greifbar. Robin Dutt griff zur Brechstange, stellt Petersen und Selke neben Di Santo in den Sturm und wies die Mannschaft an, die Bälle hoch und lang nach vorne zu schlagen. Da keiner der drei als besonders kopfballstark gilt oder in der Lage war, die hohen Bälle zu verarbeiten und dann auf seine Kollegen weiterzuleiten, waren die letzten Minuten des Spiels wahrlich nicht schön anzusehen und man hatte auch ehrlich gesagt nie das Gefühl, dass die Kölner sich von den hohen Bällen beeindrucken lassen würden.

Als Dutt zum SV Werder kam, war ich zwar nicht hellauf begeistert, aber im Gegensatz zu manch anderen war ich auch nicht völlig gegen die Verpflichtung. Ja, in Leverkusen lief es nicht so gut, aber beim SCF hatte er damals doch einen ganz guten Job gemacht. Und auch wenn ich (wie auch der Rest der Grünweiß-Crew) in der letzten Saison das eine oder andere kritische Wort über ihn verloren habe, war ich vor der Saison relativ optimistisch gestimmt. Ich hatte das Gefühl, dass sich da etwas tun würde und wir diese Saison zwar nicht in Glanz und Gloria bestreiten würden, aber das es einen weiteren Schritt nach vorne geben würde. Und anfangs gab es diese Saison durchaus Hoffnung, doch während zunächst die Mannschaft mit Mentaltiät und einigen guten spielerischen Ansätzen zu überzeugen wusste, wichen die spielerischen Ansätze immer mehr und irgendwann blieb auch die Mentalität auf der Strecke. Tobias hat nach der Bayern-Klatsche die (auch für mich) wichtigsten Kritikpunkte an Dutt aufgeführt, wie bspw. die nicht enden wollende Gegentorflut (94 in 45 Pflichtspielen), das nicht wirklich vorhandene Offensivspiel sowie auch die zunehmende Festlegung auf einen Stamm von vielleicht 16 Spielern. Ich hätte auch gut damit leben können, wenn Dutt die Kurve gekriegt hätte und ich bei ihm das Gefühl gehabt hätte, es würde wieder aufwärts gehen.

Nun wurde gestern die Reißleine gezogen. Ich fand Thomas Eichin bei den Erläuterungen zum Trainerwechsel erstaunlich unsouverän, er sprach davon, wie sehr er Dutt als Trainer schätzte und dass er von seiner Arbeit überzeugt war, aber es nun Zeit für einen neuen Impuls von außen gewesen wäre, da einfach die Ergebnisse gefehlt hätten. Fand ich erstaunlich, da es sich irgendwie nicht so anhört, als sei es wirklich seine Entscheidung gewesen, Dutt zu feuern. Wer weiß, wie souverän Eichin sonst formuliert und es vor allem versteht, Dinge zu sagen, ohne sie auszusprechen. Vielleicht ist es aber auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Entlassung von Robin Dutt natürlich auch für Eichin eine Niederlage ist, denn er holte ihn an die Weser und sollte nun auch Skripnik scheitern, dürften sich die Blicke auf den Geschäftsführer Sport und seine Arbeit, vornehmlich die Spielerverpflichtungen unter seiner Ägide, richten. Ja, auch Eichin muss unter erschwerten Bedingungen arbeiten, aber gerade die Spieler, die für (relativ) viel Geld geholt wurden, bleiben hinter den Erwartungen zurück. Und da werden die Fragen in Eichins Richtung häufiger werden, wenn sich der Erfolg nicht einstellt.

Nun übernehmen Skripnik, Frings, Kohfeldt und Vander also das Regiment an der Seitenlinie. Es ist eine interne Lösung geworden und die Parallelen zu Schaafs Amtsübernahme 1999 sind kaum zu übersehen. Ich finde es gut, dass man Skripnik das Zepter übergeben hat und ich würde lügen, würde nicht auch die Nostalgie dabei eine Rolle spielen. Doch zunächst muss Skripnik beweisen, dass er in der Lage ist, eine Bundesliga-Mannschaft erfolgreich zu trainieren. Kurzfristig wünsche ich mir vom ukrainischen Beckham folgende Verbesserungen, wobei diese Punkte sicher nicht schon zum Chemnitz-Spiel morgen behoben sein werden.

