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Spektakel

Am Freitagabend kann Bremen mit einem 3:3 einen Punkt aus Leverkusen entführen und dabei Erinnerungen an damals™ wecken. An die Zeiten, wo Spiele mit Bremen immer für viele Tore gut waren und es nicht nur im Kasten der Grün-Weißen klingelte. Vor dem Spiel war ich äußerst skeptisch, da Leverkusen sehr gut in die Saison gestartet war und durch hohen Pressing-Druck auch oft zu schnellen Toren kamen, welche den Gegner aus dem Konzept brachten. SKY-Kommentator Lindemann gab sich vor und während des Spiels auch alle Mühe Leverkusen zum absoluten Top-Team hochzusterilisieren.

Bremen kam dabei gut aus den Startlöchern und konnte ein, zwei gezielte Nadelstiche setzen. Über die gesamte Partie ließen sich die beiden Spitzen nach außen fallen und zu Beginn ergaben sich da ein paar schöne Kombinationen mit den aufrückenden Außenverteidigern. Leverkusen roch den Braten aber schnell und konnte zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernehmen. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde sorgt ein Bremer Ballverlust tief in der eigenen Hälfte für das 0:1 und im Anschluss daran musste man Angst um Werder haben. Leverkusens Trainer Roger Schmidt nannte es einen Witz, dass man mit einem Unentschieden in die Pause ging und was Bayer in der Zeit an Chancen hatte, hätte locker für einen Kantersieg gereicht. Doch mit Glück, Wolf und der Unfähigkeit Leverkusens konnte man das 0:1 halten und kurz vor der Pause einen Konter über Fin Bartels zum 1:1 vollenden. Völlig überraschend und unverdient, aber das ist ja oft das Tolle am Fußball.

In Halbzeit zwei war das Spiel in meinen Augen ein bisschen ausgeglichener, auch wenn Leverkusen immer noch ein Übergewicht hatte. Di Santo konnt in der 60. Minute die Grün-Weißen in Führung bringen, wieder nach einem schönen Konter, doch Leverkusen konnte postwendend ausgleichen und in der 73. Minute sogar das 3:2 machen. Doch Bremen lässt sich diese Saison einfach nicht unterkriegen und stellte auch in der BayArena die eigenen Comeback-Fähigkeiten unter Beweis als Prödl in der 85. das 3:3 markierte. Jubel vor dem Fernseher, Jubel auf dem Rasen und Jubel auf den Rängen. Nach dem Abpfiff bleibt ein zufriedenes Gefühl zurück, sich gegen ein Top-Team der Liga behauptet zu haben, wieder einmal auf Rückstände geantwortet und im Anschluss an das Leverkusener 3:2 nicht aufgegeben zu haben.

Bremen ist aktuell nach drei Spielen noch ungeschlagen und konnte an der einen oder anderen Stelle schon vielversprechende Ansätze zeigen, wie bspw. die letzte halbe Stunde gegen Hoffenheim oder die Konter im Spiel am Freitag. Aber da ist auch noch viel Luft nach oben und man darf sich zukünftig nicht alleine auf die Comeback-Qualitäten verlassen. Auch wenn ich es auf den Adrenalin-Rausch nach dem Spiel schieben würde, las ich häufiger von einem tollen spielerischen Auftritt und gelungenem Kombinationsfußball gegen Bayer. Für die Tore und vor allem die Konter trifft das auf jeden Fall zu, jedoch sollte man nicht außer acht lassen, dass Bremen gerade einmal 51% der Pässe an den Mann brachte (Leverkusen übrigens auch gerade einmal 65%). Im Hinblick auf eine eher reaktive Taktik ist das sicherlich nicht schlimm, aber gelungener Kombinationsfußball sieht irgendwie anders aus. 😉

Im nächsten Spiel spielt Werder auswärts gegen Augsburg, wo man letzte Saison noch ziemlich klar mit 1:3 verloren hatte. Ich hoffe, dass man dort einen weiteren Schritt nach vorne machen kann und vielleicht einmal nicht in Rückstand gerät. Es wird mal langsam Zeit für den ersten Dreier in dieser Saison!

