Klassenerhalt
Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.
Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.
Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.
Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!
ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!
Selbstzerstörung
Es war vor dem Spiel klar, dass es gegen Schalke schwer werden würde. Vor allem aufgrund der offensiven Feuerkraft der Gelsenkirchener in Verbindung mit der Bremer Abwehr. Zudem musste Schaaf defensiv auf einigen Positionen umstellen, da einige Spieler verletzt fehlten. Am Ende spielte hinten rechts Sokratis, während links Ignjovski ran durfte. Im defensiven Mittelfeld spielte Hunt neben Trybull. In der Offensive setzte Schaaf von Beginn an auf Elia und Arnautovic auf den Außenbahnen. Im Vergleich zum Heimspiel gegen Fürth steht eine deutlich offensiver besetzte Mannschaft auf dem Feld. Schaaf tastet sich langsam in Richtung Balance zwischen Angriff und Abwehr vor.
Und in Halbzeit eins schien das auch perfekt aufzugehen: Schalke fand offensiv kaum stand und man konnte selbst einige gute Angriffe einleiten. Es war keine Serie an hundertprozentigen Chancen, aber man darf auch nicht vergessen, dass man einen Champions League-Anwärter zu Gast hatte. Und die ansonsten starken Außenspieler von Schalke traten in Halbzeit eins kaum in Erscheinung. Sokratis und Iggy hatten Bastos und Farfan über weite Strecken im Griff. Mit einem 0:0 ging es in die Halbzeit und ich war nicht unzufrieden mit dem Spiel. Klar, ein Tor für Bremen wäre schön gewesen, andererseits konnte man den Gegner in Schach halten.
In Halbzeit zwei kamen die Schalker etwas aktiver aus der Kabine. Sie hatten Bastos durch Raffael ersetzt und zogen Draxler aus der Mittelfeldzentrale auf die linke Außenbahn. Doch entscheidend für die Tore waren die Fehler der eigenen Spieler und weniger die Stärken des Gegners. Vor dem 0:1 wird die Werder-Abwehr mit einem Lupfer ausgehebelt, Raffael zieht über rechts in den Strafraum und versucht auf Marica abzulegen. Eigentlich scheint die Situation geklärt, denn Marica wird von drei Spielern gestellt, doch der Befreiungsschlag von Lukimya misslingt völlig. Warum er hier erst den Ball auf rechts legt, statt das Ding einfach mit links wegzuhauen, bleibt sein Geheimnis. Draxler nutzt die Situation zum 0:1 aus.
Nach dem 0:1 kommt Werder nur zu einer gefährlichen Offensivaktion: einem Freistoß durch Aaron Hunt. Leider schaufelte man sich eine noch tiefere Grube, als Lukimya einen völlig verunglückten Rückpass zu Mielitz spielt, den Raffael abfängt und zu Marica spielt. Danach war das Spiel gelaufen, denn von Bremen kam nun nichts mehr und Schalke konnte das 2:0 verwalten.
Es ist schon bitter, dass solche individuellen Aussetzer die Arbeit der ersten Halbzeit völlig torpediert haben. Während Bremen in den drei Spielen vorher einen Rückstand noch wegstecken konnte, schien schon das 0:1 diesmal der Genickbruch zu sein. Sicherlich ist es kein Wunder, dass eine Mannschaft durch so ein Gegentor noch weiter verunsichert wird. Dennoch war es bitter, wie wenig gerade offensiv noch zu sehen war. De Bruyne tauchte in Halbzeit zwei komplett ab, ebenso wie die restlichen Angreifer. Und es tut mir auch für Lukimya leid, der nun drei Gegentore in zwei Spielen aufgelegt hat.
Aus Bremer Sicht war das Positivste noch die Nachricht, dass Augsburg von der Dortmunder B-Elf geschlagen wurde und der Abstand auf den Relegations-Platz weiterhin sieben Punkte beträgt. Nächste Woche geht es dann gegen Düsseldorf, der epische “Kampf um Platz 14″. Wichtig wird es in den nächsten Tagen sein, der Mannschaft wieder neues Selbstvertrauen einzuimpfen. Ein Sieg in Düsseldorf würde Bremen zudem neuen Fan-Nachwuchs bescheren. In diesem Sinne:
Lebenslang Grün-Weiß!
