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Ein Spiel dauert 70 Minuten

2:3 lautet der Endstand gegen den FSV Mainz 05. Zwischenzeitlich lagen wir sogar 0:3 gegen die Mainzer zurück und Kommentator Fuss meinte gestern nach Abpfiff, das 0:3 durch Okazaki in der 70. Minute sei die entscheidende Situation des Spiels gewesen. Kann man so sehen, aber für mich waren die ersten 20 Minuten des Spiels entscheidend. Hier hat man sich zum x-ten Male selbst ein formidables Loch gegraben, welches sich in den verbleibenden 70 Minuten als zu tief herausstellen sollte. Nun kann man es sich einfach machen, auf die beiden Böcke von Sebastian Mielitz verweisen und hat damit auf die Schnelle zusammen gefasst, was zu Beginn des Spiels nicht lief. Das soll nicht heißen, dass Mielitz keine Schuld an den Gegentoren trifft, aber eben nicht nur. Beim 0:1 ist der Ball von Polter lange zu Müller unterwegs. Weder Lukimya noch Fritz behindern den Mainzer auch nur im Ansatz, der Mielitz mit einem feinen Lupfer überwindet. Beim 0:2 kann Pospech in Ruhe den Ball aufs Tor bringen, beim Abpraller reagiert einzig Okazaki angemessen, während Fritz und Luki verdattert dem Ball nachschauen. Klar, wenn Mielitz hier das Ding einfach über die Latte lenkt, müssen wir die Diskussion um seine Person nicht führen.

Insgesamt waren die 20 Minuten nach Anpfiff des Spiels wohl mit das Schlechteste, was die Mannschaft diese Saison abgeliefert hat. Man hatte das Gefühl, dass die Spieler vom Pressing der Mainzer überrascht wurden. Kaum ein Ball fand den Weg zum Mitspieler, auch einfachstee Pässe kamen nicht an.  Nach knapp 20 Minuten kam man besser ins Spiel, konnte sich sogar einige Torchancen erspielen, wie bspw. bei Lukimyas Kopfball an den Pfosten oder Selkes Kopfball, der knapp vorbei segelte. Auch in Halbzeit zwei hatte man gute Gelegenheiten, doch zunächst machen die Mainzer das 0:3. Wie man sich in einer 4:2-Überzahl-Situation so geschickt anstellen kann, ist mir ein Rätsel. Ebenso, warum Lukimya die Situation beobachtet und allenfalls zurück trabt. Vielleicht war er überrascht, dass keiner aus dem Schiedsrichter-Team auf das Heben der Hand (wie sonst üblich) mit einem Abseits-Pfiff reagierte? Vielleicht dachte er, dass die anderen drei das schon machen werden? Wir werden es wohl nie erfahren und es wird auf ewig sein Geheimnis bleiben. Die beiden Tore von Elia und di Santo bleiben leider nur Ergebniskorrektur.

Nun geht der Blick in der Tabelle zunehmend nach unten. Nein, das kommt nicht unerwartet, aber mit einem anderen Ergebnis wären es mehr als vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Und nach dem 0:2 hat die Mannschaft ja gezeigt, dass man durchaus in der Lage gewesen wäre, Mainz zu schlagen. Aber da kommen wir wieder auf den Punkt mit den anfänglichen 20 Minuten und stellen erneut fest, dass Fußball nicht im Konjunktiv gespielt wird. Wir könnten über erstaunlich gute 18 Punkte sprechen und darüber, dass wir im Angesicht des Abstiegskampfes sehr gut unterwegs sind, stattdessen bestimmt Mielitz die Berichterstattung über das Spiel, zusammen mit der Abwärts-Spirale, in der sich Bremen befindet. Es nervt.

