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Einen vor, einen zurück

Das Spiel gegen Freiburg schien rein statistisch schon vor Anpfiff zugunsten Bremens entschieden, ob der guten Serie gegen die Breisgauer. Dabei wird gerne übersehen, dass schon das 5:3 in der Hinrunde alles andere als ein Galaauftritt der Grün-Weißen war. Und es wurde alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Freiburg dachte gar nicht daran, sich einfach nur hinten reinzustellen und das Beste zu hoffen, sondern spielte ein aggressives Pressing und suchte seine Chance im Spiel nach vorne.

Bremen war über weite Strecken des Spiels nicht in der Lage sich spielerisch dem Pressing zu entziehen, was sich in vielen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung zeigte. Nur selten konnte man sein Kombinationsspiel durchziehen und zweimal resultierte das in Treffern unserer peruanischen Lebensversicherung der Marke Pizarro. Doch leider sollte das nicht reichen, um drei Punkte einzufahren. Beim 1:1 kam Makiadi kurz vor dem Bremer Tor per Kopf an den Ball. Hier offenbarten sich (wieder einmal) starke Probleme bei gegnerischen Standards, die vor allem an der mangelnden Zuordnung zu liegen scheinen. Beim 2:2 schlagen die Freiburger einen langen Ball in die Bremer Hälfte, können diesen kontrollieren und schnell auf die rechte Angriffsseite bringen, wo Hartherz den heraneilenden Schmid nicht mehr stellen bzw. entscheidend stören kann.

Damit bleibt Bremen in der Rückrunde ungeschlagen, hat andererseits aber auch noch keinen Sieg eingefahren. Auch wenn die Tore zeigen, dass die Mannschaft zu flüssigem Kombinationsspiel fähig ist, bleiben erstmal nicht mehr als positive Ansätze. Um den Platz in der EL zu sichern, sind in Zukunft auch Siege fällig, zumal Hannover von hinten langsam aber sicher Druck macht. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass die Leverkusener uns dauerhaft den Gefallen tun, ebenfalls Punkte liegen zu lassen.

Am Ende möchte ich noch ein paar Worte zu den Dingen auf den Tribünen in Freiburg loswerden. Ich habe immer eine gewisse Sympathie für den SC und seine Fans gehegt. Leider scheinen auch dort die Hirntoten zunehmend in den Vordergrund zu rücken. Es ist einfach zum Kotzen, wenn Teile der SC-Fans einfach unkommentiert mehrfach “Wiese an die Wand!” skandieren dürfen. Mir ist klar, dass Wiese kein Sympathieträger ist und er auch keinen Friedensnobelpreis mehr bekommt. Aber ist das ein Grund, sich derart zu entblöden? Ich finde es auch erbärmlich, dass man dazu weder während des Spiels einen Kommentar gehört hat, noch etwas darüber in den Medien zu lesen ist. Aber gut, es ist auch nur Wiese und nicht ein gewisser Mäzen und Duz-Freund von Theo Z., bei dem nach einem Banner mit Zielscheibe gleich das ganz große Rad gedreht wird. Es tut mir leid, aber alleine für die Spacken vom Sonntag wünsche ich dem SC einen Gang in Liga 2.

 

Jugendwahn

Es war sicherlich nicht alleine Schaafs eigener Antrieb, der dazu führte, dass gleich sechs Spieler am Samstag 22 Jahre und jünger waren. Verletzungen, Sperren und anhaltende Formschwächen waren hier sicherlich die zunächst ausschlaggebenden Gründe. Das Spiel hat zwei Dinge gezeigt: die Jungen haben Potential und selbst die beiden Frischlinge Hartherz und Affolter machten ihre Sache sehr gut. Zudem machte das Unentschieden gegen Leverkusen und die Ergebnisse der vier erstplatzierten Teams deutlich, dass es für Bremen in den verbleibenden 15 Spielen „nur“ darum gehen wird, Platz 5/6 und den damit verbundenen Einzug in die Europa League zu sichern. Das ist sicherlich auch keine Selbstläufer, aber nimmt auch den Druck durch überzogene Erwartungen von der Mannschaft.