Die Tabelle lügt nicht
Ich möchte das Positive gerne voran stellen: am Samstag habe ich mich im Weserstadion mit Andreas, Stefan und Lars getroffen. Trotz des eher bescheidenen Spiels war es ein echt witziger und netter Nachmittag und es war super, weitere Leute aus dem Internet auch in echt kennen zu lernen. An dieser Stelle hört dann auch das Gute am gestrigen Spiel auf.
Nach dem Spiel in Gladbach hatte man sich kurzzeitig der Illusion hingegeben, es könnte ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sein. Das Spiel gegen Fürth war ein unangenehmer Weckruf mit der unangenehmen Erkenntnis, dass selbst gegen die Kellerkinder der Liga keine Siege zu erwarten sind. Aus fünf Spielen gegen die drei Teams auf den Abstiegsrängen holte man ganze fünf Punkte, einzig Hoffenheim konnte bisher geschlagen werden.
Schaaf vertraute auf die gleiche Aufstellung wie in Gladbach und nahm nur eine personelle Veränderung vor: Sokratis ersetzte den verletzten Fritz auf der Doppelsechs. Die Mannschaft, die den Gladbachern einen Punkt abringen konnte, durfte sich somit gegen Fürth versuchen. Ich hatte vor dem Spiel deswegen leichte Zweifel, denn auswärts gegen Gladbach war die defensive Ausrichtung in der Aufstellung und im Personal genau richtig, um das Spiel der Hausherren zu unterbinden und defensive Stabilität zu erreichen. Zuhause gegen Fürth war die Aufgabe jedoch gänzlich anders, denn die Aufgabe das Spiel zu machen, lag sicherlich nicht beim Tabellenletzten aus Franken. Und so tat sich die Bremer Mannschaft in Halbzeit eins unglaublich schwer, nach vorne zu spielen und zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Dabei spielte man vor allem über die rechte Seite, wo Junuzovic, De Bruyne und Sokratis wenigstens zu einige Ansätze zeigten. Über links und somit über Ignjovski lief so gut wie gar nichts und wenn er mal den Ball bekam, wurde auch schnell klar, warum: ihm fehlt es an der Technik und Schnelligkeit, um sich gegen Verteidiger durchzusetzen und selbst wenn er mal Richtung Grundlinie marschierte, musste er abbrechen und sich den Ball auf den rechten Fuß legen, um Flanken zu schlagen. Die Durchschlagskraft war gleich null.
Sokratis gab den deutlich offensiveren Spieler auf der Sechs, während Trybull meist absicherte. Man kann Sokratis keinen mangelnden Einsatz und Offensivdrang vorwerfen, doch man sieht auch immer wieder, dass er im Spielaufbau oftmals limitiert ist und außer dem Trick “Ball vorlegen und mit dem Kopf durch die Wand” kaum effektive Mittel im Eins gegen Eins vorweisen kann. So hatte es Fürth relativ leicht, die Bremer Angriffe abzuwehren. Doch nicht nur das Angriffsspiel war in Halbzeit eins nur Stückwerk, sondern es ging der Mannschaft auch jegliche defensive Stabilität ab. In Minute acht gab es erst ein Missverständnis zwischen Mielitz und Selassie, eine Minute später einen Ballverlust im Mittelfeld und schon stand wieder ein Fürther blank vor dem Bremer Kasten. Glücklicherweise hatten die Fürther da die Zielvorrichtung noch nicht justiert.
