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USA-Trip – Teil II – Yosemite und Pacific Highway

Fahrt nach Oakhurst (Tag 5):

Nach der nächtlichen Aufregung, stehen wir um acht Uhr auf, um ein letztes Mal das Frühstück zu „genießen“. Anschließend suchen wir die Autovermietung auf, die glücklicherweise nur wenige Minuten vom Hotel entfernt ist. In der Straße sehen wir eine lange Menschenschlange und im ersten Moment haben wir die Befürchtung, dass die alle bei unserer Autovermietung anstehen. Aber die stehen beim Wettbewerb an, während unser Anbieter komplett leer ist und wir nach wenigen Minuten im Parkhaus vor unserem Begleiter der nächsten Tage stehen: einem grauen Chevrolet Impala. Nach eingehender Überprüfung bewegt die Frau das Dickschiff aus dem Parkhaus und wir machen uns auf den Weg nach Oakhurst, dem Tor zum Yosemite National Park. Dabei fahren wir über die Bay Bridge nach Oakland und gleich in Oakland zieht uns das Navi vom Highway. Fuck, Navi noch falsch eingestellt, also Einstellungen ändern und dann hoffentlich per Schnellstraße weiter. Komischerweise machen wir eine ziemlich lange Fahrt durch Oakland, die parallel zum Highway führt. Irgendwann jedoch fahren wir durch ein Industriegebiet und finden uns in einer Wohngegend wieder, die direkt aus „Boyz ’n the hood“ oder „Menace II Society“ stammen könnte. Und das Navi führt uns immer wieder an den gleichen Punkt, von dem aus wir nicht weiter können. Nach einer halben Stunde und zunehmender Panik finden wir an der Hauptstraße einen Tunnel, den wir hätten nehmen müssen. Puh.

Umso weiter wir ins Landesinnere kommen, desto karger wird die Landschaft, aber dennoch genießen wir die Aussicht während der Fahrt. Während des Weges nach Oakhurst müssen wir teils sehr kurvige Straßen nehmen, die uns durch die Hügellandschaft leiten. Am Abend kommen wir in Oakhurst beim rustikalen Hotel an und haben letztlich mehr als 2 Stunden länger gebraucht, als von Google Maps veranschlagt. Ein paar Tage später finde ich heraus, dass das Navi noch auf „Vermeidung von Fern- und Landstraßen“ eingestellt ist. Dies erklärt auch die Weigerung, uns in Oakland wieder auf den Highway zu leiten und die Fahrten über die kurvigen Nebenstraßen. Doh! 🙂 Oakhurst ist eine typische Kleinstadt und hier merkt man, warum man als Fußgänger in den USA mitunter gefährlich lebt, denn wirkliche Bürgersteige gibt es nicht und so läuft man direkt neben der Hauptstraße her und hofft, dass die Fahrzeugführer einen schon rechtzeitig sehen.

Auf dem Weg nach Oakhurst

Auf dem Weg nach Oakhurst

Nach dem Einchecken im Hotel erkunden wir noch kurz den Ort. Da es in Oakhurst tagsüber knapp 30 Grad sind, lernen wir hier auch die Schockfrostung durch die Klimaanlagen kennen. Schön verschwitzt in den Laden und nach wenigen Sekunden anfangen zu frieren. Nice! Wir decken uns im Supermarkt mit Vorräten für die nächsten Tage ein und beschließen damit den Tag.

Der patriotische Bär und ich

Der patriotische Bär und ich

Yosemite National Park (Tag 6):

Die Nacht endet um viertel nach sechs, denn wir haben nur einen Tag für den Yosemite. Also raus aus den Federn und ab zum Frühstück. Diesmal mit warmen Leckereien, wie Rührei, Würstchen und Speck. Nom. Erster Stopp des Tages war die nächstgelegene Tankstelle und die erste Begegnung mit der Prepaid-Mentalität, die hier an vielen Tanken praktiziert wird. Läuft aber alles reibungslos. Das (endlich) korrekt eingestellte Navi lotst uns zunächst zum Eingang des Nationalparks, wo wir 20 Dollar für den Eintritt entrichten müssen. Vom Eingang aus fahren wir zunächst ins Yosemite Valley, was eine knappe Stunde gedauert hat. Dabei sind wir am berühmten Tunnel View vorbeigekommen und der Parkplatz an diesem Aussichtspunkt war gerammelt voll. Vor allem viele Chinesen waren da und ganze Busladungen kamen an und fuhren kurze Zeit später wieder los. Im Yosemite Valley angekommen, haben wir erstmal den Souvenir-Shop gestürmt, um uns anschließend einen der Shuttle-Busse zu krallen und das Yosemite Valley zu erkunden. Der Park an sich war wirklich sehr beeindruckend und man konnte überall tolle Sachen entdecken. Obwohl wir den Shuttle verwendet haben, war der ganze Park natürlich auch per Auto zu erkunden, bis auf einige wenige Wanderwege. Wobei hier Wanderwege meist sehr anspruchsvoll sind und weniger einem entspannten Ablaufen von einer Route dienen als eher einem Erreichen von sportlichen Zielen.

Das Yosemite Valley

Das Yosemite Valley

Im Anschluss an einen Mittagssnack sind wir vom Yosemite Valley aus mit dem Auto zum so genannten Glacier Point gefahren, der auf knapp 2.000 m Höhe einen tollen Ausblick bietet. Vom Valley aus sind wir eine knappe Stunde bis zum Glacier Point gefahren, was vor allem daran lag, dass der Weg dorthin mit vielen Kurven verbunden war und man meist nicht besonders schnell fahren konnte und wollte. Eine knappe Stunde lang haben wir da oben die Aussicht genossen und Fotos gemacht.