  • Stabilisierung der Abwehr: Diese Saison haben wir uns in 9 Spielen schon 23 Gegentore eingefangen, das sind Werte eines Absteigers. Vorrangig muss es darum gehen, hinten wieder mehr Stabilität reinzubekommen und die teils erschreckenden Fehler zu minimieren. Auch die Tatsache, dass nahezu alle Mannschaften die rechte Bremer Abwehrseite als Schwachstelle identifiziert haben und diese gezielt angreifen, sollte zu denken geben. Dabei liegt es nicht nur an den jeweiligen Außenverteidigern Busch oder Fritz, sondern auch an der mangelnden Absicherung aus dem Mittelfeld heraus. I’m looking at you, Bartels!
  • Spieler aus dem Formtief holen: Viele Spieler durchlaufen gerade eine Formkrise. Gerade defensiv macht es sich bemerkbar, dass bspw. Prödl, Caldirola oder Garcia meilenweit von den Auftritten der Vorsaison entfernt sind. Aber auch ein Nils Petersen scheint derzeit reichlich neben der Spur zu sein.
  • Chancen für Neue: Dutt hat auf einen beschränkten Stamm von vielleicht 15, 16 Spielern zurückgegriffen. Dies muss per se nichts Schlechtes sein, gerade wenn ein Team sich eingespielt hat, macht es Sinn, nicht durch ständige Personalwechsel für Unruhe zu sorgen. Aber gerade im Mittelfeld haben in meinen Augen auch mal kreative Impulse gefehlt, wie ich sie bspw. einem Levent Aycicek oder einem Ludovic Obraniak zutraue. Und bei Obraniak scheint es ja zuletzt auch an Differenzen mit Dutt gelegen haben, dass er keine Chance mehr bekam. Es geht dabei darum, zu schauen, wer der Mannschaft weiterhelfen kann und von wem auch ein Schuss Kreativität ausgeht.
  • Offensive dynamischer gestalten: In den Zeiten zunehmenden Drucks wurde auch das Aufbau- und Offensivspiel der Bremer immer eindimensionaler. Gegen Freiburg stellte Dutt nach 30 Minuten auf lange Bälle um und gegen Köln wurde spätestens nach 70 Minuten der lange Hafer ausgepackt. Beide Male erklärte Dutt dies mit der spielerischen Überforderung der Mannschaft. Mir ist klar, dass man nicht über Nacht ein komplexes Offensivsystem installieren wird, aber es wäre gut, auch noch andere Mittel im Arsenal zu haben, als nur den langen Ball. Gerade aus einer stabilen Abwehr heraus sollten Strategien für die eigenen Angriffe etabliert werden.

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es nun wieder langsam aufwärts gehen könnte. Schauen wir mal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Kurzes Sturmtief

Die letzten Tage waren wahrlich turbulent an der Weser. Die ersten Windböen hatte ich letzte Woche schon im Blog niedergeschrieben, Burning und Steffen fassen die weiteren Ereignisse zusammen. Seitdem hat sich noch einmal einiges an der Weser getan: erst deutet Lemke an, dass er zum Ende seiner Amtszeit 2016 seinen Posten niederlegen würde. Anschließend stellt Lemke in Aussicht, seinen Posten als Aufsichtsratschef aufzugeben, wenn Marco Bode seine Nachfolge übernehmen würde. Bode bat um Bedenkzeit und heute dann stimmte er zu und noch in diesem Jahr wird dann Lemke ins zweite Glied treten, während Marco Bode zum Vorsitzenden des Aufsichtsrat aufsteigt. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor Willi Lemke, der mit seinem Rückzug weiteren Diskussionen um seine Person erst einmal den Wind aus den Segeln nimmt und darüber hinaus auch einer möglichen Schlammschlacht aus dem Weg geht.

Auch wenn ich weiterhin glaube, dass ein Rückzug Lemkes richtig ist, stellt sich schon die Frage, warum das auf einmal so schnell ging. Ist es die Einsicht von Lemke, dass er im Verein zunehmend isoliert ist mit seinen Positionen (Angriff von Fischer, Bodes Aussagen zur moderaten Verschuldung)? Beugt man sich den Wünschen möglicher Investoren und was hat Netzers freundlicher Hinweis damit zu tun, er könne sich Bode gut in prominenterer Rolle vorstellen? Da kann man jetzt vorerst natürlich eine ganze Menge spekulieren, obwohl die wahren Abläufe wohl weit weniger dramatisch gewesen sind.