In der Halbzeit nahm Schaaf Trybull und Selassie vom Feld und brachte Hunt und Arnautovic. Ignjovski übernahm den Posten des rechten Außenverteidigers und Junuzovic rückte auf die Sechser-Position. Es ging auch gleich gut los: Hunts erste Aktion am Ball und er wird im Strafraum der Fürther gelegt. Den Elfmeter donnert er mit 48 Stundenkilometer (sagte der Karacho-Tacho im Stadion) in die Maschen. Doch das gab der Mannschaft leider nicht das erhoffte Selbstvertrauen und nur acht Minuten später ist die Bremer Abwehr nicht in der Lage, die Fürther zu stellen und Fürstner kann die Hereingabe von der linken Seite verwerten. Und nach 62 Minuten liegen die Bremer nach einem Petzos-Freistoß hinten. Und während man in Halbzeit eins viel zu defensiv unterwegs war, fällt in Halbzeit zwei auf, dass die Mannschaft viel zu offensiv ist und zum einen den Raum vor der Abwehr entblößt und zum anderen fehlt der Abwehr jegliche Anspielstation im Mittelfeld, da Junuzovic und Sokratis tief in der Hälfte der Fürther zu finden sind. Einige Male schlagen die Verteidiger lange Bälle nach vorne oder spielen hinten immer wieder quer, einfach weil sich keiner im Mittelfeld anbietet. Gerade Sokratis hätte in Halbzeit zwei tiefer stehen und somit die Verbindung zwischen Defensive und Offensive herstellen sollen. Und so geht auch in Halbzeit zwei relativ wenig nach vorne, echte Torchancen sind Mangelware. Ein Glück verteilen die Fürther noch ein Gastgeschenk in Form eines Elfers, den wieder Hunt verwandelt.
Ein Punkt gegen Fürth ist definitv zu wenig. Und langsam gewöhnt man sich daran, dass man sich in der zweiten Tabellenhälfte zunehmend einrichtet. Schaaf sagte nach dem Spiel sinngemäß, dass das gespielte System egal sein, die Spieler müssten einfach Leistung bringen (selbst wenn diese nicht auf angestammten Positionen spielen). Selbst wenn man dieser Argumentation zustimmt – was ich nicht tue – fragt man sich, warum die Spieler immer wieder die Leistung derart verweigern. Denn das Statement, die Mannschaft/Spieler würden “Dinge” nicht umsetzen und nicht Vollgas geben, haben wir in den vergangenen Jahren auch schon häufiger gehört. Und dann frage ich mich, was man sich da für einen Kader an Leistungsverweigerern zusammengestellt hat.
51 Gegentore, davon 22 in der Rückrunde sind traurige Ligaspitze; dazu gesellen sich gerade einmal acht Punkte in den neun Spielen der Rückrunde und gerade noch sechs Punkte bis zum Relegationsplatz. Und in der Form dürfte es schwierig sein, die triste Rückrunde der letzten Saison mit mickrigen 13 Punkten noch zu übertreffen. Immer wieder ist von einem Umbruch die Rede, aber wie ich schon mehrfach schrieb, ist keine Entwicklung über den Verlauf der Saison zu erkennen. Es gab zu Beginn einige Ansätze, die in die richtige Richtung wiesen, aber davon ist kaum noch etwas zu sehen. Jeder Lichtblick wird mit einer herben Enttäuschung wieder revidiert und Schaaf scheint nur noch zu reagieren, aber nicht mehr selbst erfolgreich zu agieren. Selbst wenn man sich hinter dem Argument des Umbruchs verschanzt: sieht irgendjemand eine übergreifende Spielidee, ein Konstrukt, welches in die Zukunft weisen könnte? Wofür steht Bremen im Frühjahr 2013? Was können wir nächste Saison erwarten, vor allem wenn im Sommer wahrscheinlich nochmal wichtige Spieler gehen? Was will man eventuellen Neuverpflichtungen anbieten? Die Möglichkeit, sich international zu präsentieren fällt aus und es ist schon ein bisschen her, dass man einen jungen Spieler in Bremen auf die nächste Stufe hat heben können, um ihn dann mit Gewinn an einen großen Club zu verkaufen.
Wenn man die bisherige Punktausbeute bis zum Saisonende hochrechnet, kommt man nicht mal mehr auf 40 Punkte. Ist es das, was wir wollen? Freuen wir uns darüber, dass wir zwei Spiele ungeschlagen sind? Und was muss sich ändern, wenn man wieder erfolgreicher arbeiten will? Oder warten wir darauf, dass es die Verantwortlichen schon richten werden?
Lebenslang Grün-Weiß!
Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!
Ein Glück hält die derzeitige Serie gegen den HSV. So kann ich erhobenen Hauptes zur Arbeit nach Hamburg fahren und mich im Glanz des Sieges sonnen. Beim Gegner war unter der Woche viel los: kurz vor Ende der Transferfrist schlugen die Stellinger noch mehrfach auf dem Transfermarkt zu. Badelj, Jiracek und der Messias höchstpersönlich – aka van der Vaart. Der war am Samstag noch nicht spielberechtigt, aber vor Ort im Stadion und so gab man der Bildregie einen guten Grund, bei jeder Spielunterbrechung zu schauen, ob der Erlöser die Leistung seiner neuen Mannschaftskameraden goutiert und was vor allem seine Göttergattin macht. Der Hamburger Boulevard wird seinen Spaß haben.