Deutsch-Italienische Freundschaft

Kommen wir abschließend noch zu einem Thema, welches in der letzten Woche von sich reden machte: der sich abzeichnenden Kooperation zwischen Werder Bremen und dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Prinzipiell und angesichts der finanziellen Lage, in der sich Werder befindet, ist dies sicherlich ein strategisch kluger Schritt. Man kann davon ausgehen, dass Bremen interessante Spieler aufnehmen wird, damit diese Spielpraxis bekommen. Es wird auch über Vorkaufsrechte im Jugendbereich gemunkelt und auch über eine Zusammenarbeit im Bereich Marketing und anderen Geschäftsbereichen. Prinzipiell finde ich diese Form der Zusammenarbeit begrüßenswert, teile aber vorerst noch nicht die Euphorie, die von einigen ausgeht. Dazu sind die tatsächlichen Rahmenbedingungen noch nicht geklärt (bspw. bekommen wir u.U. auch eine Kaufoption bei den Leihspielern? Sind wir nur ein reines Farmteam zum Parken der Spieler?). Eine wirkliche Bewertung der Zusammenarbeit wird erst in einiger Zeit möglich sein. Aber interessant ist es allemal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Alternative Realität

Vielleicht übertreibe ich an dieser Stelle, weil es mir so leichter fällt, eine Geschichte draus zu stricken, aber Sport ist immer auch eine Geschichte, die sich zu weiten Teilen im Konjunktiv abspielt. Das gilt sowohl für die Athleten und Trainer als auch für die Fans. Damals als ich noch selbst aktiv Handball gespielt habe, konnte ich stundenlang damit verbringen, mir bestimmte Situationen vor Augen zu führen und den Lauf zu ändern: den freien Wurf zu treffen oder den Wurf des Gegners vorherzusehen und zu blocken. Das ist als Fan eines Bundesliga-Teams keinen Deut anders. Mein Lieblings-Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Wieses Rolle im CL-Achtelfinale gegen Juventus Turin. Wenn er die Rolle weglässt und einfach den Ball festhält, den Ball nicht beim Abrollen verliert oder Emerson das leere Tor verfehlt? Wir werden es nie erfahren, denn es gibt nur diese Realität und hier zählt nicht der Konjunktiv.

Im gestrigen Spiel gegen den FC Schalke 04 gibt es für mich zwei solche Momente: der erste ist die gelbe Karte gegen Santiago Garcia, der nach einem Zweikampf am Boden liegend nach dessen Fuß greift und ihn so beim Aufstehen zu Fall bringt. Wenig später nimmt Garcia im Kopfballduell den Arm zur Hilfe und Schiri Brych ermahnt ihn zum letzten Mal. Dutt nimmt ihn noch vor der Halbzeit runter und bringt Schmitz rein. Vielleicht hätte Garcia in den beiden Situationen zum 1:1 und 1:2 mehr ausrichten können, vielleicht hätte er Boateng entscheidend stören können, vielleicht wäre auch er einfach an KPB abgeprallt. Der zweite Moment ist Hildebrands Aussetzer, der bei Elia landet und zu einer richtig dicken Chance hätte führen können, wäre Elia auf dem Spitzenrasen der Turnhalle nicht ausgerutscht. Vielleicht hätte er das 2:0 erzielt oder einem Kollegen aufgelegt. Vielleicht wäre das schon die Entscheidung gewesen. Vielleicht hätten sich die Schalker auch von einem 0:2 nicht schocken lassen.

So verlieren wir das Spiel nach einem engagierten Auftritt mit 1:3. Die Mannschaft war hervorragend eingestellt und kaufte den Schalkern in den ersten dreißig Minuten den Schneid ab. Das 1:0 durch Kroos war das Ergebnis des bis dahin sehr guten Pressings. Neustädter wird nach schwachem Anspiel angegriffen, Kroos erobert sich die Kugel und schlenzt das Ding rein. Anschließend überlässt man den Hausherren mehr und mehr das Feld, aber man hat einen Wirkungstreffer erzielt. Die Schalke-Fans werden unruhig und bis zur Halbzeit kann man den Vorsprung halten. In Halbzeit zwei hat man die oben angesprochene Möglichkeit, alles klar zu machen, doch mit zunehmendem Spielverlauf setzt sich die individuelle Stärke der Schalker durch. Man hat gemerkt, dass man gegen die großen Namen der Liga über die gesamte Spieldauer am oberen Limit agieren muss, um erfolgreich zu sein. Das hat gestern leider nur ca. 60 Minuten lang funktioniert. Und da ist es dann auch keine Hilfe, wenn sich Spieler aus der ersten Elf selbst aus dem Spiel nehmen. So bleibt ein engagierter Auftritt, der deutlich zeigt, dass es in Bremen in die richtige Richtung geht, der aber auch zeigt, wo es noch fehlt (siehe Analyse der Spielverlagerung)