Blick vom Glacier Point ins Yosemite Valley

Blick vom Glacier Point ins Yosemite Valley

Vom Glacier Point aus ging es zum letzten Stopp im National Park: den Mammutbäumen im Mariposa Grove. Und obwohl wir mangels Zeit die ganz großen Exemplare nicht gesehen haben, waren die Bäume, die wir sehen konnten, schon beeindruckend genug. Die Fotos, die wir gemacht haben, konnten die Dimensionen gar nicht richtig einfangen, aber es war wirklich respekteinflößend, vor den Bäumen zu stehen und nach oben zu gucken. Zu den größten Exemplaren hätten wir noch ein ganzes Stück laufen oder per Shuttle fahren müssen. Da es schon relativ spät war, haben wir darauf verzichtet.

Die Wurzeln eines Mammutbaums

Die Wurzeln eines Mammutbaums

Vom Mariposa Grove aus sind wir zurück nach Oakhurst gefahren und da waren wir dann zum ersten Mal bei Taco Bell. Muss man ja auch probieren und war echt lecker. Nur mit zwei Tacos war eher Schmalhans Küchenmeister, denn die Dinger sind nicht besonders groß. Daher hatte mich der Typ an der Kasse auch so skeptisch gemustert bei der Bestellung. 🙂

Fahrt nach Monterey/Shopping in Gilroy (Tag 7):

Die Fahrt nach Monterey war nicht so lang und so haben wir am Vorabend geschaut, ob wir auf dem Weg noch eine Shoppingmöglichkeit abgreifen können. Und siehe da, in der Nähe von Monterey gibt es in Gilroy eine Outlet Mall. Also, haben wir den kurzen Umweg auf uns genommen und sind da hingefahren. Ich sage mal, dass sich der Trip echt gelohnt hat. Adidas, Nike, Fossil, Gap, Levi’s: hier gab es alles, was den Schnäppchen-Jäger glücklich macht. Insgesamt haben wir fünf Stunden hier zugebracht und das eine oder andere Schnäppchen machen können.

Zum Hotel in Monterey waren es von dort aus nur noch eine halbe Stunde mit dem Auto zu unserem Hotel. Dort haben wir uns fix frisch gemacht und sind dann noch zum Hafen/Pier gelaufen, um dort in der kühlen Abendbrise ein wenig zu bummeln. Aber da es dann doch nach Sonnenuntergang ein bißchen zu kühl wurde, sind wir mit einem Umweg über Taco Bell zurück ins Hotel.

Ein typischer Monterey-Bewohner

Ein typischer Monterey-Bewohner

Fahrt nach Ventura/Highway No. 1 (Tag 8):

Morgens früh aufstehen, denn heute geht es über den berühmten Highway Number One nach Ventura. Von Monterey aus sind wir erstmal nach Carmel gefahren, um hier ein bisschen den Strand anzuschauen. Schon hier wird deutlich, dass wir von der malerischen Route kaum etwas mitbekommen werden. Dichte Wolken und viel Nebel drücken die Sichtweite und die Laune. So bleiben wir auch nicht lange in Carmel und fahren weiter. Rechterhand soll eigentlich der Pazifik zu sehen sein, doch leider bekommen wir davon nicht viel mit. Durch den Nebel sehen wir kaum was vom Ozean und so fahren wir missmutig die teils sehr kurvige Straße entlang. Erst gegen Mittag lichtet sich der Nebel und die Sonne kommt endlich raus. In der Nähe von San Simeon machen wir Halt bei der berühmten Seeelefanten-Kolonie halt und gucken dem Treiben der Tiere ein wenig zu. Dies beschränkt sich meist auf Sonnenbaden, sich selber kratzen und ab und an mit warmem Sand bedecken. Ich kann meinen Impuls, mich dazuzulegen, gerade noch unterdrücken. 🙂

Seeelefanten-Kolonie

Seeelefanten-Kolonie

Von San Simeon aus fahren wir dann weiter nach Santa Barbara, dem nächsten Zwischenstopp auf dem Weg nach Ventura. Dabei kommen wir an einigen ausgeschilderten Aussichtspunkten (u.a. Lake Cachuma) vorbei und genießen den Blick. In Santa Barbara angekommen ist das Wetter auch gleich wieder schlechter, mit dunklen Wolken und unangenehmer Schwüle. Wir schauen uns ein bisschen den Ortskern an und machen auch einen Abstecher zu Stearn’s Wharf. Wahnsinn, auch der Pier ist mit dem Auto befahrbar. Da sind sie ja konsquent, die Amis. Nach etwas mehr als einer Stunde geht es weiter nach Ventura, wo wir Quartier im Hotel am Strand beziehen, doch statt dem Rauschen der Wellen hören wir vor allem den Highway. Nach einer kurzen Dusche sind wir noch bei Roman’s Macaroni Grill, einer italienischen Restaurant-Kette. Die Tatsache, dass man intensiv betreut wird, dafür aber nach dem Essen sofort die Rechnung bekommt (sofern man nicht noch Dessert oder weitere Getränke ordert), ist immer noch gewöhnungsbedürftig, aber auch besser als wenn man hierzulande erst eine Bedienung verhaften muss, um ein zweites Bier oder die Rechnung zu bekommen. Das war der zweite Teil unseres USA-Trips.

Hier noch ein Überblick über die Route:

Die Reiseberichte:

Teil I – San Francisco
Teil II – Yosemite und Pacific Highway
Teil III – Las Vegas und Flagstaff
Teil IV – Grand Canyon, Sedona, Kingman
Teil V – Los Angeles
Teil VI – New York I
Teil VII – New York II

USA-Trip – Teil I – San Francisco

Im letzten Jahr ist sehr viel passiert: meine Ausbildung zum Fachwirt Online Marketing, einen neuen Job angenommen und vor allem die Reise in die USA, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Aus unserem 26-seitigen Reisetagebuch, welches wir auf Empfehlung einer Kollegin erstellt haben, werde ich mal eine kleine Serie über die Reise erstellen. Dabei werde ich nicht alles berücksichtigen, keine Bange.

