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In den Startlöchern

Am kommenden Sonntag geht die neue Saison los und für den SV Werder steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal an. Bevor Bremen versucht, die sagenumwobene zweite Pokalrunde zu erreichen, hier eine kleine Vorschau auf die neue Saison.

Der Kader

Es gab im Sommer einige Abgänge: Füllkrug, Wurtz, Röcker, Schmitz, die Steffis, Miele, Iggy, Hunt und ganz aktuell: Akpala. Sportlich ist in meinen Augen nur der Abgang von Hunt einer, der leichte Bauchschmerzen verursacht, ansonsten sind es Abgänge, die allenfalls menschlich ein bisschen schade sind (Miele, Iggy), aber die auf den Verlauf der nächsten Saison keinen Einfluss nehmen werden. Mit Akpala verschwindet eines der letzten Mahnmale vom Propheten des bestellten Feldes. Bei Lücke und Wurtz hat man wohl nicht damit gerechnet, dass sie in naher Zukunft der Mannschaft weiterhelfen können. Insgesamt hinterlassen die Abgänge nicht unbedingt riesige Baustellen im Kader.

Natürlich haben auch einige neue Spieler den Weg nach Bremen gefunden: Raif Husic, der erst einmal in der U23 zum Einsatz kommt, Izet Hajrovic, Alejandro Gàlvez sowie Fin Bartels. Izet Hajrovic kam ablösefrei von Galatasaray Istanbul, die eher sporadisch bis gar nicht die Gehälter überwiesen. Bei der WM konnte er schon in Ansätzen zeigen, was von Ihm zu erwarten ist: Schnelligkeit, Technik und einen guten Torabschluss. Schöner Überraschungsdeal von Eichin. Gàlvez kam ablösfrei aus Spanien und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der 6 spielen, wo er in der Vorbereitung überwiegend zum Einsatz kam. Abschließend noch Fin Bartels, der vom FC St. Pauli an die Weser gewechselt ist. Auf den ersten Blick ein Mann für die Breite, der in der Vorbereitung häufiger zum Einsatz kam und vielleicht auch gegen den FV Illertissen ran darf.

Insgesamt sehe ich den Kader ganz gut aufgestellt. Klar, im Sturm ist es noch ein bisschen dünne, aber vielleicht tut sich da noch etwas, bevor das Transferfenster Ende des Monats wieder schließt. Im Mittelfeld sind wir mit einer Fülle an Optionen ausgestattet und ich rechne damit, dass wir hier häufiger mal personelle Wechsel sehen, in Abhängigkeit vom Gegner und der jeweiligen Form. Eine detaillierte Betrachtung aller Spieler lieferte kürzlich Tobias von MeineSaison.

Vorbereitung

Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Es war eine durchwachsene Vorbereitung mit klaren Siegen gegen unterklassige Teams, zähen Partien wie bspw. gegen Bilbao, dem Höhepunkt gegen Chelsea und zwei Niederlagen im Endspurt. So wie nach dem 3:0 gegen Chelsea bei mir keine Euphorie ausbrach, sehe ich auch die beiden Niederlagen gegen Hannover und Leicester relativ entspannt. Wichtig ist das Pokalspiel am Sonntag sowie der Auftakt der Bundesliga und wenn wir da erfolgreich sind, interessieren die Niederlagen niemanden mehr (ebenso wie man sich bei einem Fehlstart nix für das 3:0 hätte kaufen können).

Wichtiger ist ja eh die Etablierung von Abläufen und das Festigen der Sicherheit, welche die Mannschaft zum Ende der letzten Saison zeigte. Und man hat ja auch ein wenig mit dem WM-Trend 3-5-2 rumexperimentiert und vielleicht sehen wir das ja in der kommenden Saison auch mal live auf dem Platz.

Was ist zu erwarten?

