Ronald Reng – Spieltage

Nach meinem Beitrag über die Lesung von Ronald Reng und Christoph Biermann fragte mich Kevin von Bücherball, ob ich über Rengs „Spieltage“ nicht einen Blogartikel schreiben möchte. Das habe ich sehr gerne getan, nicht zuletzt, weil es ein tolles Buch ist. An dieser Stelle kann ich mich auch gleich Reng-Fanboy outen. Seine bisherigen Fußballwerke („Der Traumhüter“, „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“ und das nun vorliegende „Spieltage“) gehören für mich zu den besten Sportbüchern, die man in deutscher Sprache bekommen kann. Alleine schon weil Reng es immer wieder schafft, sich seinen Figuren zu nähern und gleichzeitig die Distanz wahrt. So beschreibt er die Menschen in allen Facetten ohne sich mit ihnen gemein zu machen oder sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Und die Leidensgeschichte Enkes beschreibt er auf einfühlsame Art, aber ohne der Versuchung zu erliegen, nach „Schuldigen“ zu suchen.

Aber genug der Worte, zu meinem Artikel über „Spieltage – Die andere Geschichte der Bundesliga“ geht es hier lang. 🙂

Nordderbysieg

Nach dem 0:3 gegen Frankfurt war die Stimmung an der Weser schon merklich geknickt, was man sicherlich auch im Grünweiß-Stammtisch von letzter Woche bemerkt hat. Dabei war es vor allem die Art der Niederlage, die viele Erinnerungen an die letzten Saisons geweckt hat. Mir war schon vor Beginn der Saison klar, dass es keine streng lineare Entwicklung geben würde und Ausreißer nach unten durchaus dazu gehören würden, aber die Leblosigkeit der Mannschaft in Halbzeit eins war dann doch eine negative Überraschung. Da kam der „Elendsgipfel“ zwischen Hamburg und Bremen gerade zum rechten Zeitpunkt. Platz 14 gegen 15, Not gegen Elend und mit Sicherheit kein Leckerbissen.

Dutt stellte die Mannschaft auf einigen Positionen um: Caldirola rückte für Prödl in die IV, Garcia durfte erstmals auf links ran. Ich war sehr erleichtert, dass Caldirola endlich wieder in der Innenverteidigung spielen durfte. Er hat seine Sache als Linksverteidiger zwar sehr gut gemacht, aber als IV kann er seine Ruhe und Abgeklärtheit viel besser einbringen. Im Mittelfeld durfte sich Iggy den defensiven Part mit Makiadi teilen und weiter vorne rückte Kobylanski in die Mannschaft. Die Personalie Kobylanski ist sehr wichtig gewesen, weniger weil ich ihn unbedingt spielen sehen wollte (ich habe ihn bisher noch gar nicht in Aktion gesehen), sondern weil damit ein wichtiges Signal an die Spieler in den U-Mannschaften gesendet wird: trainiere gut, biete dich an und du bekommst Deine Chance bei den Profis. Natürlich weist ein Spiel in der Bundesliga noch lange nicht den Weg zu einer Weltstar-Karriere, aber in der Vergangenheit wurde die Durchlässigkeit in den Profikader häufiger kritisiert, daher finde ich es wichtig, dass Kobylanski die Chance bekommen hat. Der Vollständigkeit halber: im Sturm lief Petersen für den gesperrten Di Santo auf.

Die erste Halbzeit hielt, was man vor dem Spiel erwarten konnte. Beide Mannschaften hatten massive Probleme, das Spiel nach vorne aufzubauen. Dabei steht man ein bisschen vor dem Henne/Ei-Problem, welches Andreas schon bei sich im Blog thematisierte: kam der HSV nicht zum Zuge, weil Bremen gut verteidigte oder weil der HSV einfach momentan so schlecht ist. In der schwachen ersten Halbzeit hatte Bremen in meinen Augen durchaus ein leichtes Übergewicht, kam nach Ecken zu zwei richtig guten Chancen und konnte in der 32. einen tollen Spielzug über Elia, Fritz und Petersen abschließen. Gefühlt war das die beste Kombination seit Jahren: der Hackenpass von Elia auf Fritz; Fritz, der das erste Mal seit Äonen einen Gegner im Laufduell stehen lässt und den Ball mustergültig für Petersen vorlegt. Rundum gelungen. Den Rest der ersten Halbzeit zieht sich Bremen weiter zurück und lässt den HSV kommen, was die Stellinger aber nicht nutzen können.