Lebenslang Grün-Weiß!

Holpriger Start

Die erste Runde im DFB-Pokal wurde gespielt (und ausnahmsweise überstanden) und die ersten beiden Spieltage der Bundesliga sind absolviert. Insgesamt ist es ein holpriger Start in die neue Saison und das gilt nicht ausschließlich für die Leistungen auf dem Platz.

Nebengeräusche

Zwischen dem Pokalauftritt in Illertissen, den Werder nach Verlängerung für sich entscheiden konnte, und dem Bundesliga-Auftakt in Berlin kam es noch zum Showdown zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Dabei ist es an sich sicherlich kein besonderer Vorgang, wenn sich AR und GF hinsetzen, um über den zukünftigen Weg des Vereins zu beraten. Was aber diesmal besonders auffiel: im Vorfeld wurden sowohl Zeitpunkt als auch erste Details des Termins bekannt. So konnte man in der SKZ lesen, dass einige Transfers von Eichin (Makiadi, Petersen und Obraniak) kritisch hinterfragt wurden und darüber hinaus zu wenig Wert auf Nachwuchsförderung gelegt werde. Der AR wollte daher den Konsolidierungskurs fortführen. Eichin und die GF wollten dem Vernehmen nach um weitere Mittel für Transfers bitten (zu dem Zeitpunkt war ein mögl. Ruiz-Deal angedacht).

Diese unterschiedlichen Standpunkte an sich sind in meinen Augen gar nicht das Problem, denn in meinen Augen sind beide Sichtweisen nachvollziehbar. Eichin möchte mehr investieren, um den Kader zu verstärken und eine erfolgreichere Saison zu spielen. Der AR hingegen nimmt seine Kontroll-Funktion wahr,  verweist auf die Verluste der letzten Geschäftsjahre und kann sich letztlich mit dem Beharren auf  dem Konsolidierungskurs durchsetzen. Für den einen oder anderen Fan ist damit der AR, vor allem in Person von Lemke, der Sündenbock. Es formieren sich Anti-Lemke-Gruppen auf Facebook und anderswo im Netz, wo man seinem Hass freien Lauf lassen kann. Eichin war sichtlich angefressen, was weniger an den Inhalten gelegen haben dürfte als vielmehr der Tatsache, dass hier über die Öffentlichkeit Politik betrieben wurde. Warum lässt man bspw. Eichin gefühlt wochenlang an Ruiz baggern, nur um ihn dann öffentlich auszubremsen? Warum wurde ausgerechnet zur AR-Sitzung das Gerücht veröffentlicht, dass Werder Bremen das laufende Geschäftsjahr angeblich mit einem Verlust von 8 Mio. Euro beendet? Ein Schelm, wer Böses dabei vermutet. Dabei gibt es für die Beibehaltung des Sparkurses gewichtige Gründe, wie die Verluste der letzten Jahre zeigen oder auch die Tatsache, dass man mit dem Weserstadion und der Beteiligung daran Verlust macht oder auch die Frage, wer für die Mehrbelastungen durch neue Hochwasserschutz-Maßnahmen aufkommt. Es ist nicht einfach nur schwarz oder weiß in der Frage nach höheren Investitionen.

Für den Moment gibt sich Eichin entspannt und spricht davon, dass man mit der Transferphase zufrieden sei und er Spaß an seinem Job hat. Ich hoffe, dass die Posse um den AR-Termin tatsächlich keine langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen AR und GF hat und sowas in Bremen nicht zur Gewohnheit wird.