Dadurch kann man den Umbruch im Team auch weiter vorantreiben. Die Wintertransfers von Affolter und Junuzovic sind da neben dem Einbau von Hartherz und Trybull wichtige Bestandteile. Mit Wesley wird nicht mehr geplant und ich wäre erstaunt, wenn Marin auch spätestens nach dem Sommer noch für Bremen aufläuft. Dazu laufen Verträge wie bspw. von Wiese oder Fritz aus und von Naldo werden wir sicherlich auch noch was Neues im Hinblick auf Brasilien hören. In diesem Zusammenhang ist das Spiel vom Samstag ein Fingerzeig in eine mögliche Zukunft, doch sollte man auch vielleicht nicht gleich Wunderdinge erwarten. Die Medien machen aus Hartherz, Trybull und Co. schon wieder neue Stars der Liga. Nun ist es natürlich einfach, die Marktschreiereien des Presserummels zu verurteilen, doch ist es mir dennoch zuwider, wie man aus einigen vielversprechenden Ansätzen gleich wieder den Weg zum Superstar pflastern möchte. Es waren Ansätze, nicht mehr und nicht weniger. Die Zeit wird zeigen, ob aus den Ansätzen dauerhaft gute Leistungen werden.

Nach einem verhaltenen Start in das Spiel, konnte Bremen sich zunehmend leichte Vorteile erarbeiten. Das Tor von Pizarro wurde von Trybull schön vorbereitet. Mit dem 1:0 ging es auch in die Pause. Leverkusen stellte um und brachte Derdiyok für Da Costa, während Castro nach hinten links beordert wurde. Mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit machte Leverkusen deutlich mehr Druck und begann Bremen immer mehr hinten reinzudrängen. Es war offensichtlich, dass man Leverkusen erstmal kommen lassen wollte, doch leider ergaben sich im Gegenzug kaum Gelegenheiten, mal gefährlich vor das Tor der Werkself zu kommen. Da fehlte dann die Schnelligkeit und auch die Paßsicherheit, um sich entscheidend befreien zu können. Am Ende gab es auf Bremer Seite zwei tragische Figuren: Tim Wiese, der in der 57. Minute eine Flanke nicht klären konnte, die Reinartz per Kopf verwerten konnte sowie Rosenberg, der zwei Großchancen vergab, als er einmal am Pfosten und einmal an Schwaabs Latte scheiterte (Flachwitz!).

Am Ende überwiegt für mich ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft und ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft weiter präsentiert. Ich hoffe, dass die jungen Wilden sich weiter entwickeln, sich etablieren und immer besser werden. Der Umbruch wird noch weiter Zeit in Anspruch nehmen, und auch auf der Trainerbank wird deutlich, dass Schaaf nicht mehr versucht, ein dauerndes Offensivfeuerwerk abzubrennen, sondern Spiele auch verhaltener zu führen und aus einer guten Defensive heraus zu schauen, das man Sicherheit gewinnt. Schauen wir mal, wie sich das dann im weiteren Verlauf der Saison darstellt.

Ein versuchtes Fazit

Ich hoffe, die werten Leser haben die Weihnachtsfeiertage gut überstanden und freuen sich schon auf das neue Jahr. Hier der Versuch eines Rückblicks auf die Hinrunde.

Engelchen links

29 Punkte, Platz 5 und der sehr inoffizielle Titel des Heimherbstmeisters steht nach der Hinrunde für die Grün-Weißen zu Buche. Gemessen an den Erwartungen und Befürchtungen nach der letzten, äußerst katastrophalen, Saison ein gewaltiger Schritt nach vorne. Ich gebe zu, dass ich damit nicht unbedingt gerechnet hatte. Naldo feierte ein viel umjubeltes Comeback und war sofort wieder ein Fels in der Brandung. Pizarro ist in überragender Form und mit 12 Toren und 7 Assists ein nicht unerheblicher Grund für den Bremer Höhenflug. Darüber hinaus wurde gestern verkündet, dass die Verträge mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf verlängert wurden. Es könnte also richtig gute Stimmung und Optimismus unterm Bremer Weihnachtsbaum herrschen, doch dies ist nur die eine Seite der Hinrundenmedaille.