In Halbzeit zwei kommt der HSV mit mehr Dampf aus der Kabine und kommt im Laufe des Spiels zu einigen guten Chancen, die jedoch in der Regel von Mielitz entschärft werden. Bremen selbst kommt zu einigen Konterchancen, die entweder schlecht ausgespielt oder frei vor dem Tor vergeben werden. Am Ende ist es wieder Petersen, der in der Nachspielzeit das 0.2 markiert, als René Adler bei einer Hamburger Ecke mit nach vorne geht und beim Zurücklaufen über den Ball schlägt. Damit ist das 99. Nordderby entschieden und Bremen geht als Sieger vom Platz. Der Sieg katpultiert Bremen wieder ins Mittelfeld, reißt den HSV weiter unten rein und beendet die Serie von drei Niederlagen in Folge (vier, wenn man das Testspiel gegen St. Pauli mitrechnet).

Am kommenden Wochenende geht es gegen den 1.FC Nürnberg, die man unter der aktuellen Prämisse (möglichst wenig mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben und schnell die 40 Punkte sammeln) schlagen sollte, um weiterhin für Ruhe zu sorgen. Dabei fällt es mir schwer, die Franken einzuschätzen: einerseits haben sie gerade einmal 4 Punkte auf dem Konto und sind somit nicht besonders gut in die Saison gestartet, andererseits haben sie den Dortmundern am letzten Wochenende ein 1:1 abgetrotzt. Und in den letzten Jahren hat man Nürnberg zu Hause auch eher selten geschlagen. Der letzte Heimsieg liegt dreieinhalb Jahre zurück. Zeit, mal wieder einen Dreier im eigenen Stadion zu holen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Kleine Schritte

Das 0:1 in Dortmund ist eine Niederlage, die man sicherlich verschmerzen kann. Zum einen ist Dortmund einfach nicht mehr unsere Kragenweite und zum anderen wäre auch eine deutlich höhere Niederlage im Bereich des Möglichen gewesen. Ich fand es schon bezeichnend, dass Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit mal eben Aubameyang, den amtierenden französischen Torschützenkönig und dreifachen Torschützen des ersten Spieltages brachte. Bei uns kam Di Santo, ein zuletzt vertragsloser Spieler, der für den Premier League-Absteiger Wigan Athletic kickte. Damit will ich nicht sagen, dass Di Santo keine Verstärkung sein kann, aber es ist nur ein schönes Bild für die derzeitigen sportlichen und finanziellen Kräfteverhältnisse beider Clubs.

Kleine Schritte zum Ziel

Kleine Schritte zum Ziel

Aber vor allem macht die Art und Weise Mut für die Zukunft, denn man kann sehen, wie die Arbeit von Dutt langsam zu wirken beginnt. Obwohl Dortmund eine Vielzahl an Chancen hatte, wirkt die Mannschaft in der Defensive deutlich strukturierter. Dabei sind die Fortschritte für Außenstehende, die Bremen nicht seit Jahren verfolgen, wohl kaum zu sehen, vor allem nicht in einem Spiel gegen solch einen überlegenen Gegner. Doch die Ansätze sind da: die Mannschaft verteidigt kompakter, lässt weniger klare Chancen zu und bringt sich vor allem seltener durch Totalaussetzer in Bedrängnis. Auch als Fan vor dem Fernseher hat man nicht mehr bei jedem einzelnen Angriff des Gegners Angst, dass man sich ein Gegentor einfangen wird. Da kann ich vorerst auch damit leben, dass die Offensive vorerst darunter leidet, wie auch Dutt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel einräumte:

„Unsere Absicht ist nicht zu mauern, sondern die Bausteine die man braucht in der richtigen Reihenfolge durchzuspielen. Wenn wir den Ball haben lege ich schon Wert auf Kurzpassspiel, Umschaltspiel und dass wir den Ball flach halten, jeder weiß wo der andere Hinläuft, Schnittstellenpass , Rückpass, Tor. Wo sollen die her kommen bei den paar Wochen. Wenn wir damit angefangen hätten, hätten wir die vielleicht gesehen, hätten zwei drei Tore gesehen, aber auch 3-4 Gegentore kassiert. Ich hoffe dass mit jedem Spiel die langen Pässe etwas weniger werden und wenn wir im nächsten Frühjahr spielen und dann zwischen 60-70% Flachpass spielen. Solange müssen wir so spielen, und brauchen ne gute Chancenverwertung. Momentan habe ich gegen 1:0 Siege überhaupt nichts.“ (via Worum.org)