Der Ball rollt

Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich von den drei bisherigen Spielen nur Zusammenfassungen gesehen habe. So schön es ist, im DFB-Pokal als Underdog in Runde zwei eingezogen zu sein, so bedenklich fand ich das Zustandekommen. Schieben wir es mal auf die Nervosität und Versagensängste. Zum Glück haben wir in Runde zwei mit dem Chemnitzer FC ein Los, bei dem ein Weiterkommen nicht völlig ausgeschlossen ist.

Bei den beiden bisherigen Bundesliga-Partien kam Werder zweimal nur schwer ins Spiel und war jeweils ca. 55 – 60 Minuten die unterlegene Mannschaft. Gegen Berlin kann man das Spiel noch glücklich ausgleichen und gegen Hoffenheim bleibt nach furiosen 30 Minuten zum Ende des Spiels ein wenig Enttäuschung zurück. Hier spielte man die Hoffenheimer regelrecht an die Wand und konnte sich zu mehreren richtig guten Gelegenheiten kombinieren. Zurecht steht die Frage im Raum, was erst passiert, wenn Werder sich so eine Leistung nicht nur für das letzte Drittel des Spiels aufhebt. Diese Schlußphase gegen Hoffenheim macht für die Saison richtig Mut, auch wenn man es nicht überbewerten sollte. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch richtig ansehnlichen Fußball spielen kann und eben nicht alleine über den so genannten Lucky Punch zu ihren Toren kommt. Sie knüpfte an die Leistungen zum Ende der letzten Saison an, als die Mannschaft zunehmend besser in Fahrt kam und auch fußballerisch nicht nur Magerkost auftischte.

Nun befinden wir uns mitten in der Länderspielpause und der nächste Gegner am 12.09. ist Bayer Leverkusen. Hier wäre es dann dringend angeraten, gegen die Schnellstarter nicht erst in der zweiten Halbzeit mit dem Kicken anzufangen. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

In den Startlöchern

Am kommenden Sonntag geht die neue Saison los und für den SV Werder steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal an. Bevor Bremen versucht, die sagenumwobene zweite Pokalrunde zu erreichen, hier eine kleine Vorschau auf die neue Saison.

Der Kader

Es gab im Sommer einige Abgänge: Füllkrug, Wurtz, Röcker, Schmitz, die Steffis, Miele, Iggy, Hunt und ganz aktuell: Akpala. Sportlich ist in meinen Augen nur der Abgang von Hunt einer, der leichte Bauchschmerzen verursacht, ansonsten sind es Abgänge, die allenfalls menschlich ein bisschen schade sind (Miele, Iggy), aber die auf den Verlauf der nächsten Saison keinen Einfluss nehmen werden. Mit Akpala verschwindet eines der letzten Mahnmale vom Propheten des bestellten Feldes. Bei Lücke und Wurtz hat man wohl nicht damit gerechnet, dass sie in naher Zukunft der Mannschaft weiterhelfen können. Insgesamt hinterlassen die Abgänge nicht unbedingt riesige Baustellen im Kader.

Natürlich haben auch einige neue Spieler den Weg nach Bremen gefunden: Raif Husic, der erst einmal in der U23 zum Einsatz kommt, Izet Hajrovic, Alejandro Gàlvez sowie Fin Bartels. Izet Hajrovic kam ablösefrei von Galatasaray Istanbul, die eher sporadisch bis gar nicht die Gehälter überwiesen. Bei der WM konnte er schon in Ansätzen zeigen, was von Ihm zu erwarten ist: Schnelligkeit, Technik und einen guten Torabschluss. Schöner Überraschungsdeal von Eichin. Gàlvez kam ablösfrei aus Spanien und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der 6 spielen, wo er in der Vorbereitung überwiegend zum Einsatz kam. Abschließend noch Fin Bartels, der vom FC St. Pauli an die Weser gewechselt ist. Auf den ersten Blick ein Mann für die Breite, der in der Vorbereitung häufiger zum Einsatz kam und vielleicht auch gegen den FV Illertissen ran darf.