Robin Dutt und Thomas Eichin machen einen entspannten Eindruck. Während Eichin am Kader der kommenden Saison schraubt, arbeitet Dutt an der Weiterentwicklung der Mannschaft. Dabei sprechen beide nach außen mit einer Stimme und formulieren gleichlautende Ziele: die Mannschaft den nächsten Schritt machen lassen und irgendwo zwischen Platz acht und zwölf landen. Die Grundlage dafür wurde in der letzten Saison gelegt, auch wenn die Früchte erst später in der Saison geerntet werden konnten. Doch diese Saison kann man auf den gemachten Erfahrungen aufbauen und muss nur wenige neue Puzzleteile integrieren. Es sollte gelingen, spielerisch einen weiteren Schritt nach vorne zu machen und von einem vornehmlich reaktiven Stil hin zu mehr eigener Aktivität zu kommen. Aber man sollte keine Wunderdinge erwarten und ich finde es richtig, dass die sportliche Führung den einstelligen Tabellenplatz nicht zum allein glückselig machenden Saisonziel auserkoren hat.

Dabei ist der Schritt auf Platz neun im Zweifel gar nicht so groß, denn wenn man sich die letzten fünf Saisons anschaut, hatten die Teams auf Platz neun zwischen 42 und 47 Punkten. Bremen hatte in der abgelaufenen Saison 39, ein so großer Sprung ist dies also gar nicht. Sollte man sich spielerisch weiterentwickeln, vielleicht ein paar richtig gute Spiele abliefern und am Ende „nur“ Zehnter werden, sollte das jedoch kein Anlass zu Beschwerden sein.

Ich gehe positiv in die kommende Saison und erwarte den nächsten Schritt von der Mannschaft. Man hat die Mannschaft punktuell verstärkt und kann auf der Grundlagenarbeit der letzten Saison aufbauen. In meinen Augen ist damit zu rechnen, dass wir dieses Jahr eine Hand voll Spiele dabei haben werden, wo der SVW auch spielerisch überzeugen kann und man rundum zufrieden aus dem Stadion kommt. Einen weiteren Vorbericht findet man bei Andreas im Werder Exil.

Lebenlang Grün-Weiß!

Abstandhalter

1:1 gegen den VfB Stuttgart, ein Ergebnis, mit dem man nach einigem Abstand zufrieden sein kann, wenn nicht sogar zufrieden sein muss. Man hat den Abstand auf Stuttgart halten können und wenn man das Spiel noch einmal Revue passieren lässt, so hätte es auch ganz anders ausgehen können.

Bremen trat mit der gleichen Mannschaft wie gegen Nürnberg an und Dutt setzte auf die Raute, die sich in den letzten Spielen bewährt hatte. Nach dem Rauswurf von Thomas Schneider übernahm in Huub Stevens ein guter alter Bekannter das Ruder in Stuttgart. Beide Mannschaften begannen relativ abwartend und waren vor allem darauf bedacht, aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren. Stuttgart zog sich bei Bremer Ballbesitz häufig weit zurück, stellte sich kompakt auf und machte die Räume eng, was dazu führte, dass sich Prödl und Lukimya mehrfach den Ball hin- und herschoben. Hatten die Stuttgarter den Ball, wirkte das Spiel der Gäste deutlich zielstrebiger und schlicht besser. Vor allem die rechte Angriffsseite machte sehr viel Druck und stellte Ignjovski vor ziemliche Probleme, vor allem, da er von Junuzovic oft nicht rechtzeitig unterstützt wurde.