Vielleicht ist es das, was mir in den vergangenen Saisons ein bisschen gefehlt hat: ein Fokus auf die Defensive. Erst hinten sicherer stehen und darauf aufbauend dann das Spiel nach vorne entwickeln. Gut, dass wir diesen Weg nun gehen, zumal mir die ersten drei Spiele auch ein wenig von dem Unbehagen genommen haben, welches nach dem Spiel in Saarbrücken aufkam. Klar, die bisherigen Spiele sind auch kein Grund für überschäumende Euphorie, aber es geht diese Saison vor allem darum, in der Mannschaft eine Entwicklung zu sehen und bisher sehe ich die. Und ich gehe davon aus, dass wir Schritt für Schritt weitere kleine Elemente zum Spiel hinzufügen können und dann bald auch in der Offensive mehr als ein paar nette Ansätze sehen können. Von daher bin ich gespannt, was die Mannschaft gegen Gladbach für eine Leistung abrufen kann. Ich hoffe, dass man zumindest einen Punkt mitnehmen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!

Lesung „50 Jahre Bundesliga“

Letzten Donnerstag gab es im Literaturhaus Hamburg eine Lesung zum Thema „50 Jahre Bundesliga“ mit den beiden Autoren Ronald Reng und Christoph Biermann. Das Wort „Lesung“ trifft den Charakter der Veranstaltung nicht so ganz, denn am Ende war es mehr ein Themenabend als eine reine Lesung. Beide Autoren hatten aktuelle Bücher im Gepäck: so hatte Christoph Biermann (zusammen mit Philipp Köster) „Fast alles über 50 Jahre Bundesliga„* verfasst, einem Sammelband mit lauter Kuriositäten aus der Bundesliga. Ronald Reng hatte „Spieltage: Die andere Geschichte der Bundesliga„* im Gepäck, welches die Geschichte der Bundesliga anhand von Heinz Höher nacherzählt. Höher war sowohl Spieler als auch Trainer in der Bundesliga und so lässt sich an seinem Leben auch die Geschichte der Bundesliga exemplarisch schildern. So unterschiedlich die Herangehensweise an das Thema in beiden Büchern ist, so sehr haben sich die beiden im Verlaufe des Abends ergänzt.

Ein noch leeres Podium

Ein noch leeres Podium

Gastgeber und Moderator Rainer Moritz führte zusammen mit Reng und Biermann durch einige wenige Stationen der Bundesliga, von der Gründung über den Bestechungsskandal bis hin zum Erscheinen des Privatfernsehens und der Champions League bis heute. Das Ganze war äußerst kurzweilig, auch wenn ich es schade fand, dass Biermann nicht mehr aus seiner Kuriositäten-Sammlung zum Besten gab, die von ihm gezeigten Wohnungseinrichtungen ehemaliger Bundesliga-Stars aus den 70ern und 80ern hatten schon was. 😉 Es war ein kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Abend.

Ronald Reng, Rainer Moritz und Christoph Biermann (von links nach rechts)

Ronald Reng, Rainer Moritz und Christoph Biermann (von links nach rechts)

Am Ende habe ich mir dann noch zwei Autogramme von den beiden Autoren besorgt und während Biermanns Buch der vom Autor gedachten Bestimmung zugeführt wurde („Das ist ein richtiges Klobuch und das meine ich nicht im schlechten Sinne“) und den einen oder anderen Klogang erheitert, bin ich mit „Spieltage“ gerade zu zwei Dritteln durch. Es ist ein wirklich gutes Buch geworden und Reng gelingt es, nach „Der Traumhüter“ und „Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben“ wieder ein eindrucksvolles und sehr persönliches Buch über den Fußball zu schreiben. Dabei schafft er es, die Schrulligkeit (Reng meinte auf der Lesung, Höher sei schon ein spezieller Mensch) Höhers zu beschreiben, ohne ihn dabei bloßzustellen. Und langsam werde ich immer mehr zu einem Reng-Fanboy, was nicht zuletzt immer noch an der Enke-Biografie liegt.

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Werder fan from England

Schon seit einiger Zeit folge ich auf Twitter @toby_hirst, einem Bremen-Fan aus Leeds. Ich finde es spannend, wie man aus einem anderen Land kommend, ausgerechnet Fan unserer Grün-Weißen wird. Also, habe ich Toby gefragt, ob er sich für ein kleines Interview zur Verfügung stellen würde. Und so könnt Ihr unten lesen, wie man in jungen Jahren zum Werder-Fan wird, wenn man aus England kommt. Viel Spaß!