Ich glaube, Bode ist eine gute Wahl für den Vorsitz des Aufsichtsrats. Einerseits ist er eine Werder-Legende, der mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art auch außerhalb Bremens viele Sympathien sammeln konnte. Andererseits war Bode in der Vergangenheit nicht an Entscheidungen beteiligt, die heute viel diskutiert werden (Stadionausbau, Transfers, etc.) und schleppt daher keinen negativen Ballast mit sich rum. Seine bisherige Arbeit im Aufsichtsrat kann ich persönlich kaum beurteilen, da man von ihm kaum etwas gehört hat. Das muss auch gar keine negative Eigenschaft sein, ganz im Gegenteil. Mit dem oben erwähnten Interview hat Bode ja schon angedeutet, dass er sich eine moderate Verschuldung vorstellen kann, um das Budget für Spielerverpflichtungen zu erweitern. Ich bin gespannt, ob sich jetzt tatsächlich Investoren aus der Deckung trauen.

Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Chaos-Club oder dem SV Hollywood die Rede war, zeichnet sich mittlerweile ein relativ schnelles Ende der Auseinandersetzungen und Wortmeldungen in diversen Medien ab. Noch vor dem kommenden Bundesliga-Spiel beim FC Bayern kehrt die notwendige Ruhe, damit jetzt wieder die Action auf dem Rasen in den Fokus rücken kann. Das begrüße nicht nur ich, sondern sicherlich auch viele andere Fans und ich bin gespannt, was der Wechsel an der Spitze des Vereins für die Zukunft bringen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Rückzug Lemkes alleine den Verein auch nicht wieder ins gelobte Land führen und uns nicht schlagartig aus dem Tabellenkeller katapultieren wird.

Lebenslang Grün-Weiß!

Duell am Osterdeich

Eigentlich wollte ich ein paar Takte zu Willi Lemke loswerden, doch aufgrund der Äußerungen von Klaus-Dieter Fischer gestern abend und dem sich anschließenden medialen Schlagabtausch muss ich das wohl ein bisschen ausdehnen.

In der blauen Ecke: Willi Lemke

Willi Lemke ist ein Werder-Urgestein. Seit 1981 war er Manager der Grün-Weißen und konnte damals mit Otto Rehhagel eine erfolgreiche Ära prägen. Immer noch legendär sind die Verbal-Duelle zwischen Lemke und dem damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß, die einen gewissen Unterhaltungsfaktor hatten. Im Jahr 2003 wurde Lemke Mitglied des Aufsichtsrats und später dann sogar Vorsitzender des AR. Nicht erst seitdem Bremen im Keller der Tabelle angekommen ist und es bei den Fans unruhig wird, ist Lemke das Feindbild Nummer eins im Verein. Dabei lautet der Vorwurf letztlich immer, dass der Willi Werder zu Tode spart. Abgesehen von der Art und Weise, wie Ende August das Treffen zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat über die Medien ausgetragen wurde, hat Lemke seine Aufsichtsfunktion ausgeübt und aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation weiter auf einem Konsolidierungskurs bestanden. Dadurch kam letztlich auch der Ruiz-Deal nicht zustande. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie viele Stimmen seinen Kopf fordern, obwohl er nur seine Funktion ausübt und darauf verweist, dass man nicht mehr Geld ausgeben kann als man zur Verfügung hat.