Teufelchen rechts

Dem gegenüber steht ein negatives Torverhältnis (30:31 Tore), kein einiziger Sieg, nicht einmal ein einziger Punkt gegen die Mannschaften von Platz eins bis sieben. Dazu die Tatsache, dass man sich von Gladbach, Schalke, den Bayern und Hannover insgesamt 17 Buden einschenken ließ und man sich in diesen Spielen defensiv zum Teil wie ein desolater Absteiger präsentierte, trotz Naldos Rückkehr und der Verpflichtung von Schmitz, Sokratis und Wolf. Zudem ist man in der Offensive zu sehr von den Heldentaten Pizarros abhängig. Zu Hause hatte man bis auf Dortmund vor allem Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte vor der Brust, was die tolle Heimbilanz ein wenig relativiert. Trotz der offensichtlichen Probleme in der Kaderzusammenstellung und der ständig wiederkehrenden Defensivschwächen der Mannschaft wurden die Verträge mit Schaaf und Allofs verlängert.

Ein Fazit der Hinrunde ist wahrlich kein einfaches Unterfangen, da sich ein und derselbe Sachverhalt immer in zwei Richtungen deuten lässt. Die Hinrunde weist deutliche Parallelen zu einem Januskopf auf. Das hat sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil damit zu tun, dass der Eindruck der letzten drei Auswärtsspiele (Gladbach 0:5, Bayern 1:4 sowie Schalke 0:5) vorhält und damit die positiven Eindrücke nachhaltig trübt.

Mannschaft

Was in der Hinrunde vor allem positiv auffällt, ist der Einsatzwille der Mannschaft, die sich oftmals trotz Rückstands nicht aufgibt und so immer wieder in der Lage ist, einen verpennten Start in das Spiel wieder wettzumachen. Zudem ist die Laufbereitschaft (anders als in der vergangenen Saison) viel höher. Doch man fragt sich auch immer wieder, warum die Mannschaft so oft nicht von Beginn an voll da ist und immer erst einen Rückstand als Weckruf benötigt. Gerade in den oben beschriebenen Auswärtsspielen ist von diesen positiven Eigenschaften jedoch nicht viel bis gar nichts auszumachen. Oftmals konnte man die jeweiligen Anfangsminuten einer Halbzeit noch ausgeglichen gestalten, um sich danach dann ohne großen Widerstand auf die Schlachtbank führen zu lassen. Dieser mangelnde Wille, sich mit Kampf und Einsatz gegen die Klatsche zu stemmen, lässt mich immer wieder sprachlos zurück.

Dazu kommt, dass gerade die großen Namen den Anforderungen und Erwartungen hinterher hinken. Marin hat stark begonnen, viel aber nach seiner Verletzung stark ab, Wesley werden wir (meiner Meinung nach) in der Rückrunde nicht wiedersehen. Arni zeigt immer wieder gute Ansätze und hat sich definitiv gesteigert, doch manchmal steht er sich noch selbst im Weg, bspw. im Torabschluss oder bei seiner roten Karte in Hannover. Ekici war immer wieder verletzt und konnte sich noch nicht in dem Maße einbringen, wie es von ihm erwartet wurde.

Trainer

Thomas Schaaf ist mittlerweile seit zwölfeinhalb Jahren Trainer in Bremen und damit in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Bundesliga. Doch auch Schaaf muss sich Fragen gefallen lassen nach der Hinrunde. Trotz einiger positiver Trends im Spielaufbau sowie einer einigermaßen soliden Abwehr zu Beginn der Saison, bleiben nach den Spielen gegen die Top-Mannschaften einige Fragezeichen stehen. Gerade bei den Auswärtspartien habe ich die taktische Flexibilität vermisst, die Bereitschaft, sich auf das Spiel des Gegners einzustellen. Bei den Bayern klappte das bis zur Implosion nach dem 1:2 einigermaßen, doch in Gladbach und Gelsenkirchen war die Aufstellung der Mannschaft doch mindestens naiv.