In Phasen hatte man das Gefühl, beide Mannschaften würden hier mit ähnlicher Prämisse umeinander herumtänzeln: hinten dicht und vorne auf den Lucky Punch warten. Und es war nicht besonders erquicklich, sich das anzuschauen. Vor allen nicht auf der Nord-Tribüne mit all den ganzen Meckeropas und Aushilfs-Cholerikern um einen herum, die schon in der ersten Minute rumpöbeln. Nach dem 0:1 durch Niedermeier, welches aus einem Standard resultierte, drohte das Spiel zugunsten der Gäste zu kippen. Man konnte die Fragezeichen in den Gesichtern der Werder-Spieler förmlich greifen. Zudem leistete man sich defensiv einige Aussetzer, die von den Gästen zum Glück nicht ausgenutzt werden konnten. So bedurfte es eines abgefälschten Freistoßes von Aaron Hunt, um den Ausgleich zu erzielen und in der darauf anschließenden Druckphase der Bremer sogar die Hoffnung auf den Siegtreffer zu nähren.

Über die spielerische Qualität bzw. das Fehlen eben dieser wurde hier und auch an anderer Stelle schon häufiger eingegangen. Gegen Frankfurt war es die einstündige Übezahl und gegen den HSV und Nürnberg die Siege, welche ein bisschen darüber hinwegtrösten konnten. Natürlich gilt es nur, die Klasse zu halten und in Anbetracht dessen ist die Tatsache, dass wir in den letzten fünf Spielen nicht verloren und neun Punkte gesammelt haben, gibt nun wahrlich keinen Grund zur Klage. Aber es ist immer wieder ernüchternd, dass auch Mannschaften, die aktuell in der Tabelle deutlich hinter uns stehen, deutlich spielstärker sind als wir. Diese Saison wird sich daran nichts mehr ändern, allein schon, weil die Rückrunde gezeigt hat, dass mehr Offensive dann zu null Defensive führt. Aber ich hoffe, dass in der nächsten Spielzeit daran gearbeitet wird, dass wir nicht uns nicht mehr um den Titel „spielerisch schlechteste Mannschaft der Liga“ kloppen dürfen.

Die Jungs vom Grünweiß-Stammtisch haben in der letzten Folge auch über den immer wahrscheinlicher werdenden Abschied von Aaron Hunt gesprochen. Anfang der Woche wurde Hunt mit Gladbach, Leverkusen, Besiktas Istanbul sowie Tottenham in Verbindung gebracht. Ich persönlich würde einen Abgang von Hunt sehr bedauern. Zum einen weil er in den letzten Jahren seinen Wert für die Mannschaft mehrfach unter Beweis gestellt hat. Gerade zuletzt war er an drei von vier Toren in den wichtigen Spielen gegen direkte Konkurrenten beteiligt. Zum anderen stammt er aus der eigenen Jugend, ist für mich (auch wenn einige das ganz anders sehen) eine wichtige Identifikationsfigur dieser Mannschaft. Ich kann seine Motivation nachvollziehen. Es ist unwahrscheinlich (außer bei einem mittelschweren Wunder), dass Bremen in naher Zukunft wieder europäisch spielen wird. Da können andere Vereine ihm deutlich mehr anbieten (vom Geld ganz zu schweigen). Und für Bremen ergibt sich durch das frei werdende Gehaltsbudget sowie eine andere spielerische Ausrichtung auch eine Chance zur Neu-Ausrichtung. Dennoch gebe ich die Hoffnung vorerst nicht auf, aber seine Aussage Anfang der Woche, die sinngemäß lautete: „Wenn Werder sofort eine Entscheidung haben möchte, können sie sie bekommen“, deutet schwer darauf hin, dass eigentlich alles klar ist. Wahrscheinlich hat man sich dazu entschieden, mit der Verkündung zu warten, bis die sportliche Situation sich deutlich entspannt hat.