Insgesamt sehe ich den Kader ganz gut aufgestellt. Klar, im Sturm ist es noch ein bisschen dünne, aber vielleicht tut sich da noch etwas, bevor das Transferfenster Ende des Monats wieder schließt. Im Mittelfeld sind wir mit einer Fülle an Optionen ausgestattet und ich rechne damit, dass wir hier häufiger mal personelle Wechsel sehen, in Abhängigkeit vom Gegner und der jeweiligen Form. Eine detaillierte Betrachtung aller Spieler lieferte kürzlich Tobias von MeineSaison.

Vorbereitung

Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Es war eine durchwachsene Vorbereitung mit klaren Siegen gegen unterklassige Teams, zähen Partien wie bspw. gegen Bilbao, dem Höhepunkt gegen Chelsea und zwei Niederlagen im Endspurt. So wie nach dem 3:0 gegen Chelsea bei mir keine Euphorie ausbrach, sehe ich auch die beiden Niederlagen gegen Hannover und Leicester relativ entspannt. Wichtig ist das Pokalspiel am Sonntag sowie der Auftakt der Bundesliga und wenn wir da erfolgreich sind, interessieren die Niederlagen niemanden mehr (ebenso wie man sich bei einem Fehlstart nix für das 3:0 hätte kaufen können).

Wichtiger ist ja eh die Etablierung von Abläufen und das Festigen der Sicherheit, welche die Mannschaft zum Ende der letzten Saison zeigte. Und man hat ja auch ein wenig mit dem WM-Trend 3-5-2 rumexperimentiert und vielleicht sehen wir das ja in der kommenden Saison auch mal live auf dem Platz.

Was ist zu erwarten?

Robin Dutt und Thomas Eichin machen einen entspannten Eindruck. Während Eichin am Kader der kommenden Saison schraubt, arbeitet Dutt an der Weiterentwicklung der Mannschaft. Dabei sprechen beide nach außen mit einer Stimme und formulieren gleichlautende Ziele: die Mannschaft den nächsten Schritt machen lassen und irgendwo zwischen Platz acht und zwölf landen. Die Grundlage dafür wurde in der letzten Saison gelegt, auch wenn die Früchte erst später in der Saison geerntet werden konnten. Doch diese Saison kann man auf den gemachten Erfahrungen aufbauen und muss nur wenige neue Puzzleteile integrieren. Es sollte gelingen, spielerisch einen weiteren Schritt nach vorne zu machen und von einem vornehmlich reaktiven Stil hin zu mehr eigener Aktivität zu kommen. Aber man sollte keine Wunderdinge erwarten und ich finde es richtig, dass die sportliche Führung den einstelligen Tabellenplatz nicht zum allein glückselig machenden Saisonziel auserkoren hat.

Dabei ist der Schritt auf Platz neun im Zweifel gar nicht so groß, denn wenn man sich die letzten fünf Saisons anschaut, hatten die Teams auf Platz neun zwischen 42 und 47 Punkten. Bremen hatte in der abgelaufenen Saison 39, ein so großer Sprung ist dies also gar nicht. Sollte man sich spielerisch weiterentwickeln, vielleicht ein paar richtig gute Spiele abliefern und am Ende „nur“ Zehnter werden, sollte das jedoch kein Anlass zu Beschwerden sein.

Ich gehe positiv in die kommende Saison und erwarte den nächsten Schritt von der Mannschaft. Man hat die Mannschaft punktuell verstärkt und kann auf der Grundlagenarbeit der letzten Saison aufbauen. In meinen Augen ist damit zu rechnen, dass wir dieses Jahr eine Hand voll Spiele dabei haben werden, wo der SVW auch spielerisch überzeugen kann und man rundum zufrieden aus dem Stadion kommt. Einen weiteren Vorbericht findet man bei Andreas im Werder Exil.

Lebenlang Grün-Weiß!