Hier gilt es, weiter dran zu arbeiten. Und ich traue Schaaf durchaus zu, das hinzubekommen und der Mannschaft die nötigen Impulse zu geben. Doch sein unbedingtes Festhalten an der Raute hat manchmal etwas irrational Störrisches. Nicht alle Positionen sind in der Raute optimal besetzt. Hier ergibt sich dann die Henne-Ei-Frage: Sollte Schaaf das System am vorhandenen Spielermaterial ausrichten oder auf der Raute beharren, wofür noch einige Veränderungen im Kader nötig wären? Im Moment scheint es auf letzteres hinauszulaufen, wobei wir uns dann in einem Umbruch befinden, wo noch die nötigen Puzzleteile hinzugefügt werden müssen.

Management

In den letzten Jahren scheint die Allofsche Spürnase ein wenig verstopft zu sein. Von den großen Verpflichtungen der letzten Jahre (Carlos Alberto, Marin, Arnautovic, Wesley, Ekici und Pizarro) konnte nur Pizarro restlos überzeugen. Die anderen kamen mit großen Erwartungen und konnten diese – aus welchen Gründen auch immer – nicht einlösen. In diesem Sommer dann ging es wieder ein bißchen back to the roots, als das Transferbudget ein bißchen kleiner ausfiel und man mit Wolf, Sokratis, Ignjovski und Schmitz gute Leute für einen schmalen Taler holen konnte (und Ekici ist ja auch gerade einmal ein halbes Jahr hier, daher würde ich ihn noch nicht als Flop kategorisieren wollen).

Dabei hat Bremen unter Allofs eigentlich darauf gebaut, anderswo verkannte oder gescheiterte Spieler für eine geringe Ablöse zu verpflichten, diese dann zu Stars zu machen und gewinnbringend abzugeben. So hatte Bremen zum einen natürlich einen finanziellen Gewinn, aber auch sportlich von diesen Spielern extrem profitiert. Nun ist dieses Modell in den letzten Jahren ein bisschen ins Stocken gekommen. Hier muss Allofs wieder zu seinen alten Tugenden zurückkehren: gute Spieler, die dem Team weiterhelfen für relativ wenig Geld nach Bremen lotsen.

Hoffen wir, dass die positiven Punkte ausgebaut werden und das Team es schafft, die negativen in den Griff zu bekommen.

Lebenslang grün-weiß!

Der Geist der Weihnacht

Das nominelle Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern wurde dem Ganzen Hype im Vorweg nicht gerecht. Weder war die Leistung beider Mannschaften besonders spitze, noch das Benehmen der Spieler des SVW. Dabei hatten die Bremer ganz den Geist der Weihnacht in sich aufgenommen und den kriselnden Bayern gleich vier Geschenke gemacht. Ganz im Sinne von “Liebe Deinen Nächsten” half man den Bayern wieder auf die Straße des Erfolgs. Das erst Gegentor war ein Bremer Klassiker: Konter nach eigener Ecke. Ich glaube nicht, dass es viele Mannschaften in der Bundesliga gibt, die das so perfektioniert haben. Da half es dann auch relativ wenig, dass man in den ersten zwanzig Minuten den Bayern zwar das Feld überließ, aber dabei hinten solide genug war, keine zwingenden Chancen zuzulassen.