Nächste Woche steht dann das vorerst letzte Spiel der „Wochen der Wahrheit“ auf dem Programm. Werder wird beim SC Freiburg zu Gast sein. Ich denke, Freiburg wird die deutlich aktivere Mannschaft sein und sich weniger passiv verhalten, als dies Stuttgart zum Teil getan hat. Dies sollte uns deutlich besser liegen und mit der guten alten „Lucky Punch“-Taktik können wir dort ja vielleicht was mitnehmen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Absetzbewegung

Nach dem 2:0 in Nürnberg weist die inoffizielle „Wochen der Wahrheit“-Statistik nach drei von fünf Spielen schon 3:0 Tore und sieben Punkte auf. Für mich persönlich wäre ich mit sieben bis neun Punkten nach diesem Pulk an Spielen gegen direkte Konkurrenten mehr als zufrieden gewesen. Mittlerweile haben wir wieder angenehme acht Punkte Abstand auf den Relegationsplatz und Werder ist wieder in deutlich ruhigeren Gewässern unterwegs.

Das Spiel

Wieder war es eine stabile Defensive, die den Grundstein für den Sieg legte, wie auch Tobias in seinem Blogbeitrag sehr ausführlich darlegt. So entstanden aus der deutlichen Feldüberlegenheit der Nürnberger (Ballbesitz 66% für Nürnberg; Passquote 76% Nürnberg, 63% Bremen) insgesamt nur vier Schüsse aufs Tor. Während ich das Spiel schaute, habe ich den 1. FCN deutlich gefährlicher wahrgenommen und war beim Blick auf die Statistik einigermaßen überrascht. Aber wir sind jetzt wieder in der Lage, dem Gegner das Spiel zu überlassen, ihn dorthin abzudrängen, wo wir ihn am liebsten haben wollen und die dann entstehenden Angriffe unbeschadet zu überstehen. So spielte Nürnberg viel über außen und agierte mit hohen Bällen, die ein gefundenes Fressen für uns waren. Und als Nürnberg in Halbzeit zwei deutlich stärker durch die Mitte kam, stellte Dutt von Raute auf zwei Sechser in einem 4-2-3-1 um und gab der Mannschaft damit – wie schon gegen den HSV – die nötige Stabilität.Wenn sich bei mir dann noch wieder mehr Vertrauen in unsere Abwehr einstellt, kann ich so ein Spiel auch deutlich entspannter genießen. 😉

Das eigene Angriffsspiel war relativ überschaubar und beide Tore fielen nach Ballgewinnen im Mittelfeld und mit ein bisschen Glück: Di Santo fällt der Abpraller von Hunts Distanzschuss vor die Füße und Pinola fälscht Bargfredes Schuss entscheidend ab. Aber manchmal muss man sein Glück auch entsprechend erzwingen. Was mir an Di Santo besonders gefällt ist die Tatsache, dass er auch in der Lage ist, sich selbst Chancen zu kreieren. Bei seinem Lattenschuss kann er die Verteidiger abschütteln und abziehen. Eine Eigenschaft, die Petersen (bei all seinen Qualitäten im Angriffspressing und seinem Einsatz) leider etwas abgeht und die aktuell sehr wichtig ist.

Vor einigen Spieltagen war die Stimmung bei mir ziemlich am Boden. Das hat sich durch die Serie doch deutlich entspannt. Ich bin weit davon entfernt, völlig euphorisch zu sein, aber mit drei bis vier Punkten in den nächsten beiden Spielen gegen Stuttgart und Freiburg könnte fast schon eine Vorentscheidung zugunsten des Klassenerhalts fallen. Dafür ist es natürlich notwendig, die kommenden Partien genauso anzugehen wie die letzten drei Spiele: mit Kampf, Defensive, Leidenschaft und dem einen oder anderen Lucky Punch.

Fair-Play?