Rollercoaster

In der Aufarbeitung des Spiels von gestern stelle ich das Positive mal vorne an: Zunächst einmal hat das Spiel für den Abstiegskampf keine Auswirkungen und der Abstand auf die Relegationsplätze beträgt weiterhin sechs Punkte. Dann sollte man Mainz dankbar sein, uns nur drei Dinger eingeschenkt zu haben, es hätte auch 0:6 ausgehen können und wir hätten uns darüber nicht beschweren können. Nils Petersen – zuletzt auch von mir Rumpelfuß tituliert – kann auch technisch anspruchsvoll. Keiner der Spieler hat sich verletzt. Und abschließend sei noch der von allen Seiten gelobte Support durch die Auswärtsfans erwähnt. Wenn die Spieler sich im Spiel nur halb so sehr ins Zeug gelegt hätten, wie die Auswärtsfahrer, wäre es vielleicht ein spannendes Spiel geworden.

Diese Saison ist wahrlich eine Achterbahnfahrt für die Grün-Weißen. Gegen Hannover konnt man einen wichtigen Sieg einfahren und hat dabei richtig guten Fußball gezeigt. Gegen Schalke dominiert man den Tabellen-Dritten über weite Strecken des Spiels und ärgert sich am Ende sogar darüber, „nur“ einen Punkt geholt zu haben. Im letzten Grün-Weiß Stammtisch hatten Andreas und ich versucht, die neue spielerische Leichtigkeit einzuordnen. Woher kommt auf einmal die Fähigkeit, auch spielerisch zu überzeugen und gegen ein Top-Team der Liga den bisher Auftritt der Saison hinzulegen? Ist es der geringere Druck im Abstiegskampf oder hat es im Team einfach „Klick“ gemacht? Bis gestern nachmittag war ich gespannt, ob und wie die Mannschaft sich in Mainz präsentieren würde.

Von Anfang an war nichts von dem zu sehen, was die Fans nach den vorherigen beiden Spielen so begeistert hatte, wie auch die Kollegen bei Hambourg est vert-blanc feststellen. Es fehlte jegliche Aggressivität in den Zweikämpfen, man ließ dem Gegner zu viel Raum und das Spiel nach vorne war nicht existent. Natürlich war es nicht unbedingt hilfreich, dass Petersen schon in der fünften Minute den Ball im eigenen Tor unterbringt oder man beim zweiten Tor Pech hat, dass ein Querschläger im Strafraum einem Mainzer vor die Füße fällt. Aber trotzdem darf man sich so nicht präsentieren. Mit dem 0:3 zur Halbzeit war man noch gut bedient, wenn man bedenkt, wie einfach Mainz teilweise durch die Bremer Reihen spazierte. Kein Spieler machte positiv auf sich aufmerksam, allenfalls Raphael Wolf erreichte am gestrigen nachmittag Normalform, war aber bei den Gegentoren machtlos. Mainz auf der anderen Seite war perfekt eingestellt: sie suchten und fanden die Lücken im Bremer Team, waren in den Zweikämpfen aggressiver und machten insgesamt einen deutlich wacheren Eindruck als Werder.

Es lagen nur 168 Stunden zwischen Himmel und Hölle, zwischen dem tollen Spiel gegen Schalke und der Leistungsverweigerung gegen Mainz. Das die Mannschaft nicht nach Mainz fahren und mit den 05ern kurzen Prozess machen würde, war mir im Vorwege des Spiels klar. Dennoch bin ich angesichts dieser zwei Gesichter einigermaßen sprachlos. Waren die Spiele gegen Hannover und Schalke doch nur ein Ausreißer nach oben oder das Spiel gestern ein Ausreißer nach unten? Ich bin da einigermaßen ratlos. Was ich jedoch nicht teile, ist die Vermutung, dass die Mannschaft sich nach den beiden vorherigen Spielen zu sicher war und dachte, sie könnte es irgendwie locker angehen. Dazu gab es eigentlich keine Veranlassung, denn zum einen war/ist das Thema Abstiegskampf immer noch akut (auch wenn der Abstieg relativ unwahrscheinlich ist) und zum anderen kann ich mir auch kaum vorstellen, dass man sich nach zwei guten Spielen schon zurücklehnt.