Garcia dient die Pause aufgrund der fünften Gelben auch als kleine Denkpause. So sehr er sich als Gewinn auf und neben dem Platz entpuppt hat, muss er in Sachen Cleverness noch deutlich zulegen. Wir brauchen aktuell Leute wie ihn auf dem Platz, nicht auf der Tribüne. Darüber hinaus waren die Kollegen Schmitz und Fritz ja die ausgemachten Sündenböcke des gestrigen Spiels, wenn man sich in den sozialen Medien umschaut. Dabei könnte man sich bspw. beim 1:2 fragen, warum Fuchs in aller Ruhe flanken kann. Oft ist es nicht ein Fehler, der zu einem Gegentor führt, sondern eine Verkettung von Fehlern. Aber dort wo nach schlechten Leistungen Gehaltskürzungen und Bestrafungen gefordert oder der Vergleich zum „normalen“ Arbeitnehmer bemüht wird, ist das Prinzip „Sündenbock“ Teil der verkürzten Wahrnehmung.

Aprospos Sündenbock: gestern hat sich während des Spiels mein Frust zum Teil an Schiri Brych entladen. Schon nach dem Spiel war klar, dass Brych wahrlich keine gute Leistung gezeigt hatte, aber das auf beiden Seiten. Wie oben erwähnt, hätte Garcia eine zweite gelbe Karte bekommen müssen, vielleicht hätte man bei Hunts Aktion gegen Meyer(?) auf den Punkt zeigen können, aber auch Jones hätte vom Platz gemusst.

Nun ist also wieder Länderspielpause, bevor es im heimischen Weserstadion gegen Mainz geht. Da müssen die drei Punkte her, damit wir weiter auf Kurs bleiben.

Lebenslang Grün-Weiß!

Ende gut, alles gut

Sonntag stand das Spiel gegen Hannover 96 an. Ich war mal wieder vor Ort im Weserstadion und durfte endlich mal wieder ein Spiel bei Flutlicht erleben. Während die Medien das Spiel zu einem Nordderby hochsterilisieren wollten, sehe ich das ganz ähnlich wie Lars: für mich gibt es nur ein Nordderby. Zwar ist Hannover in etwa gleich weit entfernt wie die Stellinger, aber letztlich fehlen mir bei Hannover so bestimmende Spiele wie die Derby-Wochen 2009, die für beide Seiten auf die eine oder andere Weise prägend sind. Aber auch ohne echten Derby-Charakter war das Spiel gegen Hannover eine wichtige Angelegenheit. Die nächsten Spiele halten einige starke Teams bereit und so ist es wichtig, endlich mal die Spiele gegen die Gegner zu gewinnen, die augenblicklich in unsere Gewichtsklasse fallen, wie Hannover mit bis dato 0 Punkten und 0 Toren auswärts.