Aaron Hunt sorgte nicht nur mit seinem sehenswerten Schuss vor dem 1:0 für Gesprächsstoff, sondern auch dadurch, dass er in der 75. Minute einen Elfmeterpfiff von Manuel Gräfe korrigierte, der ein Foul an Hunt im Nürnberger Strafraum gesehen hatte. So bemerkenswert die Geste ist, so sehr geht auch mir als Bremer der Hype darum ein bisschen zu weit, vor allem wenn dann gleich ein Fair-Play-Preis im Raum steht. Hunt selbst stellte die Situation so dar:

„Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass es eher eingefädelt war von mir. Ich wollte die Berührung haben, habe dann aber gemerkt, dass Pinola zurückgezogen hat. Ich habe dann ein bisschen mit mir gekämpft, so wollte ich hier nicht gewinnen, auch wenn Abstiegskampf ist.“ (Quelle)

So schön die Geste ist, so sehr schließe ich mich da Burning an, dass es hier ja eigentlich um eine Schwalbe geht, die Hunt versucht hat und was er ja auch in seinen Aussagen bestätigt. Das gehört mittlerweile zum Repertoire eines Fußballers, aber die Tatsache, dass Hunt seinen versuchten Beschiss wieder korrigiert, muss man echt nicht für den Friedensnobelpreis vorschlagen.

Jubiläumssieger

Das 100. BuLi-Nordderby sorgte schon Vorfeld für reichlich medialen Wirbel. Trotz der für beide Seiten prekären sportlichen Lage gab es einen nicht unerheblichen Hype, von dem sich nicht wenige genervt zeigten. Mich hatte das ganze Bohei nicht so erreicht und man muss dann den Medien auch mal ihren Spaß lassen, auch wenn klar ist, dass der sportliche Wert des Spiels mit dem Hype nicht würde mithalten können. Was aber allemal hohen Unterhaltungswert hatte, war die beeindruckende Choreografie der Ostkurve vor dem Spiel, die selbst vor dem Fernseher absoluten Gänsehaut-Faktor hatte.

Unser Erfolgsrezept gegen den HSV waren hohe Bälle, Zweikämpfe und Leidenschaft: die Tugenden des Kick & Rush, wenn man so will. Ich war ja einigermaßen irritiert über die hohen Bälle in letzter Zeit, aber wenn man den Ausführungen von Tobi und der Spielverlagerung folgt, dann war es genau das richtige Rezept in diesem Spiel. Zum einen hielt man den Ball und Gegner weit weg vom eigenen Strafraum und zum anderen konnte man so sein eigenes Pressing besser zu Geltung bringen. Gepaart mit einer klugen und aggressiven Zweikampfführung konnte man in Halbzeit eins über weite Strecken die Hamburger unter Kontrolle halten. Ein dickes Sonderlob an dieser Stelle vor allem an die Adresse von Assani Lukimya, von dem ich eigentlich dachte, dass er sich nach dem Gladbach-Spiel aus der  Mannschaft katapultiert hatte. Aufgrund der Sperren von Caldirola und Kroos spielte er dann doch an der Seite von Prödl in der Innenverteidigung und machte einen hervorragenden Job. Vor allem Neu-Nationalspieler Lasogga wurde einer liebevollen Spezialbehandlung unterzogen und blieb dank Lukimyas Fürsorge nahezu unsichtbar.

Der Siegtreffer von Junuzovic war auch eine Folge eines langen Balls nach einem Prödl-Freistoß. Garcia köpft den zweiten Ball zu Hunt, der mit der Hacke zu Junu weiterleitet. Und natürlich war das genau so gewollt, verstehe auch nicht, warum man da noch diskutieren muss. Einzig Hakan „Ich fühlte mich von Werder verarscht“ Calhanolgus Lattentreffer sorgte für einen kurzfristigen Schreckmoment. Darüber hinaus war auffällig, dass die Mannschaft viel aktiver war als zuletzt, auch selber darum bemüht war, das Spiel zu gestalten und nicht einfach in Passivität verharrte.

