Tag Archives: Aleksander Ignjovski

Abstandhalter

1:1 gegen den VfB Stuttgart, ein Ergebnis, mit dem man nach einigem Abstand zufrieden sein kann, wenn nicht sogar zufrieden sein muss. Man hat den Abstand auf Stuttgart halten können und wenn man das Spiel noch einmal Revue passieren lässt, so hätte es auch ganz anders ausgehen können.

Bremen trat mit der gleichen Mannschaft wie gegen Nürnberg an und Dutt setzte auf die Raute, die sich in den letzten Spielen bewährt hatte. Nach dem Rauswurf von Thomas Schneider übernahm in Huub Stevens ein guter alter Bekannter das Ruder in Stuttgart. Beide Mannschaften begannen relativ abwartend und waren vor allem darauf bedacht, aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren. Stuttgart zog sich bei Bremer Ballbesitz häufig weit zurück, stellte sich kompakt auf und machte die Räume eng, was dazu führte, dass sich Prödl und Lukimya mehrfach den Ball hin- und herschoben. Hatten die Stuttgarter den Ball, wirkte das Spiel der Gäste deutlich zielstrebiger und schlicht besser. Vor allem die rechte Angriffsseite machte sehr viel Druck und stellte Ignjovski vor ziemliche Probleme, vor allem, da er von Junuzovic oft nicht rechtzeitig unterstützt wurde.

In Phasen hatte man das Gefühl, beide Mannschaften würden hier mit ähnlicher Prämisse umeinander herumtänzeln: hinten dicht und vorne auf den Lucky Punch warten. Und es war nicht besonders erquicklich, sich das anzuschauen. Vor allen nicht auf der Nord-Tribüne mit all den ganzen Meckeropas und Aushilfs-Cholerikern um einen herum, die schon in der ersten Minute rumpöbeln. Nach dem 0:1 durch Niedermeier, welches aus einem Standard resultierte, drohte das Spiel zugunsten der Gäste zu kippen. Man konnte die Fragezeichen in den Gesichtern der Werder-Spieler förmlich greifen. Zudem leistete man sich defensiv einige Aussetzer, die von den Gästen zum Glück nicht ausgenutzt werden konnten. So bedurfte es eines abgefälschten Freistoßes von Aaron Hunt, um den Ausgleich zu erzielen und in der darauf anschließenden Druckphase der Bremer sogar die Hoffnung auf den Siegtreffer zu nähren.

Über die spielerische Qualität bzw. das Fehlen eben dieser wurde hier und auch an anderer Stelle schon häufiger eingegangen. Gegen Frankfurt war es die einstündige Übezahl und gegen den HSV und Nürnberg die Siege, welche ein bisschen darüber hinwegtrösten konnten. Natürlich gilt es nur, die Klasse zu halten und in Anbetracht dessen ist die Tatsache, dass wir in den letzten fünf Spielen nicht verloren und neun Punkte gesammelt haben, gibt nun wahrlich keinen Grund zur Klage. Aber es ist immer wieder ernüchternd, dass auch Mannschaften, die aktuell in der Tabelle deutlich hinter uns stehen, deutlich spielstärker sind als wir. Diese Saison wird sich daran nichts mehr ändern, allein schon, weil die Rückrunde gezeigt hat, dass mehr Offensive dann zu null Defensive führt. Aber ich hoffe, dass in der nächsten Spielzeit daran gearbeitet wird, dass wir nicht uns nicht mehr um den Titel „spielerisch schlechteste Mannschaft der Liga“ kloppen dürfen.