Ich finde die Personalie Lemke nicht unproblematisch, doch mach ich es nicht daran fest, dass er Eichin an der Shopping-Tour gehindert hat. Zum einen habe ich mich schon vor ein paar Jahren, als Lemke und Allofs über den Sokratis-Deal stritten, gefragt, wo Lemke eigentlich war, als man munter Geld für „Kracher“ wie Carlos Alberto, Wesley, Arnautovic, Marin und Co. ausgegeben hat. Klar, damals standen wir finanziell noch nicht mit dem Rücken zur Wand und die sportliche Situation war eine andere, aber da hat an von Lemke nix gehört. Aber auch bspw. der Deal rund um das Weserstadion, dessen Betrieb sich für Werder erst ab 20+ Spielen lohnt, wurde damals zumindest nicht öffentlich in Frage gestellt. Darüber hinaus finde ich die ganze Geschichte damals mit Jürgen L. Born auch heute noch anrüchig. Das sieht für mich immer noch wie ein gezielter Abschuss eines missliebigen Konkurrenten aus. Aktuell bin ich erstaunt, wie wenig von Lemke in der Causa „Land Bremen vs. DFL“ zu hören ist, obwohl die Pläne, die Kosten für Polizeieinsätze rund um Bundesliga-Spiele an die DFL weiterzureichen, Werder schon insofern geschadet hat, als der DFB Bremen das EM-Qualispiel gg. Gibraltar entzogen hat. Das erstaunt insofern, als Lemke nun nicht gerade als konfliktscheu bekannt ist. Oder will er der regierenden SPD nicht auf die Füße treten? Das alles prägt mein Bild von Willi deutlich stärker als die Tatsache, dass er in unserer jetzigen finanziellen Situation weiter am Sparkurs festhält.

Für die „Lemke raus“-Fraktion noch der Hinweis, dass  man auf der Jahreshauptversammlung die Möglichkeit hat, sich zu äußern (sofern man Vollmitglied ist) und seine Meinung vorzutragen. Und wer der Überzeugung ist, dass Lemke seinen Posten räumen muss, der hat die Möglichkeit, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Davor müssen allerdings 25% der Mitglieder mobilisiert werden. Klar, deutlich schwieriger als Lemkes Kopf zu fordern, aber so könnte es gehen. 😉 Ich sehe Lemke durchaus kritisch, aber es muss auch bedacht werden, dass Lemke nicht alleine im Aufsichtsrat sitzt und daher auch andere die Entscheidung zum Sparen mitgetragen haben. Sollen die dann auch gehen? Ich hänge nicht an der Personalie Lemke, aus den oben genannten Gründen und weil ich glaube, dass er oft zu sehr auf seine eigene Agenda fixiert ist. Daher würde ich seinen Abschied spätestens nach Ablauf der aktuellen Amtszeit 2016 begrüßen.

In der roten Ecke: Klaus-Dieter Fischer

Der Gegenpart von Lemke ist KDF, bis Dezember noch Mitglied der Geschäftsführung von Werder. Gestern und heute machten Berichte die Runde, wonach KDF einen Strategiewechsel fordert und bei der Verpflichtung neuer Spieler stärker ins Risiko gehen möchte, angeblich auch über Schulden. KDF scheint mit den Aussagen einen Nerv getroffen zu haben. Endlich jemand, der Lemkes Knausrigkeit Einhalt gebietet. Das es sich dabei vor allem um eine Retourkutsche für die AR/GF-Sitzung Ende August handelt, wo Details und Zeitpunkt schon vorher an die Medien lanciert wurden, wird dabei ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass der Zeitpunkt (Bremen ist frisch gebackener Tabellenletzter) taktisch gut gewählt ist. Zudem erzählt KDF auch nichts wirklich Neues.

Fangen wir vorne an: KDF erzählt, man sei bereit, deutlich mehr ins Risiko zu gehen. Dabei wird die aktuelle Tabellensituation auch ein Stück weit als Rechtfertigung genommen, denn „Aber wir müssen uns jetzt damit beschäftigen: Was bedeutet eigentlich der Abstieg? Nach meinen Einschätzungen bedeutet das Umsatzeinbußen im zweistelligen Millionen-Bereich. Und was bedeutet dagegen eine kurzfristige, nicht zu umfangreiche Verschuldung, um ins Team zu investieren – unser wichtigstes Gut?“ (Quelle: kreiszeitung.de). Als Ende August bekannt wurde, dass der AR am Konsolidierungskurs festhält, machte zeitgleich passenderweise das Gerücht die Runde, dass Werder wieder einen ähnlich hohen Verlust machen würde wie im vorherigen Geschäftsjahr (- 8 Mio. €). Dabei sind die neuerlichen Versuche, in Spieler zu investieren, keine wirklich sensationellen Nachrichten, denn im Sommer hat man ja auch versucht zu investieren. Und ich nehme an, dass man auch in vorherigen Transferphasen auf Seiten der Geschäftsführung bereit war, mehr Geld auszugeben als zur Verfügung stand, um die Qualität des Kaders zu steigern. Nun hat man für neuerliche Gespräche die Tabellensituation als Argument auf seiner Seite sowie den öffentlichen Druck, der sich daraus ggf. ergibt, denn Fischer steht jetzt als visionärer Retter dar, während Lemke weiter der unbelehrbare Geizhals bleibt.

