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Ernüchterung

Im Laufe der Sommerpause stieg die Vorfreude immer mehr an. Die Fußball-WM der Ladies war da nur ein sehr dünner Ersatz. In den letzten Tagen kündeten auch immer mehr Sonderhefte den baldigen Beginn der Sommerpause an. Einen ersten Eindruck vom Team sollte den Fans das Pokalspiel gegen den 1.FC Heidenheim liefern. Wobei sicherlich alle, die es mit den Grün-Weißen halten, einen anderen Ausgang des Spiels bevorzugt hätten.

Das es eine schwierige Nummer werden würde, war für mich vor dem Spiel klar. In der Regel tut sich der haushohe Favorit bei solchen Pokalspielen immer schwer und das Spiel gestern sollte dafür einen weiteren Beweis liefern. Dennoch war nach dem 1:0 von Markus Rosenberg die Welt zumindest ergebnistechnisch in Ordnung. Mit der Leistung auf dem Platz konnte man hingegen weniger zufrieden sein. Die Offensive blieb in weiten Teilen Stückwerk und den Bremern gelang es nicht, die Heidenheimer Abwehr wirklich auseinander zu ziehen. Am meisten Gefahr ging von Marin und seinen Dribblings aus, die im Laufe des Spiels jedoch zunehmend ihre Wirkung verloren. Hunt und Borowski auf den Halbpositionen der Raute blieben blass und Rosenberg und Thy hingen meist in der Luft und bis auf Rosenbergs Treffer ging von den beiden Stürmern selten Gefahr aus. Der Abwehr war die mangelnde Eingespieltheit vor allem zwischen Wolf und Sokratis anzumerken und auch Lukas Schmitz machte auch nicht den sichersten Eindruck.

In den Berichten zum Spiel markiert der vergebene Elfer von Marko Marin den Wendepunkt des Spiels. Nach einem Handspiel der Heidenheimer im Strafraum trat Marin an, um den Elfer halbhoch und unplatziert zu schießen. Leichte Beute für Heidenheims Keeper Lehmann. Nur wenige Minuten später kann Heidenheims Sauter einen Freistoß direkt verwandeln und noch einmal zwei Minuten später erzielt Schnatterer das 2:1, nachdem erst der Heidenheimer Außen nicht gestellt werden kann und Wolf nach dem Anspiel auf Schnatterer zum Grätschen/Blocken des Balls runter geht und damit dem Heidenheimer erst den Weg zum Tor ebnet.

Spätestens das 1:2 brach den Bremern das Genick und danach war eine halbe Stunde die blanke Verzweifelung zu sehen. Ekici, Arnautovic und Wagner kamen ins Spiel und fortan wurde mit einem Drei-Mann-Sturm gespielt, doch war die Mannschaft nicht in der Lage, sich wirklich gefährliche Situationen herauszuspielen. So saß ich vor dem Fernseher und habe eigentlich nur noch auf ein Glückstor bzw. ein Eigentor der Heidenheimer spekuliert. Doch nach dem Schlußpfiff blieb es den Blau-Weißen vorbehalten zu jubeln.

Heute schwanke ich zwischen Zweckoptimismus und Pessimismus. Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass ein Erstligist im Pokal gegen unterklassigen Gegner ausscheidet. Und nicht jedes Mal hat solch ein Ausscheiden den direkten Abstieg des betroffenen Erstliga-Clubs zur Folge, was ja offensichtlich bei uns der Fall zu sein scheint, wenn man manch hysterischen Stimmen Glauben schenken kann. Dennoch ist das Spiel ein empfindlicher Schlag für meine Vorfreude und ich hoffe, dass sich das Team am nächsten Samstag gegen Lautern in besserer Verfassung und vor allem Einstellung präsentiert als gestern nachmittag. Wir wollen ja nicht, dass es wieder zu Busblockaden mit integriertem Dosenwerfen kommt, oder!?

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Das bittere Aus im Pokal gegen die Bayern war schmerzhaft, aber es gibt viel Positives mitzunehmen aus der Partie. Gerade die Tatsache, dass die Mannschaft sich zahlreiche Gelegenheiten erspielt hat, ist so ein Positivum. Natürlich hätten Arnautovic und Prödl auch mal eine der Chancen machen können (bzw. der Weiner mal nicht dieses Phantomfoul von Prödl an Badstuber pfeifen sollen), aber immerhin hatten wir diese Chancen und gerade die Dinger von Arno waren teils sehr gut herausgespielt. Auch defensiv war das sicherer als so manches Mal in dieser Saison. Beim 1:1 macht Wesley auf außen die Winkerkrabbe und verpennt es, aufzurücken und das 1:2 ist so ein Sonntagsschuß, wie er nicht alle Tage vorkommt. Und Schaaf hatte nach der Partie recht, als er feststellte, dass man sich selber geschlagen habe. Wir haben nicht gegen einen deutlich besseren Gegner einen aufs Dach bekommen, sondern es versäumt, die Klasse-Chancen, die wir hatten, zu nutzen. Ob die Niederlage damit nun unverdient ist, sei einmal dahingestellt, denn für eine verdiente Niederlage gibt es genauso wenig Punkte wie für eine unverdiente bzw. in diesem Fall scheidet man im Pokal aus.

Was auch gefällt, ist die Tatsache, dass sich allmählich eine Formation und das dazugehörige Personal herauskristallisieren. Am Dienstag spielte Werder mit einem 4-2-3-1 mit Pizarro als Sturmspitze, Arno links und Marin rechts im Mittelfeld, während Wesley die zentrale Position besetzte. Hunt kann eine der Positionen übernehmen, wenn Bedarf ist und Wesley kann eine der beiden 6er-Positionen einnehmen. Solange alle fit und gesund sind, ist Almeida der Verlierer in diesem System. Trotz seiner bisher fünf Saisontreffer, scheint Schaaf lieber auf Pizarro zu setzen, wenn dieser fit ist. Man darf gespannt sein, wie sich das langfristig auf die Vertragsverhandlungen mit dem Portugiesen auswirkt.

Mit einem Dreier im Spiel morgen gegen die Clubberer können die Bremer noch weiter nach vorne marschieren. Platz drei ist derzeit nur zwei Punkte entfernt und das ist angesichts der bisher mauen Saison beachtlich. Das zeigt, dasss diese Saison viele Teams ihren eigenen Ansprüchen hinterherlaufen (Bayern, Schalke, Wolfsburg). Letzte Saison gab es zu Hause einen 3:2-Sieg gegen Nürnberg, bei dem das „Highlight“ die Rote Karte gegen Torsten Frings war, die es für rein gar nichts gab. Ich erwarte einen unangenehmen Gegner, der diszipliniert spielen wird und immer wieder Nadelstiche per Konter setzt. Da heißt es, Geduld zu wahren und die Nürnberger nicht zu viele Räume für Konter zu geben.

Forza SVW!