Glücklicherweise haben die anderen Mannschaften im Abstiegskampf für die Grün-Weißen gespielt und so bleibt der Abstand auf den Relegationsplatz weiterhin bei sechs Punkten. Weiterhin bleibt ein Restrisiko im Hinblick auf den Abstiegskampf, aber mit jedem Spieltag, an dem der Abstand nicht geringer wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Ende noch runter gehen. Schade, dass man gegen Mainz Lichtjahre davon entfernt war, das Thema endgültig ad acta zu legen.

„Wir müssen eine Reaktion zeigen, allein schon wegen der ersten Halbzeit. Das sind wir uns und den Fans schuldig. Für die Leistung reicht es nicht, wenn wir uns nur entschuldigen, da müssen wir eine Reaktion zeigen.“ – Zlatko Junuzovic nach dem Mainz-Spiel

Am kommenden Samstag gastiert die TSG Hoffenheim im Bremer Weserstadion, ein Spiel, welches auf einen oder mehr Punkte hoffen lässt. Dazu muss die Mannschaft aber die oben angekündigte Reaktion zeigen und sich in allen Belangen verbessern.

Lebenslang Grün-Weiß!

Abstandhalter

1:1 gegen den VfB Stuttgart, ein Ergebnis, mit dem man nach einigem Abstand zufrieden sein kann, wenn nicht sogar zufrieden sein muss. Man hat den Abstand auf Stuttgart halten können und wenn man das Spiel noch einmal Revue passieren lässt, so hätte es auch ganz anders ausgehen können.

Bremen trat mit der gleichen Mannschaft wie gegen Nürnberg an und Dutt setzte auf die Raute, die sich in den letzten Spielen bewährt hatte. Nach dem Rauswurf von Thomas Schneider übernahm in Huub Stevens ein guter alter Bekannter das Ruder in Stuttgart. Beide Mannschaften begannen relativ abwartend und waren vor allem darauf bedacht, aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren. Stuttgart zog sich bei Bremer Ballbesitz häufig weit zurück, stellte sich kompakt auf und machte die Räume eng, was dazu führte, dass sich Prödl und Lukimya mehrfach den Ball hin- und herschoben. Hatten die Stuttgarter den Ball, wirkte das Spiel der Gäste deutlich zielstrebiger und schlicht besser. Vor allem die rechte Angriffsseite machte sehr viel Druck und stellte Ignjovski vor ziemliche Probleme, vor allem, da er von Junuzovic oft nicht rechtzeitig unterstützt wurde.

In Phasen hatte man das Gefühl, beide Mannschaften würden hier mit ähnlicher Prämisse umeinander herumtänzeln: hinten dicht und vorne auf den Lucky Punch warten. Und es war nicht besonders erquicklich, sich das anzuschauen. Vor allen nicht auf der Nord-Tribüne mit all den ganzen Meckeropas und Aushilfs-Cholerikern um einen herum, die schon in der ersten Minute rumpöbeln. Nach dem 0:1 durch Niedermeier, welches aus einem Standard resultierte, drohte das Spiel zugunsten der Gäste zu kippen. Man konnte die Fragezeichen in den Gesichtern der Werder-Spieler förmlich greifen. Zudem leistete man sich defensiv einige Aussetzer, die von den Gästen zum Glück nicht ausgenutzt werden konnten. So bedurfte es eines abgefälschten Freistoßes von Aaron Hunt, um den Ausgleich zu erzielen und in der darauf anschließenden Druckphase der Bremer sogar die Hoffnung auf den Siegtreffer zu nähren.