Doch zum eigentlichen Geschehen auf dem Rasen. Bremen leicht verändert gegenüber dem Dortmund-Spiel: Fritz rückte auf die Linksverteidigerposition, während diesmal Petersen als echte Sturmspitze vorne drin agierte. Warum jetzt die zweite Notlösung auf der defensiven linken Seite spielen musste, verstehe ich nicht ganz. Angeblich hat Schmitz nach starkem Beginn in der Vorbereitung stark nachgelassen. Mag sein, aber auch Fritz war anzumerken, dass er sich auf der Position nicht vollends wohlfühlte. Bremen begann gut und knüpfte an das Dortmund-Spiel an. Einige gute Kombinationen und Stafetten waren zu sehen, bevor es nach 20, 25 Minuten zu einem Bruch kam. Man ließ die Hamburger ins Spiel kommen und leistete sich vor allem viele Abspielfehler und diverse Schlampigkeiten.
Glücklicherweise waren die Hamburger gute Gäste und verteilten insgesamt zwei Elfer als Gastgeschenke. Kurz vor der Halbzeit reicht ein kurzer Übersteiger von Elia, um an Bruma vorbeizugehen, der das Bein stehen lässt. Doch noch ist Hunt nicht in der Stimmung, um das Geschenk anzunehmen und so kann Adler den schwach geschossenen Elfer parieren. Kurz nach der Halbzeit ist es Aogo, der Petersen im Strafraum legt. So habe ich das Folgende dann vor dem Fernseher wahrgenommen: erst schnappt sich Elia den Ball und marschiert Richtung Elfmeterpunkt. Im Hintergrund sieht man, wie Sokratis Hunt im Arm hat, auf diesen einredet und mit ihm Richtung Strafraum marschiert. Elia wird darauf aufmerksam, dreht ab und drückt Hunt den Ball in die Hand, während er ihn lautstark anfeuert. Hunt behält die Nerven und mit einem deutlich platzierteren Schuss als beim ersten Mal erzielt er das 1:0. Ich fand die Szene bemerkenswert, denn zum einen überlässt der als Egoist verschriene Elia Hunt den Strafstoß, zum anderen auch Sokratis, der Hunt quasi zu seinem Glück zwingt und dann natürlich Hunt selbst, der Cojones zeigt.
So sehr diese Szenen für den Teamgeist sprechen, so sehr wurden anschließend die Defensivmängel wieder offensichtlich. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass Abwehr und Mittelfeld auf verschiedenen Ufern der Weser standen, so groß waren die Lücken. Hier zeigte sich, dass Juno kein gelernter Sechser ist. Er kann das Spiel antreiben und für Impulse sorgen, doch den Raum vor der Abwehr füllen ist seine Sache nicht. Das 2:0 besiegelte dann den Sieg, nachdem Fritz weit in der Hamburger Hälfte Jiracek den Ball wegspitzelt, Hunt den Ball sofort zu Petersen passt, der frei vor Adler einschieben kann. Sowohl vor als auch nach dem 2:0 kamen die Hamburger noch gefährlich vors Tor. Wieder fehlte die Balance zwischen Offensive und Defensive, die ein Gegner mit mehr Selbstbewusstsein vielleicht ausgenutzt hätte. Hier liegt noch viel Arbeit vor Schaaf.
Nun also erstmal Länderspielpause und danach geht es gegen Hannover, die heute das Team aus Wolfsburg eindrucksvoll zerlegt hat. Es wird nicht einfach, aber bange machen gilt nicht.
Lebenslang Grün-weiß!
Eine willkommene Niederlage
Nach dem Pokalaus in Münster war das zarte Pflänzchen Hoffnung bei nicht wenigen Bremern wieder verkümmert bevor es so richtig sprießen konnte. Auch meine Euphorie hatte nach dem 2:4 gegen den Drittligisten einen ordentlichen Dämpfer erfahren. Und dann zum Bundesliga-Auftakt auch noch zum amtierenden Double-Gewinner aus Dortmund. Natürlich von der Konstellation her ein Spiel, bei dem man nix zu verlieren hatte. Allenfalls die Höhe der Niederlage war noch fraglich. Hauptsache, nicht untergehen: das war die Marschroute.