Nach dem Wolfsburg-Spiel und dem schlappen Auftritt, war ich gespannt, wie Dutt diesmal auf die Tatsache reagieren würde, dass weiterhin kein gelernter Stürmer mit Erfahrung zur Verfügung stand. Vor dem Spiel geisterten Aufstellungen durchs Netz, die auf ein 4-2-3-1 mit Hunt in der Spitze hinwiesen, doch letztlich setzte Dutt auf eine Raute mit Junuzovic und Elia als nominellem Sturm. Und damit konnte Dutt wieder etwas mehr Schwung in die Offensive bringen. Es sah deutlich flüssiger aus als noch gegen Wolfsburg und es wurde deutlich seltener auf den langen Ball zurückgegriffen. Dabei lief das Spiel häufig über die Flügel und bei den Hereingaben merkte man ab und an dann doch, dass uns ein echter Stürmer fehlte, da die Abnehmer fehlten. Aber dennoch konnte man Hannover hinten rein drängen und hatte mehr vom Spiel. Am Ende waren es in Halbzeit eins zwei Elfer und zwei Glückstore, die für den 2:2-Halbzeitstand sorgten. Bitter dabei war, dass man Hannover defensiv weitgehend im Griff hatte, doch Fritz war zu langsam für Huszti und beim Sonntagsschuss von Sakai spielte die Abwehr ihm erst den Ball vor die Füße und ließ ihm dann den Platz, in aller Ruhe den Schuss aufzuziehen.

In Halbzeit zwei war es über weite Strecken ein sehr maues Spiel. Hannover ließ sich nicht mehr so in die eigene Hälfte drängen, ohne selbst allzu gefährlich zu werden. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor dem 3:2 mich eigentlich schon auf ein Unentschieden eingestellt. Doch dann kam Garcia, köpfte Hunts Freistoß auf Zieler und drückte den Abpraller über die Linie. Danach explodierte das Stadion, Garcia verschwand inmitten der jubelnden Fans und danach war noch ein bisschen Zittern angesagt, bevor Schiri Kinhöfer das Spiel abpfiff und die drei Punkte eingefahren waren. Mann des Spiels war für mich Aaron Hunt, der an allen drei Toren beteiligt war und zunehmend zu seiner Top-Form findet. Nun haben wir 7 Punkte Vorsprung auf den 16. Platz und können etwas zuversichtlicher an die kommenden Aufgaben gehen.

O Captain! My Captain!

Leider muss ich an dieser Stelle ein paar Worte zu unserem Kapitän verlieren: er hatte in dieser Saison schon einige gute Spiele abgeliefert und war bspw. gegen den HSV einer der besten Spieler auf dem Platz. Doch schon gegen Wolfsburg sah Clemens völlig überfordert aus. Perisic fuhr mit ihm geradezu Schlitten und konnte sich auf der linken Angriffsseite nach Belieben austoben. Daher denke ich auch, dass die Hereinnahme von Selassie ganz klar dazu gedacht war, die rechte Abwehrseite besser abzuschirmen. Leider funktionierte das nur bedingt, da Fritz vor dem Elfer wieder zu langsam war und letztlich Huszti im Strafraum zu Fall brachte. So wichtig Fritz innerhalb der Mannschaft als „Lockerroom Guy“ ist, also als Führungspersönlichkeit, die für gute Stimmung sorgt, sich um die Teamkameraden kümmert und seiner Erfahrungen weitergibt, so wenig sprechen die Leistungen auf dem Platz für ihn. Gerade im Hinblick auf das kommende Spiel gegen Schalke hoffe ich, dass Dutt die Situation erkennt und dadurch löst, dass Theo mal auf rechts hinten ran darf.

Und abschließend muss ich noch ein paar Worte zu einem Teil der Hannover-Fans verlieren. Vielleicht bin ich auch einfach nicht hart genug für diese ganze Nummer, aber es hat mich einigermaßen erschreckt, dass mehrfach der Slogan „Alle Braunschweiger töten!“ neben „Tod und Hass dem BTSV!“ angestimmt wurde. Sowas hat für mich einfach nichts im Fußballstadion verloren und gilt für alle Fans aller Vereine. Ich bin gespannt, was im Niedersachsen-Derby am kommenden Freitag passieren wird, man muss sicherlich kein Pessimist sein, um zu befürchten, dass man den Medien wieder die Art von Bildern liefern wird, die Fußball-Fans wieder als marodierenden Mob abzustempeln. Hoffen wir, dass es dann doch ganz anders kommt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Im Lot