Abreise (Tag 1):

Mit dem Zug von Lüneburg nach Frankfurt. Da dann eine halbe Weltreise zum Gate inklusive Security-Kuscheln. In der 747 fiel dann leider das Entertainment-System aus, so dass man leider das reichhaltige Filmangebot nicht nutzen konnte. Nach knapp 11 Stunden in der Blechbüchse dann Ankunft in San Francisco bei bestem Wetter. Mit dem Zug sind wir dann in die Stadt rein gefahren und von der Haltestelle eine knapp Viertelstunde zum Hotel gefahren. Das Hotel war ein klares „Geht so!“, aber wir wollten ja auch nicht im Hotelzimmer die Tage verbringen. Nach dem Einchecken haben wir noch einen kleinen ersten Spaziergang rund um den Union Square gemacht.

San Francisco (Tag 2-4): 

Das Hotel-Frühstück bestand aus Labber-Toast, Marmelade und Muffins. Nach der Stärkung haben wir uns dann auf Erkundungstour durch SF gemacht. Das Wetter war total geil. Sonne, um die zwanzig Grad und immer eine frische Pazifik-Brise. Nice! Am ersten Tag haben wir die ersten Touri-Hotspots mitgenommen, wie bspw. der Fishermans Wharf, die Golden Gate Bridge (beim ersten Versuch im totalen Nebel), Golden Gate Park, Alamo Square mit der Postcard Row sowie die Lombard Street. Schon am ersten Tag musste man anerkennen, dass die Straßen wirklich sehr steil sein können (Top-Wert: mehr als 30%). Der erste Tag diente auch dazu, das erste Mal einen amerikanischen Supermarkt von innen zu inspizieren. Man merkt dann doch sehr schnell, welch niedrige Preise für Lebensmittel wie Wurst, Käse oder auch Obst und Gemüse wir hierzulande haben. Am ersten Tag haben wir auch noch Chinatown mitgenommen. Wow, obwohl nur ein kleiner Bezirk innerhalb der Stadt kommt man sich innerhalb von einigen Schritten vor wie in einer komplett anderen Welt. Anschließend durfte Papa dann in den Niketown. Geilo. Nachdem ich dort stundenlang Sachen bestaunt habe, sind wir vorerst ins Hotel, um abends noch ein bisschen durch die Gegend zu spazieren und Fotos von bspw. der Bay Bridge zu machen.

Postcard Row mit Skyline von San Francisco

Postcard Row mit Skyline von San Francisco

Am zweiten Tag wieder lecker Frühstück und weiter die Touri-Route entlang. Heute standen u.a. der Coit Tower, der Fishermans Wharf (diesmal auch mit geöffneten Geschäften, da wir am ersten Tag um halb neun Uhr morgens da waren). Nach der Erkundung der Shops am Fishermans Wharf sind wir mit der Fähre rüber nach Sausalitos, einem kleinen Ort auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge. Hier haben wir zwei Stunden lang den Hafen bestaunt und die kleinen Geschäfte an der Hauptstraße inspiziert. Wieder in San Francisco angekommen,  hatten wir den Fokus ein bisschen mehr auf Shops verlagert und waren u.a. im Macy’s und der Westfield Mall. Zum Abend hin haben wir dann auch die berühmten Cable Cars mal in Beschlag genommen. Tagsüber waren schier endlose Schlangen an den Endhaltestellen (was ein Zusteigen während der Fahrt erschwerte), doch so ab sechs, sieben Uhr abends wurde es deutlich leerer und so konnten wir die Fahrt auf wirklich geilen Plätzen genießen. Irgendwann stieg ein (wahrscheinlich tschechisches) Paar zu und stellte sich genau vor mich auf diese außen angebrachten Tritte. Das war zwar ein bisschen nervig, aber in der einsetzenden Dunkelheit durch die hügeligen Straßen von SF zu pflügen war nichtsdestotrotz richtig geil.

Leeres Cablecar

Leeres Cablecar

Am dritten und letzten kompletten Tag in SF haben wir uns erstmal auf den Weg zum Golden Gate Park gemacht, um uns dort den japanischen Teegarten anzuschauen. Der war richtig nett anzuschauen. Nach dem Teegarten hatten wir die Spitzenidee, durch den Park zum Pazifik zu laufen. Dazu mussten wir einmal durch den kompletten Park. Ja, die Dimensionen hatten wir dabei ein wenig unterschätzt, zumal der Park eher auf die Durchquerung per Auto als per pedes ausgelegt ist. Nach quälend langen zwei Stunden waren wir dann am Pazifik, wo am Strand irgendwie gebaut wurde. Ein Traum. Dazu noch der graue Himmel und das graue Wasser und die Belohnung für die Qualen fiel dann deutlich kleiner aus als erhofft. Anschließend sind wir Richtung Haight Ashbury gefahren, dem bekannten Hippie-Viertel. Heutzutage ist das Hippie-Thema allenfalls Folklore für die ganzen Bong-Shops und kleinen Designer-Boutiquen. Nach Haight Ashbury ging es weiter nach Castro, dem Schwulen- und Lesbenviertel von SF. Da wir nach drei Tagen Dauer-Sightseeings etwas platt waren, haben wir hier nur kurz Halt gemacht. Wir sind wieder zurück in die City gefahren, haben in der Westfield Mall gespeist und ich habe dann in einem Sportladen endlich NBA-Merchandise gefunden. Gut, die Angestellte zuckte bei der Frage nach Dirk Nowitzki nur mit den Achseln, bei der Nennung der Dallas Mavericks zeigte sie mir die Shirts der Dallas Cowboys, aber egal. Letztlich habe ich mich für ein Derrick Rose-Shirt entschieden und beim Anstellen die Arschkarte gezogen. Vor mir ein zwei Meter großer Schrank von einem Mann inklusive seinem Homie. Beide voll bepackt mit Shirts, Shorts, Caps und Schuhen. Insgesamt knapp 1.500 Dollar, natürlich bar bezahlt. Danach war ich dann dran, mit meinem kleinen, mickrigen T-Shirt. Offensichtlich war der Großeinkäufer vor mir ein Spieler der 49ers, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Aha, erste Promi-Sichtung von wem auch immer.