Eingeleitet wurde das Spiel mit einem Zeremoniell zu Ehren der 50. Bundesliga-Saison. Wehende Fahnen, emotionale Einspieler und am Ende durfte Sebastian Kehl als Kapitän der Heimmannschaft auch noch mal was zum Thema Fans und deren Verhalten aufsagen. Die Erklärung im Wortlaut des SV Sandhausen sowie einen passenden Kommentar drüben beim Textilvergehen. Anschließend dann der Auftakt in diese Saison. Vor dem Spiel schon die Frage, wie Schaaf denn jetzt spielen lässt. Die Antwort: in einem 4-1-4-1, wobei vorne kein Mittelstürmer agierte, sondern Kevin de Bruyne sich als so genannte “falsche Neun” versuchte. Bei Ballbesitz rückten dann Elia links und Arnautovic auf rechts in die Außenstürmer-Position. Und das funktionierte alles ausgezeichnet. In Sachen Spielfluss, Ballsicherheit, Laufwegen und Spielverständnis war das mit Abstand die beste Leistung seit langem.
In der Vorwärtsbewegung überzeugten Hunt und Junuzovic als Ballverteiler, die immer wieder die Außen ins Spiel brachten. De Bruyne ließ sich immer wieder weit zurückfallen und zog damit die Dortmunder IV aus ihren angestammten Positionen. Schon die ersten Minuten waren sehr ansehnlich, doch leider war es der BVB, der nach einer Reihe von Fehlern in Form von Marco Reus das 1:0 in Minute elf machte. Angefangen bei Hunts Fehlpass, weiter zum fehlenden Zugriff auf Kuba, der vergeblichen Grätsche von Sokratis sowie einem Stockfehler von Ignjovski war eigentlich alles dabei, was unsere Hintermannschaft bei gegnerischen Teams so beliebt macht. Wer jetzt jedoch mit einem Auseinanderbrechen der Mannschaft rechnete, der sah sich getäuscht, denn Bremen spielte munter weiter und kam durch Elia und Arnautovic zu guten Chancen. Es dauerte jedoch noch bis zur 75. Minute, ehe Bremen für den Einsatz belohnte und Selassie nach einer butterweichen Flanke von Arno einnickte.
Für einen rundum gelungenen Abend hätte man das 2:1 durch Götze verhindern sollen. Doch leider gelang dies nicht und am Ende feierten die Dortmunder einen abgezockten Sieg. Doch das Spiel ist trotz der Niederlage wahrlich kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, sondern ein echter Grund zu berechtigtem Optimismus. Die Mannschaft hat all die Dinge gezeigt, die vor allem in der Rückrunde der letzten Saison schmerzlich vermisst wurden. Neben der Spielkultur war das auch die Bereitschaft, sich nach dem frühen Rückstand nicht verrückt machen zu lassen, sondern weiter an sich zu glauben. Darüber hinaus wurde auch bei Ballgewinn wieder schneller umgeschaltet. Schaaf hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und die Neuen bringen sich gut ein. Nun gilt es, das Positive mit in die nächsten Spiele zu nehmen und dem ewigen Sorgenkind, der Defensive, etwas mehr Stabilität zu verleihen.
Und obwohl Marko Arnautovic der beste Mann auf dem Platz war, würde ich mir wünschen, dass er das Gestikulieren nach Fehlern seiner Mitspieler sein lässt. Keiner spielt absichtliche Fehlpässe oder lässt Dich mit Vorsatz ins Abseits laufen, lieber Marko. Da muss man nicht genervt abwinken oder rumpöbeln, dann klappt das auch mit den Teamkollegen.
Gleich nächsten Samstag wäre die perfekte Gelegenheit dafür, wenn wir den HSV im Weserstadion empfangen. In diesem Sinne:
Lebenslang Grün-Weiß!