Die Jungs vom Grünweiß-Stammtisch haben in der letzten Folge auch über den immer wahrscheinlicher werdenden Abschied von Aaron Hunt gesprochen. Anfang der Woche wurde Hunt mit Gladbach, Leverkusen, Besiktas Istanbul sowie Tottenham in Verbindung gebracht. Ich persönlich würde einen Abgang von Hunt sehr bedauern. Zum einen weil er in den letzten Jahren seinen Wert für die Mannschaft mehrfach unter Beweis gestellt hat. Gerade zuletzt war er an drei von vier Toren in den wichtigen Spielen gegen direkte Konkurrenten beteiligt. Zum anderen stammt er aus der eigenen Jugend, ist für mich (auch wenn einige das ganz anders sehen) eine wichtige Identifikationsfigur dieser Mannschaft. Ich kann seine Motivation nachvollziehen. Es ist unwahrscheinlich (außer bei einem mittelschweren Wunder), dass Bremen in naher Zukunft wieder europäisch spielen wird. Da können andere Vereine ihm deutlich mehr anbieten (vom Geld ganz zu schweigen). Und für Bremen ergibt sich durch das frei werdende Gehaltsbudget sowie eine andere spielerische Ausrichtung auch eine Chance zur Neu-Ausrichtung. Dennoch gebe ich die Hoffnung vorerst nicht auf, aber seine Aussage Anfang der Woche, die sinngemäß lautete: „Wenn Werder sofort eine Entscheidung haben möchte, können sie sie bekommen“, deutet schwer darauf hin, dass eigentlich alles klar ist. Wahrscheinlich hat man sich dazu entschieden, mit der Verkündung zu warten, bis die sportliche Situation sich deutlich entspannt hat.

Nächste Woche steht dann das vorerst letzte Spiel der „Wochen der Wahrheit“ auf dem Programm. Werder wird beim SC Freiburg zu Gast sein. Ich denke, Freiburg wird die deutlich aktivere Mannschaft sein und sich weniger passiv verhalten, als dies Stuttgart zum Teil getan hat. Dies sollte uns deutlich besser liegen und mit der guten alten „Lucky Punch“-Taktik können wir dort ja vielleicht was mitnehmen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Jubiläumssieger

Das 100. BuLi-Nordderby sorgte schon Vorfeld für reichlich medialen Wirbel. Trotz der für beide Seiten prekären sportlichen Lage gab es einen nicht unerheblichen Hype, von dem sich nicht wenige genervt zeigten. Mich hatte das ganze Bohei nicht so erreicht und man muss dann den Medien auch mal ihren Spaß lassen, auch wenn klar ist, dass der sportliche Wert des Spiels mit dem Hype nicht würde mithalten können. Was aber allemal hohen Unterhaltungswert hatte, war die beeindruckende Choreografie der Ostkurve vor dem Spiel, die selbst vor dem Fernseher absoluten Gänsehaut-Faktor hatte.

Unser Erfolgsrezept gegen den HSV waren hohe Bälle, Zweikämpfe und Leidenschaft: die Tugenden des Kick & Rush, wenn man so will. Ich war ja einigermaßen irritiert über die hohen Bälle in letzter Zeit, aber wenn man den Ausführungen von Tobi und der Spielverlagerung folgt, dann war es genau das richtige Rezept in diesem Spiel. Zum einen hielt man den Ball und Gegner weit weg vom eigenen Strafraum und zum anderen konnte man so sein eigenes Pressing besser zu Geltung bringen. Gepaart mit einer klugen und aggressiven Zweikampfführung konnte man in Halbzeit eins über weite Strecken die Hamburger unter Kontrolle halten. Ein dickes Sonderlob an dieser Stelle vor allem an die Adresse von Assani Lukimya, von dem ich eigentlich dachte, dass er sich nach dem Gladbach-Spiel aus der  Mannschaft katapultiert hatte. Aufgrund der Sperren von Caldirola und Kroos spielte er dann doch an der Seite von Prödl in der Innenverteidigung und machte einen hervorragenden Job. Vor allem Neu-Nationalspieler Lasogga wurde einer liebevollen Spezialbehandlung unterzogen und blieb dank Lukimyas Fürsorge nahezu unsichtbar.

Der Siegtreffer von Junuzovic war auch eine Folge eines langen Balls nach einem Prödl-Freistoß. Garcia köpft den zweiten Ball zu Hunt, der mit der Hacke zu Junu weiterleitet. Und natürlich war das genau so gewollt, verstehe auch nicht, warum man da noch diskutieren muss. Einzig Hakan „Ich fühlte mich von Werder verarscht“ Calhanolgus Lattentreffer sorgte für einen kurzfristigen Schreckmoment. Darüber hinaus war auffällig, dass die Mannschaft viel aktiver war als zuletzt, auch selber darum bemüht war, das Spiel zu gestalten und nicht einfach in Passivität verharrte.