Die zweite vermeintliche Neuigkeit lautet: KDF sei bereit, Schulden in Kauf zu nehmen, um oben genannte Investitionen zu tätigen. Was sämtliche Medien, die diese Meldung aufgriffen, dabei nie erwähnt haben: Bremens Eigenkapital ist bald erschöpft und dann wird Werder eh Schulden machen, alleine um den Betrieb aufrecht zu erhalten und ganz ohne zusätzliche Investitionen. Drei Möglichkeiten bleiben Werder:

  1. Die Einnahmen deutlich steigern. Das dürfte schwierig sein, denn die Einnahmen durch Sponsoren oder Merchandise dürften schon am Limit sein. Eine weitere Möglichkeit wären Spielerverkäufe, aber da sehe ich ad hoc nur Franco Di Santo, der uns eine substantielle Summe einbringen könnte.
  2. Die Ausgaben weiter senken. In den letzten Spielzeiten hat man den Spieleretat von zu Saison zu Saison weiter gesenkt. Aktuell ist da immer noch Luft nach unten, vor allem wenn man sich das Preis-Leistungs-Verhältnis des Kaders im Vergleich zu anderen Mannschaften anschaut (war auch Thema im aktuellen Grünweiß-Stammtisch). Andererseits läuft man Gefahr, die Qualität durch Spielerabgänge noch weiter zu senken und nicht adäquat durch Low-Budget-Transfers ersetzen zu können.
  3. Der Topf voll Gold unter dem Weserstadion. Okay, ein paar Investoren sind da wohl wahrscheinlicher. Dabei macht es jedoch wenig Sinn, Investoren ins Boot zu holen, die einzig die Defizite in der Bilanz auffüllen.

Das Schulden-Thema wird – aller Voraussicht nach – so oder so auf Werder zukommen, ob mit oder ohne zusätzliche Investitionen. Auch wenn ein Abstieg, wie von KDF ausgeführt, verheerende finanzielle Folgen haben kann, sollte man gut überlegen, ob und wie man zusätzliche Transfers finanziert, wenn sich an der derzeitigen Finanzsituation nicht grundlegend etwas ändert. Auch durch Schulden kann der Verein untergehen, nicht alleine durch den Sparkurs von Willi L.

Abschließend will ich noch auf die Erwähnung von drei Bremer Unternehmen eingehen, die bereit sind, Werder finanziell zu unterstützen. Dieses mögliche Engagement wird dabei an eine Bedingung geknüpft: Willi Lemke muss gehen. Ich habe dieses Szenario schon als Gerücht wahrgenommen, nun wird es von KDF benutzt, um direkt Druck auf Lemke auszuüben. Dabei missfällt mir vor allem die Vorstellung von Geldgebern, die ihr finanzielles Engagement an personelle Bedingungen knüpfen. Völlig unabhängig davon, wie man zu der Person Willi Lemke steht. Aber man kann nicht einerseits feixend auf den HSV und deren Sugardaddy Kühne zeigen und gleichzeitig mögliche Investoren bejubeln, die Geld nur geben, wenn Lemke Platz macht. Was ist, wenn denen anschließend andere Personalien im Verein nicht gefallen? Der Geschäftsführer Sport, also Thomas Eichin oder der Trainer? Dürfen die dann auch den Rauswurf fordern und man gibt dann nach, Hauptsache, die Kohle kommt weiterhin? Mir ist klar, dass Bremen über kurz oder lang sich Investoren und/oder strategische Partner suchen muss. Aber man darf auch nicht vergessen, dass diese Investments kein Spenden aus philanthropischen Motiven heraus sind, sondern die sind immer an Bedingungen geknüpft, seien es Anteile an der GmbH, Beteiligungen an Weiterverkäufen von Spielern, Rendite, was auch immer. Sowas muss auch immer sorgfältig geprüft werden.

An der Stelle bin ich auch von den berichtenden Medien enttäuscht, vor allem von denen, die direkt vor Ort sitzen, denn nirgendwo werden die Aussagen von Fischer mal analysiert, sondern nur rausposaunt, ohne konkrete Einordnung.