Die Golden Gate Bridge bei strahlendem Sonnenschein

Die Golden Gate Bridge

Die letzte Nacht in SF wurde dann noch unsanft unterbrochen, als die Frau von „My stomach! My stomach!“-Schreien geweckt wurde. Ich habe dank Ohropax davon nichts mitbekommen. Wenig später war die Straße durch die Polizei abgeriegelt und Rettungskräfte kümmerten sich um den Verletzten. Am nächsten Morgen meinte der Herr an unserer Rezeption, dass wohl jemand angeschossen/niedergestochen wurde. Genau der richtig Zeitpunkt, um die Biege zu machen.

Die Reiseberichte:

Teil I – San Francisco
Teil II – Yosemite und Pacific Highway
Teil III – Las Vegas und Flagstaff
Teil IV – Grand Canyon, Sedona, Kingman
Teil V – Los Angeles
Teil VI – New York I
Teil VII – New York II

Ich bin ein Arbeiterkind?

An deutschen Gymnasien und deutschen Universitäten sind Kinder aus Akademikerfamilien deutlich überrepräsentiert, während Kinder aus Nichtakademikerfamilien stark unterproportional vertreten sind. Dies ist natürlich nur einer von vielen Hinweisen darauf, dass die viel beschworene Chancengleichheit oft nur ein theoretisches Konstrukt ist, welches in der Realität nur allzu oft an den Realitäten scheitert.

Vor ein paar Tagen fand ich einen Artikel auf SpOn, der sich mit so genannten Arbeiterkindern auseinandersetzt, die studiert haben. Dabei treffen diese auf viele Probleme, wie bspw. ein unzureichende Aufklärung über die Abläufe, keine Hilfestellung bei der Finanzierung des Studiums und auch die Arroganz der Kommilitonen aus vermeintlich besserem Hause. Noch vor dem Artikel bin ich vor einiger Zeit auf die Organisation Arbeiterkind gestoßen, die sich dieser Probleme annimmt und u.a. über so genannte Mentoren Hilfe für Kinder aus Nichtakademikerfamilien anbietet und nicht nur an Universitäten Präsenz zeigt, sondern auch schon in Schulen geht, um hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Eine tolle und wie ich finde, eine tolle Sache.

Spätestens beim Lesen des SpOn-Artikels habe ich auch mein eigenes Studium reflektiert. Der Artikel stellt das Studium von Arbeiterkindern als nicht enden wollenden Kampf gegen Windmühlen dar. Ich will gar nicht abstreiten, dass es solche Probleme vielfach gibt, aber wenn ich mir mein eigenes Studium anschaue, hatte ich nie das Gefühl, unter der Tatsache leiden zu müssen, dass ich aus einem Elternhaus ohne Akademiker komme. Ich habe mir da auch nie große Gedanken drüber gemacht. Klar, manchmal hat man schon neidisch auf die Kommilitonen geschaut, die finanzielle Unterstützung von der Heimatfront erhielten, aber ich hatte den Eindruck, dass viele Kommilitonen bei der ersten Hausarbeit genauso überfordert waren wie ich, völlig unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern.

Auch musste ich mir nie dumme Sprüche ob meiner Herkunft anhören oder wurde von Mitstudenten von oben herab behandelt. Natürlich gab es auch Cliquenbildung und einige, die einen auf dicke Hose machten. Vielleicht hatte ich auch Glück, dass einige aus meinem engeren Freundeskreis auch „Arbeiterkinder“ waren. Ich glaube, dass nicht nur Arbeiterkinder darunter leiden, dass einem an der Uni herzlich wenig erklärt wird. Man bekommt ein Heftchen zum Thema wissenschaftliches Schreiben und mit ein bisschen Glück kennt man ein paar Leute aus älteren Semestern und löchert dann die. Auch bei der Finanzierung war mir klar, dass ich auf Bafög angewiesen sein würde (und am Ende mich dann selbst finanziert habe). Aber alles in allem hatte ich nie das Gefühl, höher springen zu müssen als andere oder einer der wenigen zu sein, der keinen Plan davon hat, was an der Uni so abgeht. Die Hürden, die ich im Studium meistern musste, habe ich nie großartig mit meiner Herkunft in Verbindung gebracht, ebenso wie ich die Tatsache, als „Arbeiterkind“ studiert zu haben, nie als etwas Besonderes gesehen habe. Aber das sind auch nur meine Erfahrungen und ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass andere in der gleichen Situation sehr negative Erfahrungen gemacht haben.

Maschinengott

Deus Ex: Human Revolution (fortan lieber DEHR) kam im letzten August auf den Markt und führt das Deus Ex-Universum weiter. Oder um es genauer zu formulieren, es spielt vor den bisherigen Deus Ex-Teilen im Jahr 2029 und stellt damit ein Prequel dar.

Man schlüpft in die Rolle von Adam Jensen, der beim international tätigen Biotech-Konzern Sarif Industries die Sicherheitsabteilung leitet. Zu Beginn des Spiels wird ein Hochsicherheitslabor von Sarif angegriffen und im Zuge des Angriffs wird Jensen schwer verletzt. Nur durch den Einsatz modernster Medizin und Augmentierungen kann Jensens Leben gerettet werden. Augmentierungen sind kybernetische Erweiterungen des menschlichen Körpers, wie künstliche Arme und Beine oder auch Augen. Sie können in nahezu allen Bereichen eingesetzt werden und dienen dabei nicht nur der Behandlung von medizinischen Notfällen, sondern können auch zu „Optimierung“ freiwillig eingesetzt werden.