Der Geist der Weihnacht
Das nominelle Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern wurde dem Ganzen Hype im Vorweg nicht gerecht. Weder war die Leistung beider Mannschaften besonders spitze, noch das Benehmen der Spieler des SVW. Dabei hatten die Bremer ganz den Geist der Weihnacht in sich aufgenommen und den kriselnden Bayern gleich vier Geschenke gemacht. Ganz im Sinne von “Liebe Deinen Nächsten” half man den Bayern wieder auf die Straße des Erfolgs. Das erst Gegentor war ein Bremer Klassiker: Konter nach eigener Ecke. Ich glaube nicht, dass es viele Mannschaften in der Bundesliga gibt, die das so perfektioniert haben. Da half es dann auch relativ wenig, dass man in den ersten zwanzig Minuten den Bayern zwar das Feld überließ, aber dabei hinten solide genug war, keine zwingenden Chancen zuzulassen.
Strohfeuer
Das 1:1 durch Rosenberg war nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen. Dabei zeigte sich im Anschluss an den Ausgleich, dass die Bayern noch weit von ihrer Form vom Anfang der Saison entfernt sind. Sicher sieht anders aus, aber wie gesagt, die Bremer waren im Samariter-Modus und verteilten munter Gaben an die darbenden Bajuwaren. Der neue “Ego-Robben” machte den Strafstoß rein und ab dem Zeitpunkt schenkten die Bremer das Spiel ab. Die Einwechslung von Wagner für Marin war das Todesurteil für die Bremer Mannschaft, weil man im 4-3-3 den Bayern komplett das Mittelfeld zum Austoben überließ. Beim 3:1 verlieren die Bremer den Ball im Mittelfeld und zum Abschluss schubst Sokratis Ribéry im Strafraum, welches der Franzose mit der Cleverness eines Weltklassespielers zu nutzen weiß. Ist eigentlich bekannt, ob Franck wieder aus der Umlaufbahn heil zurück ist oder noch im Orbit kreist? Es war eine völlig unnötige Aktion, hier Ribéry überhaupt zum Freiflug einzuladen, denn Mielitz war da.
Disziplin
Unrühmlicher Höhepunkt des Spiels war die eingesprungene Doppelfuß-Grätsche von Aaron Hunt knappe zehn Minuten vor Abpfiff. Toni Kroos blieb als Empfänger dieser Aufmerksamkeit durch Hunt glücklicherweise unverletzt und Hunt wurde für drei Spiele gesperrt. Das ist besonders bitter, da Hunt bisher eine gute Hinrunde gespielt hatte und noch die größte Konstanz der offensiven Spieler im Mittelfeld mitbrachte. Was ihn da geritten haben mag, wird er wohl selber nicht wissen und es ist ihm zumindest anzurechnen, dass er einfach gleich das Spielfeld verließ, ohne noch diskutieren zu wollen. Natürlich darf hier auch Pizarros Ellenbogenschlag gegen Badstuber nicht fehlen. Ebenfalls völlig unnötig und derzeit ist noch nicht klar, ob Schiri Meyer es gesehen und nur als Foul gewertet hat oder ob er die Szene gar nicht gesehen und gewertet hat, was dem DFB die Möglichkeit gibt, nachträglich eine Sperre zu verhängen. Sollte auch Pizarro gesperrt werden, wäre es die vierte Rotsperre der Hinrunde (Arnautovic, Wiese und natürlich Hunt). Das dürfte doch auch ein neuer Negativrekord sein, oder?
Not quite there
Das Ergebnis ist meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen. Nach dem 1:2 sind die Grün-Weißen einfach implodiert, davor war es aber keineswegs eine Demonstration der Stärke der Bayern. Aus Bremer Sicht scheint die Erkenntnis zu bleiben, dass man keine Spitzenmannschaft stellt. Das hätte man trotz der guten Tabellenposition auch vorher schon wissen können. Und angesichts der letzten Saison hat doch hoffentlich keiner ernsthaft erwartet, dass man ein Jahr später einfach so um den Titel mitkickt. Die Ansätze sind da und es läuft auch schon vieles besser als letztes Jahr, doch es ist in vielen Bereichen auch noch Luft nach oben. Auch wenn das Gejaule bei Teilen der Fans in den letzten Wochen wieder lauter geworden ist, bin ich bisher schon relativ zufrieden. In der Rückrunde gilt es, an den Schwachpunkten weiter zu arbeiten. Vor allem sollten im Wintertrainingslager so essentielle Themen wie “Benehmen auf dem Platz” auf dem Stundenplan stehen.
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