SV Hollywood?

Einige machen sich Sorgen, dass Bremen nun zum SV Hollywood verkommt oder im Chaos versinkt. Ich denke, dass solche Schlussfolgerungen etwas voreilig sind. Natürlich ist es für Bremer Verhältnisse ungewöhnlich, dass solche Dinge in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, aber vielleicht ist es auch einfach an der Zeit, sich endgültig von dem Mythos der „Werder-Familie“ und des „Werder-typischen“ zu verabschieden. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass schon in den letzten Jahren die Dinge an der Weser schon nicht mehr so idyllisch liefen, wie es vielleicht nach außen hin schien. Die große Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben, die irgendwann nicht mehr durch Transferüberschüsse geschlossen wurde und fragwürdige Entscheidungen im Zusammenhang mit der Stadionnutzung sprechen beispielsweise gegen die sonst so vorsichtige Vorgehensweise, die man hanseatischen Kaufleuten so gerne zuschreibt und für die man sich ja jahrelang hat loben lassen.

Im Hinblick auf die Jahreshauptversammlung am 24.11. bin ich gespannt, ob die von Fischer nun aufgeworfenen Themen zur Sprache kommen und sich darum eine Diskussion entspinnt. Für den Moment scheint es so, dass Fischer vor seinem Abgang noch eine letzte Breitseite gegen Lemke abfeuert und die Auseinandersetzung aus dem August weiterführt (nebenbei ist ja auch nicht so, als seien sich Lemke und Fischer erst seit kurzem nicht mehr grün). Es treffen zwei Auffassungen aufeinander, welcher Weg für den SV Werder in der jetzigen Situation der vermeintlich richtige ist. Auf der einen Seite Lemke (und offensichtlich die Mehrheit des AR), die den Konsolidierungskurs weiter fortführen und vor möglichen Neuverpflichtungen lieber erst einmal Spieler abgeben möchten. Auf der einen Seite die Geschäftsführung um Eichin und Fischer, die bereit ist, ein gewisses Risiko bei Transfers einzugehen. Ich denke, dass die Diskussion noch bis zur Winterpause anhält, wenn dann tatsächlich wieder Spieler verpflichtet werden können und könnte mir bei anhaltendem sportlichen Misserfolg durchaus vorstellen, dass der AR dann den Sparkurs verlässt, wie es Marco Bode wohl schon andeutet. Denn ein Abstieg wäre nicht nur deutlich teurer, sondern könnte Werder auch vorerst das Genick brechen.

Es bleibt spannend an der Weser sowohl auf als auch neben dem Rasen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Spieglein, Spieglein in der Hand

In der aktuellen Ausgabe des Spiegel-Magazins findet sich unter der Überschrift „Der grüne Virus“ ein längerer Artikel über den SV Werder, der sich mit dem „mysteriösen Zerfall einer großen Mannschaft“ beschäftigt. Mittlerweile ist der Artikel auch online zu finden. Der Verfasser Cordt Schnibben outet sich gleich zu Beginn als langjähriger Werder-Fan, der sich darüber wundert, dass Werder zehn Jahre nach dem sensationellen Meistertitel der Saison 2003/04 nur noch in den Niederungen der Liga rumkrebst. Nun ist mir klar, dass ein solcher Artikel nicht für den harten Kern der Werder-Fans geschrieben ist, sondern sich auch an Leser richtet, die eben nicht jedes Spiel des SVW verfolgen. Und ich möchte auch klarstellen, dass Schnibben grundsätzlich mit den Gründen für den Niedergang in den letzten Jahren ja nicht Unrecht hat. Dennoch sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich mal zur Diskussion in den Raum stelle.

Da wäre einmal der Veröffentlichungszeitpunkt: Es ist ja nun wahrlich nicht die erste Saison, die Bremen eher in den hinteren Regionen der Liga verbringt. In den letzten vier Saisons hat der SVW dreimal gegen den Abstieg gekämpft und allmählich verblassen die Erinnerungen an die glorreichen Tage. Klar, das zehnjährige „Doubiläum“ ist gerade gewesen, aber wäre ein solcher Artikel nicht vor zwei, drei Jahren viel aufschlussreicher gewesen und auch aktueller gewesen? Also, zu einem Zeitpunkt, als viele noch dachten, Bremen wird sich schon erholen und durchschreitet nur eine kurze Talsohle. Ich habe das Gefühl, dass mittlerweile schon so ziemlich alles zu dem Thema gesagt wurde und da fügt der Artikel auch keinen neuen Blickwinkel hinzu oder kann mit neuen Erkenntnissen aufwarten.

