Vergessenes Glück

Nach ziemlich genau sechs Monaten gewinnt Werder wieder ein Pflichtspiel (zuletzt am 09.02. beim 4:1 in Stuttgart) und sogar ein paar Tage länger ist das letzte Pflichtspiel ohne Gegentor her (am 01.02. beim 2:0 gegen Hannover 96). Die Bremer Fanwelt wird von ungeahnten Glücksgefühlen übermannt und stellt zumindest für diesen ersten Spieltag die beste Abwehr der Bundesliga. Damit ist zumindest vorerst einmal die Depression nach Saarbrücken ein wenig in den Hintergrund gedrängt und die Mannschaft kann das – im Grünweiß-Stammtisch angesprochene – Erfolgserlebnis feiern.

Dabei ist das Spiel an sich wahrlich kein Grund zur Euphorie gewesen. Zwar zeigte man deutlich mehr Willen als zuletzt in Saarbrücken und konnte die ersten 60 Minuten auch defensiv sicher stehen, aber das Spiel nach vorne war deutlich ausbaufähig. In der Offensive waren gerade Hunt und Ekici regelrechte Fremdkörper, die oft falsche Entscheidungen trafen und kaum Akzente setzen konnten. Darüber hinaus war man beim Umschalten nach Ballgewinn oft zu träge, um den Ball mit Geschwindigkeit in die gegnerische Hälfte zu bringen und den Gegner unter Druck zu setzen. Und nach besagten 60 Minuten und der Herausnahme von Ekici verlor man auch die Ordnung in der Defensive. Ob die Auswechslung von Memo (die zudem völlig verständlich war) nun damit kausal zusammenhängt, steht auf einem anderen Blatt, aber kurze Zeit später hatte Braunschweig die erst Großchance nach einem Distanzschuss von Reichel, den Mielitz gerade noch an die Latte lenken konnte. Weitere gute Möglichkeiten, die Braunschweig entweder vergab oder die Caldirola noch von der Linie kratzen konnte, sollten folgen.

Aus Sicht der Braunschweiger ist es bitter, dass das Tor der Bremer ausgerechnet in diese Phase fällt. Prödl schlägt einen langen Ball/Befreiungsschlag nach vorne zu Junuzovic, der cool bleibt und das 1:0 erzielt. Bremen kann nach sieben Jahren mal wieder ein Auftaktspiel auf fremdem Platz gewinnen. Der Bann ist gebrochen und die Aussagen der Mannschaft nach dem Spiel zeigen in meinen Augen, dass man das Spiel richtig einzuordnen weiß. Aber es kann dem Team Selbstvertrauen geben und man kann in der nächsten Woche ruhig auf das Augsburg-Spiel hinarbeiten, ohne gleich nach dem ersten Spieltag die vielen Skeptiker zu bestätigen, die Werder zu den Abstiegskandidaten zählen (Who the fuck is Franz B.?).

Natürlich ist nun nicht alles gut und Robin Dutt hat weiterhin viel Arbeit vor sich, aber gerade in den letzten Tagen haben Eichin und Dutt schon viel getan, um die Fans darauf vorzubereiten, dass es Zeit brauchen wird. Zum einen Zeit, um den Kader umzubauen und an die neuen Anforderungen  des Trainers anzupassen. Zum anderen bis die Mannschaft die Ideen von Robin Dutt vollständig verinnerlicht hat und dies sich auch auf dem Spielfeld im Ganzen zeigt. Ich persönlich finde es gut, dass sich die Vereinsführung so offensiv in der Öffentlichkeit präsentiert und dabei auch auf die Bekanntgabe eines konkreten Saisonziels verzichtet. Vor allem nach den oftmals sehr optimistischen Ansagen der letzten zwei Jahre, wo ich oft das Gefühl hatte, dass man die neuen Realitäten nicht erkennen konnte oder wollte.

Zum Abschluss möchte ich übrigens noch kurz auf meinen Man of the Match eingehen: Felix Kroos, der im defensiven Mittelfeld auflaufen durfte und in meinen Augen einen richtig guten Job machte. Er spielte unauffällig, hatte aber viele Ballkontakte und gewann einen Großteil seiner Zweikämpfe. Zudem dirigierte er seine Mitspieler und war sehr aktiv am kommunizieren. Ich kann mich an eine Szene in der zweiten Halbzeit erinnern, wo er Selassie auf der Außenbahn nach vorne schickt und die Position absicherte. In meinen Augen hat sich Felix damit einen weiteren Einsatz im nächsten Spiel mehr als verdient. Gegen Augsburg kann die Mannschaft hoffentlich einen weiteren Schritt in die richtige Richtung machen. Ich bin auf jeden Fall live vor Ort dabei.