Dutt reagiert richtig

Nach der Halbzeit macht Hamburg deutlich mehr Druck und drängt die Bremer immer weiter hinten rein. Dabei kommen die Gäste vor allem über die Flügel zum Zuge und Bremen ist in der Phase nicht in der Lage, den Druck vom eigenen Strafraum weg zu halten. Doch Dutt reagiert und bringt nach fast 60 Minuten Selassie für Di Santo und löst die bis dahin praktizierte Raute zu Gunsten von zwei Viererketten im Mittelfeld auf. Dies gibt uns wieder die dringend benötigte defensive Stabilität zurück. Zwei Großchancen erspielt sich Bremen in Halbzeit zwei: einmal Junuzovic nach einem kapitalen Bock von Lasse Sobiech (der für den verletzten Rajkovic kam) und dann wieder Junuzovic, der jedoch hätte querlegen müssen. In Anbetracht des Sieges natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Nach dem Sieg gegen Hamburg haben wir 25 Punkte auf dem Konto und angenehme sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Zudem war es schon das achte Spiel ohne Gegentor diese Saison. Doch das ist noch lange kein Grund für Selbstzufriedenheit und ich bin mir sicher, dass diese auch nicht einsetzen wird. Letztlich haben wir wichtige drei Punkte gegen den Abstieg geholt und das Jubiläumsderby gewonnen. Aber man hat auch gesehen, dass das 3:0 der Hamburger gegen den BVB eher ein Ausreißer nach oben war, als der Turning Point der Saison. Denn bis auf die Druckphase direkt nach Wiederanpfiff ließen sich die Hamburger den Schneid sehr leicht abkaufen. Aber das soll nicht unsere Sorge sein.

Things to come

Nächste Woche geht es auswärts gegen den 1. FC Nürnberg, der bisher in der Rückrunde gar nicht so schlecht unterwegs ist. Hier gilt es, genauso konsequent weiterzumachen, wie in den 90 Minuten gegen den HSV. Vier Punkte aus den ersten beiden Spielen in den „Wochen der Wahrheit“ sind eine gute Ausbeute und das wissen auch die Mannschaft und die Verantwortlichen.

Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, dass wir gegen Mannschaften unserer Kragenweite auch in der Lage sind, defensiv besser zu agieren. In der Rückrunde schon drei Spiele ohne Gegentor gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Es sind die kleinen Dinge, die einem diese Saison Freude bereiten und Mut machen (siehe auch Iggys Wiedergeburt als Rechtsverteidiger). Vielleicht ist es der Beginn einer kleinen Serie, wie Burning schrieb. Es wäre uns allen zu wünschen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Auftaktsieg

Zuletzt konnte Werder die Saison 06/07 mit einem Sieg beginnen. Und nach dem mehr als mauen Auftritt in Heidenheim war die Befürchtung bei Vielen groß, dass es auch gegen Lautern wieder einen Tiefschlag geben würde. Zum Glück gab es unter der Woche noch zwei gute Neuigkeiten: zum einen der Sieg gegen Everton im Testspiel am Dienstag, der zwar gegen einen schwachen Gegner zustande kam, aber immerhin zeigte, dass da doch noch Leben in der Mannschaft ist. Zum anderen konnte unter der Woche die Verpflichtung von Aleksander Ignjovski bekanntgegeben werden. Iggy, wir er ab jetzt heißen soll, ist sicherlich nicht der Messias, doch mit seinem Warten auf die Verpflichtung und die Tatsache, dass er sich u.a. im Worum angemeldet hatte, um sich für den Support der Fans zu bedanken, hat ihn zumindest zu einem Fanliebling werden lassen.

Gestern hatten Andreas und ich endlich mal die Möglichkeit, wieder live im Stadion zu sein und das neue Wohnzimmer in Augenschein zu nehmen. Mir gefällts. Vorher noch mit @KatarinaWerderf und Tobias sowie Piet von fishirt getroffen und gefachsimpelt. Schön, dass man jetzt die Leute auch mal persönlich gesehen hat. Beim Spiel stellte sich dann heraus, dass man wieder zwei hirntote Idioten genau hinter sich hatte. Jede Ecke und jeden Freistoß mit einem „Jetzt klingelt’s“ zu kommentieren ist das eine, aber dann Sukuta-Pasu von Lautern als Bimbo zu titulieren und ihn nach Lampedusa schicken zu wollen, ist einfach nur widerlich. Ja, auch in Bremen ist man vor solchen hirntoten Verlierern.