Über die spielerische Qualität bzw. das Fehlen eben dieser wurde hier und auch an anderer Stelle schon häufiger eingegangen. Gegen Frankfurt war es die einstündige Übezahl und gegen den HSV und Nürnberg die Siege, welche ein bisschen darüber hinwegtrösten konnten. Natürlich gilt es nur, die Klasse zu halten und in Anbetracht dessen ist die Tatsache, dass wir in den letzten fünf Spielen nicht verloren und neun Punkte gesammelt haben, gibt nun wahrlich keinen Grund zur Klage. Aber es ist immer wieder ernüchternd, dass auch Mannschaften, die aktuell in der Tabelle deutlich hinter uns stehen, deutlich spielstärker sind als wir. Diese Saison wird sich daran nichts mehr ändern, allein schon, weil die Rückrunde gezeigt hat, dass mehr Offensive dann zu null Defensive führt. Aber ich hoffe, dass in der nächsten Spielzeit daran gearbeitet wird, dass wir nicht uns nicht mehr um den Titel „spielerisch schlechteste Mannschaft der Liga“ kloppen dürfen.

Die Jungs vom Grünweiß-Stammtisch haben in der letzten Folge auch über den immer wahrscheinlicher werdenden Abschied von Aaron Hunt gesprochen. Anfang der Woche wurde Hunt mit Gladbach, Leverkusen, Besiktas Istanbul sowie Tottenham in Verbindung gebracht. Ich persönlich würde einen Abgang von Hunt sehr bedauern. Zum einen weil er in den letzten Jahren seinen Wert für die Mannschaft mehrfach unter Beweis gestellt hat. Gerade zuletzt war er an drei von vier Toren in den wichtigen Spielen gegen direkte Konkurrenten beteiligt. Zum anderen stammt er aus der eigenen Jugend, ist für mich (auch wenn einige das ganz anders sehen) eine wichtige Identifikationsfigur dieser Mannschaft. Ich kann seine Motivation nachvollziehen. Es ist unwahrscheinlich (außer bei einem mittelschweren Wunder), dass Bremen in naher Zukunft wieder europäisch spielen wird. Da können andere Vereine ihm deutlich mehr anbieten (vom Geld ganz zu schweigen). Und für Bremen ergibt sich durch das frei werdende Gehaltsbudget sowie eine andere spielerische Ausrichtung auch eine Chance zur Neu-Ausrichtung. Dennoch gebe ich die Hoffnung vorerst nicht auf, aber seine Aussage Anfang der Woche, die sinngemäß lautete: „Wenn Werder sofort eine Entscheidung haben möchte, können sie sie bekommen“, deutet schwer darauf hin, dass eigentlich alles klar ist. Wahrscheinlich hat man sich dazu entschieden, mit der Verkündung zu warten, bis die sportliche Situation sich deutlich entspannt hat.

Nächste Woche steht dann das vorerst letzte Spiel der „Wochen der Wahrheit“ auf dem Programm. Werder wird beim SC Freiburg zu Gast sein. Ich denke, Freiburg wird die deutlich aktivere Mannschaft sein und sich weniger passiv verhalten, als dies Stuttgart zum Teil getan hat. Dies sollte uns deutlich besser liegen und mit der guten alten „Lucky Punch“-Taktik können wir dort ja vielleicht was mitnehmen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Absetzbewegung

Nach dem 2:0 in Nürnberg weist die inoffizielle „Wochen der Wahrheit“-Statistik nach drei von fünf Spielen schon 3:0 Tore und sieben Punkte auf. Für mich persönlich wäre ich mit sieben bis neun Punkten nach diesem Pulk an Spielen gegen direkte Konkurrenten mehr als zufrieden gewesen. Mittlerweile haben wir wieder angenehme acht Punkte Abstand auf den Relegationsplatz und Werder ist wieder in deutlich ruhigeren Gewässern unterwegs.