Lebenslang Grün-Weiß!

Dreimal ist Bremer Recht

Das Pokalspiel in Saarbrücken und der damit verbundene Start in die Saison 2013/14 kann als – vorsichtig formuliert – misslungen bezeichnet werden. Werder verliert zum dritten Mal in Folge in der ersten Pokalrunde gegen ein Team aus der dritten Liga und nimmt mir damit einen Großteil des Optimismus, den ich trotz durchwachsener Vorbereitung hatte. Dabei ist es nicht alleine die Tatsache, dass man sich in Runde eins aus dem Pokal verabschiedet, sondern vor allem die Art und Weise. Bis auf knapp 20 Minuten nach der Halbzeitpause war Saarbrücken das bessere Team, hatte mehr und hochkarätigere Torchancen und wirkte trotz des Fehlstarts in Liga 3 alles andere als verunsichert. Man konnte in Ansätzen einige Ideen von Dutt sehen (hochstehende AVs, 6er lässt sich zwischen IV fallen), aber man sah gerade im Defensivverhalten erschreckend viel Altbewährtes.

Immer wieder wurde der Ball auf dem Weg nach vorne verloren und die Saarbrücker nutzten die sich bietenden Räume. Erschreckend auch, dass man zwei-, dreimal nach eigenem Standard in Konter der Hausherrn lief. Darüber hinaus wirkte das Aufbauspiel völlig ideenlos und ohne erkennbare Linie. Die oben angesprochenen zwanzig Minuten, in denen auch das 1:1 fiel, waren nicht mehr als ein kurzes Strohfeuer, welches nur allzu schnell erlosch.

Nach dieser erneuten Pokalenttäuschung (Könnt Ihr Euch noch an damals erinnern? Als Bremen als Pokalmannschaft galt?) sitze ich hier mit einem Sack voll Fragen. Mir ist klar, dass es noch dauert, bis sich die fußballerischen Ideen von Robin Dutt vollends auf dem Platz nachvollziehen lassen und natürlich kann auch er nicht innerhalb der vierwöchigen Vorbereitung all die Dinge abstellen, die in den letzten Jahren nur allzu präsent waren, aber ich habe mir trotzdem mehr erhofft und nicht einen so plan- und streckenweise auch leblosen Auftritt. Ein Stemmen gegen die Niederlage, eine gewisse Grundaggressivität, all das fehlte völlig, wie so oft in den letzten Jahren.

Einen klaren Kantersieg habe ich nicht erwartet, nicht einmal eine wirklich dominante Vorstellung, aber ich hätte erwartet, dass man sich über die volle Distanz wehrt, sich reinhängt und dem Gegner nicht so das Feld überlässt. Zumal der Gegner sonst zwei Ligen weiter unten antritt. Beim „Treffen der Pokaldeppen“ am nächsten Samstag (Braunschweig verlor mit 0:1 in Bielefeld) muss sich die Mannschaft gewaltig steigern, soll nicht auch der Bundesliga-Start daneben gehen. Klar, man darf jetzt nicht in Fatalismus verfallen und das ganz große „Mimimimi“ anstimmen, aber das Spiel heute war ein herber Tiefschlag für meinen vorsaisonalen Optimismus, den ich vor dem Spiel noch im Podcast mit Tobi zum Besten gab. Auf das es Samstag besser werden möge…

Lebenslang Grün-Weiß!

Jetzt geht’s los – again

Noch zwei Tage, bevor das erste Pflichtspiel der Saison 13/14 steigt. Genau die richtige Zeit, wieder aus der Versenkung hervorzukommen. Nicht, dass ich in der letzten Zeit nicht auch irgendwie produktiv gewesen wäre, aber den Abstand zum Fußball habe ich gebraucht nach einer – leider aus den falschen Gründen – nervenzehrenden Saison, die im Klassenerhalt und der Trennung von Thomas Schaaf gipfelte. Aprospos Schaaf: es ist nun schon zweieinhalb Monate her, dass die Entscheidung fiel, sich vom scheinbar ewigen Thomas zu trennen. Und man mag mich einen schlechten Fan schimpfen, aber als Ende Juni/Anfang Juli der Robin Dutt den Trainingsauftakt leitete, da fühlte es sich gar nicht so falsch an, wie ich selbst zunächst befürchtete. Wahrscheinlich gewöhnt man sich in diesen Zeiten nur allzu schnell an den Wandel. Vielleicht ist es noch einmal was anderes, wenn der Thomas beim ersten Saisonspiel nicht mehr an der Seitenlinie steht…