Es ist Länderspielpause und heute Abend entscheidet sich für meine Three Lions, ob man sich direkt für die WM wird qualifizieren können oder ob man durch die Playoffs muss. Von daher kann ich mich über mangelnde Spannung nicht beschweren und muss mir keine Gedanken machen, ob der Trainer „meiner“ Nationalmannschaft eine Vertragsverlängerung verdient hat oder ob die Leistungen diese doch nicht hergeben. Aber dennoch kann man einen kurzen Rückblick auf das erste Viertel der Saison werfen.

Im Lot. Das gilt sicher für die bisherige Bilanz mi drei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Im Lot sind wir auch bei den Punken mit elf. Rechnet man das auf 34 Spiele hoch, kommen wir locker über 40 Punkte und sollten einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen haben. Die reinen Zahlen sehen bis hierhin gar nicht mal so schlecht aus. Dabei wird Werder immer wieder vorgehalten, die Siege zum Teil nur mit Glück gegen kleine Teams eingefahren zu haben. Kommt übrigens oft von denen, die Bremen als sicheren Abstiegskandidaten gesehen haben und sich nun beschweren, dass Bremen die Punke vor allem in der eigenen Gewichtsklasse holt. Sicher, die Siege gegen Braunschweig und Augsburg waren alles andere als souverän, aber seit wann gibt es für glückliche Siege weniger Punkte?

Im Lot. Auch ein wichtiger Aspekt für das Treiben auf dem Platz. Stichwort: Balance zwischen Offensive und Defensive. Dutt und Eichin haben vor der Saison klar gemacht, dass es darum gehen muss, sich aus einer stabilen Defensive heraus zu entwickeln. Das gelingt mal besser (Braunschweig, Augsburg, Hamburg oder Stuttgart), mal nur so halb (Nürnberg und Teile des Gladbach-Spiels) und gegen Frankfurt war das ein erschreckend schwacher Auftritt. Aber insgesamt stimmt die Richtung, die Trainer und Mannschaft gehen. Und langsam sieht man auch eine Entwicklung des Offensivspiels. So war die erste Halbzeit gegen Nürnberg über weite Strecken gut anzuschauen und auch wenn es letztlich nur zu einem Unentschieden gereicht hat, so war doch offensichtlich, dass Hunt & Co. auch Offensive können.

Über den bisherigen Verlauf der Saison kann und will ich mich nicht beschweren. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg und man darf auch nicht vergessen, dass es sich um ein langfristiges Projekt handelt. An einigen Stellen fehlen noch die nötigen Puzzleteile (Bsp.: Zuverlässiger Partner für Caldirola), die man angesichts der vorhandenen (oder eher: nicht vorhandenen) finanziellen Mitteln erst nach und nach wird einbauen können. Mit einem Sieg im Spiel am kommenden Samstag könnte die Mannschaft einen weiteren Schritt nach vorne machen. „Ausgerechnet“ gegen Dutts alten Verein.

Lebenslang Grün-Weiß!

Nordderbysieg

Nach dem 0:3 gegen Frankfurt war die Stimmung an der Weser schon merklich geknickt, was man sicherlich auch im Grünweiß-Stammtisch von letzter Woche bemerkt hat. Dabei war es vor allem die Art der Niederlage, die viele Erinnerungen an die letzten Saisons geweckt hat. Mir war schon vor Beginn der Saison klar, dass es keine streng lineare Entwicklung geben würde und Ausreißer nach unten durchaus dazu gehören würden, aber die Leblosigkeit der Mannschaft in Halbzeit eins war dann doch eine negative Überraschung. Da kam der „Elendsgipfel“ zwischen Hamburg und Bremen gerade zum rechten Zeitpunkt. Platz 14 gegen 15, Not gegen Elend und mit Sicherheit kein Leckerbissen.