Nach den umfangreichen Eingriffen ist Jensen mehr oder weniger ein Cyborg, eine Mensch-Maschine Mischung. Er versucht die Hintergründe des Anschlags auf das Labor aufzuklären und wird dazu u.a. in Detroit und Hengsha (China) tätig. Dabei wird er zunehmend in den Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern der Augmentierungen hineingezogen. Die Bewegung „Purity First“ wendet sich komplett gegen die Verwendung von Augmentierungen und die Optimierung des Menschen über die natürlichen Grenzen hinaus. Im Verlauf des Spiels wird deutlich, dass sich hinter dem Anschlag auf das Labor mehr verbirgt als nur ein reiner Gewaltakt oder Industriespionage. Doch gespoilert wird hier nicht J

DEHR lässt einem im Verlauf des Spiels ziemlich viele Freiheiten, was die Herangehensweise angeht. Klassischerweise basiert die Deus Ex-Serie auf dem Stealth-Prinzip und auch in DEHR kann man das Spiel (bis auf die Bosskämpfe) durchspielen, ohne einen Gegner zu töten. Man kann aber auch das Gegenteil machen und als Ein-Mann-Armee durchs Spiel marschieren und eine nicht zu übersehende Blutspur hinterlassen. Ich habe eine Mischung aus beiden Varianten verwendet, mit einem leichten Hang zum Shooter. Dies hat vor allem damit zu tun, dass ich oftmals die Geduld nicht aufbringen konnte, mir erst die Bewegungsprofile meiner Gegner einzuprägen, um darauf aufbauend meine Aktionen zu planen.

Neben der Frage Schleichen oder Ballern spielt das Hacken von Computern und Überwachungssystemen eine ziemlich große Rolle im Spiel. Dies geschieht in Form eines kleinen Minispiels und ist auch auf der einfachsten Stufe mitunter sehr fordernd. Im Verlauf des Spiels erhält man Erfahrungspunkte und verdient Geld. Beides lässt sich in den Erwerb neuer Augmentierungen bzw. in den Ausbau bestehender Augmentierungen stecken, um dann entweder seine Kampf-, Hack- oder auch Schleich-Fähigkeiten zu verbessern.

DEHR schafft es nicht nur eine lebendige und atmosphärische Vision des Jahres 2029 zu zeichnen, sondern darüber hinaus auch, eine spannende Geschichte zu erzählen. Vor allem im Hinblick auf die ethische Frage, wieweit der Optimierungswahn der Menschen gehen darf und wann man noch ein Mensch ist.  Endlich mal ein Spiel mit einer ernstzunehmenden Story und einem Charakter, der nicht nur eine hirntote Killermaschine ist. Ich kann das Spiel nur jedem ans Herz legen.

Auf Bali geht um Vier die Sonne unter

Ich freue mich, einmal ein Buch zu empfehlen, welches von jemandem geschrieben wurde, den ich sogar persönlich kenne. Mein werter Arbeitskollege Maik hat den Roman „Auf Bali geht um Vier die Sonne unter“ vor kurzem veröffentlicht und ich habe mir die Kindle-Version mal geholt.

Sven Bukholz ist BWL-Student ist mittlerweile schon im 16. Semester, doch eigentlich möchte er viel lieber Comedian werden. Wenn die ganze Nation einem Mario Barth zu Füßen liegt, kann das ja nicht so schwer sein. Leider kommt dem guten Sven sein wirklich großes Talent, die Prokrastination, immer wieder in die Quere und so kommt weder das Studium noch die Karriere als Spaßmacher wirklich voran. Auf dem Weg zu ewigem Ruhm und Anerkennung gibt es so viele Dinge, die einem immer wieder dazwischen kommen: Emails abfragen, ausschlafen, fernsehen, die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Und dann sind da noch die skurrilen Geschichten um bspw. ein Hemd namens Tom, einen zugekoksten Hund und die gefräßige Schildkröte, die auch ganz zufällig Sven heißt. Auch die Frauen lenken unseren bemitleidenswerten Protagonisten immer wieder ab. Doch irgendwann hat es auch der inoffizielle Meister der Prokrastination geschafft und bekommt seinen ersten Auftritt als Comedian. Wie das Ganze ausgeht und ob Sven zum neuen Superstar am Comedy-Himmel avanciert, müsst Ihr schon selber herausfinden.

Neben dem Humor ist für mich die Stärke des Buchs, dass man sich so gut in Sven hineinversetzen kann. Zumindest ich kann es nachvollziehen, wie man immer wieder Tag für Tag im Studium mit den wirklich wichtigen Dingen zubringt, während man eigentlich doch im Hörsaal sitzen sollte, für Klausuren lernen oder an Hausarbeiten schreiben.  Ein wirklich kurzweiliges Lesevergnügen, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann. Wer will, kann sich schonmal eine kleine Leseprobe gönnen.

Auf Bali geht um Vier die Sonne unter

Umzug

Es wurde mal wieder Zeit für eine kleine Veränderung. Da ich den Blog nicht wirklich regelmäßig aktualisiere, habe ich mich dazu entschlossen, den Webspace zu kündigen. Stattdessen habe ich die Inhalte der Datenbanken bei wordpress.com untergestellt. Der Blog bleibt weiterhin unter www.reygate.com erreichbar, wird dann nur auf reygate.wordpress.com weitergeleitet. Böse Zungen behaupten, die Tumbleweeds kullern jetzt nur an anderer Stelle durch die Landschaft. 😉

Augen rechts!

Man muss nicht ideologisch links verortet sei, um derzeit einfach fassungslos zu sein. Eine Trio von rechten Mördern zieht durchs Land und die Sicherheitsbehörden bekommen dies jahrelang nicht mit. Schwupps, da waren sie einfach weg. Da rühmt man sich mit seinen tollen Geheimdiensten und rüstet den Apparat gegen Islamisten sowie den neuen Terror von links auf, damit man hinterrücks von den Nazis vorgeführt wird. Nicht nur, dass der Sicherheitsapparat mal wieder offenbart, dass er nicht in der Lage ist, seinen Blick nach rechts zu wenden, nein, womöglich steckt vor allem der Verfassungsschutz richtig tief drin in der Sache. In welchem Umfang dieser von den Taten gewusst hat und vielleicht auch den Weg für die schrecklichen Morde bereitet hat, wird sich noch zeigen. Es lässt einen völlig sprachlos zurück, wenn man sich vorstellt, dass hier offizielle Stellen in welcher Form auch immer daran beteiligt waren und sei es „nur“ als Mitwisser. Dabei geht es auch nicht um einzelne Fehler und Mißverständnisse sondern um offensichtliche Führungs- und Planlosigkeit des Verfassungsschutzes.