Am Sonntag steigt beim 1. FC Saarbrücken das Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal. Eine erste wirkliche Standortbestimmung nach einer durchwachsenen Saisonvorbereitung. Klar, man sollte Testspielen nie allzu viel Bedeutung beimessen und gerade mit einem neuen Trainer ist es nur allzu verständlich, dass dieser Zeit braucht, um sich einen Überblick über den Kader zu verschaffen. Wer kann welche Rolle übernehmen, wer kann eine tragende Figur in seinem System werden und wer hat vielleicht keine wirkliche Zukunft mehr in Bremen? Aber dennoch setzte nach dem 1:2 gegen Leipzig eine gewisse Unruhe ein, die durch die Siege gegen Erfurt und Fulham wieder abgefangen wurde. Gerade rechtzeitig, um nicht völlig fatalistisch ins Spiel gegen Saarbrücken zu gehen. Denn die Kombination 1. Pokalrunde, Werder und Drittligist war in den letzten beiden Jahren aus Bremer Sicht eher kein wirklicher Kracher. Aber ich sehe dem Spiel am Sonntag schon optimistisch entgegen. Klar, wir werden Saarbrücken nicht aus dem Stadion ballern, aber ich glaube, wir werden uns durchsetzen und mit einem ersten kleinen Erfolgserlebnis in die Saison starten.

Eichman und Robin

Auch über den Pokal hinaus blicke ich optimistisch auf die kommende Saison. Dies ist nicht unbedingt in den Änderungen beim kickenden Personal begründet, wo bisher nur Caldirola und Makiadi neu in die Mannschaft kamen. Vielmehr ruhen die Hoffnungen auf den Schultern von Robin Dutt. Nein, ich erwarte keine Wunderdinge von ihm und glaube auch nicht, dass er einfach mal das Ruder komplett rumreißen kann und uns in der ersten Saison nach Europa führt. Aber ich glaube, dass er diese Mannschaft entwickeln kann, dass er die Abwehr stabilisieren kann und wir nach drei Jahren der Stagnation und des Rückschritts endlich wieder eine langfristige und nachhaltige Entwicklung zu erkennen sein wird. Also, die Dinge, die wir in der Vergangenheit immer wieder kritisiert haben. Dabei will ich im Voraus gar nicht auf Formationen, Systeme und Taktiken spekulieren, denn auch das wird zu Beginn der Saison noch im Fluss sein, bis Dutt und die Mannschaft die Faktoren herausarbeiten, die zum Erfolg führen.

Auch Eichin kommt dabei natürlich eine wichtige Rolle zu, denn er kann nun erstmalig zeigen, wie er sich auf dem Transfermarkt schlägt. Caldirola und Makiadi sind dabei schon erste gute Transfers gewesen. Darüber hinaus rechne ich stark damit, dass sich in den nächsten vier Wochen noch einiges im Kader tun wird. So wurde heute nachmittag der Transfer von Denni Avdic zum AZ Alkmaar verkündet und auch um Arnautovic verdichten sich wieder die Gerüchte. Dabei ist ein möglicher Abgang von Arnautovic vor allem notwendig, um Geld in die klamme Kasse zu spülen, damit man selbst wieder zuschlagen kann. Ich hoffe, dass Eichin dabei wieder an die alte Bremer Tradition anknüpfen kann, Spieler für einen relativ schmalen Taler zu holen und diese dann später für ein vielfaches zu verkaufen.

Meine Erwartungshaltung ist auf dem gleichen Niveau wie vor der letzten Saison: ich erwarte eine Entwicklung, keinen konkreten Tabellenplatz (natürlich sollten wir uns dabei möglichst fern von den Abstiegsplätzen befinden). Ich will wieder Spaß an der Mannschaft haben und nicht in ein lethargisches Achselzucken abgleiten, wenn wir zehn Spiele in Folge nicht gewinnen. Gerade am Anfang wird es noch Zeit dauern, bis sich alles findet, aber ich bin bereit, der Mannschaft und den Verantwortlichen einen Vertrauensvorschuss zu geben. Und nach einigen Spieltagen wird dann klarer, was Dutt anders machen lässt und welchen Fußball die Mannschaft zeigt. Und ganz ehrlich: wird wieder Zeit, dass der Ball rollt und der SVW wieder kickt. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Alles neu macht der Mai