Hello Toby. First of all, tell us a little about yourself if you don’t mind. Where do you come from, how old are you and what do you do?

Hello, first of all I’d like to say thanks for giving me the opportunity to feature on the website. I come from Leeds, one of the biggest cities in the north of England. I’m only 14 years old and that means I’m still a student.

Before we get to Werder Bremen, are there any other football clubs you support?

Yes, I support the team from my hometown, as mentioned above, Leeds United. They play in the 2nd tier of English football and you may have heard of them due to their successful period during the 1980s and early 90s. I regularly go to matches and I’m feeling optimistic about the upcoming season. 🙂

How did you become a fan of Werder? When was the first time you saw them play and what caught your attention (style of play or a particular player)?

The first time I watched Werder was in the 2007/08 UEFA Cup when they played Rangers at Ibrox. The match was televised on British television and Werder were unlucky to lose 2-0 that night. I may have been young but I remember it well. The team was littered with vastly talented players such as Diego (who scored in the return leg at the Weserstadion), Tim Borowski and Per Mertesacker.

I then started following Werder more closely after the Champions League tie against Spurs in Bremen, 2010. I was impressed was how much noise the fans made and how they got behind their team. After this match I started to watch out for highlights on various channels and since this was before their demise they still got a fair amount of coverage here. As I looked further into Werder Bremen I saw they were a traditional club who had morals in the transfer market. They were a successful team who didn’t overspend – which is becoming a rarity in football nowadays! I was always a fan of Diego. The heartbeat of the team and a lovable guy too!

Can you watch the games on TV (is there any Bundesliga being shown in England) or do you have to resort to other methods? 😉

It is rare that Bremen matches are televised here, it’s usually Dortmund or Bayern who get their matches telecasted live. If Werder are playing on a Friday night/Sunday afternoon they’ll get on TV over here but usually I have to resort to watching the matches online. The quality of the stream isn’t always the best but who says I’m complaining? 😉

What are your feelings about the decline in the last three years? Did you see it coming or were you surprised by the direction things have been going?

I suppose when a club sells their best players and doesn’t buy suitable replacements a decline is predictable but back then I was just living in the moment and refused to even think of a decline. I do think the harder times have brought the best out of the fans who have been fully supportive and packed the Weserstadion in every game. I certainly wasn’t surprised, though.

The last season saw two key figures of the past leave in Allofs and Schaaf. What is your take on that? And what do you thing about Schaaf’s departure? Should he have stayed?

I’ll start with Allofs. This took me by surprise because him and Schaaf had formed a formidable partnership, they’d been through it all together only for Allofs to throw it away and go to Wolfsburg. His transfer dealings had took a turn for the worst, Avdic for 2.5 million Euros and Akpala for a similar fee. I was willing to give those signings a chance but they haven’t proved anything and Avdic has moved on recently and proved nothing.

The situation with Schaaf is a little more heartfelt. I couldn’t visualise a Werder Bremen without him. His immense loyalty was a credit to himself and he’d given the fans a lot a things to cheer through his managerial reign – here’s hoping that Robin Dutt can do the same! The fact we were in a difficult position towards the end of the 2012/13 meant I thought it was the correct decision, unfortunately. The display/tribute yesterday gave me goosebumps and it just shows the extent of which he is respected at the club!

Eichin and Dutt are now in charge at the Weserstadion. Do you think they are going to work things out and make Bremen successful in the long run? 

They are the new Bremen! Realistically I don’t think they will have instant success but I hope they build a team with quality over the next few seasons and bring back the glory days. In the long run I think things will improve. Eichin and Dutt are two knowledgeable men with a passion for the job ahead.  If things don’t work out successfully I trust Eichin to make the correct decision with the best interests of the club in mind.

The start to the season has been good although the results are probably more than just a little flattering. What do you expect from this season?

The performances against Braunschweig and Augsburg were a little flattering, yeah and the fixture list has been kind to us but nevertheless I do hope we can carry the momentum into the more difficult games coming up.  The performances in the opening games haven’t been up to scratch but only time will tell! The target for Eichin and Dutt has to at least be higher mid-table, and the more optimistic fans will be hoping for Europe but I will be happy with anything better than last years horrid season!

Who is your favourite player to ever wear the green and white jersey?

My favourite player to play in a Werder shirt has to be Torsten Frings. The man was a very likeable guy and always popped up in the right place at the right time. His stern performances in midfield contributed to Bremen’s success massively in his playing time and I hope we find a player just like him soon!