Man muss sich das mal vor Augen halten: während brennende Autos in Großstädten schon Grund genug waren, um quasi das Gespenst einer neuen RAF zu beschwören, waren rechte Gewalttaten gegen Menschen maximal extremistische Taten. Im Zusammenhang mit unseren braunen Freunden ist das Verniedlichungspotential von Politik und Medien schier unendlich. Natürlich gibt es bei Gewalt von links nichts zu beschönigen, aber diese Schlagseite ist schon immer mehr als nur auffällig gewesen. Seit letzter Woche scheint das ganze Land davon überrascht zu sein, dass die rechten Gesellen doch nicht nur nett sind. Konnte man ja auch nicht ahnen, denn Mölln, Solingen und Hoyerswerda sind ja auch schon Äonen her. Ich hoffe, das Ganze führt nicht dazu, dass die Sache unter den Teppich gekehrt wird und im Sande verläuft. Ich hoffe auch, dass die Behörden etwas gegen ihre Blindheit auf dem rechten Auge tun.

Leben mit dem Kindle

Schon seit Ende Mai nenne ich einen Kindle aus dem Hause Amazon mein Eigen. Da wird es aber auch mal Zeit, ein paar Takte zum E-Reader zu verlieren.

Eigentlich stand ich den E-Readern kritisch gegenüber und habe mich auf den Standpunkt zurückgezogen, dass ich ganz gerne echtes Papier in den Händen halten möchte und einfach lieber in einem Buch blättere als Knöpfchen zu drücken. Leider kam mir bei dieser Entscheidung meine Nerdigkeit in die Quere und der Drang, sich mit technischem Spielzeug auseinanderzusetzen. Der Mediamarc hat schon seit längerem einen Kindle am Start und auf Arbeit konnte ich mir das Teil mal ein bißchen anschauen. Und die paar Minuten pflanzten das leise Verlangen in meinen Kopf, auch so ein Teil haben zu wollen.

Im Frühjahr diesen Jahres dann war der Kindle auch offiziell in Deutschland verfügbar (vorher konnte man ihn nur über den Umweg USA bestellen, wovon der Endkunde jedoch nicht viel mitbekam). Zeitgleich wurde auch der Kindlestore im Hinblick auf deutsche Titel deutlich aufgestockt. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich zugeschlagen habe.

Display

Der Kindle ist mit einem so genannten E-Ink-Display (6 Zoll groß) ausgestattet, welches durch seine hervorragende Lesbarkeit besticht. Die Unterschiede zu einer bedruckten Buchseite sind wirklich sehr gering, was vor allem dazu führt, dass man relativ ermüdungsfrei lesen kann. Zudem ist das Display komplett matt und anders als bei vielen Tablets kein Schminkspiegelersatz. Dadurch kann man das Kindle auch im Freien bei Sonnenschein verwenden, ohne ständig mit den Reflexionen des  Displays kämpfen zu müssen. Ich hatte das Kindle auch in unserem Griechenland-Urlaub dabei und auch in der mediterranen Sonne konnte man ganz entspannt lesen. Und man sieht nicht ständig seine schmierigen Fingerabdrücke. 😉 Das Kindle-Display hat keine Hintergrundbeleuchtung, wodurch man (anders als bei Tablets) eine externe Lichtquelle benötigt.

Haptik

Hier war ich am Anfang noch sehr skeptisch, doch schnell haben sich meine Zweifel verflüchtigt. Das Kindle liegt extrem gut in der Hand und lässt sich vor allem auch mit einer Hand gut halten (der Daumen blättert dabei die Seiten um). Dabei habe ich nicht mal besonders große Hände. Das ist wirklich eine schicke Sache, dass man quasi einhändig lesen und umblättern kann.

Die Rückseite des Kindle ist leicht gummiert und sorgt so für extra Griffigkeit in der Hand. Seitlich am Display sind auf beiden Seiten jeweils Knöpfe fürs Vor- und Zurückblättern, somit ist das Gerät auch für Linkshänder sehr gut geeignet.

Netzwerk und Verbindung

Ich habe mich für ein WiFi-Kindle entschieden und auf die 3G-Option verzichtet. Wenn man Inhalte bei Amazon kauft, dann werden einem die Dateien automatisch auf den Kindle geschickt, sofern dieser sich mit einem WLAN verbunden hat. Im besten Fall vergehen gerade einmal ein paar Minuten zwischen dem Kauf und dem Abruf im Kindle.

Man kann den Kindle auch mit dem beigefügten USB-Kabel mit den entsprechenden Inhalten versorgen und auch aufladen (der Akku hält schier ewig – maximal ein Mal im Monat lade ich auf).

Inhalte

Nun sind die vorgenannten Punkte natürlich nur ein Aspekt des Ganzen, denn wichtig sind ja vor allem die Inhalte, die ich mir auf dem Gerät anschauen kann. Das Einfallstor ins Paradies der E-Books ist der Kindle-Shop von Amazon. Zugang erhält man hier entweder ganz klassisch über das Internet, wo die gekauften Inhalte dann per „Whispernet“ auf den Kindle geschickt werden oder man nutzt das Kindle, um sich im Store umzuschauen.

Ein Vorteil der Ebooks ist die Tatsache, dass von jedem Buch eine Leseprobe existiert mit deren Hilfe man sich schon einen ersten Eindruck vom Buch verschaffen kann. Im Griechenland-Urlaub habe ich so ein Buch erst angelesen und mir über den kostenlosen WLAN-Zugang im Hotel dann das Gesamtwerk runtergeladen.