Das Spiel

Wieder war es eine stabile Defensive, die den Grundstein für den Sieg legte, wie auch Tobias in seinem Blogbeitrag sehr ausführlich darlegt. So entstanden aus der deutlichen Feldüberlegenheit der Nürnberger (Ballbesitz 66% für Nürnberg; Passquote 76% Nürnberg, 63% Bremen) insgesamt nur vier Schüsse aufs Tor. Während ich das Spiel schaute, habe ich den 1. FCN deutlich gefährlicher wahrgenommen und war beim Blick auf die Statistik einigermaßen überrascht. Aber wir sind jetzt wieder in der Lage, dem Gegner das Spiel zu überlassen, ihn dorthin abzudrängen, wo wir ihn am liebsten haben wollen und die dann entstehenden Angriffe unbeschadet zu überstehen. So spielte Nürnberg viel über außen und agierte mit hohen Bällen, die ein gefundenes Fressen für uns waren. Und als Nürnberg in Halbzeit zwei deutlich stärker durch die Mitte kam, stellte Dutt von Raute auf zwei Sechser in einem 4-2-3-1 um und gab der Mannschaft damit – wie schon gegen den HSV – die nötige Stabilität.Wenn sich bei mir dann noch wieder mehr Vertrauen in unsere Abwehr einstellt, kann ich so ein Spiel auch deutlich entspannter genießen. 😉

Das eigene Angriffsspiel war relativ überschaubar und beide Tore fielen nach Ballgewinnen im Mittelfeld und mit ein bisschen Glück: Di Santo fällt der Abpraller von Hunts Distanzschuss vor die Füße und Pinola fälscht Bargfredes Schuss entscheidend ab. Aber manchmal muss man sein Glück auch entsprechend erzwingen. Was mir an Di Santo besonders gefällt ist die Tatsache, dass er auch in der Lage ist, sich selbst Chancen zu kreieren. Bei seinem Lattenschuss kann er die Verteidiger abschütteln und abziehen. Eine Eigenschaft, die Petersen (bei all seinen Qualitäten im Angriffspressing und seinem Einsatz) leider etwas abgeht und die aktuell sehr wichtig ist.

Vor einigen Spieltagen war die Stimmung bei mir ziemlich am Boden. Das hat sich durch die Serie doch deutlich entspannt. Ich bin weit davon entfernt, völlig euphorisch zu sein, aber mit drei bis vier Punkten in den nächsten beiden Spielen gegen Stuttgart und Freiburg könnte fast schon eine Vorentscheidung zugunsten des Klassenerhalts fallen. Dafür ist es natürlich notwendig, die kommenden Partien genauso anzugehen wie die letzten drei Spiele: mit Kampf, Defensive, Leidenschaft und dem einen oder anderen Lucky Punch.

Fair-Play?

Aaron Hunt sorgte nicht nur mit seinem sehenswerten Schuss vor dem 1:0 für Gesprächsstoff, sondern auch dadurch, dass er in der 75. Minute einen Elfmeterpfiff von Manuel Gräfe korrigierte, der ein Foul an Hunt im Nürnberger Strafraum gesehen hatte. So bemerkenswert die Geste ist, so sehr geht auch mir als Bremer der Hype darum ein bisschen zu weit, vor allem wenn dann gleich ein Fair-Play-Preis im Raum steht. Hunt selbst stellte die Situation so dar:

„Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass es eher eingefädelt war von mir. Ich wollte die Berührung haben, habe dann aber gemerkt, dass Pinola zurückgezogen hat. Ich habe dann ein bisschen mit mir gekämpft, so wollte ich hier nicht gewinnen, auch wenn Abstiegskampf ist.“ (Quelle)

So schön die Geste ist, so sehr schließe ich mich da Burning an, dass es hier ja eigentlich um eine Schwalbe geht, die Hunt versucht hat und was er ja auch in seinen Aussagen bestätigt. Das gehört mittlerweile zum Repertoire eines Fußballers, aber die Tatsache, dass Hunt seinen versuchten Beschiss wieder korrigiert, muss man echt nicht für den Friedensnobelpreis vorschlagen.