Category Archives: Abseits des Platzes

Emotionen im Fussball

So ähnlich verhalte ich mich während des Fußballs auch. Könnte ein Grund sein, warum keiner mit mir zusammen Werder-Spiele gucken will. La puta que te pario oder so ähnlich. Übrigens darf der arme Mann den Abstieg von River Plate aus der argentinischen ersten Liga mitverfolgen, was wohl auch ein Grund ist, warum er nicht besonders gute Laune hat. (via Schlecky Silberstein)

Demut

Zunächst einmal ein „Herzlich Willkommen“ an Joseph Akpala. Heute wurde seine Verpflichtung für vier Jahre bekanntgegeben. Der nigerianische Stürmer wechselt vom FC Brügge an die Weser und hat in der belgischen Jupiler-Liga schon seine Knipser-Qualitäten unter Beweis gestellt. Dann war das Aus in der ersten Pokalrunde doch nicht so gravierend, wie von Allofs am Sonntag noch angedeutet.

Was ich im Zuge des Auftritts in Münster sehr bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sowohl Sokratis als auch Allofs im Nachgang sehr ambitionierte Ziele formuliert haben. Sokratis sieht in der Mannschaft ausreichend Qualität, um diese Saison die Champions League zu erreichen. Allofs möchte mit Werder wieder die Nummer zwei, drei oder vier in Deutschland werden. Nun ist natürlich nichts gegen Ziele einzuwenden, aber in den letzten beiden Saisons hat das mit den Zielvorgaben eher weniger geklappt. Wie im Sommer-Podcast mit Tobi und Anna angesprochen, geht es diese Saison darum, eine Entwicklung zu sehen. Nach zwei Jahren mehr als deutlicher Rückschritte im spielerischen Bereich, wäre es schön, mal wieder etwas mehr Spielkultur und defensive Sicherheit zu sehen.

Die Platzierung ist natürlich nicht völlig egal, denn ein spielerisch brillant herausgespielter Platz 17 würde auch für eher lange Gesichter sorgen. Doch nach zwei mauen Saisons, einem weiter vorangetriebenen Umbruch mit vielen neuen Spielern sollte man sich davor hüten, wieder von Europa zu sprechen, ja sogar die Königsklasse zum Ziel auszurufen. Ich finde das kontraproduktiv und auch in der Außendarstellung mehr als fragwürdig. Intern kann man ja gerne Europa als mittelfristiges Ziel ausgeben, doch alles andere wirkt in Anbetracht der letzten beiden Spielzeiten als Größenwahn. In Bremen sind wir mit klassisch hanseatischem Understatement immer gut gefahren. Wenn man zum Ende der Saison wider Erwarten doch Kurs auf Europa nimmt, dann ist das super und in dem Fall kann man dann auch offen vom internationalen Wettbewerb sprechen. Die Schaumschlägerei unseres Spartaners und von Allofs behagt mir ehrlich gesagt nicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen Thread im Worum verweisen (Danke für den Hinweis @KatarinaWerderfan). User „el pibe de oro“ hat sich hier die Mühe gemacht, sich durch die Bilanzen unseres Vereins der letzten Jahren zu kämpfen. Fazit: Bremen geht es wirtschaftlich relativ gut, aber es wird auch deutlich wie abhängig der Verein zum einen vom internationalen Wettbewerb ist und zum anderen auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Ersteres haben wir nun zwei Jahre nicht geschafft und so werden auch die Abgänge von gut verdienenden Spielern wie Naldo, Pizarro, Wiese oder Rosi etwas nachvollziehbarer. Bei den Transfererlösen sieht es zukünftig vorerst mau aus. Spieler, die man wie Diego oder Özil im Bereich von 20 Millionen Euro weiterverkaufen kann, sind nicht in Sicht. Hier wird dann deutlich, dass Transfers nach dem Prinzip „Billig holen, veredeln und dann teuer verkaufen“ in letzter Zeit nicht so funktioniert haben wie gedacht. Krasse Beispiele der Vergangenheit sind hier Carlos Alberto oder Wesley, aber auch ein Arnautovic bleibt sicherlich deutlich hinter dem zurück, was man sich von ihm erhofft hat. Zudem macht der Artikel auch ein bisschen deutlich, dass die Einnahmen bspw. aus dem Diego-Transfer nicht irgendwo versickert sind, sondern in den laufenden Betrieb oder den Stadionausbau geflossen sein dürften. Für Zahlenfetischisten sicherlich eine lohnende Lektüre.