Zwischen der Sicherung des Klassenerhalts im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und dem letzten Spiel der Saison beim 1. FC Nürnberg stand noch der 15. Mai, der Tag an dem die Trennung von Thomas Schaaf offiziell gemacht wurde. Ich weiß noch, dass ich echte Gänsehaut hatte, als ich die Nachricht auf der Werder-Homepage las und ein kleines Tränchen verdrücken musste. Obwohl ich zuletzt von seinen Fähigkeiten als Trainer nicht mehr überzeugt war, ist es ein komisches Gefühl, wenn jemand den Verein nach mehr als 40 Jahren verlässt und dabei sowohl als Spieler wie auch als Trainer große Erfolge an der Weser feiern konnte. Schaaf war eine Identifikationsfigur, wie sie im Buche steht und eine Konstante in einer Zeit, wo einige Vereine durchschnittlich einen Trainer pro Saison verschlissen. Für die Arbeit, die Schaaf gerade auch als Trainer geleistet hat, bin ich ihm total dankbar und ich bin schon gespannt, wie das erste Spiel mit Robin Dutt an der Seitenlinie wird, wo Schaaf mich doch mehr als die Hälfte meines Fan-Daseins als Trainer begleitet hat.

Obwohl der Verlust von Schaaf menschlich schmerzt, bin ich davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Die Umstände mögen weit weniger einvernehmlich gewesen sein, als die offiziellen Verlautbarungen uns weis machen wollen und vielleicht hätte man das ganze schlauer angehen können, aber ich glaube, dass man in der Sache an sich richtig liegt. Und es ist auch keine Heuchelei, wie teilweise in den Social Media-Kanälen zu lesen war, wenn man einerseits Schaaf für seine Verdienste um den Verein dankbar ist, aber andererseits auch die Frage gestellt hat, ob Schaaf noch der Richtige ist. Und bei mir ging es dabei nie darum, Schaaf nur deshalb auszutauschen, um etwas Neues zu machen, wie es Arnd Zeigler gerne formuliert, sondern um das, was wir in den letzten drei Jahren auf dem grünen Rasen gesehen haben. Und da kann man zu dem Schluss kommen, dass der Trainer auch seinen Teil dazu beigetragen hat und es nicht alleine an Verletzungen, einem schwachen Kader oder untrainierbaren Kickern gelegen hat.

Nach knapp anderthalb Wochen wurde der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt als neuer Trainer präsentiert. Die Phase der wilden Gerüchte, angeblichen Absagen und unsäglichen Trainerkandidaten (Effe) war zum Glück von relativ kurzer Dauer. Ich hatte im Grünweiß-Stammtisch schon zum Ausdruck gebracht, dass ich der Verpflichtung von Dutt positiv gegenüber stehe. Er hat in Freiburg gute Arbeit geleistet und dort schon gelernt, was es heißt, einen langjährigen Trainer zu beerben, da er dort die Nachfolge von Volker Finke antrat. Dutt hatte in Leverkusen seine Schwierigkeiten und wahrscheinlich zu viel in zu kurzer Zeit erreichen wollen, was von Teilen des Kaders nicht goutiert wurde. Aber man darf nicht vergessen, dass man in Bremen kaum Spieler mit so einem Standing hat, wie ein Ballack, Rolfes oder Kießling es bei Leverkusen hatten. Ich denke, seine Verpflichtung ist ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem auch mit Blick auf die Einbindung von Talenten.

Nach der Verlängerung der Verträge von Kroos und Yildirim sowie der festen Verpflichtung von Nils Petersen wurde gestern die Verpflichtung von Cedrick Makiadi vom SC Freiburg bekannt gegeben. Ich habe persönlich jetzt keinen bleibenden Eindruck von ihm, aber er war Stammspieler in einer Freiburger Mannschaft, die in der letzten Saison für Furore sorgen konnte. Daher würde ich mir ein bisschen mehr Aufgeschlossenheit ihm gegenüber wünschen. Überall liest man, was man denn mit dem wolle und wie viele Millionen Euro man jetzt wieder in den Sand gesetzt habe. Vielleicht sollten wir ihm und allen anderen Spielern, die noch kommen werden, eine Chance geben, sich zu beweisen. Was ebenso für Robin Dutt gilt. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie der Kader in der neuen Saison aussieht und vorsichtig optimistisch, dass es in der neuen Saison wieder aufwärts gehen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!