Lebenslang Grün-Weiß! 🙂

Drei plus drei macht sechs

Gestern war ein Teil der Grünweiß-Crew (Anna, Andreas, Tobias und ich) gemeinsam im Stadion, um sich das Spiel gegen Augsburg anzuschauen. Vor dem Spiel kam aber erst einmal der Kauf des ersten Werder-Trikots meiner Fan-Karriere. Aber das nur am Rande. Das erste große Highlight des Tages war die großartige Choreo für Thomas Schaaf. Wir saßen in der Westkurve und hatten einen guten Blick auf das tolle Bild in der Ostkurve. Schön war auch, dass zum Abschluss des Ganzen der „Danke, Thomas“-Banner noch durch ein „Auf geht’s, Robin“ ausgetauscht wurde. So wurde es nicht nur der Abschied von Schaaf, sondern auch ein Willkommen an Dutt.

Das Spiel selbst hatte dann deutlich weniger Highlights zu bieten. Im anschließenden Grünweiß-Stammtisch, den wir live aufgezeichnet und gestreamt hatten, haben wir die meisten Punkte angesprochen. Augsburg war über weite Phasen das optisch überlegene Team und Bremen kam nur selten gefährlich vor das Tor der Gäste. So war es ein Distanzschuss, inklusive Fehler von Augsburgs Amsif, der das entscheidende Tor durch Ekici brachte. Defensiv fand ich das über das gesamte Spiel hinweg betrachtet gar nicht so schlecht, wenn man die 15 Minuten nach der Halbzeitpause außen vor lässt, weil man da wirklich ins Schwimmen geriet. So hat man kaum gute Chancen zugelassen, weshalb die Statistik der 20:5 Torschüsse für Augsburg auch ein wenig trügerisch ist, denn davon kamen nur die wenigsten auf das Tor von Mielitz. Besonders gut hat mir Luca Caldirola gefallen, der auf der Linksverteidiger-Position aufgeboten wurde und sich dort hervorragend verkauft hat. Seit seinem suboptimalen Auftritt im Pokal hat er sich gut gefangen und zeigt, warum man ihn nach Bremen geholt hat.

Im Spiel nach vorne war das deutlich weniger positiv. Auch wenn man jetzt nicht alles verdammen sollte, fiel vor allem in der zweiten Halbzeit auf, dass Bremen große Probleme hatte, den Ball nach vorne zu bringen. Zu oft wurde nach einer erfolgreichen Balleroberung in der eigenen Defensive ein Fehlpass gespielt oder der Ball im Dribbling verloren. Hier hätte man für deutlich mehr Entlastung sorgen können und müssen, denn zu häufig kam der Ball postwendend wieder zurück in das Bremer Abwehrdrittel. Und man sollte in der Lage sein, gegen einen Gegner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck aufbaute, mehr als einen gefährlichen Konter zu fahren (den Petersen in der 89. Minute vergab).

Nach zwei Spielen, in denen das Ergebnis auch ein anderes hätte sein können, findet sich Bremen mit sechs Punkten wieder. Wahlweise bezeichnet man die zwei Siege als glücklich oder dreckig, aber mir soll es recht sein. So viele haben Bremen (auch Fans des Vereins) als Abstiegskandidaten gesehen, da kann es doch eigentlich nur recht sein, dass man gegen zwei Clubs, die aller Voraussicht nach ebenfalls unten drin stehen werden, Dreier eingefahren hat. Zumal jetzt der Borussia-Doppelpack in Dortmund und Gladbach kommt und man nicht unbedingt ein ausgemachter Pessimist sein muss, um hier mit null Punkten zu rechnen. Da hilft das Polster vor allem auch Trainer und Mannschaft, denn wenn wir nach vier Spielen nur mit ein, zwei Punkten dagestanden hätten, wären wir mitten im Abstiegskampf inklusive der dazugehörigen Diskussionen. Nun heißt der gute Start natürlich nicht, dass wir in der Saison nichts mit den tiefsten Regionen der Tabelle zu tun haben werden, aber für den Anfang haben wir einen kleinen Puffer. Und es ändert auch nichts daran, dass es noch viel zu tun gibt in der Mannschaft.

Ich bin gespannt, wie wir in Dortmund auftreten werden und was sich Dutt einfallen lässt, um die Kreise des BVB so gut es geht einzuschränken, so dass wir nicht unter die Räder kommen.

Lebenslang Grün-Weiß!