Dutt reagiert richtig

Nach der Halbzeit macht Hamburg deutlich mehr Druck und drängt die Bremer immer weiter hinten rein. Dabei kommen die Gäste vor allem über die Flügel zum Zuge und Bremen ist in der Phase nicht in der Lage, den Druck vom eigenen Strafraum weg zu halten. Doch Dutt reagiert und bringt nach fast 60 Minuten Selassie für Di Santo und löst die bis dahin praktizierte Raute zu Gunsten von zwei Viererketten im Mittelfeld auf. Dies gibt uns wieder die dringend benötigte defensive Stabilität zurück. Zwei Großchancen erspielt sich Bremen in Halbzeit zwei: einmal Junuzovic nach einem kapitalen Bock von Lasse Sobiech (der für den verletzten Rajkovic kam) und dann wieder Junuzovic, der jedoch hätte querlegen müssen. In Anbetracht des Sieges natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Nach dem Sieg gegen Hamburg haben wir 25 Punkte auf dem Konto und angenehme sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Zudem war es schon das achte Spiel ohne Gegentor diese Saison. Doch das ist noch lange kein Grund für Selbstzufriedenheit und ich bin mir sicher, dass diese auch nicht einsetzen wird. Letztlich haben wir wichtige drei Punkte gegen den Abstieg geholt und das Jubiläumsderby gewonnen. Aber man hat auch gesehen, dass das 3:0 der Hamburger gegen den BVB eher ein Ausreißer nach oben war, als der Turning Point der Saison. Denn bis auf die Druckphase direkt nach Wiederanpfiff ließen sich die Hamburger den Schneid sehr leicht abkaufen. Aber das soll nicht unsere Sorge sein.

Things to come

Nächste Woche geht es auswärts gegen den 1. FC Nürnberg, der bisher in der Rückrunde gar nicht so schlecht unterwegs ist. Hier gilt es, genauso konsequent weiterzumachen, wie in den 90 Minuten gegen den HSV. Vier Punkte aus den ersten beiden Spielen in den „Wochen der Wahrheit“ sind eine gute Ausbeute und das wissen auch die Mannschaft und die Verantwortlichen.

Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, dass wir gegen Mannschaften unserer Kragenweite auch in der Lage sind, defensiv besser zu agieren. In der Rückrunde schon drei Spiele ohne Gegentor gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Es sind die kleinen Dinge, die einem diese Saison Freude bereiten und Mut machen (siehe auch Iggys Wiedergeburt als Rechtsverteidiger). Vielleicht ist es der Beginn einer kleinen Serie, wie Burning schrieb. Es wäre uns allen zu wünschen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Drei Punkte zum Fest

Irgendwie in die Winterpause retten: das war die Marschroute vor dem Leverkusen-Spiel. Hauptsache keine Klatsche kassieren, dann die Wunden lecken und darauf hoffen, dass in der Rückrunde der Erfolg wieder an die Weser zurückkehrt. Auch ich habe sehr pessimistisch auf das Spiel gegen Leverkusen geschaut, denn die Werkself verfügt ausgerechnet dort über Stärken, wo wir uns in Bremen defensiv sehr schwer tun: zum einen ein effektives und schnelles Umschaltspiel und darüber hinaus auch über ein starkes Spiel über die Außen. So habe ich mich im Grünweiß-Stammtisch auch völlig fatalistisch auf einen 0:4-Tipp festgelegt.

Vor dem Spiel gab es eineinhalb Überraschungen: Sebastian Prödl kehrte nach langer Verletzungspause wieder in die Startelf zurück. Ich hatte eher erwartet, dass der Prödler vielleicht noch einmal geschont wird, um dann in der Rückrunde anzugreifen. Die halbe Überraschung war die Aufstellung von Aaron Hunt, der in der Woche vor dem Spiel mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. Schon nach wenigen Minuten wurde auch klar, dass man wieder zum defensiven Konzept der ersten Saisonspiele gefunden hatte. Makiadi und Bargfrede als Absicherung vor der Abwehr, zudem mit Elia und Di Santo sehr defensiv eingestellte Außenspieler und auch Hunt und Petersen standen tiefer als dies zuletzt der Fall gewesen ist. Die Mannschaft begegnete dem haushohen Favoriten als sehr kompakte Einheit, die zudem intensiv verteidigte.