Die Aufstellung sorgte vor dem Spiel für einigermaßen Verwunderung, kein Arno, kein Wagner, kein Wesley und auch kein Ekici. Doch im Nachhinein hat Schaaf alles richtig gemacht, denn wer gewinnt, hat recht. Im Spiel selbst war Bremen vor allem in der Anfangsphase dominant und kam zu einigen Gelegenheiten, die aber nicht genutzt wurden. Im Laufe der Zeit aber blieb im Spiel nach vorne vor allem viel Sand im Getriebe. Nach der Pause hatten die Lauterer ihre stärkste Phase, Ilicevic konnte den Ball aber glücklicherweise nur an die Latte lenken. Am Ende bleib es Rosi vorbehalten, mit einem Abstauber und einem Kopfball den 2:0-Sieg herzustellen. Ja, es war nicht alles super gestern und da ist auch vor allem offensiv noch viel Luft nach oben. Doch gerade auch in der Defensive fand ich das schon sehr gut.

Auf drei Spieler möchte ich noch genauer eingehen. Sokratis scheint ein richtig guter Transfer zu sein. Wie Tobias vor dem Spiel schon anmerkte, sieht man seine gute taktische Ausbildung und obwohl er als rechter Verteidiger ranmusste, konnte er viel Druck nach vorne entwickeln (mehr als Fritz zuletzt). Dann fand ich Hunt gestern auch stark verbessert. Er hatte einige gute Aktionen, bereitete unter anderem Thys dicke Chance am Anfang und zudem Rosis 100%-ige kurz vor dem Spielende vor. Hat zwar auch nichts an der Tatsache geändert, dass er wie immer bepöbelt und kritisiert wurde, aber für eine nicht unerhebliche Zahl an Leuten ist er halt ein rotes Tuch. Zum Schluß noch ein paar Worte zu Marin. Wieder hat man gemerkt, dass er in vielen Situationen keine guten Entscheidungen trifft. Für mich ist er derzeit der erste Streichkandidat, um für Ekici in der Startelf Platz zu machen.

Der Start ist gelungen und Leverkusen hat heute auch nicht gerade Bäume ausgerissen beim Start gegen Mainz. Da sollte also am nächsten Samstag durchaus was gehen.

Ein wenig Pathos

Die guten Nachrichten an der Weser sind ja auch eher dünn gesät derzeit. Ich sage nur medial aufgeblasene Schlammschlacht und so. Dabei wird vor allem immer wieder deutlich, dass die meisten Berichte über die Finanzlage bei den Grün-Weißen allenfalls oberflächlich bleiben. Man könnte meinen, dass Peter Zwegat höchstselbst mit seinem Flipchart anrückt und dann erstmal Allofs und Filbry mal eine gepflegten Ausgaben/Einnahmen Aufstellung anfertigen lässt. Ganz gut fand ich eigentlich in diesem Zusammenhang diesen Artikel, der mal einen Fachmann zu Wort kommen lässt, um auch mal das Argument zu entkräften, Werder hätte unsolide gewirtschaftet. Und damit der Verein auch weiterhin handlungsfähig bleibt, steigt man halt auf die Kostenbremse. Wir wollen ja nicht so enden, wie der BVB vor ein paar Jahren.

Aber Zumindest ist unser neuer Innenverteidiger/Philosoph endlich ein Bremer. Herzlich Willkommen, Sokratis. Ein weiterer Name, der in den letzten Tagen immer wieder im Zusammenhang mit möglichen Neuverpflichtungen fällt, ist Aleksander Ignjovski (kurz: Iggy). Vor mehr als 3 Wochen hat er schon den Medcheck in Bremen hinter sich gebracht und wartet seitdem tapfer auf grünes Licht aus der Hansestadt. Und auch wenn nicht der defensive Heiland ist, hat er sich mit diesem Interview im Weser-Kurier schon einen Platz in den Herzen der Werder-Fans gesichert. Meine Lieblingsaussage:

Gibt es denn auch andere Angebote?

Ja, die gibt es. Aber ich habe mit meinem Berater beschlossen, dass Werder Priorität genießt. An andere Vereine verliere ich keinen einzigen Gedanken.“

Schon bemerkenswert, dass der Junge die Angebote anderer Vereine nicht als Drohgebärde gegenüber Werder verwendet, sondern weiter wartet. Hoffen wir, dass das Warten schon bald ein Ende hat.