Morgen dann der Auftakt in die 50. Bundesligasaison mit dem Spiel Borussia Dortmund – Werder Bremen. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft präsentiert und wie viel von der Vorbereitung, die vielerorts positiv beurteilt wurde, zu sehen ist. Im Supercup wirkte Dortmund erstaunlich harmlos, doch das will nichts heißen. Hoffen wir mal auf ein erstes Erfolgserlebnis.

Lebenslang Grün-Weiß!

Danke und Ciao

Ende letzter Woche wurde Naldos Wechsel zum VfL Wolfsburg verkündet. Es wurde noch einmal spannend, da der initiale Med-Check nicht nach Plan verlief und zusätzliche Untersuchungen nötig waren. Obwohl mit ihm ein wichtiger Spieler und Sympathieträger geht, hält sich die Enttäuschung stark in Grenzen. Vor zwei Jahren fiel Naldo sehr lange durch ein Knochenödem aus. Nachdem man ihn zu Beginn der letzten Saison langsam wieder an das Team herangeführt hatte, bedankte sich Naldo damit, dass er auf einmal dringend nach Brasilien wollte, um a) dichter an seiner Familie zu sein und b) sich für die WM 2014 zu empfehlen. Nachdem sich der Wechsel zerschlug, konnte er sich auf einmal gut vorstellen, doch noch ein paar Jahre in Bremen zu bleiben.

Am Ende kam Wolfsburg mit mehr Geld und einem Vierjahresvertrag um die Ecke. Bremen wollte wohl erstmal noch abwarten, wie sich die sportliche Situation an der Weser entwickelt und sicherlich auch schauen, wie sich Naldos Gesundheit entwickelt. Naldo hat sich für die größere Sicherheit entschieden. Man darf sich heutzutage über sowas auch gar nicht mehr aufregen, will man sich nicht als tumber Idiot preisgeben. So ist halt das Business und als normaler Arbeitnehmer macht man das ja auch so. Die Tatsache, dass Bremen ja auch Spieler von anderen Vereinen wegkauft, verdoppelt die Heuchelei. Wobei der Vergleich mit den normalen Arbeitnehmern ja an Schieflage nicht zu überbieten ist. Ich kenne viele Leute, denen die Perspektive und das Klima an ihrem Arbeitsplatz deutlich wichtiger ist als den monatlichen Gehaltseingang um ein paar Prozent zu steigern. Ja, ich weiß, die Profis haben ja nur eine kurze Karriere, aber Naldo dürfte in Bremen zwischen zwei und drei Millionen per Anno verdient haben. Der verdient also im einem Jahr mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer in seinem gesamten Leben.

Nein, es geht nicht um die „Scheiß-Millionäre“, aber können wir bitte aufhören so zu tun, als hätte Naldo hier wie ein asketischer Bettelmönch leben müssen? Die angebliche Logik des Arbeitnehmermarktes (jeder nimmt so viel er kriegen kann) habe ich in der Vergangenheit oft genug verwendet, um Wechsel von Spielern innerlich und äußerlich zu rechtfertigen. Doch irgendwie nagt diesmal der Zweifel an mir, ob das immer alles so richtig ist. Ob man nicht doch auch mal Kritik an einem Spieler äußern kann, der erst sagt, dass es ihm das Herz bricht, aus Bremen fortzugehen, aber dann fortfährt, dass das Angebot einfach unschlagbar war und genug, um den Herzschmerz zu lindern. Aber was soll man ihn kritisieren, wenn alle nur dem Geld nachjagen?

Ich danke Naldo für seine Zeit in Bremen. Mehr aber auch nicht. Wenn ein Spieler den Verein verlässt, ist er für mich nicht mehr relevant. Ich bin Fan von Werder Bremen, nicht von Spieler XY. So lange jemand das Trikot von Werder trägt, stehe ich hinter ihm, doch wenn er geht (aus welchen Gründen auch immer), dann nicht mehr. Nicht falsch verstehen, ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber was soll ich Naldo jetzt alles Gute wünschen? Es hat auch ganz praktische Vorteile, denn ich kann mir Spiele von Real Madrid anschauen, ohne bei jedem Ballkontakt von Özil den alten Zeiten nachzutrauern. Ich kann mich herrlich an Diegos Spielchen mit Quälix erfreuen, ohne ihn ständig wieder in Bremen sehen zu wollen. Halt ganz geschäftsmäßig.