Strohfeuer

Das 1:1 durch Rosenberg war nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen. Dabei zeigte sich im Anschluss an den Ausgleich, dass die Bayern noch weit von ihrer Form vom Anfang der Saison entfernt sind. Sicher sieht anders aus, aber wie gesagt, die Bremer waren im Samariter-Modus und verteilten munter Gaben an die darbenden Bajuwaren. Der neue “Ego-Robben” machte den Strafstoß rein und ab dem Zeitpunkt schenkten die Bremer das Spiel ab. Die Einwechslung von Wagner für Marin war das Todesurteil für die Bremer Mannschaft, weil man im 4-3-3 den Bayern komplett das Mittelfeld zum Austoben überließ. Beim 3:1 verlieren die Bremer den Ball im Mittelfeld und zum Abschluss schubst Sokratis Ribéry im Strafraum, welches der Franzose mit der Cleverness eines Weltklassespielers zu nutzen weiß. Ist eigentlich bekannt, ob Franck wieder aus der Umlaufbahn heil zurück ist oder noch im Orbit kreist? Es war eine völlig unnötige Aktion, hier Ribéry überhaupt zum Freiflug einzuladen, denn Mielitz war da.

Disziplin

Unrühmlicher Höhepunkt des Spiels war die eingesprungene Doppelfuß-Grätsche von Aaron Hunt knappe zehn Minuten vor Abpfiff. Toni Kroos blieb als Empfänger dieser Aufmerksamkeit durch Hunt glücklicherweise unverletzt und Hunt wurde für drei Spiele gesperrt. Das ist besonders bitter, da Hunt bisher eine gute Hinrunde gespielt hatte und noch die größte Konstanz der offensiven Spieler im Mittelfeld mitbrachte. Was ihn da geritten haben mag, wird er wohl selber nicht wissen und es ist ihm zumindest anzurechnen, dass er einfach gleich das Spielfeld verließ, ohne noch diskutieren zu wollen. Natürlich darf hier auch Pizarros Ellenbogenschlag gegen Badstuber nicht fehlen. Ebenfalls völlig unnötig und derzeit ist noch nicht klar, ob Schiri Meyer es gesehen und nur als Foul gewertet hat oder ob er die Szene gar nicht gesehen und gewertet hat, was dem DFB die Möglichkeit gibt, nachträglich eine Sperre zu verhängen. Sollte auch Pizarro gesperrt werden, wäre es die vierte Rotsperre der Hinrunde (Arnautovic, Wiese und natürlich Hunt). Das dürfte doch auch ein neuer Negativrekord sein, oder?

Not quite there

Das Ergebnis ist meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen. Nach dem 1:2 sind die Grün-Weißen einfach implodiert, davor war es aber keineswegs eine Demonstration der Stärke der Bayern. Aus Bremer Sicht scheint die Erkenntnis zu bleiben, dass man keine Spitzenmannschaft stellt. Das hätte man trotz der guten Tabellenposition auch vorher schon wissen können. Und angesichts der letzten Saison hat doch hoffentlich keiner ernsthaft erwartet, dass man ein Jahr später einfach so um den Titel mitkickt. Die Ansätze sind da und es läuft auch schon vieles besser als letztes Jahr, doch es ist in vielen Bereichen auch noch Luft nach oben. Auch wenn das Gejaule bei Teilen der Fans in den letzten Wochen wieder lauter geworden ist, bin ich bisher schon relativ zufrieden. In der Rückrunde gilt es, an den Schwachpunkten weiter zu arbeiten. Vor allem sollten im Wintertrainingslager so essentielle Themen wie “Benehmen auf dem Platz” auf dem Stundenplan stehen.

In der Puppenkiste

Ich will nach dem gestrigen 1:1 erst mal mit dem – aus meiner Sicht – Positiven anfangen. Das mache ich an zwei Personen fest. Zum einen ist da Aleksandar Ignjovski, der gestern den zuletzt etwas formschwachen Bargfrede von Anfang an vertrat und seine Sache sehr gut machte. Es war jetzt keine Offenbarung, aber ein mehr als solides Spiel, in dem Ignjovski andeuten konnte, dass er durchaus eine Option für die 6er-Position ist. Auch im Spielaufbau gefiel mir der Junge sehr. Die zweite Person kann niemand anderes als Naldo sein. Was der da gestern – in seinem zweiten Spiel von Beginn an – abräumte, war schon phänomenal. Von gefühlt 100 gewonnen Kopfballduellen über die Grätsche im letzten Moment bis hin zum akrobatischen Klärungsversuch war alles dabei. Und bis auf ein paar wenige Wackler alles sehr souverän. Auch nach vorne bringt Naldo mehr frischen Wind aus der Innenverteidigung heraus. Wie ist eigentlich der Stand der Klontechnik…?