Den Gästen schien das überhaupt nicht zu schmecken, so hatten die Leverkusener zwar in den meisten statistischen Kategorien die Nase deutlich vorne, aber erspielten sich kaum zwingende Torchancen. Angeführt von einem Sebastian Prödl, der gefühlt jeden hohen Ball aus dem Strafraum köpfte, machte die Mannschaft den Gästen das Leben schwer. Einziger Kritikpunkt war in meinen Augen die hohe Anzahl an begangenen Fouls tief in der eigenen Hälfte, die Leverkusen viele Standards bescherte. Und mit zunehmender Spieldauer kehrte langsam der Glaube daran zurück, dass die Mannschaft das Spiel einigermaßen unbeschadet überstehen würde. Fast so wie zu Beginn der Saison, als man in vielen Spielen dem Gegner die Initiative überließ, um ihm mit tiefer Verteidigung und kompaktem Auftreten die Lust zu nehmen.

Chancen für Bremen waren eher selten, aber in der 74. Minute führte ein Konter über Aaron Hunt zur ersten spielentscheidenden Szene, als Garcia nach einem Gewühle im Leverkusener Strafraum der Ball vor die Füße rollt und er zum 1:0 einschieben kann. Danach pure Freude bei Spielern, Fans und vor allem bei Robin Dutt. Die zweite spielentscheidende Szene kam (in meiner Erinnerung) nach dem Führungstreffer, als eine Bremer Ecke direkt in einen Konter der Gäste mündete. Als der Ball auf Höhe der Mittellinie angelangt war, hatte ich innerlich den Treffer für Leverkusen schon fest verbucht, aber als der Ball auf Höhe des Bremer 16ers angelangt, waren vier Spieler in Grün-Weiß nach hinten gesprintet und konnten die Situation letztlich entschärfen. Die letzten Minuten waren pures Nägelkauen und Dutt feierte selbst einen Einwurf wie den entscheidenden Treffer. Man merkte dem Coach an, wie sehr er unter Druck stand; Druck angesichts der Ergebnisse der letzten Wochen, Druck angesichts der Tatsache, dass es gegen seinen letzten Verein ging, wo er der öffentlichen Meinung nach kläglich versagt hatte. Wie sehr die Hinrunde an seinen Nerven gezehrt haben muss, wurde nach dem Spiel auf der PK offenkundig, wo er den Tränen sehr nahe war.

Der Sieg war auf mehreren Ebenen wichtig: er war wichtig für die Moral von Mannschaft und Fans, er war wichtig angesichts der Tatsache, dass Frankfurt und Freiburg gepunktet haben und uns immer dichter auf die Pelle rückten. Und natürlich tut es gut, einen „Großen“ geschlagen zu haben, denn Leverkusen spielt eine überragende Saison. Sie haben nur das Pech, in einer Liga mit den Bayern gefangen zu sein. Abschließend war es vielleicht auch wieder eine Rückbesinnung auf die Dinge, die uns zu Saisonbeginn so viel Optimismus gegeben haben: defensive Stabilität, der Fokus auf Defensivarbeit und 90 Minuten Kampf. Wehmutstropfen: warum ist man in den Spielen zuvor nicht so aufgetreten? Das war eine Frage, die ich mir während des Spiels immer wieder gestellt habe.

Mit 19 Punkten sind wir nur einen Punkt hinter dem von der Vereinsführung ausgegebenen Ziel von 20 Punkten. So findet die Hinrunde nach einigem Auf und Ab ein versöhnliches Ende und mit einem solchen Auftreten blicke ich auch weniger sorgenvoll in die Rückrunde als dies zuletzt der Fall war.

An dieser Stell wünsche ich den Lesern des PapierkugelBlogs schöne Rest-Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Lebenslang Grün-Weiß!