Der Artikel zeigt auf, wie sehr Bremen von den Einnahmen der Champions League abhängig war, um den entsprechend teuren Kader finanzieren zu können. Für mich war das immer eine Sache, die von Allofs auch so immer wieder klar kommuniziert wurde, gerade in den Momenten, wo Bremen um die CL-Qualifikation kämpfen musste. Das ist eine Sache, die Schnibben irgendwie nicht erwähnt, was ich aber für einen wichtigen Punkt halte, denn nur so konnte Bremen vorhandene Standortnachteile (auf die Schnibben gar nicht eingeht) auch ausgleichen.  Das man dennoch irgendwann angefangen hat Fehler zu machen und vor allem auch die Transfers irgendwann nicht mehr ausreichend Qualität in den Kader brachten steht außer Frage. Aber wenn man den Niedergang betrachtet, muss man doch auch auf die Rahmenbedingungen eingehen. Und die waren und sind in Bremen nun einmal schwieriger als dies anderswo teils der Fall ist.

An zwei Stellen wird Schnibben arg spekulativ. Zum einen geht es darum, ob Werder Gelder an den Finanzmärkten „verzockt“ hat. Dies ist ein Gerücht, welches es schon länger gibt und es ist durchaus möglich, dass da etwas dran ist, aber ich würde mir schon wünschen, dass man da ein bisschen was Handfestes präsentieren kann. Zumal das im Zweifel ja auch kein geringer Vorwurf ist. Auch bei den angeblichen Reibereien zwischen Allofs und dem Aufsichtsrat, wo es um „seltsame Spielerberater“, häufige Zusatzzahlungen und Gefälligkeitstransfers gehen soll, wird kaum etwas Konkretes vorgebracht, außer dem Deal mit Marko Marins Vater, der nach dem Transfer seines Sohnes als Scout bei Werder beschäftigt wurde.

Schnibben schreibt, ihn habe die Begeisterung für Werder verlassen. Früher habe er auf die Spiele hingefiebert, heute schaltet er teilweise nach einer Viertelstunde weg. Für mich weht der Geist der Enttäuschung durch den gesamten Artikel, was ich schade finde. Zum einen sind das sicherlich nicht die ersten „Jahre voller Frust“, die Schnibben in 50 Jahren als Fan des SVW erlebt haben dürfte. Zum anderen habe ich persönlich gerade in dieser Saison das Gefühl gehabt, dass viele Fans sich mittlerweile mit den neuen Gegebenheiten arrangiert haben. Klar, jeder würde ohne mit der Wimper zu zucken lieber wieder oben dabei sein und begeisternden Fußball erleben, aber vorerst ist die Realität eine andere. Schnibben spricht  davon, Werder wirke wie „…ein Organismus, der sich selbst auffrisst, befallen von einem grünen Virus.“Ich hatte gerade zum Ende der Rückrunde hin das Gefühl, dass dort durchaus etwas im Entstehen ist, dass der Grundstein für weitere Entwicklungen gelegt wurde. Auch wenn das Positive dieser Saison noch keinen Anlass zur Euphorie bietet, finde ich es schade, dass der Artikel dies gar nicht zur Kenntnis nimmt.

Lebenslang Grün-Weiß!

P,S.: Lieber Herr Schnibben: wir haben den Abstieg übrigens nicht vermieden, weil drei Teams schlechter waren als Werder, sondern am Ende sogar sechs und weil wir 12 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatten. 😉