Doch leider gab es auch viele Dinge, die gestern nicht so recht klappten und dafür sorgen, dass das 1:1 gegen weitgehend harmlose und schwache Augsburger sich eher wie zwei verlorene Punkte anfühlt. Der entscheidende Punkt ist die mangelnde Chancenverwertung: Pizarro hätte noch eins machen müssen, Rosenberg hatte auch noch zwei Dinger auf dem Kopf bzw. Fuß und der gute Sandro drischt das Ding lieber in den Augsburger Himmel statt Hunt zu bedienen. Einen davon hätte man versenken müssen, dann hätte man in einem weniger brillianten Spiel immerhin einen Sieg eingefahren. Vor allem nach dem 1:1 durch Pizarro waren die Augsburger deutlich angezählt und sehnten nur noch den Abpfiff herbei.

Im Mittelfeld zeigte vor allem Marin eine erschreckend schwache Leistung. Ich kann mich an nicht eine einzige gute Aktion von ihm erinnern, man hätte auch glauben können, er steht gar nicht auf dem Feld, so unsichtbar war der kleine Marko zuweilen. Gestern legte er sich ein paar Mal den Ball am Gegner vorbei und brach das anschließende Laufduell dann beim ersten kleinen Körperkontakt wild gestikulierend ab. Dumm nur, dass Schiri Kircher nix pfiff und das in meinen Augen völlig zu Recht. Gerade mit solchen Aktionen versaut man sich den Ruf und die Bereitschaft des Schiris, bei wirklichen Fouls zu pfeifen,  sinkt in zunehmendem Maße. Natürlich fällt einem das umso mehr auf, wenn die Leistung dann auch noch so schlecht ist. Vielleicht braucht der Marko mal eine kleine Denkpause auf der Bank, denn Ekici war gestern nach seiner Einwechslung deutlich effektiver und schaufelte zudem die Ecken nicht einfach nur in die Arme von Augsburgs Keeper Jentzsch.

Hätte man eine der dicken Gelegenheiten noch genutzt, müssten wir auch nicht über Wolfs Fauxpas vor dem Augsburger Treffer sprechen, als er über den Ball säbelt und dem Drama den Weg bereitet. Ja, das Anspiel von Naldo war nicht optimal, aber irgendwas etwas Besseres hätte Wolf schon draus machen können. Ich bin sowieso nicht der größte Fan unseres Blondschopfs in der IV, da er zu oft zu solchen kapitalen Böcken neigt. Seine kompromisslose Art ist an sich mal was anderes und nicht völlig verkehrt, aber auch gestern verursachte er mindestens zwei unnötige Freistöße in Strafraumnähe. Ich plädiere generell dafür, Naldo und Sokratis in die IV zu stecken. Ich glaube, dass die beiden sich hervorragend ergänzen und Sokratis vor allem taktisch intelligenter ist als Prödl und Wolf. Und ich habe auch das Gefühl, dass Sokratis auf RV nach vorne seinen anfänglichen Schwung verloren hat. Und ein Ignjovski oder Wesley kann man auch mal auf rechts stellen. Es wäre einen Versuch wert in meinen Augen.

P.S.: Szene des Spiels war vor dem Anpfiff bei der Seitenwahl als Augsburgs Kapitän Möhrle dem Clemens eine Jim Knopf-Puppe in die Hand drückte. Wenn schon Puppenkiste, dann richtig.