Abwärts

Jaja, ich weiß: vor der Saison war klar, dass wir keine Bäume ausreißen würden und nicht wenige haben Werder zum Kreis der Abstiegskandidaten gezählt. Deshalb dürfte es eigentlich keine Überraschung sein, dass wir uns zunehmend in der Tabelle nach unten bewegen. Das wäre per se noch kein Grund zur Panik, aber wenn man sich (wie auch hier angesprochen) die Entwicklung der letzten Wochen anguckt, zeigt die Formkurve steil nach unten. Am letzten Spieltag kommt es zum entscheidenden Duell mit Hoffenheim, wer mit der schlechtesten Abwehr der Liga in die Winterpause darf. Da möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich mir das vor der Saison doch ein klein wenig anders gedacht hatte.

In Berlin gab es ein 2:3 gegen einen allenfalls durchschnittlichen Gegner. Man ging durch Petersen sogar (und das eher aus dem Nichts) mit 1:0 in Führung, nur um innerhalb von Sekunden einen völlig unnötigen Elfmeter zu verursachen. Wenig später sogar das 1:2 , bei dem die Defensive eher staunend zuguckt, was die Berliner da so anstellen. Es ist schon bedrückend, dass jeder Ball am und im Strafraum sofort für Gefahr sorgt (wie auch Dutt und Eichin nach dem Spiel zu Protokoll gaben) und der Defensive seit einiger Zeit jegliche Stabilität fehlt. Einzig die Moral ist noch intakt und es ist erstaunlich, dass die Mannschaft immer wieder aufsteht und versucht, weiterzumachen. Und so kann man auch in Berlin wieder einmal einen Rückstand egalisieren, bevor Ronny kurz nach Wiederanpfiff das 2:3 erzielt.

Es gab einiges, was ich nicht verstanden habe, wie die Tatsache, dass nur einmal gewechselt wurde (Yildirim für Elia hätte sich bspw. angeboten), dass Di Santo als Außenspieler aufgeboten wurde oder der Umstand, dass Lukimya offensichtlich die Anweisung hat, immer wieder weit rauszurücken, obwohl es immer wieder Räume für den Gegner öffnet. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich auch kaum noch Lust, mich damit groß zu beschäftigen. Ich hoffe, dass man sich irgendwie in die Winterpause rettet und von Leverkusen nicht vorgeführt wird. Dann geht es darum, die lecke Defensive wieder zu flicken. Ob das nun die Rückkehr von Sebastian Prödl ist oder eventuell ein oder zwei neue Spieler in der Winterpause: mir ist es gleich. Vielleicht rührt die zunehmende Angst vor dem Abstieg auch daher, dass in Bremen die Rückrunde in den letzten Jahren für immer neue Negativrekorde gesorgt hat. Zumal der Punkt der „Entwicklung“ in den Plänen von Dutt und Eichin ja immer ein zentraler Aspekt war. Und gerade diese Entwicklung ist zuletzt nicht mehr dagewesen.

So langsam befällt mich eine Mischung aus Angst und gleichzeitig auch Fatalismus. Und wenn ich ehrlich bin, gefällt mir das ganz und gar nicht. Früher habe ich immer mit einem milden Lächeln auf die Fans von Mannschaften geguckt, die im Abstiegskampf stecken, auf die fehlende Geduld und den – im Laufe der Saison – zunehmend schrilleren Ton. Jetzt sitze ich hier und im Bremer Umfeld überwiegt die gleiche Mischung aus Panik, Resignation und Ratlosigkeit. Da wird Dutts Kopf gefordert, Eichin als Blender hingestellt und Lemke möge doch endlich die Schatulle mit dem Geld öffnen, damit wir uns Spieler kaufen können, die uns sofort weiterhelfen. Ist noch ein Investor frei? Hauptsache irgendein Prinz kommt auf seinem Schimmel angeritten und hilft uns. Die Maximierung des Prinzips Hoffnung: das jemand unsere größten Wünsche erfüllt. Passend zur Vorweihnachtszeit.

Lebenslang Grün-Weiß!