Generell ist es so, dass das deutschsprachige Angebot im Kindle-Shop noch deutlich ausbaufähig ist. Die meisten Neuerscheinungen im Bereich Belletristik erscheinen auch zeitgleich als Ebook, aber bei Nischenprodukten und älteren Büchern guckt man noch ein bisschen in die Röhre. Zudem ist die Preisgestaltung noch nicht optimal, was ja auch der Buchpreisbindung geschuldet ist, aber oftmals sind Ebook-Neuerscheinungen gerade einmal ein bis vier Euro günstiger als die gedruckte Version. Bei Taschenbüchern sind die Preise oftmals identisch.

Bei englischsprachigen Büchern kann man teils krasse Schnäppchen machen. Auch relativ neue Bücher sind dort günstig zu haben. Im Rahmen einer Aktion habe ich das gerade erst in Deutschland erschienene „Super Sad Love Story“ für gerade einmal einen Euro erstanden.

Neben Büchern gibt es auch andere Inhalte für den Kindle. So habe ich ein paar Ausgaben der Zeit mal gelesen und das ist ganz gut umgesetzt auf Amazons kleinem Lesegerät. Einzig Bilder und Grafiken fehlen. Dazu kommt, dass Zwischenüberschriften noch nicht als solche hervorgehoben werden und Infoboxen auch nicht als solche erkennbar sind. Was ich noch gelesen habe, ist das englische Fußball-Magazin „The Blizzard“, was mir wirklich sehr gut gefallen hat, nicht nur inhaltlich sondern auch von der Umsetzung auf dem Kindle.

Daneben kann man auch andere Formate wie bspw. PDF-Dateien auf den Kindle ziehen und lesen. Dabei gibt es, abhängig von der Formatierung der Datei, erhebliche Unterschiede in der Darstellung. Mithilfe von entsprechenden Browser-Plugins („Send it to Kindle“ für Chrome und „Kindle It“ für Firefox) kann man auch Artikel aus dem Web zum späteren Lesen auf den Kindle senden. Nice.

Fazit: Meine Skepsis gegenüber dem Kindle hat sich schnell verflüchtigt und mittlerweile nutze ich ihn sehr gerne, da das Gerät viel Komfort bietet und das Schleppen von Büchern entfällt. Mittlerweile hat Amazon ja noch ein neues Einsteigermodell gebracht und die Preise für die übrigen Geräte gesenkt. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

Wired is tired

Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass demnächst eine deutschsprachige Ausgabe des WIRED-Magazins erscheinen sollte. Erster Wermutstropfen war hierbei, dass die WIRED als Gimmick zur GQ erhältlich sein sollte. Man musste also das Fachblatt für angewandte Oberflächlichkeit erwerben, um an die WIRED zu gelangen. So weit, so schlecht. In meinem Urlaub in Griechenland dann entdeckte ich das GQ/WIRED-Bundle und griff zu. Die GQ dann am Strand innerhalb von knapp 20 Minuten durchgeblättert, außer ein paar wohlgeformten Brüsten war da nix von Belang.

Das eigentliche Objekt der Begierde dann in den Händen war ich schon relativ gespannt, was mich erwarten würde. Und ich wurde enttäuscht. Ich habe keinen Artikel mit „Aha“-Effekt gelesen und mich auf Twitter schon über die WIRED als GQ für Technikfreaks ausgelassen: oberflächlich, dumm und unkritisch.

Alleine schon die auf dem Titel angeteaserten Themen sind erbärmlich umgesetzt. „Deutschland 2022 – Nach der Energiewende“ ist am Ende nur eine Fotostrecke mit Aufnahmen aus Kraftwerken und deren Kontrollzentren. Ich hatte hier eigentlich einen Ausblick auf die Zeit nach dem Atomausstieg erwartet oder eine Pro/Contra-Diskussion. Weiter geht es mit dem so genannten Darknet, also den richtig üblen Ecken im Internet, wo man nicht ohne Weiteres hinkommt und der einem den Kauf von Drogen, Waffen und Co. ermöglicht. Also genau die Form von Internet vor dem uns die Politik warnt. Eine ganze Seite Text wird dem Thema gewidmet, am Ende wissen wir, dass es solche Sachen gibt und die WIRED-Redaktion hat zudem total investigativ eine Ladung Drogen geordert.

Anschließend widmet man sich Badoo, dem „Sexual Network“, ein Netzwerk, welches nur dazu dient, sexuelle Kontakte anzubahnen. Gut, anders kann man die Leser der GQ wohl nicht dazu bewegen, einen Blick in die WIRED zu werfen. Da muss man schon auf dem Titel ganz laut „FICKEN“ schreiben. Zentrales Thema der Ausgabe ist „Deutschland den Geeks“. Chefredakteur Thomas Knüwer lobt die Innovationskraft der Geeks und betreibt die schon übliche Schelte der so genannten „German Angst“, mit der die Eliten sich gegen Fortschritt und Innovation stemmen. Am Ende leidet die Wirtschaft, das ist das zentrale Argument von Knüwers Elaborat, welches dann in die Vorstellung führender deutscher Startups und Denker übergeht. Da wird Sandro Gaycken dann auch mal als nicht dem Typ „Lieblings-Schwiegersohn“ entsprechend vorgestellt und mit seiner Harley abgelichtet. Achja, zum Thema „Cyberwar“ darf er auch mal was sagen. Oder ein paar nach London abgewanderte Gründer schmeißen sich top-gestylt vor die Kamera.

Darüber hinaus noch ein paar Kolumnen (u.a. from Notorious Lobo), 6 Seiten als redaktionelle Inhalte getarnte Werbung sowie noch seitenweise Gadgetvorstellungen. Ach und der Technik-Evangelist Jeff Jarvis darf auch mal was sagen. Glücklicherweise bekommt er keinen Platz für seinen ewig gleichen Sermon („Die Deutschen machen sich wegen der Privatsphäre ins Hemd, aber zeigen sich in der Sauna gegenseitig die Genitalien.“), sondern für einen Vergleich zwischen modernen Startups und Johannes Gutenberg.