Dutt stellte die Mannschaft auf einigen Positionen um: Caldirola rückte für Prödl in die IV, Garcia durfte erstmals auf links ran. Ich war sehr erleichtert, dass Caldirola endlich wieder in der Innenverteidigung spielen durfte. Er hat seine Sache als Linksverteidiger zwar sehr gut gemacht, aber als IV kann er seine Ruhe und Abgeklärtheit viel besser einbringen. Im Mittelfeld durfte sich Iggy den defensiven Part mit Makiadi teilen und weiter vorne rückte Kobylanski in die Mannschaft. Die Personalie Kobylanski ist sehr wichtig gewesen, weniger weil ich ihn unbedingt spielen sehen wollte (ich habe ihn bisher noch gar nicht in Aktion gesehen), sondern weil damit ein wichtiges Signal an die Spieler in den U-Mannschaften gesendet wird: trainiere gut, biete dich an und du bekommst Deine Chance bei den Profis. Natürlich weist ein Spiel in der Bundesliga noch lange nicht den Weg zu einer Weltstar-Karriere, aber in der Vergangenheit wurde die Durchlässigkeit in den Profikader häufiger kritisiert, daher finde ich es wichtig, dass Kobylanski die Chance bekommen hat. Der Vollständigkeit halber: im Sturm lief Petersen für den gesperrten Di Santo auf.

Die erste Halbzeit hielt, was man vor dem Spiel erwarten konnte. Beide Mannschaften hatten massive Probleme, das Spiel nach vorne aufzubauen. Dabei steht man ein bisschen vor dem Henne/Ei-Problem, welches Andreas schon bei sich im Blog thematisierte: kam der HSV nicht zum Zuge, weil Bremen gut verteidigte oder weil der HSV einfach momentan so schlecht ist. In der schwachen ersten Halbzeit hatte Bremen in meinen Augen durchaus ein leichtes Übergewicht, kam nach Ecken zu zwei richtig guten Chancen und konnte in der 32. einen tollen Spielzug über Elia, Fritz und Petersen abschließen. Gefühlt war das die beste Kombination seit Jahren: der Hackenpass von Elia auf Fritz; Fritz, der das erste Mal seit Äonen einen Gegner im Laufduell stehen lässt und den Ball mustergültig für Petersen vorlegt. Rundum gelungen. Den Rest der ersten Halbzeit zieht sich Bremen weiter zurück und lässt den HSV kommen, was die Stellinger aber nicht nutzen können.

In Halbzeit zwei kommt der HSV mit mehr Dampf aus der Kabine und kommt im Laufe des Spiels zu einigen guten Chancen, die jedoch in der Regel von Mielitz entschärft werden. Bremen selbst kommt zu einigen Konterchancen, die entweder schlecht ausgespielt oder frei vor dem Tor vergeben werden. Am Ende ist es wieder Petersen, der in der Nachspielzeit das 0.2 markiert, als René Adler bei einer Hamburger Ecke mit nach vorne geht und beim Zurücklaufen über den Ball schlägt. Damit ist das 99. Nordderby entschieden und Bremen geht als Sieger vom Platz. Der Sieg katpultiert Bremen wieder ins Mittelfeld, reißt den HSV weiter unten rein und beendet die Serie von drei Niederlagen in Folge (vier, wenn man das Testspiel gegen St. Pauli mitrechnet).

Am kommenden Wochenende geht es gegen den 1.FC Nürnberg, die man unter der aktuellen Prämisse (möglichst wenig mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben und schnell die 40 Punkte sammeln) schlagen sollte, um weiterhin für Ruhe zu sorgen. Dabei fällt es mir schwer, die Franken einzuschätzen: einerseits haben sie gerade einmal 4 Punkte auf dem Konto und sind somit nicht besonders gut in die Saison gestartet, andererseits haben sie den Dortmundern am letzten Wochenende ein 1:1 abgetrotzt. Und in den letzten Jahren hat man Nürnberg zu Hause auch eher selten geschlagen. Der letzte Heimsieg liegt dreieinhalb Jahre zurück. Zeit, mal wieder einen Dreier im eigenen Stadion zu holen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Kleine Schritte