 

Sündenbock

Vor knapp 25 Minuten ging das Spiel zwischen Hannover 96 und dem SV Werder zu Ende. Bremen verliert das Spiel mit 2:3 und klar ist für die meisten: Bargfrede ist schuld. Den Elfer zum 0:1 verschuldet, vor dem 0:2 den Ball mit einem Fehlpass verloren und beim 1:3 dann noch das Abseits aufgehoben. Es ist immer gut, wenn man es sich so einfach machen kann, denn dadurch wird die Komplexität reduziert und am Ende kann man immer sagen: Bargfrede war schuld. Man kann sich auch fragen, warum Wolf vor dem 0:2 an der Mittellinie rumturnt. Ignjovski war auf der linken Seite nach vorne gegangen, da hätte Wolf eigentlich tiefer stehen müssen, um die Seite mit abzudecken. Dadurch erst bekommt Schlaudraff diesen ganzen Raum bevor er Abdellaoue bedient. Und vor dem 1:3 geht Ignjovski erst super ins Tackling, verliert aber dennoch den Ball. Wenn er hier den Ball klärt, ist es völlig egal, ob Bargfrede das Abseits aufhebt oder nicht. Aber geben wir Bargfrede ruhig die Schuld, ist auch einfacher so.

Vor dem Spiel war klar, was Werder zu erwarten hat: eine Mannschaft, die hinten gut steht und vor allem beim Umschalten von Abwehr auf Angriff seine Stärken hat. Mit dem Elfmeter nach nicht einmal zwei Minuten und dem 0:1 spielte man Hannover natürlich perfekt in die Karten. Diese konnten es ruhig angehen lassen und man hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass Werder mit seinen Angriffen die 96-Hintermannschaft in Bedrängnis bringen konnte. Auffällig war, dass die Angriffe fast ausschließlich durch die Mitte oder links kamen, die rechte Seite war kein Faktor in Halbzeit eins. Wie oben beschrieben, führte ein Ballverlust auf Höhe der Mittellinie zum 0:2 und hier konnte man schön sehen, wie gut Hannover diese Konter ausspielt. Arnautovic machte aus dem Nichts heraus noch den 1:2 Anschlusstreffer. In Halbzeit zwei machte Bremen gleich von Beginn an Druck und Pizarro hatte eine dicke Chance, bei der er nur den Pfosten traf. Auch Sokratis machte in der Phase eine große Gelegenheit nicht rein. In der 60. sorgte Abdellaoue für das 1:3 und außer dem 2:3 durch Pizarro gelangen den Bremern keine Treffer mehr.

Arnatuovic sah in der 78. darüber hinaus die rote Karte, weil er bei einem Klärungsversuch von Pinto den Fuß drüber hielt. Offensichtlich ist das wohl innerhalb des Regelwerks und somit korrekt. Meinem Empfinden nach war das zu hart.

Ich hoffe, dass die Mannschaft aus dem Spiel lernt und vor allem auch sich selbst nicht mit solchen Fehlern in die Bedrängnis bringt. Am Ende war die Niederlage verdient und die Grube zu groß, die man sich selbst gegraben hatte. Vor allem hoffe ich, dass man endlich mal aufhört, von dem ersten Platz zu faseln. Mir ist klar, dass sich die Spieler selbst motivieren wollen und ein engagiertes Ziel ist ja auch wichtig. Doch bin nur ich das oder haben andere auch das Gefühl, dass Bremen sich immer nach solchen Kampfansagen sehr schwer tut? Vielleicht nehme ich das auch nur so wahr. Ich finde hanseatische Zurückhaltung immer noch am Charmantesten, von daher einfach mal weniger Sprüche klopfen und dafür mehr auf dem Platz zeigen.

Jetzt hat das Team knapp zwei Wochen Zeit bevor es gegen den BVB geht. Ich hoffe, dass Naldo bis dahin vielleicht eine Option für die Startelf ist. Vielleicht zusammen mit Sokratis in der IV und dann Ignjovski auf der rechten Außenbahn. Vielleicht ein Weg zu etwas mehr defensiver Stabilität. Und natürlich Bargfrede nicht aufstellen, aber das versteht sich ja von selbst. :)

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