Ein Spiel dauert 70 Minuten

2:3 lautet der Endstand gegen den FSV Mainz 05. Zwischenzeitlich lagen wir sogar 0:3 gegen die Mainzer zurück und Kommentator Fuss meinte gestern nach Abpfiff, das 0:3 durch Okazaki in der 70. Minute sei die entscheidende Situation des Spiels gewesen. Kann man so sehen, aber für mich waren die ersten 20 Minuten des Spiels entscheidend. Hier hat man sich zum x-ten Male selbst ein formidables Loch gegraben, welches sich in den verbleibenden 70 Minuten als zu tief herausstellen sollte. Nun kann man es sich einfach machen, auf die beiden Böcke von Sebastian Mielitz verweisen und hat damit auf die Schnelle zusammen gefasst, was zu Beginn des Spiels nicht lief. Das soll nicht heißen, dass Mielitz keine Schuld an den Gegentoren trifft, aber eben nicht nur. Beim 0:1 ist der Ball von Polter lange zu Müller unterwegs. Weder Lukimya noch Fritz behindern den Mainzer auch nur im Ansatz, der Mielitz mit einem feinen Lupfer überwindet. Beim 0:2 kann Pospech in Ruhe den Ball aufs Tor bringen, beim Abpraller reagiert einzig Okazaki angemessen, während Fritz und Luki verdattert dem Ball nachschauen. Klar, wenn Mielitz hier das Ding einfach über die Latte lenkt, müssen wir die Diskussion um seine Person nicht führen.

Insgesamt waren die 20 Minuten nach Anpfiff des Spiels wohl mit das Schlechteste, was die Mannschaft diese Saison abgeliefert hat. Man hatte das Gefühl, dass die Spieler vom Pressing der Mainzer überrascht wurden. Kaum ein Ball fand den Weg zum Mitspieler, auch einfachstee Pässe kamen nicht an.  Nach knapp 20 Minuten kam man besser ins Spiel, konnte sich sogar einige Torchancen erspielen, wie bspw. bei Lukimyas Kopfball an den Pfosten oder Selkes Kopfball, der knapp vorbei segelte. Auch in Halbzeit zwei hatte man gute Gelegenheiten, doch zunächst machen die Mainzer das 0:3. Wie man sich in einer 4:2-Überzahl-Situation so geschickt anstellen kann, ist mir ein Rätsel. Ebenso, warum Lukimya die Situation beobachtet und allenfalls zurück trabt. Vielleicht war er überrascht, dass keiner aus dem Schiedsrichter-Team auf das Heben der Hand (wie sonst üblich) mit einem Abseits-Pfiff reagierte? Vielleicht dachte er, dass die anderen drei das schon machen werden? Wir werden es wohl nie erfahren und es wird auf ewig sein Geheimnis bleiben. Die beiden Tore von Elia und di Santo bleiben leider nur Ergebniskorrektur.

Nun geht der Blick in der Tabelle zunehmend nach unten. Nein, das kommt nicht unerwartet, aber mit einem anderen Ergebnis wären es mehr als vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Und nach dem 0:2 hat die Mannschaft ja gezeigt, dass man durchaus in der Lage gewesen wäre, Mainz zu schlagen. Aber da kommen wir wieder auf den Punkt mit den anfänglichen 20 Minuten und stellen erneut fest, dass Fußball nicht im Konjunktiv gespielt wird. Wir könnten über erstaunlich gute 18 Punkte sprechen und darüber, dass wir im Angesicht des Abstiegskampfes sehr gut unterwegs sind, stattdessen bestimmt Mielitz die Berichterstattung über das Spiel, zusammen mit der Abwärts-Spirale, in der sich Bremen befindet. Es nervt.

Deutsch-Italienische Freundschaft

Kommen wir abschließend noch zu einem Thema, welches in der letzten Woche von sich reden machte: der sich abzeichnenden Kooperation zwischen Werder Bremen und dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Prinzipiell und angesichts der finanziellen Lage, in der sich Werder befindet, ist dies sicherlich ein strategisch kluger Schritt. Man kann davon ausgehen, dass Bremen interessante Spieler aufnehmen wird, damit diese Spielpraxis bekommen. Es wird auch über Vorkaufsrechte im Jugendbereich gemunkelt und auch über eine Zusammenarbeit im Bereich Marketing und anderen Geschäftsbereichen. Prinzipiell finde ich diese Form der Zusammenarbeit begrüßenswert, teile aber vorerst noch nicht die Euphorie, die von einigen ausgeht. Dazu sind die tatsächlichen Rahmenbedingungen noch nicht geklärt (bspw. bekommen wir u.U. auch eine Kaufoption bei den Leihspielern? Sind wir nur ein reines Farmteam zum Parken der Spieler?). Eine wirkliche Bewertung der Zusammenarbeit wird erst in einiger Zeit möglich sein. Aber interessant ist es allemal.

Lebenslang Grün-Weiß!