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Gerettet

Mit dem Sieg gegen den FC St. Pauli hat sich Bremen wohl aller Abstiegssorgen entledigt. 6 Punkte sind es auf den Relegationsplatz bei noch 3 ausstehenden Spielen.

Das Spiel habe ich erst ab der 38. Minute verfolgen können. Da führten die Hamburger schon mit 1:0 und ich war über das Spiel der Bremen zu diesem Zeitpunkt erschüttert. Ballgeschiebe in der Abwehr, keine konsequenten Aktionen nach vorne und es war offensichtlich, dass die Braun-Weißen den Bremern mit ihrer Aggressivität zu der Phase den Schneid abkauften. Wurde Borowski doch zu sehr als Stabilisator im Mittelfeld vermisst?

Doch zum Glück kam die Halbzeit und was auch immer Schaaf dort genau gesagt hatte: er schien die Mannschaft damit zu erreichen. Das Team kam wesentlich aggressiver aus der Kabine und setzte Pauli von Anfang an unter Druck. So wurden diese weit in die eigene Hälfte gedrängt, was auch das Ziel für eine zweite erfolgreiche Halbzeit sein musste. Es wurde schnell deutlich, dass die Pauli-Abwehr unter Druck sehr anfällig für Fehler ist. Bargfrede leitete das 1:1 ein, als er über rechts in den Strafraum von St. Pauli sprintete und seine Hereingabe von Thorandt ins eigene Netz gelenkt wurde. Ein Doppelschlag von Claudio Pizarro (einmal nach Ecke von Frings per Kopf und dann ein Konter nach feinem Pass von Marin) besiegelte den 3:1 Sieg für Werder. Pauli hatte spätestens nach dem dritten Gegentreffer jegliche Gegenwehr aufgegeben und sich ins Schicksal gefügt.

Man sollte dennoch nicht die beiden dicken Chancen für Pauli unter den Teppich kehren. Als Asamoahkurz nach dem Ausgleich frei vor Wiese auftauchte, können wir uns beim mangelnden Überblick von Gerald bedanken, der lieber Wiese tunneln wollte, als den besser postierten Mann in der Mitte anzuspielen. In der 60. Minute war es Pasanen, der am Ball vorbeigrätscht und damit wieder Asamoah völlig frei ziehen lässt. Diesmal behält Asa die Übersicht, doch Takyi verzieht kläglich. Dennoch war die zweite Halbzeit deutlich besser als die erste und zum ersten Mal in dieser Saison gelingt es Bremen, einen Rückstand noch zu drehen und holt endlich mal einen Dreier gegen einen direkten Konkurrenten.

Noch drei Spiele sind es diese Saison. Nächste Woche gegen Wolfsburg. In diesem Spiel hoffe ich auf einen Dreier, um die 40 Punkte voll zu machen, aber auch um Wolfsburg da unten zu halten. Ich muss gestehen, dass ich eine diebische Freude dabei empfinde, dass die Truppe trotz massiver Investitionen vor der Saison da unten drin steht. Dann geht es gegen Dortmund, was wohl einfach eine große Party in schwarz-gelb werden wird und abschließend noch gegen Lautern.

Für St. Pauli war es das wohl vorerst mit Liga 1. Natürlich ist rechnerisch noch alles drin und auch der Relegationsplatz ist nicht außer Reichweite, aber die Tatsache, wie die Mannschaft gestern in Halbzeit zwei in sich zusammenfiel, sollte Anlass zur Sorge geben. Gerade die Defensive macht alles andere als einen stabilen Eindruck (vor allem in Kombination mit Keeper Pliquett). Ich hoffe, es trifft die Braun-Weißen nicht allzu hart, wobei ich schon etwas skeptisch bin, vor allem in Bezug auf den Weggang von Stanislawski.