Das 0:1 in Dortmund ist eine Niederlage, die man sicherlich verschmerzen kann. Zum einen ist Dortmund einfach nicht mehr unsere Kragenweite und zum anderen wäre auch eine deutlich höhere Niederlage im Bereich des Möglichen gewesen. Ich fand es schon bezeichnend, dass Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit mal eben Aubameyang, den amtierenden französischen Torschützenkönig und dreifachen Torschützen des ersten Spieltages brachte. Bei uns kam Di Santo, ein zuletzt vertragsloser Spieler, der für den Premier League-Absteiger Wigan Athletic kickte. Damit will ich nicht sagen, dass Di Santo keine Verstärkung sein kann, aber es ist nur ein schönes Bild für die derzeitigen sportlichen und finanziellen Kräfteverhältnisse beider Clubs.

Kleine Schritte zum Ziel

Kleine Schritte zum Ziel

Aber vor allem macht die Art und Weise Mut für die Zukunft, denn man kann sehen, wie die Arbeit von Dutt langsam zu wirken beginnt. Obwohl Dortmund eine Vielzahl an Chancen hatte, wirkt die Mannschaft in der Defensive deutlich strukturierter. Dabei sind die Fortschritte für Außenstehende, die Bremen nicht seit Jahren verfolgen, wohl kaum zu sehen, vor allem nicht in einem Spiel gegen solch einen überlegenen Gegner. Doch die Ansätze sind da: die Mannschaft verteidigt kompakter, lässt weniger klare Chancen zu und bringt sich vor allem seltener durch Totalaussetzer in Bedrängnis. Auch als Fan vor dem Fernseher hat man nicht mehr bei jedem einzelnen Angriff des Gegners Angst, dass man sich ein Gegentor einfangen wird. Da kann ich vorerst auch damit leben, dass die Offensive vorerst darunter leidet, wie auch Dutt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel einräumte:

„Unsere Absicht ist nicht zu mauern, sondern die Bausteine die man braucht in der richtigen Reihenfolge durchzuspielen. Wenn wir den Ball haben lege ich schon Wert auf Kurzpassspiel, Umschaltspiel und dass wir den Ball flach halten, jeder weiß wo der andere Hinläuft, Schnittstellenpass , Rückpass, Tor. Wo sollen die her kommen bei den paar Wochen. Wenn wir damit angefangen hätten, hätten wir die vielleicht gesehen, hätten zwei drei Tore gesehen, aber auch 3-4 Gegentore kassiert. Ich hoffe dass mit jedem Spiel die langen Pässe etwas weniger werden und wenn wir im nächsten Frühjahr spielen und dann zwischen 60-70% Flachpass spielen. Solange müssen wir so spielen, und brauchen ne gute Chancenverwertung. Momentan habe ich gegen 1:0 Siege überhaupt nichts.“ (via Worum.org)

Vielleicht ist es das, was mir in den vergangenen Saisons ein bisschen gefehlt hat: ein Fokus auf die Defensive. Erst hinten sicherer stehen und darauf aufbauend dann das Spiel nach vorne entwickeln. Gut, dass wir diesen Weg nun gehen, zumal mir die ersten drei Spiele auch ein wenig von dem Unbehagen genommen haben, welches nach dem Spiel in Saarbrücken aufkam. Klar, die bisherigen Spiele sind auch kein Grund für überschäumende Euphorie, aber es geht diese Saison vor allem darum, in der Mannschaft eine Entwicklung zu sehen und bisher sehe ich die. Und ich gehe davon aus, dass wir Schritt für Schritt weitere kleine Elemente zum Spiel hinzufügen können und dann bald auch in der Offensive mehr als ein paar nette Ansätze sehen können. Von daher bin ich gespannt, was die Mannschaft gegen Gladbach für eine Leistung abrufen kann. Ich hoffe, dass man zumindest einen Punkt mitnehmen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!