Saisonrückblick zum Hören

Sonntag vor einer Woche (in Internetmaßstäben also vor Äonen) war ich beim Grünweiß-Stammtisch zu Gast, um über die vergangene Saison und die Erwartungen für das nächste Jahr zu sprechen. Wer sich das anhören möchte, bitte hier entlang.

Living on the edge

Thomas Pletzinger hat die Basketball-Mannschaft von ALBA Berlin eine Saison lang begleiten dürfen und seine Erlebnisse unter dem Titel “Gentlemen, wir leben am Abgrund” veröffentlicht. Damit ist ihm aus meiner Sicht eines der besten deutschsprachigen Sportbücher gelungen, welches ich hier kurz vorstellen möchte, auch wenn es sich nicht mit Fußball beschäftigt.

ALBA ist eine der Top-Adressen im deutschen Basketball. Die Mannschaft spielt in der knapp 15.000 Zuschauer fassenden O2-World und es geht jedes Jahr darum, um den Titel mitzuspielen. Ich will nicht allzu viel vorwegnehmen, doch die Saison 2010/2011 war für die Berliner eine sehr bewegte, in der das Team Höhen und Tiefen durchlebte, in der Spieler kamen und gingen und sogar der Headcoach ausgetauscht wurde. Durch diesen Umstand wird das Buch deutlich interessanter, da Pletzinger das Team sowohl in guten Zeiten als auch in schlechten Zeiten begleiten durfte.

Pletzinger war selbst Basketballer und lebte als Jugendlicher den Traum vom Profi-Dasein, doch am Ende reichte es nicht für höhere Weihen. Nun ist er Journalist und Schriftsteller und darf in dieser Funktion die Profis auf Ihrem 10-monatigen Weg vom Trainingslager bis zum letzten Playoff-Spiel begleiten. Man merkt einerseits, wie Pletzinger sich dabei seinen Jugendtraum erfüllt, einmal Teil eines Profi-Teams zu sein, auch wenn er nicht aktiv eingreift. Andererseits kann man beim Lesen die Entwicklung Pletzingers vom Außenstehenden hin zu einem Teil des Teams nachvollziehen. Aus „ALBA Berlin“ wird zum Ende hin ein „wir“, die neutrale Beobachtung weicht in den Playoffs einem Mitfiebern.

Die Details aus dem Innenleben einer Profimannschaft sind schon sehr spannend. Es ist interessant zu sehen, wie wenig Glamour am Ende des Tages übrigbleibt, wenn die Mannschaft auf der Heimreise von einem Auswärtsspiel bei einem Fast-Food-Restaurant oder einer Raststätte anhält, um sich zu verpflegen. Man sieht auch sehr deutlich, welches Loch zwischen König Fußball und den anderen Sportarten in Deutschland klafft. ALBA Berlin ist einer der finanzstärksten Clubs der Liga, dennoch übernachtet die Mannschaft in Mittelklasse-Hotels, schlägt sie sich ab und an den Bauch beim Burgerbrater voll und lebt so gar nicht das glamouröse Leben, welches man gemeinhin mit dem Dasein als Sportprofi verbindet. Keine Ferraris, kein Bling-Bling, keine riesigen Anwesen.

Das Buch ist deshalb so stark, weil es die oben genannten Einsichten mit der Liebe des Autors zum Sport verbindet, die in der Beschreibung des Geschehens deutlich zutage tritt. Pletzinger gibtdarüber hinaus tiefe Einsichten in das Funktionieren und Arbeiten einer Profimannschaft und er schafft es, die Charaktere für den Leser greifbar zu machen. Er gibt zudem den Personen im Hintergrund ein Gesicht, beschreibt die Arbeit der Assistenztrainer und zeigt, wie das Management sich mit schweren Entscheidungen schwertut. Es ist keine Heldenverehrungsgeschichte, auch wenn der Autor die anfängliche Distanz zum Ende hin verliert, sondern es vereint Sieg und Niederlage, Euphorie und Ernüchterung, die man als Sportfan, gleich welcher Sportart und welchen Vereins, nur allzu gut kennt. Das Buch kann ich auch Nicht-Basketballern ganz klar empfehlen.

Interview bei den Clubfans United

Alexander Endl von den Clubfans United hat mir per Mail ein paar Fragen zugeschickt. Wenn Ihr wissen wollt, was ich zum Bloggen, zur Lage des SVW und anderen Dingen zu sagen habe, dann schaut euch einfach das Interview mit dem reißerischen Titel „Nürnberg ganz oben? Warum denn nicht?“ an.

Danke an Alexander für die Fragen und auf ein schönes Spiel am Samstag. Aber die Punkte bleiben an der Weser 😉