Werder: 3 – Pauli: 0

Der vierfache Almeida

Das Spiel gegen die Kiezkicker endete endlich mal wieder mit einem Sieg und drei Punkten für die Grün-Weißen. Dabei brachte Almeida Werder schon in der ersten Minute auf die Siegerstraße. Der Portugiese legte in der 20. und der 63. sogar nochmal nach. Dabei zeigte er bei den beiden ersten Toren im 1 gegen 1 mit Paulis Keeper endlich mal die nötige Coolness, die mir oft bei ihm fehlt. Gerade das 2:0 war schon richtig gut von ihm gemacht. Nach einem Sprint von Strafraum zu Strafraum behält Hugo die Nerven und schlenzt den Ball cool ins lange Eck. Genau das hat mir bei Almeida immer gefehlt auf dem Weg zum Klassestürmer. Leider hat Almeida in der 80. Minute noch dafür gesorgt, dass wir die nächsten drei Bundesligaspiele auf ihn verzichten müssen. Auf Höhe der Mittellinie kam es zu einem Zweikampf mit Paulis Zambrano und da sich Hugo zu sehr provoziert fühlte, langte er noch mal hin. Das sich Zambrano das Gesicht hält, obwohl er im Nacken getroffen wurde, gehört wohl zu den normalen Dingen im modernen Fußball. Das ändert jedoch nix an der berechtigten roten Karte. Damit erweist Hugo der Mannschaft angesichts der angespannten Personallage einen Bärendienst vor den beiden Auswärtsspielen in Wolfsburg und Dortmund.

Nicht alles Gold, was glänzt

Das deutliche Ergebnis täuscht über einiges hinweg. Schon in der ersten Halbzeit hatte das Team es vor allem Tim Wiese zu verdanken, dass man mit einem 2:o und nicht mit einem 2:2 in die Pause ging. Immer wieder kam Pauli zu Chancen und auch die komfortable Führung brachte keine wirkliche Sicherheit ins Spiel der Bremer. Darüber hinaus war Pauli auch ein dankbarer Aufbaugegner: selbst spielerisch arg limitiert und immer wieder mit großen Lücken in der Abwehr, die es auch der zahnlosen Offensive der Bremer ermöglichte, sich Torchancen zu erarbeiten. Von Fortschritt zu sprechen wäre vermessen, zumal wir schonmal gedacht hatten, die Mannschaft hätte sich gefangen, bevor sie sich die nächste Packung abholte. Das nächste Spiel wird zeigen, ob es sich bei dem Sieg gegen die Hamburger um mehr als nur ein kurzes Strohfeuer handelt.

Die Causa Hunt

Kommen wir noch kurz zu Aaron Hunt. Am Sonntag schlug ihm spätestens bei der Auswechslung der Hass der eigenen Anhänger entgegen. Trotz einer 3:0-Führung und kurz vor Ende des Spiels wurde Hunt nach allen Regeln der Kunst ausgepfiffen, als er das Spielfeld verlässt. Und dafür fehlt mir ehrlich gesagt das Verständnis. Natürlich müssen sich Spieler Kritik gefallen lassen und Hunt habe ich bspw. nach dem Schalke-Spiel auch für seine körperlose Zweikampfführung kritisiert oder auch Silvestre an anderer Stelle. Und es ist auch richtig, dass Hunt nicht wirklich das zeigt, was wir alle von ihm erhofft haben. Doch diese Kritik sollte nach dem Spiel stattfinden und nicht währenddessen. Die Mannschaft befindet sich in einer schwierigen Situation und ich würde denken, dass die Fans das Team als Ganzes über 90 Minuten hinweg unterstützt. Aber dem ist nicht so. Und obwohl Teile der Fans Ihre eigenen Spieler verbal in der Luft zerreißen, ist man dann erstaunlich dünnhäutig, wenn man es wagt, die Fans selbst für ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen. Dabei fungiert Hunt meiner Meinung nach nur als Sündenbock, denn gegen Pauli war er nicht der Schlechteste auf dem Platz. Da Borowski nicht mehr so recht als Blitzableiter taugt, pickt man sich also den nächsten raus, den man dann auch völlig unabhängig von seiner wirklichen Leistung niedermacht. Dabei wird ihm gerne vorgeworfen, er würde „andauernd“ behaupten, Özil ersetzen zu können. Dabei kann ich solche Aussagen gar nicht finden. Dass die Vereinsführung vorgesehen hat, dass Hunt im Verbund mit anderen den Verlust von Mesut würde auffangen können, kann man ihm ja kaum zum Vorwurf machen. Vielleicht ist ja jemand mal so freundlich, mir eine entsprechende Quelle zu nennen.