Klassenerhalt

Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.

Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.

Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.

Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!

ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!

Abstiegsk(r)ampf

Nach dem 0:3 daheim gegen den VfL Wolfsburg war unter der Woche viel von „mehr Engagement“ die Rede, welches man beim Auswärtsspiel in Leverkusen zeigen wollte. Es gab ein Teambuilding, eine nächtliche Ausfahrt von Arnautovic und Elia, kurzum: sowohl auf als auch neben dem Platz passierte unter Woche einiges.

In Leverkusen verkaufte sich das Team besser als ich im Vorhinein befürchtet hatte. Man konnte Leverkusen das Leben einigermaßen schwer machen, auch wenn die spielerische Klasse der Werkself nicht über 90 Minuten in Schach gehalten werden konnte. So führte ein guter Spielzug der Leverkusener auch zum Elfmeter in der 35. Minute. Ich fand die Szene diskussionswürdig, aber anscheinend war es ein berechtigter Elfer. Was die Sache noch schmerzhafter machte: Sam war beim Abspiel knapp im Abseits. Auch wenn es schwer zu sehen war: es war somit nicht regelkonform. Bremen selbst hatte in Halbzeit zwei die größte Chance, doch Junuzovic scheiterte im eins gegen eins an Leverkusens Bernd Leno.

Die offizielle Version der „Spin Doctors“ aus dem Verein lautet: „Und es hat Klick gemacht„. Das ist natürlich das gute Recht des Vereins, das Positive am Spiel herauszustellen und sicherlich hat man sich in Leverkusen nicht die befürchtete Packung abgeholt, aber es bleibt die Frage, warum man nicht vorher mit mehr Engagement aufgetreten ist. Wo blieb das Engagement gegen Wolfsburg und in einigen Spielen vorher? Vor allem gefällt es mir nicht, dass jetzt so getan wird, als würde das Spiel eine Art Wende darstellen. Wir waren diese Saison schon häufiger an dem Punkt, wo alle dachten, dass sich etwas zum Besseren ändern würde. Nur um danach wieder bitter enttäuscht zu werden. Zudem haben gestern sowohl Augsburg als auch Hoffenheim gewonnen, so dass Bremen nun noch weiter unten reingerutscht ist. Der Abstand auf Platz 16 beträgt nur noch 2 Punkte.

Damit kommt es nächten Samstag gegen Hoffenheim zu einem echten Endspiel. Mit einem Sieg kann man sich vielleicht den entscheidenden Abstand zu Platz 16 sichern, bei einer Niederlage geht es weiter Richtung Abgrund. Und momentan habe ich verdammte Angst davor, endgültig abzurutschen. Man muss kein Untergangsprophet sein, um für die nächste Saison Montagsspiele auf Sport1 zu befürchten. Leider ist dieses Szenario nur allzu wahrscheinlich geworden. Warum dem so ist, dass wurde hier und an anderer Stelle in den letzten Wochen schon oft genug besprochen. Bis der Verbleib in Liga eins gesichert ist, bringt es auch nichts, jede Woche die gleichen Dinge durchzukauen. Eichin hat gestern noch einmal betont, dass man mit Schaaf die Saison zu Ende bringen und dann weiter sehen wird. Das nehme ich vorerst so hin. Nun gilt es, die nötigen Punkte zu holen, egal wie.

Kevin De Bruyne gibt sich schon einmal sehr kämpferisch vor dem Hoffenheim-Spiel:

KdB-Twitter

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Was mir ein bisschen Sorge macht: anders als die Bremer wissen die Sinsheimer wie sich ein Sieg anfühlt. Gestern gegen Nürnberg scheinen sie ein gutes Spiel gemacht zu haben und die Tore waren gut rausgespielt. Das heißt, die kommen mit einem ganz anderen Selbsbewusstsein an die Weser. Auch Augsburg hat gestern richtig gut gespielt. Ganz anders als die Grün-Weißen derzeit.

Abschließend noch ein dickes „Danke“ an die Auswärtsfahrer, die gestern im Stadion richtig gute Stimmung gemacht haben. Auch über den Abpfiff hinaus. Nächsten Samstag muss es so weitergehen und hoffentlich steht das Stadion während des Spiels hinter der Mannschaft.

Lebenslang Grün-Weiß!