Ich werde mal ein paar Ausgaben abwarten, sofern die Zeitschrift lange genug am Markt bleibt. Leider ist diese Erstausgabe in meinen Augen völlig uninteressant. Es gibt im Bereich Internet/Technologie viele interessante Themen, die man vor allem auch mal kritisch beleuchten könnte, d.h. Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, Pro und Contra-Positionen darstellen. Die Energiewende wäre da ein Ansatzpunkt gewesen, die Biotechnologie oder auch Entwicklungen im Internet (Privatsphäre/Appkultur/usw.). Vielleicht werden diese Themen in den nächsten Ausgaben auf eine interessante Art aufgegriffen. Ansonsten ist die WIRED leider uninteressant.

Moderner Fünfkampf

Am Dienstag ging unser zweiwöchiger Urlaub in Griechenland zu Ende. Ein zwei Wochen dauerndes Trainingslager in den Disziplinen Schlafen (im Bett und am Strand), Essen (Spezialabteilung All Inclusive), am Strand liegen (bevorzugt im Schatten), Baden gehen und abendliches Cocktails schlürfen auf der Terrasse der Strandbar. Kann man auf jeden Fall so machen. 🙂

Wir waren während unseres Aufenthaltes im Kyllini Beach Resort mit der Betonung der Spezialisierung auf Wellness & Sport. Das Hotel liegt im Westen des Peloponnes, direkt am Ionischen Meer. Und die Bude war echt richtig geil. Vor allem das Essen war der Hammer. Jeden Abend ein anderes Thema (von Asia bis Alpen) und einige Dauerbrenner für den Fall, dass jemand die Spezialitäten nicht goutiert. Aber nicht nur in den kulinarischen Disziplinen wusste das Hotel zu überzeugen. Auch die Anlage war sehr großzügig bemessen, so dass sich die Besucher dort gut verteilten und man (anders als letztes Jahr auf den Kanaren) nicht ständig im Gewusel war. Der hoteleigene Strand war auch ein dicker Pluspunkt, da man so nicht für Liegen und Sonnenschirme extra zahlen musste.

Einzig die normalen Doppelzimmer waren relativ klein, aber da man eh die ganze Zeit draußen rumhängt, war das eher weniger ein Problem. Wer sich darüber lauthals beschwert (wie einige bei holidaycheck.de) muss dann halt nächstes mal eine Präsidentensuite nehmen. Der Service war gut bis übermotiviert. Teils wurden einem beim Essen die Teller wieder abgenommen während man noch die letzten Bissen im Mund hatte. Auch ansonsten wurden Beschwerden aufgenommen und die Probleme wurden schnell behoben.

Das Wetter war absolut spitzenmäßig mit Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad und nur gelegentlichen Wolken. Am Tag unserer Abreise weinten die griechischen Götter ob unseres Abschieds und so regnete es nur an dem Tag. Die Reiseleitung meinte, dass es ungewöhnlich warm für den September gewesen sei und das will ich ihr gerne glauben. Das Sportangebot haben wir eher rudimentär genutzt. Die angebotenen Hops-Kurse haben wir außen vor gelassen und uns auf den Basketball verlagert. Einen Korb mit direktem Blick auf das Meer hatte ich bisher auch noch nicht. Kommt in Punkto Ausblick definitiv auf den Spitzenplatz meiner Charts. Leider war keine Competition vor Ort. An einem Samstag war Basketball offizieller Bestandteil des Programms, doch von 6 Leuten konnten vier nix mit dem orangefarbenen Leder anfangen, so dass das dann ein bißchen langweilig wurde. Aber so konnte ich mich als Lehrer bei meiner Frau betätigen und ihre WNBA-Karriere entscheidend anschieben.

In den zwei Wochen haben wir eine Tour auf die Insel Zakynthos gemacht. Leider war die Tour eher mau. Die Programmpunkte waren eher lahm. Los ging es mit einer Fahrt in den Norden der Insel zu einem kleinen Hafen von wo aus man mit kleinen Booten zu den „Blauen Grotten“ gefahren wurde. Das waren kleine Höhlen in den Küstenfelsen und in einer von den vieren, die wir angesteuert haben, schimmerte das Wasser blau an einigen Stellen. Anschließend wurde uns ein Biobauer angekündigt. Wir uns auf Erkenntnisse aus dem Bereich des Olivenanbaus und der Schafskäseherstellung gefreut, um dann plötzlich vor einer ramschigen Verkaufsbude zu halten, wo man dann so biologisch angebaute Produkte wie Handtücher mit dem Bild der Insel kaufen konnte. Danach dann ab ins Kloster, wo es dann einen von Kapern überwucherten Kirchturm zu bestaunen gab. Den Abschluß bildete ein Besuch der Inselauptstadt. Hier hatten wir aber nur 40 Minuten Zeit, um uns da ein bißchen umzuschauen und ehrlich gesagt, war es mir dann auch viel zu heiß, um mittags um halb zwei durch die Gegend zu schlappen.

Eigentlich wollten wir auch noch einen Tagesausflug nach Athen machen, um vielleicht dem interessierten Griechen noch Tipps zum Thema Schuldenabbau zu geben. Doch pro Hin- und Rückweg saß man vier Stunden im Bus und sowohl auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel und auf der Inselrundfahrt wurde mir richtig schlecht im Bus, so dass ich auf die Mammuttour dankend verzichtet habe. Auf Zakynthos war ich zweimal kurz davor, den Bus umzudekorieren.

Es waren zwei tolle Wochen in einem tollen Hotel. Und so spießig sich das anhört, wir können uns vorstellen, in ein paar Jahren mal wieder dort hinzufahren.

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